{"id":3596,"date":"2019-03-10T15:50:09","date_gmt":"2019-03-10T14:50:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3596"},"modified":"2019-03-10T15:50:09","modified_gmt":"2019-03-10T14:50:09","slug":"oekologisches-bettenmachen-fuer-die-duesterdieker-aa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3596","title":{"rendered":"\u00d6kologisches Bettenmachen f\u00fcr die D\u00fcsterdieker Aa"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3597\" aria-describedby=\"caption-attachment-3597\" style=\"width: 2500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa01b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3597\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa01b.jpg\" alt=\"\" width=\"2500\" height=\"1667\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa01b.jpg 2500w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa01b-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa01b-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa01b-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa01b-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 2500px) 100vw, 2500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3597\" class=\"wp-caption-text\">Noch wirkt das neue Bett der Aa eher karg, aber sobald sich die ersten Pflanzen angesiedelt haben, h\u00e4lt hier hoffentlich bunte Vielfalt Einzug. Fotos (5): Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Auch ein unscheinbares Flie\u00dfgew\u00e4sser wie die D\u00fcsterdieker Aa lebt \u2013 und stellt, wenn es als funktionierendes \u00d6kosystem langfristig intakt bleiben soll, Anspr\u00fcche an seine Umgebung. Diese wurden bisher jedoch kaum erf\u00fcllt.<\/strong><\/p>\n<p>Wie sich eine menschengemachte \u00d6dnis langsam aber sicher in einen naturnahen Lieblingsplatz zur\u00fcckverwandelt, k\u00f6nnen aufmerksame Beobachter in den kommenden Jahren in der D\u00fcsterdieker Niederung verfolgen. Dort wird die Aa, ein flurbegradigter Entw\u00e4sserungsgraben, aus ihrem starren Korsett befreit und anschlie\u00dfend weitestm\u00f6glich sich selbst \u00fcberlassen. Nicht in der G\u00e4nze ihres etwa zehn Kilometer langen Laufs, aber immerhin auf einem Abschnitt von gut 500 Metern. Fast meint man, das kleine Gew\u00e4sser schon jetzt wohlig aufatmen zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p><em>Der Natur auf die Finger geschaut<\/em><\/p>\n<p>Frank Lampe, Mitarbeiter der Baufirma B\u00fcscher, hat sich mit seinem Bagger gut gelaunt vom Acker gemacht. Und das, obwohl das renaturierte Bett f\u00fcr die D\u00fcsterdieker Aa noch gar nicht vollst\u00e4ndig fertiggestellt und einzugsbereit ist. Doch nun geh\u00f6rt die B\u00fchne auf den feuchten Wiesen erst einmal wieder den Kiebitzen, den Gro\u00dfen Brachv\u00f6geln, den Schwarzkehlchen. \u201eWir befinden uns hier mitten im Vogelschutzgebiet\u201c, erl\u00e4utert Petra Berghegger von der Unteren Wasserbeh\u00f6rde des Kreises Steinfurt, \u201eund da ist w\u00e4hrend der Brutzeit ab Ende Februar strikte Ruhe angesagt.\u201c Erst im August, wenn der gefiederte Nachwuchs fl\u00fcgge geworden ist, darf Lampe weiterbuddeln.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3598\" aria-describedby=\"caption-attachment-3598\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa02b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3598\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa02b-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"370\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa02b-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa02b-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa02b-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa02b-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3598\" class=\"wp-caption-text\">Frank Lampe hat auf seinem Bagger reichlich Gelegenheit, das Geschehen in der D\u00fcsterdieker Niedreung zu beobachten. Oft sieht er, wie die Rehe durchs Gel\u00e4nde ziehen.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Doch was Projektleiterin Berghegger und ihr Team hier seit Ende vergangenen Jahres bereits umgestaltet und dadurch \u2013 ganz im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) \u2013 \u00f6kologisch aufgewertet haben, ver\u00e4ndert schon jetzt die \u00fcber Jahrzehnte zur Gewohnheit gewordene, eint\u00f6nige Kulisse der B\u00f6schungen und zieht die Blicke der Betrachter auf sich: Wie durch eine Wattlandschaft schl\u00e4ngelt sich die Aa durch Priele und Rinnsale, seichte Inseln bilden Trockenbereiche, an deren Uferzonen Wurzelstubben und Erlenst\u00e4mme wie angetrieben drapiert sind \u2013 wer das Vorgehen der Natur nachempfinden will, muss das Lineal zur Seite legen!<\/p>\n<figure id=\"attachment_3600\" aria-describedby=\"caption-attachment-3600\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa04b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3600\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa04b-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"370\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa04b-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa04b-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa04b-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa04b-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3600\" class=\"wp-caption-text\">Sie setzen gemeinsam die EU-Wasserrahmenrichtlinie vor Ort um: Petra Berghegger (von rechts), Jochen Wiehager und Jana Tinscher.<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eWir haben uns bei der Renaturierung des Gew\u00e4ssers am Leitbild eines organisch gepr\u00e4gten Tieflandbaches orientiert\u201c, beschreibt Jana Tinscher vom Ingenieurb\u00fcro Wiehager das Planungskonzept. Soll hei\u00dfen: Wegen der eher langsamen Flie\u00dfgeschwindigkeit, die nat\u00fcrlicherweise in einem Niederungsgebiet vorherrscht, soll die Aa bald in sanften M\u00e4andern beschaulich durchs Gel\u00e4nde d\u00fcmpeln. Dabei lagert sich organisches Material wie Totholz, Bl\u00e4tter und sandiges Sediment in den Uferbereichen ab und bietet Kleinstlebewesen einen wertvollen Lebensraum. Der erhoffte Effekt: Der Artenreichtum nimmt zu, die Qualit\u00e4t des Gew\u00e4ssers verbessert sich langfristig.<\/p>\n<p><em>So wenig wie m\u00f6glich eingreifen<\/em><\/p>\n<p>Was sich auf den B\u00f6schungen ansiedelt, bleibt ebenfalls der Natur \u00fcberlassen. \u201eSukzession\u201c nennt Petra Berghegger diesen Prozess und verweist auf die unterschiedlichen Pflanzenarten, die das Biotop schrittweise \u00fcber die Jahre erobern werden. In enger Absprache mit der Biologischen Station und dem Unterhaltungsverband wolle man \u201eso wenig wie m\u00f6glich\u201c in diesen nat\u00fcrlichen Prozess eingreifen. Wobei besonders zwei Knackpunkte die Diplom-Ingenieurin, Fachrichtung Technischer Umweltschutz, zum Spagat zwingen: Zum einen darf die Vegetation nicht zu hoch wachsen, weil die V\u00f6gel, die in der D\u00fcsterdieker Niederung br\u00fcten, auf ein offenes Gel\u00e4nde angewiesen sind. Zum anderen darf sich auch bei starkem Regen das Wasser nicht langfristig aufstauen, damit die Landwirte die \u2013 zumeist landeseigenen Fl\u00e4chen \u2013 im Sinne des Vertragsnaturschutzes bewirtschaften und als Kulturlandschaft erhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3599\" aria-describedby=\"caption-attachment-3599\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa03b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3599\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa03b-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"370\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa03b-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa03b-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa03b-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa03b-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3599\" class=\"wp-caption-text\">Dass die Flurbereinigung ein Gew\u00e4sser ver\u00f6den l\u00e4sst, war in den 1970er Jahren offebar noch nicht hinreichend bekannt&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Etwa 15.000 Kubikmeter Boden hat die Crew um Petra Berghegger bisher bewegt, um der Aa eine komfortable neue Bleibe zu schaffen. Der Bach darf sich, sobald die Arbeiten im Herbst abgeschlossen sind, auf gut 50 Meter in der Breite ausdehnen \u2013 wobei eine Niedrigwasserrinne daf\u00fcr sorgt, dass er nicht trocken f\u00e4llt und die Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse stabil bleiben. Au\u00dferdem stehen ihm satte 300 Meter mehr an L\u00e4nge zum kurvigen Dahinpl\u00e4tschern zur Verf\u00fcgung. Rund 320.000 Euro kostet den Kreis Steinfurt als Bauherrn das \u201e\u00f6kologische Bettenmachen\u201c f\u00fcr die D\u00fcsterdieker Aa. Daf\u00fcr schie\u00dft das Land NRW 250.000 Euro aus WRRL-F\u00f6rdermitteln zu, den Rest zahlt der Kreis selbst. Doch was muss, das muss \u2013 wie der Westfale sagt. Schlie\u00dflich hat sich Deutschland als Mitgliedsstaat der EU verpflichtet, die vor 19 Jahren verabschiedete WRRL umzusetzen und dadurch \u201edie Qualit\u00e4t der Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser und des Grundwassers zu sichern und \u2013 wenn n\u00f6tig \u2013 zu verbessern\u201c, wie es auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer hei\u00dft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3601\" aria-describedby=\"caption-attachment-3601\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa05b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3601\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa05b-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"370\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa05b-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa05b-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa05b-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DDAa05b-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3601\" class=\"wp-caption-text\">Der erste Abschnitt der Aa ist mittlerweile renaturiert. Im Herbst, wenn die Brutzeit im Vogelschutzgebiet beendet ist, folgt der zweite Teil.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn im August der zweite Abschnitt der Renaturierung in Angriff genommen wird, bekommen Petra Berghegger und ihre Mitstreiter \u00fcbrigens weitere Helfer. Erlebnisp\u00e4dagogin Bj\u00f6rg Dewert vom Verein \u201eNatur unterwegs\u201c stellt derzeit den Kontakt zur Gesamtschule Lotte-Westerkappeln her, um dann nach den Sommerferien gemeinsam mit den Jugendlichen den neuen Lieblingsplatz der D\u00fcsterdieker Aa mitzugestalten und anschlie\u00dfend dessen Entwicklung zu dokumentieren.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 06.03.2019)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch ein unscheinbares Flie\u00dfgew\u00e4sser wie die D\u00fcsterdieker Aa lebt \u2013 und stellt, wenn es als funktionierendes \u00d6kosystem langfristig intakt bleiben soll, Anspr\u00fcche an seine Umgebung. Diese wurden bisher jedoch kaum erf\u00fcllt. 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