{"id":92,"date":"2015-03-07T12:58:21","date_gmt":"2015-03-07T11:58:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=92"},"modified":"2015-04-24T18:59:06","modified_gmt":"2015-04-24T16:59:06","slug":"92","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=92","title":{"rendered":"Willkommen im Roadster-Paradies"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_93\" aria-describedby=\"caption-attachment-93\" style=\"width: 741px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wp_roadster.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-93\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wp_roadster.jpg\" alt=\"Der tut nichts, der will nur spielen: Ralf Schnitker mit seinem TR6 am Bilster Berg. Foto: Sven J\u00fcrgens\" width=\"741\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wp_roadster.jpg 741w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wp_roadster-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 741px) 100vw, 741px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-93\" class=\"wp-caption-text\">Der tut nichts, der will nur spielen: Ralf Schnitker mit seinem TR6 am Bilster Berg. Foto: Sven J\u00fcrgens<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Von Frank Wiebrock<\/em><br \/>\nBissendorf. Durch gro\u00dfe Fenster f\u00e4llt jede Menge Tageslicht. Der Boden ist \u2013 fast \u2013 frei von \u00d6lflecken. An einem stabilen Werkstattkran h\u00e4ngt ein schwerer Motorblock, auf der Werkbank liegt der \u00fcberholte Zylinderkopf. Auf der Hebeb\u00fchne steht ein offener Sportwagen. Fahrwerk und Bremsen werden gerade \u00fcberholt. So sieht es also aus, das Paradies eines TR6-Fans, ein Biotop f\u00fcr britische Roadster. Nicht irgendwo in England, sondern vor den Toren Osnabr\u00fccks, am Rande von Wissingen. Hier schraubt Ralf Schnitker. In der TR6-Szene hat der 55-J\u00e4hrige einen verdammt guten Ruf.<\/p>\n<p>TR6? F\u00fcr viele ist der 1968 vorgestellte Triumph der letzte echte britische Roadster. Und m\u00f6glicherweise der beste in einer langen Ahnenreihe britischer Sportwagen. Gebaut f\u00fcr enge, kurvige Stra\u00dfen, gebaut f\u00fcr den puren Fahrspa\u00df. Nat\u00fcrlich offen. Und im Gegensatz zu Jaguar und Co bezahlbar. Der ab 1975 bei den H\u00e4ndlern stehende Nachfolger TR7 ist f\u00fcr viele auch heute noch eine klappscheinwerfrige, keilgewordene Missgeburt.<\/p>\n<p>Der hellen Hobbywerkstatt von Ralf Schnitker hinter dem Wohnhaus sieht man an, dass er bei Schoeller auch in der Qualit\u00e4tssicherung gearbeitet hat. Was man so Hobbywerkstatt nennt: Nicht nur die meisten Hinterhof-Werkst\u00e4tten d\u00fcrften schlechter ausgestattet sein. \u201eIch habe schon immer viel Kohle in gutes Werkzeug gesteckt\u201c, beschreibt der TR6-Mann den Preis der Leidenschaft. Und in die Halle wohl auch.<\/p>\n<p>Gutes Werkzeug haben andere m\u00f6glicherweise auch, einen Leistungspr\u00fcfstand, wie Schnitker ihn in seinem 100 Quadratmeter gro\u00dfen Paradies eingebaut hat, aber wohl nicht. Wie kommt man an so etwas ran? Mit Gl\u00fcck, mit guten Kontakten. Und vermutlich auch mit der Begeisterung f\u00fcr Technik. Hier kann der Wissinger neu aufgebaute oder auch getunte Motoren testen, abstimmen und einfahren. Motoren f\u00fcr den TR6. Wof\u00fcr auch sonst?<\/p>\n<p><strong>Umweg \u00fcber den Spitfire<\/strong><br \/>\nDabei ist der Wissinger \u00fcber einen Umweg zum TR6 gekommen. Und abgesehen von einer Automechanikerlehre in jungen Jahren deutete damals nichts auf eine besondere Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr das Roadster-Virus hin. Bis er 1980 an einer Tankstelle in L\u00fcstringen einen roten Triumph Spitfire sah. Ein offener Zweisitzer, bet\u00f6rend sch\u00f6n, aber von zweifelhaftem Ruf.<\/p>\n<p>Zwar hatte der Ur-Spitfire Mitte der 60er-Jahre bei den 24 Stunden von Le Mans den Klasssensieg geholt (alle Mitbewerber waren ausgefallen&#8230;), die vielen M\u00e4ngel der Ende der 70er-Jahre aktuellen Generation hatte der ADAC aber schnell mit der silbernen Zitrone gew\u00fcrdigt. Der \u201eBritish Leyland\u201c-Konzern, zu dem auch Triumph geh\u00f6rte, taumelte seit Jahren von einer Krise in die n\u00e4chste. Und das sorgte f\u00fcr eine \u2013 nennen wir es h\u00f6flich \u2013 stark schwankende, aber stets bescheidene Fertigungsqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der rote Spitfire war schon vergeben, Schnitkers Infektion aber nicht mehr zu stoppen. Trotz der bekannten M\u00e4ngel. \u201eIch habe mich in das Thema eingelesen, mich hat so ein echter Roadster einfach gereizt.\u201c Zur Erinnerung: In Deutschland war damals der Golf das Ma\u00df der Dinge, offene, puristische Sportwagen wurden eigentlich nur noch in England produziert. In M\u00fcnster fand der Wissinger dann einen nagelneuen und inka-gelben Spitfire f\u00fcr 13300 DM. Den hat er noch heute.<\/p>\n<p><strong>Der TR6 war ein Bastelbude<\/strong><br \/>\nEin Jahr sp\u00e4ter lief ihm schlie\u00dflich sein erster TR6 zu: Wenn man den Spiti mag, kann man dem von 1968 bis 1976 gebauten \u201egro\u00dfen Bruder\u201c nur schwer widerstehen: das Armaturenbrett im Wurzelholzlook, die Armaturen von Smith, zwei Sitze in einem eng geschnittenen Cockpit. Die kantigen, fast zeitlosen Formen wurden von Karmann im nahen Osnabr\u00fcck entworfen. Ein Gl\u00fccksfall vermutlich: Viele englische Autokreationen aus der Zeit muten Kontinentaleurop\u00e4ern etwas wunderlich an.<\/p>\n<p>Unter der Haube dominiert wieder klassischer britischer Motorenbau der reinen Lehre: ein langhubiger Sechszylinder. Mit jeder Menge Kraft aus dem Drehzahlkeller. Erkauft allerdings mit einer tiefen Abneigung gegen hohe Dauerdrehzahlen, weil die Kolbengeschwindigkeit fr\u00fch ungesunde Werte erreicht. Zwischen knapp 100 und gut 140 PS wuchtet der Motor in den verschiedenen Ausf\u00fchrungen auf die Hinterr\u00e4der. Genug Leistung f\u00fcr jede Menge Spa\u00df.<\/p>\n<p>Das, was Schnitker da erstanden hatte, war von diesem Ideal allerdings ein gutes St\u00fcckchen entfernt: \u201e11 oder 12 Jahre alt, acht oder neun Vorbesitzer\u201c, schmunzelt der 55-J\u00e4hrige. Eine Bastelbude, von der man eigentlich besser die Finger lassen sollte. Oder eben der Anfang einer Leidenschaft.<\/p>\n<p><strong>Schnitker kennt sich aus mit den Feinheiten<\/strong><br \/>\nDer Wissinger ist nicht nur TR6-Fan und nach \u00fcber 30 Jahren mit diesem Auto unbestritten ein Experte, sondern auch ein Perfektionist. Er kennt sich aus. Mit den Motoren, mit den britischen Gewindema\u00dfen, mit den Schwachstellen des TR6. Und mit dem, was man dagegen tun kann. F\u00fcr Schnitker ist funktionierende Technik wichtiger als das letzte Qu\u00e4ntchen Originalit\u00e4t: \u201eSo ein Auto ist zum Fahren da.\u201c Und damit es f\u00e4hrt, m\u00fcssen die M\u00e4ngel ausger\u00e4umt werden. Doch gerade die gibt es bei den Roadstern aus der \u201eBritish Elend\u201c-Phase erfahrungsgem\u00e4\u00df reichlich.<\/p>\n<p>Gut, dass auch viele Briten ihre Autos lieber fahren als sie poliert in Hallen auszustellen: Fast alle Teile f\u00fcr den TR6 sind heute (wieder) lieferbar, bis hin zum Rahmen. In stark schwankender Qualit\u00e4t \u2013 nat\u00fcrlich. Man muss halt wissen, was es wo gibt. Und ob der angebotene Kram f\u00fcr mehr als die Tonne taugt.<\/p>\n<p>Die b\u00e4renstarken TR6-Sechszylinder \u00fcberholt und optimiert Schnitker liebevoll. In einer Schublade warten eigens gedrehte Ventilf\u00fchren darauf, zusammen mit neuen Ventilen ihren Job in einem optimierten Zylinderkopf anzutreten. In seinem TR hat der Wissinger eine Trijekt-Einspritzung mit integrierter Z\u00fcndung verbaut. Und auf dem Pr\u00fcfstand sauber abgestimmt. Auch um zu zeigen, was geht.<\/p>\n<p>Ausgelutschten Fahrwerken r\u00fcckt er mit neuen Buchsen zu Leibe und stimmt das ganze sauber ab. Das Fahrverhalten ist anschlie\u00dfend kaum wiederzuerkennen. Bremsen werden \u00fcberholt, schlie\u00dflich muss die Leistung des britischen Leichtgewichts auch eingefangen werden. Die n\u00f6tigen Leitungen b\u00f6rdelt er nat\u00fcrlich selbst. Und wo es geht, schmei\u00dft Schnitker die Komponenten der Lucas-Elektrik raus und ersetzt sie durch Bosch-Teile. Nicht nur, weil der Ruf des britischen Zulieferers als \u201eErfinder der Dunkelheit\u201c nicht v\u00f6llig ungetr\u00fcbt ist, sondern vor allem, weil es dann Ersatzteile in guter Qualit\u00e4t bei jedem Autoteileh\u00e4ndler gibt. Wie gesagt: \u201eEin TR6 ist zum Fahren da, daf\u00fcr ist er gebaut.\u201c<\/p>\n<p><strong>Fahrmaschine, auch f\u00fcr die Rennstrecke<\/strong><br \/>\nBlecharbeiten \u00fcberl\u00e4sst Schnitker dagegen anderen. \u201eDazu habe ich keine Geduld.\u201c Schlie\u00dflich will man nicht nur schrauben, sondern auch fahren. Zum Beispiel auf dem Bilster Berg. Bis zu der Rennstrecke bei Bad Driburg sind es von Wissingen aus gerade mal 110 Kilometer. In einem gut hergerichteten TR6 kein Problem, sondern pure Vorfreude.<\/p>\n<p>Und im Winter? Ralf Schnitker hat noch zwei weitere TR6, die auf Wiederbelebung warten. \u201eAbgebrochene Restaurationen\u201c. Nicht von ihm, sondern von den Vorbesitzern. Platz in der Werkstatt ist schlie\u00dflich reichlich vorhanden.<\/p>\n<p>Erschienen am 07. M\u00e4rz 2015 in der <a href=\"http:\/\/www.noz.de\/lokales\/osnabrueck\/artikel\/553609\/willkommen-im-osnabrucker-roadster-paradies#gallery&amp;52385&amp;0&amp;553609\">Neuen OZ<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Frank Wiebrock Bissendorf. Durch gro\u00dfe Fenster f\u00e4llt jede Menge Tageslicht. Der Boden ist \u2013 fast \u2013 frei von \u00d6lflecken. An einem stabilen Werkstattkran h\u00e4ngt ein schwerer Motorblock, auf der Werkbank liegt der \u00fcberholte Zylinderkopf. 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