{"id":943,"date":"2016-06-10T11:46:58","date_gmt":"2016-06-10T09:46:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=943"},"modified":"2020-07-01T09:16:56","modified_gmt":"2020-07-01T07:16:56","slug":"in-der-ruhe-liegt-die-kraft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=943","title":{"rendered":"In der Ruhe liegt die Kraft"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_944\" aria-describedby=\"caption-attachment-944\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Bogen2b.jpg\" rel=\"attachment wp-att-944\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-944\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Bogen2b.jpg\" alt=\"Aus 25 Prozent Kraft und 75 Prozent Konzentration bestehe ein guter Bogenschuss, sagt \u00dcbungsleiter Manfred Kinne. F\u00fcr Janina (hinten) und ihre Mutter Hannelore geh\u00f6ren aber auch Spa\u00df, Geselligkeit und Entspannung zu ihrem Hobby. Foto: Ulrike Havermeyer\" width=\"1500\" height=\"999\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Bogen2b.jpg 1500w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Bogen2b-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Bogen2b-768x511.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Bogen2b-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Bogen2b-1200x799.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-944\" class=\"wp-caption-text\">Aus 25 Prozent Kraft und 75 Prozent Konzentration bestehe ein guter Bogenschuss, sagt \u00dcbungsleiter Manfred Kinne. F\u00fcr Janina (hinten) und ihre Mutter Hannelore geh\u00f6ren aber auch Spa\u00df, Geselligkeit und Entspannung zu ihrem Hobby. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ob die Steinzeitj\u00e4ger wohl auch Muskelkater bekommen haben, als sie sich \u2013 vermutlich als Erste in der Geschichte der Menschheit \u2013 im sicheren Zielen mit Pfeil und Bogen \u00fcbten? Ich zumindest habe welchen: seit meinem Besuch bei den Bogensportlern des TuS Lotte.<\/strong><\/p>\n<p>Als ahnten sie nichts vom drohenden Beschuss, stehen die dreibeinigen Zielscheibenst\u00e4nder mit ihren farbig geringelten Auflagen geradezu einladend im milden Sonnenschein. Ein paar von ihnen haben sich bis auf zehn, f\u00fcnfzehn Meter an die Schie\u00dflinie herangewagt, das Gros befindet sich in einer Entfernung von 30, 40 oder gar 50 Metern. Zum Training der Bogensportler des TuS Lotte sind an diesem Nachmittag au\u00dfer den Vereinsmitgliedern auch eine komplette Nachbarschaft aus dem Osnabr\u00fccker Stadtteil Atter und eine neugierige Journalistin gekommen: Wir wollen in eine Sportart hineinschnuppern, deren Urspr\u00fcnge man mit Fug und Recht als archaisch bezeichnen darf: Denn egal, ob hungriger Steinzeitj\u00e4ger oder mittelalterlicher Langbogensch\u00fctze \u2013 wer fr\u00fcher die Bogensehne spannte, hatte meistens Blutiges im Sinn. Zum \u00dcberleben. Zum Verteidigen. Oder zum Erobern.<\/p>\n<p><em>Eine Waffe zum Waidwerken?<\/em><\/p>\n<p>Und auch wenn der Deutsche Bogenjagd Verband sich aktuell zum Ziel gesetzt hat, dass\u00a0\u2013 wie derzeit bereits in 17 anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern\u00a0\u2013 auch in Deutschland bald wieder Gr\u00fcnr\u00f6cke mit Pfeil und Bogen zum Waidwerken durchs Unterholz pirschen d\u00fcrfen, so ist die sportliche Variante der Bogenkunst doch durch und durch friedlicher Natur. Wer sich beim TuS Lotte den Zielscheiben n\u00e4hert, tut dies in der Regel, um zu entspannen und den Kopf frei zu bekommen.<\/p>\n<p><em>\u201eSicherheit ist das A und O\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u201eDer Bogen ist laut Gesetz keine Waffe\u201c, erkl\u00e4rt Manfred Kinne, Leiter der Abteilung Bogensport des TuS Lotte, seinen G\u00e4sten, blickt ernst in die Runde und mahnt: \u201eAber behandeln Sie ihn stets wie eine solche.\u201c Sicherheit, betont der \u00dcbungsleiter, sei das A und O des Bogensports. \u201eSicherheit, Sicherheit, Sicherheit; Disziplin, Disziplin, Disziplin; Konzentration, Konzentration, Konzentration\u201c, z\u00e4hlt Kinne auf. Und ich ahne: Die Wiederholung spielt beim Bogenschie\u00dfen eine entscheidende Rolle. \u201eBei einem erfahrenen Bogensportler l\u00e4uft der Bewegungsablauf immer genau identisch ab\u201c, bekr\u00e4ftigt Kinnes Vereinskollege Erwin Bauch. \u201eBeim Training ist es zun\u00e4chst egal, ob ich den gelben Innenkreis treffe \u2013 wichtig ist, dass alle drei Pfeile, die ich abschie\u00dfe, irgendwann ganz dicht beieinander liegen.\u201c Der Weg dorthin: Geduld, Geduld, Geduld.<\/p>\n<p><em>Den Ankerpunkt finden<\/em><\/p>\n<p>Den Pfeil einlegen: gewissenhaft. Das Ziel fokussieren: punktgenau. Die Sehne spannen: mit gleichm\u00e4\u00dfiger Kraft. Den pers\u00f6nlichen Ankerpunkt finden: pr\u00e4zise. Dann: Konzentration, Ruhe, Spannung! \u2013 und den Pfeil l\u00f6sen. Zack! Janina, seit anderthalb Jahren dabei, senkt ihren Bogen und l\u00e4chelt. Drei Pfeile abgeschossen, dreimal ins Gelbe getroffen. \u201eBogenschie\u00dfen ist wie Yoga\u201c, sagt sie. \u201eMan ist ganz bei sich, denkt an nichts anderes und wird vollkommen ruhig.\u201c Doch bevor die 40-J\u00e4hrige Gefahr l\u00e4uft, ihre Leidenschaft g\u00e4nzlich zu verkl\u00e4ren, h\u00e4lt sie mir ihren linken Unterarm entgegen: Trotz des obligatorischen Armschutzes ist ihr Handgelenk aufgesch\u00fcrft. \u201eDas kommt davon, wenn die Sehne des Bogens beim L\u00f6sen gegen die Haut schl\u00e4gt\u201c, seufzt sie. \u201eDreh den Ellenbogen etwas mehr nach au\u00dfen\u201c, empfiehlt Erwin Bauch. Der erfolgreiche Wettkampfsch\u00fctze ist beim Training ein gefragter Ratgeber.<\/p>\n<p><em>Leichter gesagt als getan<\/em><\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nlicher Lehrer hei\u00dft Maximilian, ist 15 Jahre alt und \u2013 wie Manfred Kinne nicht ohne Stolz bemerkt, einer der talentiertesten Jugendlichen des Vereins. Maximilian dr\u00fcckt mir sein Sportger\u00e4t in die Hand und hilft mir dabei, den Pfeil korrekt in die Nocke und auf die Auflage zu friemeln. \u201eJetzt den linken und den rechten Arm auf eine H\u00f6he bringen\u201c, weist er mich an. Mit dem rechten Zeigefinger \u00fcber den Pfeil greifen, mit Mittel- und Ringfinger darunter, die Spitze des kleinen Fingers und des Daumens ber\u00fchren sich. Das Ziel fest in den Blick nehmen. \u201eUnd nun die Sehne spannen.\u201c Leichter gesagt, als getan: Die Kraft, die ich aufwenden muss, bis meine rechte Hand schlie\u00dflich den Ankerpunkt an meinem Kinn erreicht hat und die Sehne des Bogens meine Nasenspitze ber\u00fchrt, bringt die Muskeln in meinem Arm zum Zittern. \u201eUnd jetzt ganz ruhig halten, den Zielpunkt finden \u2013 und l\u00f6sen.\u201c Ich kneife die Augen zusammen, meine Hand wackelt und \u2013 flopp: Der Pfeil streift gut h\u00f6rbar den Zielscheibenst\u00e4nder, bevor er im Gras landet.<\/p>\n<p><em>\u00dcben, \u00dcben, \u00dcben &#8230;<\/em><\/p>\n<p>\u201eEin halbes Jahr lang regelm\u00e4\u00dfiges Training sollte man sich schon zugestehen, bevor man f\u00fcr sich entscheidet, ob das die richtige Sportart ist\u201c, ermuntert mich Erwin Bauch. Die Devise des Bogenschie\u00dfens, die wohl schon unseren Steinzeitvorfahren vertraut gewesen sein d\u00fcrfte, lautet mithin: \u00dcben, \u00dcben, \u00dcben \u2013 und: Muskelkater aushalten, Muskelkater aushalten, Muskelkater aushalten.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung: 08.06.2016; Westf\u00e4lische Nachrichten, 08.06.2016)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob die Steinzeitj\u00e4ger wohl auch Muskelkater bekommen haben, als sie sich \u2013 vermutlich als Erste in der Geschichte der Menschheit \u2013 im sicheren Zielen mit Pfeil und Bogen \u00fcbten? 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