{"id":616,"date":"2016-01-20T11:32:10","date_gmt":"2016-01-20T10:32:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=616"},"modified":"2018-03-19T13:42:05","modified_gmt":"2018-03-19T12:42:05","slug":"so-ein-markt-haelt-ein-ganzes-dorf-in-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=616","title":{"rendered":"\u201eSo ein Markt h\u00e4lt ein ganzes Dorf in Bewegung&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_617\" aria-describedby=\"caption-attachment-617\" style=\"width: 2000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Wochenmarkt2b.jpg\" rel=\"attachment wp-att-617\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-617\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Wochenmarkt2b.jpg\" alt=\"Lass dir Zeit und bleib locker: Tulpenh\u00e4ndler Erwin Peterman aus dem niederl\u00e4ndischen Lemselo sch\u00e4tzt das gesellige Flair eines gut funktionierenden Wochenmarktes.\" width=\"2000\" height=\"1276\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Wochenmarkt2b.jpg 2000w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Wochenmarkt2b-300x191.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Wochenmarkt2b-768x490.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Wochenmarkt2b-1024x653.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Wochenmarkt2b-1200x766.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-617\" class=\"wp-caption-text\">Lass dir Zeit und bleib locker: Tulpenh\u00e4ndler Erwin Peterman aus dem niederl\u00e4ndischen Lemselo sch\u00e4tzt das gesellige Flair eines gut funktionierenden Wochenmarktes. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zum Schluss \u2013 das muss einfach sein \u2013 mache ich noch schnell ein Foto von Erwin Peterman und seinen Tulpen. Der freundliche Mann aus Lemselo, Region Twente, Niederlande, ist immer noch damit besch\u00e4ftigt, seinen Blumenstand auf dem Wochenmarkt in Mettingen aufzubauen.<\/p>\n<p><em>Ausflug ins Paralleluniversum<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend bei den anderen H\u00e4ndlern die Waren l\u00e4ngst \u00fcber den Tresen gehen, schleppt Peterman vasenweise bunte, Blatt gewordene Fr\u00fchlingsfrische aus seinem Lkw. Weil er sich so viel Zeit genommen hat f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch mit mir, weil er mir schwer begeistert von seiner Tochter Lorena erz\u00e4hlt hat, die ein echtes Ass im Mountainbiking ist, von seinen Stammkunden, die er zwar nicht mit Namen kennt, deren Gesichter ihn aber oft in Gedanken bis ins heimische Lemselo begleiten, ist er in Verzug geraten. \u201eNoch schnell ein Foto machen?\u201c, wiederholt Erwin Peterman in seinem breiten, holl\u00e4ndischen Akzent und tut wesentlich emp\u00f6rter, als er in Wirklichkeit ist. \u201eWarum muss denn bei euch blo\u00df immer alles so schnell gehen?\u201c, schmunzelt er: \u201eLass dir doch einfach Zeit und bleib locker.\u201c Ich gebe zu: Die Aufforderung, langsam und mit Bedacht zu arbeiten, habe ich schon viel zu lange nicht mehr geh\u00f6rt. Sie k\u00f6nnte zugleich als Credo \u00fcber dem kleinen Wochenmarkt schweben, der wohl manchem, auf Effizienz geeichten Kunden, einen p\u00e4dagogisch wertvollen Ausflug in ein komplett entschleunigtes Paralleluniversum gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p><em>&#8222;Hochwertiges und vielf\u00e4ltiges Angebot&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Drei rote Paprika. Ein Bund Radieschen. F\u00fcnf M\u00f6hren. Ein Str\u00e4u\u00dfchen glatte Petersilie \u2013 nein, doch lieber die krause. Sieben Tomaten und eine Handvoll Feldsalat. \u201eSo recht?\u201c, fragt Christel Piper-Stoy und versenkt das gesunde Allerlei in den mitgebrachten Flechtkorb der Kundin, die noch einmal gewissenhaft die Auslage sichtet. \u201eAch, dann geben sie mir bitte noch eine Zitrone und zwei rote Beete.\u201c Am Bioland-Stand von Klaus Jaschinski aus Ibbenb\u00fcren, der seit mehr als 30 Jahren auf dem Mettinger Wochenmarkt vertreten ist, herrscht reger Betrieb. \u201eIch komme jeden Donnerstag hierher, um frisches Obst und Gem\u00fcse zu besorgen\u201c, erkl\u00e4rt eine grau melierte Dame, die sich geduldig in die Warteschlange eingereiht hat: \u201eEine gesunde Ern\u00e4hrung ist mir wichtig, und ein so hochwertiges und vielf\u00e4ltiges Angebot wie hier, gibt es hier in den Gesch\u00e4ften vor Ort einfach nicht.\u201c W\u00e4hrend Christel Piper-Stoy, die zwei Jahrzehnte lang einen eigenen Bioladen betrieben hat und in ihrer Freizeit nichts lieber tut, als sich mit ihren beiden Rauhaardackeln zu besch\u00e4ftigen \u2013 w\u00e4hrend sich also Christel Piper-Stoy aufmerksam um die n\u00e4chste Kundin k\u00fcmmert, entspinnt sich unter den Wartenden eine muntere Unterhaltung. Die rustikale Atmosph\u00e4re zwischen witterungsbest\u00e4ndigen Plastikplanen und Heizstrahlern animiert zu kommunikativer Offenheit. Eilig scheint es hier keiner zu haben.<\/p>\n<p><em>Viel westf\u00e4lischer geht es nicht<\/em><\/p>\n<p>Gr\u00fcnes K\u00e4ppi, gr\u00fcner Wollpullover, gr\u00fcne Weste, gr\u00fcne Hose \u2013 kommt mir Franz Fischer entgegen gestiefelt. Viel westf\u00e4lischer geht es nicht. An seinem Stand wird Platt gesprochen. Gehandelt werden: Kartoffeln. Selbst angebaut und selbst geerntet \u2013 frisch aus der Nachbargemeinde Recke. Wie lange er schon zu den Wochenm\u00e4rkten in der Umgebung f\u00e4hrt, wei\u00df er auch nicht mehr so genau. \u201eZwei Jahre will ich das aber noch durchhalten\u201c, verr\u00e4t Fischer und nickt entschlossen: \u201eDann bin ich 85.\u201c Ich betrachte den wettergegerbten, lebhaft gestikulierenden Landwirt vor mir und staune. Fischer nickt vergn\u00fcgt und l\u00e4sst seiner Gespr\u00e4chigkeit die Z\u00fcgel schie\u00dfen. Die Nachfolge auf seinem Familienbetrieb, erz\u00e4hlt der Senior sichtlich zufrieden, die sei gesichert: Sein Sohn ist mit im Boot, einer der Enkel lieb\u00e4ugele auch bereits mit dem Landleben \u2013 und vielleicht ja sogar mit dem Kartoffelanbau.<\/p>\n<p><em>&#8222;Wir sind keine Aushilfen, sondern Fachleute&#8220;<\/em><\/p>\n<p>\u201eEin funktionierender Wochenmarkt zeichnet sich durch eine lebendige Wechselbeziehung zwischen den Anbietern und den Kunden aus\u201c, beschreibt Obst- und Gem\u00fcseh\u00e4ndler Frank Schmieding aus Osnabr\u00fcck die gewachsenen Strukturen des Mettinger Marktes. \u201eWir sind hier alle keine Aushilfen, die zuf\u00e4llig f\u00fcr ein paar Stunden die St\u00e4nde betreuen, sondern k\u00f6nnen als Fachleute \u00fcber unser komplettes Angebot Auskunft geben.\u201c Wunschlos gl\u00fccklich ist Schmieding dennoch nicht: \u201eGerade das Marketing in den kleineren Gemeinden sollte das besondere Flair eines guten Wochenmarktes st\u00e4rker in die \u00d6ffentlichkeit tragen und zur Aufwertung des eigenen Ortes nutzen.\u201c Oder, wie es Erwin Peterman, der noch immer K\u00fcbel um K\u00fcbel voller duftender Tulpen aus den Tiefen seines Lkw hervor zaubert, formuliert: \u201eSo ein Markt h\u00e4lt ein ganzes Dorf in Bewegung \u2013 und das ist doch gut, oder?\u201c<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 02.2015)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Schluss \u2013 das muss einfach sein \u2013 mache ich noch schnell ein Foto von Erwin Peterman und seinen Tulpen. 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