Blutspendetermin beim DRK-Ortsverein

Genau wie er selbst als Kind von seinem Vater mit zur Blutspende genommen wurde, zeigt Jens Urban seinem Sohn Niklas und seiner Tochter Pia, dass überhaupt nichts dabei ist, wenn Arzthelferin Helga Simon ihm Blut abnimmt. Fotos (7): Ulrike Havermeyer

Dass ich kein Blut spende, ist einer blöden Erkrankung meinerseits geschuldet. Aber mein Mann ist eifriger Spender – und so liegt es nahe, dass wir uns nach der Arbeit zum Blutspendetermin des Ortsvereins Alt-Lotte im DRK-Betreuungszentrum am Saerbecker Damm verabreden. Der eine tut Gutes, die andere schaut neugierig zu und sondiert die allgemeine Spendenlage.

Ganz schön viel los hier, denke ich als ich das DRK-Betreuungszentrum in Alt-Lotte betrete. Im Eingangsbereich hat eine junge Frau auf einem der Polsterstühle Platz genommen und wartet – samt Hund an der Leine – darauf, dass das Herrchen vom Blutspenden zurückkehrt. Was aber noch etwas dauern kann, denn so ein Besuch beim Blutspenden – inklusive Anmeldung, Ausfüllen des Fragebogens (Anamnesebogen), Arztgespräch, Voruntersuchung (Messen von Blutdruck, Puls und Temperatur, Blutabnahme zum Ausschließen von Risiken für Spender und Empfänger, der eigentlichen Spende von rund 500 Gramm Blut, einer etwa zehnminütigen Ruhephase sowie einer ausgiebigen Stärkung – kann schnell mal mehr als eine Stunde in Anspruch nehmen.

Wer Blut spenden möchte, muss fieberfrei sein. Daher wird vor jeder Spende die Körpertemperatur gemessen.

Während die Erwachsenen die verschiedenen Stationen absolvieren, vertreiben sich weiter hinten im Flur ein paar Kinder die Zeit und malen vergnügt Bilderbögen aus. Ehrenamtliche Helfer wuseln emsig im Spende- und Ruheraum herum, beantworten Fragen, erklären Abläufe und begleiten die Spender zu den Entnahmeliegen. „Wir sind hier heute mit 15 Ehrenamtlichen im Einsatz“, erläutert Hannelore Westermann. Sie und ihre Kolleginnen sorgen dafür, dass die Räumlichkeiten im DRK-Gebäude am Saerbecker Damm tipptopp sauber sind und alles vorschriftsmäßig vorbereitet ist für den DRK-Blutspendedienst West aus Münster, dessen Team aus Ärzten, Rettungssanitätern und Arzthelferinnen an diesem Tag die Spende durchführt.

Sie und ihre Kolleginnen kümmern sich um die abschließende Stärkung der Spender: Annegret Biermanski (von links), Gertraud Bilz, Simone Tschöltsch und Hilde Hollmann.

In der Küche werkeln ambitionierte Frauen schon seit Stunden an einem Imbiss für die Blutspender, den weitere ehrenamtliche Unterstützer anschließend servieren – belegte Brote, Rohkost, Kartoffelsalat und Heißwürstchen. Mitten durch den Trubel des Geschehens patrouilliert Manfred Westermann und vergewissert sich, dass alles seinen geregelten Gang geht. Als Blutspendebeauftragter des DRK Ortsvereins kümmert er sich seit 55 Jahren um die Planung, Organisation und das ordnungsgemäße Abwickeln der Blutspendetermine in Alt-Lotte.

Hannelore und Manfred Westermann begleiten meinen Mann durch den Spenderaum.

Man sei zufrieden mit der heutigen Resonanz, zieht Westermann eine erste Zwischenbilanz und nimmt mit einem wohlwollenden Nicken zur Kenntnis, dass sich an der Abgabestation für die sterilen Einmalsysteme gerade eine kleine Schlange gebildet hat, „aber es könnten gerne noch mehr Spender sein“, sagt der 78-Jährige. Allein in Nordrhein-Westfalen würden täglich zwischen 3000 und 3500 Blutkonserven für Geburten, zur Behandlung von Krebspatienten oder bei den verschiedensten Operationen benötigt, heißt es auf der Internetseite des Ortsvereins.

Sehr gelassen erträgt die 19-jährige Marie Meckelburg ihre Blutspende.

„Ich spende jetzt schon das dritte Mal Blut“, erzählt Marie Meckelburg und wirkt sehr entspannt dabei. In der Vene ihres rechten Arms steckt eine Kanüle mit einem dünnen Schlauch daran, durch den ihr Blut langsam in einen Beutel rinnt. Der Beutel, halbvoll mit dem tiefroten Lebenssaft, liegt auf einer Schüttelwaage, die das Blut mit einem gerinnungshemmenden Zusatz vermischt und anzeigt, wann die angestrebte Menge von 500 Gramm erreicht ist. Unangenehm? Die 19-jährige Lotteranerin schüttelt amüsiert den Kopf: „Überhaupt nicht“, sagt sie, „in den Finger gepiekst zu werden finde ich deutlich schlimmer.“ Viele ihrer Kollegen seien sozial engagiert, berichtet die angehende Erzieherin – so sei auch sie letztlich zum Blutspenden gekommen. Die DRK-App auf ihrem Smartphone erinnert sie an den jeweils nächsten Termin in ihrer Heimatgemeinde.

Fester Termin im Jahreskalender

Ein paar Liegen weiter spendet Heike Hölzl ihr Blut: zum 31. Mal. „Ich hoffe, dass ich damit irgendjemandem helfen kann“, sagt die 45-jährige Augenoptikerin aus Lotte, die sich auch in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen hat. Die Termine für die Blutspenden trägt sie routinemäßig in ihren Jahreskalender ein – und nimmt sie routinemäßig wahr. „Die sind fest gesetzt“, lässt sie erst gar keinen Zweifel an ihrer Überzeugtheit von der guten Sache aufkommen, „außer natürlich, wenn ich mal krank bin.“

Niklas und Pia Urban schauen gebannt zu, wie Arzthelferin Helga Simon ihrem Vater Jens das Blut abnimmt.

Zwischen den einzelnen Spenden einer Person müssten mindestens 56 spendenfreie Tage liegen, erläutert Helga Simon vom Blutspendedienst West. Frauen dürften im Laufe von zwölf Monaten höchstens viermal spenden. Die Arzthelferin ist gerade damit beschäftigt, Jens Urban die obligatorischen vier Blutproben vor der eigentlichen Spende abzuzapfen, die über Nacht im Zentrallabor in Hagen ausgewertet werden: Aus Sicherheitsgründen wird das Blut jedes Spenders auf mögliche Infektionskrankheiten getestet. Sollte ein Test positiv ausfallen, wird die jeweilige Spende verbrannt und der Spender informiert. Jens Urban lässt die Prozedur mit einem Lächeln über sich ergehen. Seine beiden Kinder Pia (12 Jahre) und Niklas (7) schauen aufmerksam zu, wie wacker sich ihr Vater beim Spenden schlägt. „Ich selbst bin auch als Kind durch meinen Vater an das Blutspenden herangeführt worden“, erinnert sich der Osterberger, „da war ich ungefähr so alt wie mein Sohn jetzt.“

Den Nachwuchs sensibilisieren

Ihn beizeiten einfach mitzunehmen sei wohl die beste Vorgehensweise, den eigenen Nachwuchs früh genug für das Thema Blutspenden zu sensibilisieren und ihm die Schwellenangst zu nehmen, sind sich auch Manfred Westermann und seine Frau Hannelore einig. Wer spenden will, muss allerdings mindestens 18 Jahre alt sein. Auch bei den Westermanns liegt das Engagement für das DRK in der Familie: Manfred Westermann ist nicht nur Blutspendebeauftragter, sondern auch Gründungsmitglied des DRK Ortsvereins in Alt-Lotte, Hannelore Westermann leitet den DRK-Seniorentreff – und ihr Sohn Dirk, seines Zeichens Rotkreuzleiter beim hiesigen Ortsverein, sitzt an der Anmeldung, begrüßt die Spender und liest ihre Ausweise ein. Auch Enkeltochter Jasmin (15) ist bereits aktiv dabei: Sie leistet ihrem Vater Gesellschaft und verteilt die Fragebögen.

Als einer von insgesamt 96 Blutspendern an diesem Tag nimmt auch mein Mann auf der Entnahmeliege Platz.

Mittlerweile ist auch mein Mann im Betreuungszentrum eingetroffen. Als regelmäßiger Spender ist er mit den standardisierten Abläufen vertraut und macht es sich schon wenig später auf einer der Entnahmeliegen bequem. Wie die Westermanns am nächsten Tag berichten, war er einer von insgesamt 96 Spendern an diesem Abend, darunter vier Erstspender. „Das ist in Ordnung“, sagt Hannelore Westermann und wiederholt eindringlich die Worte ihres Mannes: „Es könnten aber gerne noch mehr Spender werden.“ Denn Blutkonserven würden dringend gebraucht, und die Zahl der Spender in Deutschland nehme leider ab.

Tendenz zum „Wiederholungstäter“

Übrigens: Wer sich zu einer ersten Blutspende überwunden hat, kommt in der Regel wieder. Mehr als 90 Prozent aller Spender sind laut Blutspendedienst West Wiederholungsspender. „Auch wir haben hier sehr viele Mehrfachspender“, bestätigt Manfred Westermann, „aber es sind eigentlich auch jedes Mal Neue dabei.“ Über die nächsten Blutspendetermin im DRK-Betreuungszentrum am Saerbecker Damm 7 informiert das DRK auf der Internetseite www.drk-blutspende.de.

(Erschienen in: Neue Osnabrücker Zeitung, 26. Februar 2020)