{"id":66,"date":"2014-05-28T16:52:20","date_gmt":"2014-05-28T14:52:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=66"},"modified":"2020-04-12T10:37:56","modified_gmt":"2020-04-12T08:37:56","slug":"morgens-um-fuenf-wenn-die-farben-noch-schlafen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=66","title":{"rendered":"Morgens um f\u00fcnf &#8211; wenn die Farben noch schlafen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_73\" aria-describedby=\"caption-attachment-73\" style=\"width: 714px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpV\u00f6gel.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-73\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpV\u00f6gel-1024x768.jpg\" alt=\"Morgens um sieben erwachen M\u00f6chsgrasm\u00fccke, Schwarzdrossel und Co. Foto: Ulrike Havermeyer\" width=\"714\" height=\"536\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpV\u00f6gel.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpV\u00f6gel-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-73\" class=\"wp-caption-text\">Hingehorcht: Im Morgengrauen erwachen M\u00f6chsgrasm\u00fccke, Schwarzdrossel und Co. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der unnachgiebig vor sich hin fiepende Wecker zeigt 4:05 Uhr. So fr\u00fch steht doch keine Hupfdohle auf! Nur den zu konditionellen Einbr\u00fcchen im weiteren Tagesverlauf bereiten Vogelfreund zieht es in einer solchen Herrgottsfr\u00fche aus den Federn. Schlie\u00dflich l\u00e4dt die Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) zu ihrer traditionellen Mai-Exkursion ein.<\/strong><\/p>\n<p>Wohl wissend, dass sich auf einem Gang mit den engagierten Umweltspezialisten fundiertes Wissen \u00fcber die hiesige Fauna und Flora erwerben l\u00e4sst, verbrenne ich mir noch schnell die Lippe an einem eilig herunter gest\u00fcrzten Kaffee, bevor ich entschlossen zur Vogelstimmen-Wanderung rund um das Naturschutzzentrum \u201eS\u00e4gem\u00fchle\u201c nach Tecklenburg aufbreche.<\/p>\n<p><em>Warten auf den fr\u00fchen Vogel<\/em><\/p>\n<p>Mit gut 15 anderen ornithologisch beseelten Enthusiasten stehe ich wenig sp\u00e4ter unter einer alten Rotbuche um Manfred Lindenschmidt herum. Manfred Lindenschmidt ist Vogelkundler und momentan unsichtbar. Der Grund: Tiefe Dunkelheit breitet sich nicht nur \u00fcber die umliegende Talaue aus, sondern h\u00fcllt auch unsere verschworene kleine Gemeinschaft ein. Noch keine f\u00fcnf Uhr. In der Stille des jungen Tages stehen wir und warten auf den fr\u00fchen Vogel. Hin und wieder blitzt der Strahl einer Taschenlampe aus der Ferne auf: Dort streichen weitere 15 Unerschrockene unter der F\u00fchrung von Lindenschmidts Kollegen Hubert Ortmann durch den Forst. \u201eLauschen Sie mal genau hin\u201c, fordert der ANTL-Mann uns auf. Doch kein fr\u00f6hliches Zwitschern will das in Nebel verpackte Schweigen durchbrechen.<\/p>\n<p><em>Basislektionen vor Sonnenaufgang<\/em><\/p>\n<p>Lindenschmidt nutzt die Gelegenheit, ein wenig Basiswissen unter das angehende Ornithologen-Volk zu streuen: Warum beginnen die meisten vogelkundlichen Wanderungen bereits vor Sonnenaufgang? \u201eDrei Gr\u00fcnde\u201c, erl\u00e4utert er: \u201eErstens: Viele V\u00f6gel sind kurz nach Sonnenaufgang besonders aktiv. Zweitens: Der Zivilisationsl\u00e4rm des Menschen ist zu dieser Stunde noch gering. Und drittens\u201c, hebt Lindenschmidt die Stimme und seine Silhouette zeichnet sich schemenhaft vor der inzwischen morgend\u00e4mmernden Kulisse ab: \u201eDrittens ist das nat\u00fcrlich auch ein sehr sch\u00f6nes emotionales Erlebnis.\u201c Lautstarke Zustimmung aus dem Unterholz: Ein wom\u00f6glich p\u00e4dagogisch ambitionierter Fasanenhahn hat ein Einsehen und sorgt mit seinem dissonanten Weckruf daf\u00fcr, dass augenblicklich Schluss ist mit der \u2013 dem ornithologischen Erkenntnisgewinn eher abtr\u00e4glichen \u2013 Waldesruh\u2018. Das Konzert beginnt.<\/p>\n<p><em>Wenn die Farben noch schlafen<\/em><\/p>\n<p>Vorsichtig schieben wir uns von Baum zu Baum, von Brutrevier zu Brutrevier. Das kaum zu durchdringende Schwarz des fr\u00fchen Morgens verwandelt sich Schritt f\u00fcr Schritt in h\u00f6lzernes Anthrazit, vielbl\u00e4ttriges Grau und zartes Bl\u00fctenwei\u00df. Die Farben schlafen noch und erwachen deutlich sp\u00e4ter als Rotkehlchen, Blaumeise und Co. Als wanderten wir durch einen alten Schwarz-Wei\u00df-Film. Manfred Lindenschmidt ist nun vollends in seinem Element, schlie\u00dft die Augen, richtet seine Aufmerksamkeit aus, horcht \u2013 und erkl\u00e4rt: Hier verteidigt ein Buchfink laut t\u00f6nend seinen Nistplatz, dort schmettert ein Zaunk\u00f6nig seinen \u2013 wohl nur f\u00fcr den konkurrierenden Artgenossen furchteinfl\u00f6\u00dfenden \u2013 Gesang.<\/p>\n<p><em>Staunen. Lernen. Erkennen<\/em><\/p>\n<p>Zwei Stunden lang h\u00f6ren und sehen wir der Natur beim Erwachen \u00fcber die Schulter. Staunend. Lernend. Und schlie\u00dflich sogar erkennend. Manchmal jedenfalls. Als wir den R\u00fcckweg zur S\u00e4gem\u00fchle antreten, wo die ANTL-Mitglieder ein deftiges Buffet f\u00fcr alle Fr\u00fchaufgestandenen vorbereitet haben, nehmen auch das Gras unter unseren F\u00fc\u00dfen und der Holunder am Wegesrand allm\u00e4hlich ihr vertrautes Tagesgr\u00fcn an.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 28.05.2014; Westf\u00e4lische Nachrichten, 28.05.2014)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der unnachgiebig vor sich hin fiepende Wecker zeigt 4:05 Uhr. So fr\u00fch steht doch keine Hupfdohle auf! 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