{"id":3969,"date":"2019-08-20T20:36:41","date_gmt":"2019-08-20T18:36:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3969"},"modified":"2019-08-20T20:36:41","modified_gmt":"2019-08-20T18:36:41","slug":"wenn-der-glaube-sandduenen-versetzt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3969","title":{"rendered":"Wenn der Glaube Sandd\u00fcnen versetzt&#8230;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3971\" aria-describedby=\"caption-attachment-3971\" style=\"width: 2000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG04b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3971\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG04b.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1257\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG04b.jpg 2000w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG04b-300x189.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG04b-768x483.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG04b-1024x644.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG04b-1200x754.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3971\" class=\"wp-caption-text\">An was mag wohl Kuratorin Barbara Segelken glauben, wenn sie sich die (Toten-)Maske von Paul Thek anschaut? Die Mettinger Ausstellung setzt auf die M\u00fcndigkeit des Betrachters. Fotos (3): Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>In der aktuellen Draiflessen-Ausstellung versetzt der Glaube Berge. Oder zumindest: eine Sandd\u00fcne. Raufende Engel tragen 1970er-Jahre-Schlaghosen. Und die Unendlichkeit verwandelt Sorgen und Zweifel in zuversichtliches Gelb. <\/strong><\/p>\n<p>Nur acht Exponate bilden den ersten Teil der Ausstellungs-Trilogie Glaube-Liebe-Hoffnung. Sie konfrontieren den Betrachter nicht blo\u00df mit existenziellen Fragen, sondern laden auch dazu ein, sich dem Konzept der Slow Art zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Die Idee, sich auf wenige Objekte zu beschr\u00e4nken, sei m\u00f6glicherweise gewagt, r\u00e4umt Kuratorin Barbara Segelken freim\u00fctig ein. Ein Experiment. Eine Herausforderung f\u00fcr die Mettinger Ausstellungsmacher, aber vor allem: eine Chance f\u00fcr die Besucher. \u201eWir wollen den Kunstwerken ihren Raum und den Besuchern die Gelegenheit geben, sich intensiv mit jeder einzelnen Arbeit auseinanderzusetzen\u201c, sagt Segelken \u2013 und l\u00e4chelt dabei auffallend entspannt: Denn eine erste Zwischenbilanz deutet bereits an, dass diese Art der Pr\u00e4sentation \u201ehier sehr gut funktioniert\u201c.<\/p>\n<p><em>Eine erschreckend fl\u00fcchtige Beziehung<\/em><\/p>\n<p>Lediglich elf Sekunden verbringe ein Betrachter im Schnitt vor einem Kunstwerk, zitiert die Wochenzeitung \u201eDie Zeit\u201c im April 2012 eine Studie des Kulturwissenschaftlers Martin Tr\u00f6ndle von der Zeppelin-Universit\u00e4t in Friedrichshafen. Um ihre Besucher zu einem achtsameren Kunsterlebnis zu bewegen, m\u00fcssten die Museen mithin \u201ekleiner, ruhiger und leerer werden\u201c, schlussfolgert Die Zeit. Die Zukunft geh\u00f6re nicht l\u00e4nger dem \u201eBlockbuster-Gedr\u00e4ngel\u201c, sondern vielmehr \u201eder Kontemplation\u201c \u2013 dem beschaulichen Sichversenken.<\/p>\n<p>Ganz im Sinne dieser Slow Art setzt die Ausstellung in den weitl\u00e4ufigen R\u00e4umen der Draiflessen Collection daher statt auf s\u00e4ttigende Vielfalt auf die in dem Zeit-Artikel geforderte \u201eAtmosph\u00e4re des Verweilens und der Intimit\u00e4t\u201c. \u201eWir haben den Parcours bewusst \u00fcberschaubar gehalten, damit das Gef\u00fchl des Gehetzt-Seins erst gar nicht entsteht\u201c, erl\u00e4utert\u00a0 Kuratorin Barbara Segelken. Denn \u00e4hnlich wie die Besucher in einem Zoo, h\u00e4tten auch viele Kulturinteressierte in einem Museum oft den Anspruch, s\u00e4mtliche gezeigte Exponate abarbeiten zu m\u00fcssen. Und dass das Abhaken einer kulturellen To-Watch-Liste in der Regel zulasten der Wahrnehmung von \u00c4sthetik und Tiefe geht, d\u00fcrften viele Kunstbeflissene aus eigener Erfahrung wissen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3972\" aria-describedby=\"caption-attachment-3972\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG01b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3972\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG01b-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"370\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG01b-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG01b-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG01b-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG01b-1200x800.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG01b.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3972\" class=\"wp-caption-text\">150 Begriffe schweben \u00fcber die Leinwand und laden zum Nachdenken ein.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit entsprechend viel Mu\u00dfe geleitet Segelken an diesem Abend die rund zwei Dutzend G\u00e4ste, die an der \u00f6ffentlichen F\u00fchrung teilnehmen, durch die Ausstellung. Gleich im Entree wird die Gruppe von einer \u00fcppigen Sitzlandschaft empfangen, die vor einer 14 Meter breiten Wandprojektion zum Entschleunigen einl\u00e4dt. \u201eVergebung\u201c, \u201eTruth\u201c, \u201eVerschijning\u201c \u2013 rund 150 Begriffe schweben in Englisch, Niederl\u00e4ndisch und Deutsch \u00fcber die Leinwand. Und wer den Assoziationen nachh\u00e4ngen will, die beim Lesen dieser W\u00f6rter im eigenen Kopf aufsteigen, dem bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als sich Zeit zu nehmen. Die pers\u00f6nlichen Gedanken und Haltungen zu be- oder vielleicht sogar zu hinterfragen. Und schon ist man mittendrin im Thema der Ausstellung: An was glaube ich eigentlich? Und warum? Wie verbindlich ist dieser Glaube? Was bewirkt er?<\/p>\n<p><em>Glaube an Ver\u00e4nderungen<\/em><\/p>\n<p>Der 1959 in Belgien geborene K\u00fcnstler Francis Al\u00ffs glaubt beispielsweise an die Kraft der Gemeinschaft, wenn es darum geht, \u00fcbermenschliche, scheinbar bis zur Unbeweglichkeit erstarrte Strukturen zu ver\u00e4ndern. In seiner Installation dokumentiert er, wie er mithilfe von 500 Freiwilligen am Stadtrand von Lima eine Sandd\u00fcne an einem Tag um zehn Zentimeter versetzt. Nicht immer ganz so klar und leicht zug\u00e4nglich sind die Botschaften der \u00fcbrigen Exponate. Manchmal ist es ein Ringen und Raten. Oder ein vages Glauben daran, dass \u00fcberhaupt eine Aussage dahintersteckt. Was wollen \u201eDer Engel und sein Schatten\u201c von Michael Buthe oder das \u201eGerundete Gelb\u201c von Rupprecht Geiger uns sagen? Was l\u00f6sen sie in uns aus? Was wollen sie uns glauben machen?<\/p>\n<p>Segelken und ihr Team vertrauen auch hier auf die M\u00fcndigkeit des Betrachters. Wer dem Kunstwerk offen \u2013 und geduldig! \u2013 gegen\u00fcbertritt, der wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter sp\u00fcren, wie die Farben, die Formen oder auch das Befremdende der Darstellung die eigene Wahrnehmung anregt und die Fantasie zu neuen Verkn\u00fcpfungen und Gedankenspielen inspiriert. Weil allzu viele Vorkenntnisse oder Hintergrundinformationen beim individuellen Genie\u00dfen in Slow Art-Manier schon mal hinderlich wirken k\u00f6nnen, haben die Mettinger \u2013 wie bereits bei vorherigen Ausstellungen \u2013 auf ablenkende Erkl\u00e4r-Texte neben den Exponaten verzichtet. Fakten und Interpretationsangebote finden sich auf separaten Abrei\u00df-Zetteln, die die Besucher nutzen k\u00f6nnen \u2013 oder auch nicht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3970\" aria-describedby=\"caption-attachment-3970\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG02b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3970\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG02b-300x177.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"327\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG02b-300x177.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG02b-768x453.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG02b-1024x604.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG02b-1200x708.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KunstG02b.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3970\" class=\"wp-caption-text\">Viel Zeit zum Schauen bietet die Slow Art-Ausstellung.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und wer auf weitergehende Informationen nicht verzichten m\u00f6chte, kann sich an einer von drei H\u00f6rstationen ein Gespr\u00e4ch zwischen Museumsdirektorin Corinna Otto, Kuratorin Barbara Segelken und ihrem Team anh\u00f6ren, in dem sie ihre Vorstellungen des Ausstellungs-Konzeptes verdeutlichen. An einer weiteren H\u00f6rstation werden kunstwissenschaftliche Texte eingelesen, an der dritten Station l\u00e4dt Musik zum Entspannen und Nachsinnen \u00fcber das Gesehene ein.<\/p>\n<p>Die Ausstellung \u201eGlaube\u201c ist noch bis zum 18. August 2019 in der Draiflessen Collection in Mettingen, Georgstra\u00dfe 18, zu sehen. \u00d6ffnungszeiten: mittwochs bis sonntags 11 bis 17 Uhr. Am 13. Oktober startet dann der zweite Teil der Ausstellungs-Trilogie: \u201eLiebe\u201c. Infos zu F\u00fchrungen und zum Begleitprogramm auf www.draiflessen.com.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 07.08.2019)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der aktuellen Draiflessen-Ausstellung versetzt der Glaube Berge. Oder zumindest: eine Sandd\u00fcne. Raufende Engel tragen 1970er-Jahre-Schlaghosen. Und die Unendlichkeit verwandelt Sorgen und Zweifel in zuversichtliches Gelb. 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