{"id":407,"date":"2015-10-03T13:03:54","date_gmt":"2015-10-03T11:03:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=407"},"modified":"2019-10-05T13:57:59","modified_gmt":"2019-10-05T11:57:59","slug":"wenn-sich-der-jaguar-durch-den-maisdschungel-frisst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=407","title":{"rendered":"Wenn sich der Jaguar durch den Maisdschungel frisst"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_408\" aria-describedby=\"caption-attachment-408\" style=\"width: 714px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Mais1b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-408\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Mais1b-1024x675.jpg\" alt=\"Durch ein Meer aus welken Bl\u00e4ttern und reifen Kolben lenkt Jens Hoge den \u201aJaguar\u2018. Wenn es gut l\u00e4uft, frisst sich der Feldh\u00e4cksler durch rund 2,5 Hektar Mais pro Stunde.\" width=\"714\" height=\"471\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Mais1b-1024x675.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Mais1b-300x198.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Mais1b-1200x791.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Mais1b.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-408\" class=\"wp-caption-text\">Durch ein Meer aus welken Bl\u00e4ttern und reifen Kolben lenkt Jens Hoge den \u201aJaguar\u2018. Wenn es gut l\u00e4uft, frisst sich der Feldh\u00e4cksler durch rund 2,5 Hektar Mais pro Stunde. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Rentner, die mit ihrem Dackel Gassi gehen, halten inne. Junge M\u00fctter parken ihre kleinkindbeladenen Buggys und staunen mit dem Nachwuchs um die Wette. Joggende Mittdrei\u00dfiger erstarren in der Bewegung: Wenn fr\u00fch am Morgen der Jaguar durch den Dschungel gleich neben dem B\u00fcrgersteig bricht, dann ahnt auch der Nichtlandwirt, dass der regionale Ackerbau gro\u00dfe emotionale Momente birgt. Die herbstliche Maisernte, zu der sich die st\u00e4hlernen Giganten \u2013 vom 460-PS-starken Feldh\u00e4cksler, Typ \u201aJaguar Speedster\u2018, bis zum viele Tonnen schweren Allrad-Schlepper \u2013 treffen, geh\u00f6rt zweifellos dazu.<\/p>\n<p><em>40 Fu\u00dfballfelder Winterfutter<\/em><\/p>\n<p>Morgens um sieben hat die Ernte l\u00e4ngst begonnen. Norbert Lamping stiefelt \u00fcber den flockigen H\u00fcgel. Einen gelben Plastikrechen in der Hand, formt der Landwirt aus Alt-Lotte den fein geh\u00e4ckselten Futtermais zu einer sauberen Abschlusskante. Ein paar Meter neben ihm erledigt der Walzentraktor das Grobe \u2013 und, zugegeben, auch das Meiste: Mit einem riesigen Planierschild ebnet der \u201aNew Holland\u2018 die Winternahrung f\u00fcr Lampings Mastbullen ein. Der rund 14 Tonnen schwere Schlepper verdichtet die herb duftende Masse unter seiner breiten Zwillingsbereifung. 28 Hektar Mais \u2013 umgerechnet eine Fl\u00e4che von etwa 40 Fu\u00dfballfeldern \u2013 verwandeln sich hier in zwei kompakte Silagehaufen.<\/p>\n<p><em>Mit offenem Mund und gro\u00dfen Augen<\/em><\/p>\n<p>Im F\u00fcnf-Minuten-Takt sorgen drei Transportgespanne, die zwischen Maisacker und Hofstelle hin und her pendeln, daf\u00fcr, dass beim Planieren und Harken, Schaufeln und Rangieren nur ja kein Leerlauf entsteht: Mit jedem Silagewagen landen etwa 40 Kubikmeter Mais vor Norbert Lampings gelbem Rechen und den Frontladerschaufeln seiner Mitstreiter: Nachbarn, Bekannte und die eigene Familie packen mit an, um das Gro\u00dfereignis zu stemmen. Lampings Sohn Christian, einer der drei Gespannfahrer, nimmt mich auf seinem Schlepper mit zum rund f\u00fcnf Kilometer entfernten Maisacker. Denn der Star der Maisernte, der Leistungstr\u00e4ger, der Publikumsliebling ist doch unbestritten der Feldh\u00e4cksler, der flink und wendig durch den bis zu 3,50 Meter hohen Stangenwald aus Maispflanzen man\u00f6vriert und sich mit seinem furchteinfl\u00f6\u00dfenden Gebiss eine Schneise durch die Vegetation frisst. Unter den bohrenden Blicken der Rentner und Hausfrauen, der Jogger und der kleinen Jungs stolpere ich \u00fcber das Stoppelfeld auf die vierr\u00e4derige Raubkatze zu, erklimme die Au\u00dfenleiter des \u201aJaguar\u2018 und zw\u00e4nge mich in die schallgesch\u00fctzte Kabine. In der gl\u00e4sernen Machtzentrale der Maisernte begr\u00fc\u00dft mich Jens Hoge. Der 45-j\u00e4hrige Servicetechniker b\u00e4ndigt seit mehr als 25 Jahren die Feldh\u00e4cksler des Lohnunternehmers Friedrich-Wilhelm Wienk\u00e4mper aus Wersen. Nein, er komme nicht vom Bauernhof, erkl\u00e4rt er mir. \u201eIch bin einer von denen, die als Kind mit offenem Mund und gro\u00dfen Augen am Ackerrand gestanden haben.\u201c<\/p>\n<p><em>Acht Reihen Mais auf einen Happs<\/em><\/p>\n<p>Hoge versorgt mich mit technischen Details: Sechs Meter breit ist das gewaltige Gebiss, in dem acht Reihen Mais gleichzeitig verschwinden. Ich starre auf das Meer aus welken Bl\u00e4ttern und reifen Kolben, durch das der H\u00e4cksler in bed\u00e4chtigem Tempo schnurrt. Vor uns knicken die Pflanzen wie lautlos ab, bauschen sich in einer Welle aus St\u00e4ngel-Wirrwarr und werden in die zentrale Messertrommel gezogen, um dann wenige Sekunden sp\u00e4ter als sieben Millimeter lange Schnitzel durch die \u201ePfeife\u201c auf den Silagewagen geblasen zu werden. \u201eWenn es gut l\u00e4uft\u201c, sagt Hoge, \u201eschafft der H\u00e4cksler zwischen zweieinhalb und drei Hektar Mais pro Stunde.\u201c Gut laufen hei\u00dft: Trockenes Wetter, g\u00fcnstig zugeschnittene Felder, ein eingespieltes Team von Fahrern und keine Fremdk\u00f6rper im Mais, die die Technik lahm legen.<\/p>\n<p>Auf den Zentimeter genau lenkt Hoge den Jaguar an den Gartenz\u00e4unen der unmittelbar neben dem Acker gewachsenen Siedlung entlang, vorbei an Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben, Garagenw\u00e4nden und Koniferenhecken. Immer auf Tuchf\u00fchlung folgt ihm das Gespann aus Schlepper und Silagewagen: Perfekte Abstimmung ist alles. Es geht auf Mittag zu. Wenn sich das Wetter h\u00e4lt, vermutet der 45-j\u00e4hrige Wersener, d\u00fcrften die 40 Fu\u00dfballfelder von Norbert Lamping am sp\u00e4ten Nachmittag abgeerntet sein. Und dann \u2013 Feierabend? Von wegen! Dann geht es nahtlos weiter bei Lampings Kollegen Hendrik Roloff: Rund um dessen Hof warten die n\u00e4chsten 35 Hektar, sprich: 50 Fu\u00dfballfelder voller Mais darauf, von Hoge und seinem Jaguar verschlungen zu werden.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 10.2014; Westf\u00e4lische Nachrichten, 10.2014)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rentner, die mit ihrem Dackel Gassi gehen, halten inne. Junge M\u00fctter parken ihre kleinkindbeladenen Buggys und staunen mit dem Nachwuchs um die Wette. 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