{"id":4555,"date":"2020-04-08T12:58:31","date_gmt":"2020-04-08T10:58:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=4555"},"modified":"2020-04-08T12:58:31","modified_gmt":"2020-04-08T10:58:31","slug":"laesst-hoffnung-sich-auch-virtuell-vermitteln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=4555","title":{"rendered":"L\u00e4sst Hoffnung sich auch virtuell vermitteln?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_4556\" aria-describedby=\"caption-attachment-4556\" style=\"width: 2000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Draif01b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4556\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Draif01b.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1251\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Draif01b.jpg 2000w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Draif01b-300x188.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Draif01b-768x480.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Draif01b-1024x641.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Draif01b-1200x751.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4556\" class=\"wp-caption-text\">Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Schlie\u00dfung aller Museen ist die Ausstellung &#8222;Hoffnung&#8220; der Draiflessen Collection derzeit nur online zu sehen. Fotos\/Screenshot (3\/1): Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ironie des Schicksals? Spiritueller Paukenschlag? Oder einfach nur Zufall? Ausgerechnet die Ausstellung mit dem tiefgr\u00fcndigen Titel \u201eHoffnung\u201c der Mettinger Draiflessen Collection f\u00e4llt in die bedr\u00fcckende Zeit der Corona-Krise und ist deshalb \u2013 zumindest f\u00fcrs Erste \u2013 nicht vor Ort zug\u00e4nglich. Das Team um Kuratorin Andrea Kambartel hat die Kunstschau daher kurzerhand ins Internet verlegt. Ein digitaler Museumsbesuch \u2013 funktioniert das?<\/strong><\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte auf Jute getippt. Aber der Erkl\u00e4rtext zu Michael Buthes Werk \u201eHoffnung\u201c (1982) belehrt mich, dass der h\u00f6lzerne Boden des Weinfasses, den der K\u00fcnstler ins Zentrum seiner Arbeit ger\u00fcckt hat \u2013 und der sogar als \u00e4therisches Lichtobjekt komplett substanzlos auf dem Bildschirm noch gen\u00fcgend Kraft entwickelt, dass er den Blick des Betrachters gefangen h\u00e4lt \u2013 de facto nicht mit Stoff, sondern mit Blattgold \u00fcberzogen ist. Hmm\u2026 Blattgold&#8230; In echt w\u00e4re mir das wohl nicht entgangen. Vielleicht w\u00e4re ich ein bisschen n\u00e4her an die matt funkelnden Planken herangetreten, h\u00e4tte den Kopf schief gelegt, die Knie leicht gebeugt, um verschiedene Lichteinf\u00e4lle auf die Oberfl\u00e4che und ihre Wirkung auf das Material und auf mich zuzulassen. Und k\u00f6nnte mich wom\u00f6glich gar nicht satt sehen an dem atemberaubenden Kontrast, den die massiven, nun also golden funkelnden Holzbretter zu dem hauchzarten Kranz aus wei\u00dfen Strau\u00dfenfedern bilden d\u00fcrften, der sie filigran umspielt. H\u00e4tte. W\u00e4re. K\u00f6nnte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/museum-mettingen-geschlossen.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-4564\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/museum-mettingen-geschlossen-300x149.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"276\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/museum-mettingen-geschlossen-300x149.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/museum-mettingen-geschlossen-768x381.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/museum-mettingen-geschlossen-1024x509.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/museum-mettingen-geschlossen.jpg 1198w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jetzt pr\u00e4sentiert das Draiflessen-Team die zehn Werke \u2013 Gem\u00e4lde, Skulpturen, Installationen, Fotografien, ein Videofilm \u2013 aus dem 20. und 21. Jahrhundert, die den finalen Teil der Ausstellungstrilogie \u201eGlaube-Liebe-Hoffnung\u201c bilden, notgedrungen unter dem Motto \u201eClosed but Open\u201c auf seiner Homepage als zweidimensional begrenztes, virtuelles Kunsterlebnis. Und demonstriert dadurch eindrucksvoll, wie sich mit einem beherzten Kunstgriff der Spie\u00df des Corona-Frustes umdrehen l\u00e4sst: das Prinzip Hoffnung in Echtzeitanwendung. Unfreiwillig aktuell und geradezu be\u00e4ngstigend relevant. Aber: Taugt das digitale Museum als Ersatz f\u00fcr analoge Sinneseindr\u00fccke?<\/p>\n<p><em>Wie kommuniziert man mit einem Kunstwerk?<\/em><\/p>\n<p>Bed\u00e4chtig scrolle ich mich von Joseph Beuys zu Anna Oppermann, von Antoni T\u00e0pies zu Wolfgang Mattheuer. Klicke hier einen Audioimpuls von Kuratorin Andrea Kambartel an, dort ein eigentlich f\u00fcr das j\u00fcngere Publikum konzipiertes Arbeitsblatt. St\u00f6bere in den Blogbeitr\u00e4gen und den Kommentaren der G\u00e4ste herum. Und f\u00fchle mich trotz aller gut gemeinten und gut gemachten Museumsp\u00e4dagogik doch merkw\u00fcrdig alleine. Denn selbst wenn ich mit dem Finger \u00fcber das Display streiche, bleiben mir Beuys Schlitten und Lee Buls Cyborg fern. Und ich ihnen. H\u00e4tte das Coronavirus nicht das \u00f6ffentliche Leben lahmgelegt und w\u00e4ren nicht s\u00e4mtliche kulturelle Angebote abgesagt, k\u00f6nnte man sich die kunstgewordenen Hoffnungstr\u00e4ger auch direkt im Museum anschauen \u2013 die Exponate sind allesamt vorhanden und aufgebaut. Die Infozettel liegen bereit. Die Guides f\u00fcr die F\u00fchrungen sind geschult. H\u00e4tte. W\u00e4re. K\u00f6nnte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4565\" aria-describedby=\"caption-attachment-4565\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/KunstG06.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-4565\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/KunstG06-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"370\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/KunstG06-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/KunstG06-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/KunstG06-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/KunstG06-1200x800.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/KunstG06.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4565\" class=\"wp-caption-text\">Offene T\u00fcren luden noch zum Flanieren durch die ersten beide Teilen der Ausstellungstrilogie Glaube-Liebe-Hoffnung ein. Derzeit m\u00fcssen sich Kunstfreunde mit einem Online-Besuch begn\u00fcgen.<\/figcaption><\/figure>\n<p>W\u00e4hrend mich die Fotografie \u201eGrandpa Goes to Heaven\u201c (1989) von Duane Michals und die Zeichnung \u201eDie Spur f\u00fchrt \u00fcber den Berg\u201c (1995) von Philippe Vandenberg, die beide eher puristisch gestaltet sind und auf Farbigkeit und optische Effekte verzichten, auch auf dem Monitor durchaus ansprechen, will der Funke bei anderen Arbeiten allerdings nicht sofort \u00fcberspringen. Was fehlt? Vielleicht liegt es daran, dass die virtuell pr\u00e4sentierten Exponate trotz ihrer unbestreitbaren Faszination am Ende dann doch flach und in der gleichf\u00f6rmigen Starre ihrer Perspektive und ihres Formats gefangen bleiben. Wer sich der Kunst ann\u00e4hern und einen individuellen Zugang zu ihr finden m\u00f6chte, der geht am besten ein paar Schritte auf sie zu. In echt. Um sie herum. Probiert unterschiedliche Blickwinkel aus. L\u00e4sst ungewohnte Perspektiven zu. Nimmt zugleich auch den Raum wahr, der sie zum Wirken bringt. Die Architektur, die sie umgibt. Das besondere Licht im Museum. Die meditative Atmosph\u00e4re. Die konzentrierte Stille, die nur manchmal vom Gemurmel der anderen Museumsbesucher durchbrochen wird. Flaniert entspannt durch ein buntes, reizvolles, inspirierendes, provozierendes und so wunderbar von der Materie gepr\u00e4gtes Paralleluniversum voller Indikative \u2013 hat, ist, wird.<\/p>\n<p><em>Vieles ist (noch) m\u00f6glich<\/em><\/p>\n<p>Fast schon vision\u00e4r schreibt das Museums-Team im Einleitungstext zur Ausstellung: \u201eDie Draiflessen Collection widmet sich (\u2026) dem Konzept Hoffnung als einem Prinzip der Offenheit gegen\u00fcber faktisch (noch) nicht verf\u00fcgbaren M\u00f6glichkeiten\u201c. Von denen gibt es in Zeiten der aktuellen Corona-Pandemie erschreckend viele. Gut also, dass die Mettinger Kulturschaffenden ein digitales Schlupfloch eingerichtet haben, das es jedem Kunstinteressierten nun erm\u00f6glicht, vom eigenen Schreibtisch oder Sofa aus kostenlos und rund um die Uhr die Ausstellung zu besuchen. Und beim allabendlichen Betrachten eines mit Blattgold \u00fcberzogenen Weinfassbodens fest daran zu glauben, diesem auch bald in der realen Welt gegen\u00fcbertreten zu k\u00f6nnen. Hoffentlich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4566\" aria-describedby=\"caption-attachment-4566\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DraiflClosed.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-4566\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DraiflClosed-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"370\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DraiflClosed-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DraiflClosed-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DraiflClosed-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DraiflClosed-1200x800.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DraiflClosed.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4566\" class=\"wp-caption-text\">Ob das Museum nach Ostern \u00f6ffnen kann, steht zurzeit noch in den Sternen. Niemand kann absehen, wann sich die Pandemie abschw\u00e4cht und sich die Lage wieder entsch\u00e4rft.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Ausstellung \u201eHoffnung\u201c ist noch bis zum 21. Juni 2020 in der Draiflessen Collection in Mettingen, Georgstra\u00dfe 18, aufgebaut. Vorerst ist sie wegen der aktuellen Corona-Pandemie bis einschlie\u00dflich 14. April geschlossen und nur \u00fcber die Homepage des Museums auf <a href=\"http:\/\/www.draiflessen.com\">www.draiflessen.com<\/a> oder dessen Social-Media-Kan\u00e4le (Facebook: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/DraiflessenCollection\">@DraiflessenCollection<\/a>; Instagram: <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/draiflessencollection\">@draiflessencollection<\/a>; Twitter: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/draiflessencoll\">@draiflessencoll<\/a>) zug\u00e4nglich. Dort finden sich auch alle weiteren Informationen.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 2. April 2020)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ironie des Schicksals? Spiritueller Paukenschlag? Oder einfach nur Zufall? 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