{"id":373,"date":"2015-09-22T13:59:10","date_gmt":"2015-09-22T11:59:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=373"},"modified":"2016-06-08T15:54:15","modified_gmt":"2016-06-08T13:54:15","slug":"und-ewig-lockt-die-heckenrose","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=373","title":{"rendered":"Und ewig lockt die Heckenrose"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_375\" aria-describedby=\"caption-attachment-375\" style=\"width: 714px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaf_k1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-375\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaf_k1-1024x676.jpg\" alt=\"Naschhaft, robust und manchmal auch ziemlich eigenwillig: Au\u00dfer w\u00e4hrend der Lammzeit, die von Mitte Februar bis Ende M\u00e4rz dauert, ziehen die Bentheimer Landschafe das ganze Jahr \u00fcber mit ihrem Chef, Sch\u00e4fermeister J\u00fcrgen Schienke, durchs Tecklenburger Land.\" width=\"714\" height=\"471\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaf_k1-1024x676.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaf_k1-300x198.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schaf_k1-1200x792.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-375\" class=\"wp-caption-text\">Naschhaft, robust und manchmal auch ziemlich eigenwillig: Au\u00dfer w\u00e4hrend der Lammzeit, die von Mitte Februar bis Ende M\u00e4rz dauert, ziehen die Bentheimer Landschafe das ganze Jahr \u00fcber mit ihrem Chef, Sch\u00e4fermeister J\u00fcrgen Schienke, durchs Tecklenburger Land.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Heckenrose oder Hundebiss? Mittrotten oder aus der Reihe tanzen? Ein Leben als Herdenschaf birgt manch gewichtige Frage. Um herauszufinden, wie sich ein artgerechter Nutztieralltag zwischen autorit\u00e4rem H\u00fctegebell und ewig lockender Vorgartenvegetation gestaltet, statten wir J\u00fcrgen Schienke, Wandersch\u00e4fer bei der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL), und seinen derzeit mehr als 500 Bentheimer Landschafen einen Besuch ab.<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft brummt. Es wird gem\u00e4ht und gedroschen, geh\u00e4ckselt und siliert. \u00dcber den Feldern vibriert der Klang von PS-unterf\u00fctterter Effizienz. Fast das ganze Jahr \u00fcber. Direkt vom Halm ins Maul gerupft und mit wiederk\u00e4uendem Gleichmut unter freiem Himmel gem\u00fcmmelt, wird in der Welt der Nutztiere kaum noch etwas. Wie denn auch? Extensiv bewirtschaftete Weiden, von wilder Vielfalt strotzende Randstreifen oder nicht sauber bis zur Fl\u00e4chengrenze abgeerntete Parzellen rechnen sich im Agrarbusiness nicht &#8211; und haben in der hiesigen Kulturlandschaft kaum noch eine Chance. Kein Wunder also, dass der imposante Anblick einer umherziehenden Schafherde mittlerweile Seltenheitswert besitzt. Die ANTL unterh\u00e4lt mit gut 500 Tieren eine der letzten gr\u00f6\u00dferen Herden in der Region.<\/p>\n<p><em>Herdentiere und Individualisten<\/em><\/p>\n<p>Ein sonniger Sp\u00e4tsommertag. Das Echo der Kirchenglocken &#8211; zw\u00f6lf melodische Schl\u00e4ge &#8211; liegt noch tr\u00e4ge \u00fcber dem Brochterbecker Dorfteich, als ein schriller Pfiff die Idylle zerrei\u00dft &#8211; und Sch\u00e4fermeister J\u00fcrgen Schienke mit forschen Schritten um die Ecke biegt: \u201eAufgepasst, bleibt alle diszipliniert zusammen und haltet die Marschrichtung ein\u201c, hei\u00dft sein Kommando in Schafsprache \u00fcbersetzt, \u201esonst kommt der Hund und zwickt euch in die Hacken!\u201c Auf rund 2000 Hufen trippelt die wollige Kolonne denn auch brav in mehr oder weniger geschlossener Formation \u00fcber das Pflaster des Ortskerns. Dem strengen Chef immer ganz dicht auf den Fersen. Eine Handvoll vierbeinige Individualisten riskiert zwar schnell noch einen kecken Ausflug durch die kommunalen Rabatten &#8211; aber da schickt Schienke auch schon Kauri, einen seiner zottigen Altdeutschen H\u00fctehunde, los. Also, eilig ein saftiges B\u00fcschel L\u00f6wenzahn stibitzt &#8211; und nichts wie abgetaucht in die sch\u00fctzende Menge.<\/p>\n<p><em>Resteverwerter ohne Reste \u2026<\/em><\/p>\n<p>\u201eHistorisch gesehen ist die Sch\u00e4ferei eine Resteverwertung\u201c, sagt J\u00fcrgen Schienke: Zwischen der klassischen Landwirtschaft und der klassischen Sch\u00e4ferei habe immer eine Art Symbiose geherrscht, erkl\u00e4rt der gelernte Tierwirtschaftsmeister, Schwerpunkt Schafhaltung. Aber das einstmals herrschende Gleichgewicht sei durch die Intensivierung der Landwirtschaft mehr und mehr verrutscht: \u201eDer einzige Grund, warum es uns noch gibt, ist der Naturschutz\u201c, sagt der 48-J\u00e4hrige und wirft seinen vorwitzigen Sch\u00fctzlingen einen strengen Blick \u00fcber die Schulter zu. Der Pfiff bleibt diesmal aus. \u201eDie gr\u00f6\u00dfte Konkurrenz der Wandersch\u00e4ferei\u201c, f\u00e4hrt er fort, \u201esind heute die Biogasanlagen, die sich alles Pflanzenmaterial, das \u00fcbrigbleibt, einverleiben.\u201c<\/p>\n<p><em>Mampfen f\u00fcr den Naturschutz<\/em><\/p>\n<p>Als Wandersch\u00e4fer aus \u00dcberzeugung und einer der wenigen \u00dcbriggebliebenen eines in seiner Existenz bedrohten Handwerks, hat es der Familienvater allerdings vergleichsweise gut getroffen: Seit 2001 betreut er als Angestellter der ANTL die vereinseigene Herde aus Bentheimer Landschafen &#8211; einer als bedroht eingestuften Haustierrasse. \u201eDie Herde h\u00e4lt vor allem die Streuobstwiesen der ANTL kurz\u201c, erkl\u00e4rt er: Und schafft dadurch Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Schleiereule und Steinkauz &#8211; ebenfalls bedrohte Arten, denen die konventionelle Landwirtschaft zu schaffen macht. Weil die meisten dieser Fl\u00e4chen eher klein und daher schnell kahl gefressen sind, geh\u00f6rt das Umherziehen zu Schienkes Alltagsgesch\u00e4ft &#8211; lediglich zur Lammzeit von Mitte Februar bis Ende M\u00e4rz wird die Herde vor\u00fcbergehend eingestallt.<\/p>\n<p><em>Unterwegs im Auftrag der ANTL<\/em><\/p>\n<p>Gerade ist er mit seinen Tieren unterwegs zu einer privaten Gr\u00fcnfl\u00e4che: \u201eDer Eigent\u00fcmer m\u00f6chte gern eine \u00f6kologische Bewirtschaftung seiner Wiese und keine Maisw\u00fcste\u201c, erl\u00e4utert Schienke und l\u00e4sst Kauri neuerlich l\u00e4ngsseits preschen, um f\u00fcr Ordnung in der Gesellschaft der stets naschhaften Paarhufer zu sorgen. Gesittet \u00fcberquert die Gruppe kurz darauf eine Hauptstra\u00dfe, die Autofahrer halten an und gr\u00fc\u00dfen freundlich. \u201eWenn die Tiere ordentlich mitlaufen und alles ganz leicht aussieht, dann hat der Sch\u00e4fer einen guten Job gemacht\u201c, sagt der geb\u00fcrtige Siegerl\u00e4nder. Solide ausgebildete H\u00fctehunde und eine detaillierte Kenntnis der Herdendynamik sind das A und O seines Handwerks. \u201eDas alles ist das Ergebnis harter Arbeit und langen Trainings.\u201c Was aber, wenn dann doch einmal &#8211; weil die Tiere durstig werden oder ein fremder Hund kl\u00e4ffend aus einem Vorgarten schie\u00dft &#8211; das Chaos ausbricht? Der ANTL-Sch\u00e4fer wiegt den Kopf und denkt kurz nach: \u201eWenn meine Hunde das alleine nicht mehr schaffen\u201c, sagt er, \u201edann belle ich eben mit.\u201c<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 02.09.2015)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heckenrose oder Hundebiss? Mittrotten oder aus der Reihe tanzen? Ein Leben als Herdenschaf birgt manch gewichtige Frage. 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