{"id":3427,"date":"2018-12-11T18:14:14","date_gmt":"2018-12-11T17:14:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3427"},"modified":"2018-12-11T18:14:14","modified_gmt":"2018-12-11T17:14:14","slug":"allein-krank-wohnungslos-und-was-dann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3427","title":{"rendered":"Allein, krank, wohnungslos \u2013 und was dann?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3428\" aria-describedby=\"caption-attachment-3428\" style=\"width: 3643px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Krankenwohnung1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3428\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Krankenwohnung1.jpg\" alt=\"\" width=\"3643\" height=\"2431\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Krankenwohnung1.jpg 3643w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Krankenwohnung1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Krankenwohnung1-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Krankenwohnung1-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Krankenwohnung1-1200x801.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 3643px) 100vw, 3643px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3428\" class=\"wp-caption-text\">\u201eWenn einer von den Jungs da drau\u00dfen was hat, kann ich die Krankenwohnung nur empfehlen\u201c, appelliert Frank an andere Wohnungslose, die gesundheitlich angeschlagen sind, ihre Hemmschwellen zu \u00fcberwinden und sich f\u00fcr schnelle und unkomplizierte Hilfe an Sozialarbeiterin Sonja Korosa zu wenden. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Seit einem Jahr gibt es in Ankum eine Krankenwohnung f\u00fcr Obdachlose. Die einzige bundesweit im l\u00e4ndlichen Raum. Als er sich vor drei Monaten dorthin geschleppt habe, erz\u00e4hlt Frank, habe er Sonja Korosa seinen Schlafsack in die Hand gedr\u00fcckt: \u201eBrauch ich nicht mehr\u201c, war ihm klar, \u201eich kann nicht mehr zur\u00fcck auf die Stra\u00dfe.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr den Entschluss des 48-j\u00e4hrigen Wohnungslosen? Krankheiten, die nicht ausheilen. Schmerzen, die von Tag zu Tag schlimmer werden. Und ein K\u00f6rper, der langsam aber sicher zu einem Wrack verf\u00e4llt. \u201eIch habe mein halbes Leben auf der Stra\u00dfe verbracht\u201c, sagt Frank. Was f\u00fcr den ehemaligen Bremer bedeutete: unzureichende Ern\u00e4hrung, oftmals kaum vor der Witterung gesch\u00fctzte, st\u00e4ndig wechselnde Schlafpl\u00e4tze drau\u00dfen und dazu die permanente Unsicherheit, was der n\u00e4chste Tag, die n\u00e4chste Nacht bringen wird. Kurzum: eine jahrzehntelange psychische und k\u00f6rperliche Belastung. Irgendwann ist Ende im Gel\u00e4nde. \u201eFeierabend\u201c, kommentiert Frank, \u201eschachmatt.\u201c<\/p>\n<p>Zum Arzt gehen, wenn man sich schlecht f\u00fchlt? \u201eSo wie Otto Normalverbraucher? Nee\u201c, sagt Frank und sch\u00fcttelt nachdr\u00fccklich den Kopf. Zu viele Menschen da. Der ganze Papierkram von wegen Krankenversicherung und Tagess\u00e4tze \u2013 alles viel zu kompliziert. \u201eDa hatte ich keinen Bock drauf\u201c, hatten sich die menschlichen und b\u00fcrokratischen Hemmschwellen, die den Weg ins medizinische Hilfesystem s\u00e4umen, f\u00fcr ihn l\u00e4ngst zu un\u00fcberwindbaren Barrikaden aufget\u00fcrmt. \u201eWenn du als Obdachloser krank wirst, dann hast du\u2019s halt, dann hast du die Krankheit. Entweder sie geht \u2013 oder sie bleibt.\u201c Sein selbstverordnetes Rezept: \u201eAlkohol und Tabletten.\u201c<\/p>\n<p><em>\u201eOhne Hilfe schafft man das nicht&#8220;<\/em><\/p>\n<p>\u201eFrank ist mir aufgefallen, als er im September zu uns in die Beratungs- und \u00dcbernachtungsstelle nach Bersenbr\u00fcck kam, um dort zu duschen\u201c, erinnert sich Caritas-Mitarbeiterin Sonja Korosa, die die Krankenwohnung in der Ankumer Fasanstra\u00dfe betreut. \u201eEr konnte sich kaum bewegen, so geschw\u00e4cht war er.\u201c Da habe sie ihm angeboten, sich in der Krankenwohnung zu erholen und mit ihm gemeinsam zu \u00fcberlegen, wie eine Behandlung f\u00fcr ihn aussehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ist eine Krankenversicherung vorhanden oder muss diese erst noch beantragt werden? Welcher Allgemeinmediziner und welche Fach\u00e4rzte k\u00f6nnen zurate gezogen werden? Falls n\u00f6tig den Kontakt zur Samtgemeinde und zum Landkreis herstellen \u2013 \u201eall das zu organisieren und zu kl\u00e4ren ist mein Job\u201c, erl\u00e4utert Korosa. Ein wohnungsloser Mensch, der zudem auch noch krank sei, der schaffe das ohne Hilfe einfach nicht.<\/p>\n<p><em>\u201eSo hat sich noch keiner um mich gek\u00fcmmert&#8220;<\/em><\/p>\n<p>\u201eSo eine Sozialarbeiterin wie Sonja Korosa\u201c, sagt Frank noch immer ganz ungl\u00e4ubig und nickt bekr\u00e4ftigend, \u201edie gibt\u2018s echt nicht wieder. So wie die hat sich noch keiner um mich gek\u00fcmmert \u2013 in meinem ganzen Leben nicht.\u201c Mittlerweile sind die verschiedenen Leiden des 48-J\u00e4hrigen diagnostiziert und werden medizinisch behandelt. Das Aufstehen und das Laufen fallen ihm immer noch schwer. Die Sozialarbeiterin begleitet ihn zu den Untersuchungen und hat auf seinen Wunsch hin einen Antrag auf station\u00e4re Eingliederungshilfe gestellt.<\/p>\n<p>Frank ist der zehnte Obdachlose, f\u00fcr den in den vergangenen zw\u00f6lf Monaten die Krankenwohnung in der Fasanstra\u00dfe zum Rettungsanker geworden ist. \u201eInsgesamt hatten wir 23 Anfragen\u201c, berichtet Sonja Korosa, \u201eaber weil hier nur zwei Betten zur Verf\u00fcgung stehen, konnten wir leider nicht alle Personen aufnehmen.\u201c Das Fazit nach einem Jahr Krankenwohnung in Ankum lautet mithin: \u201eDas ist ein Angebot, das wirkt\u201c, fasst Christian J\u00e4ger von der Zentralen Beratungsstelle Niedersachsen zusammen, \u201eund das unbedingt nachgeahmt werden sollte \u2013 vor allem im l\u00e4ndlichen Raum.\u201c Denn genau wie in den St\u00e4dten ist l\u00e4ngst auch hier bezahlbarer Wohnraum knapp geworden und die Zahl obdachloser Menschen w\u00e4chst.<\/p>\n<p><em>Hoffnung auf Fortf\u00fchrung des Projekts<\/em><\/p>\n<p>Sonja Korosa hofft, dass das vom Landkreis und von der Aktion Mensch mitfinanzierte Projekt, das zeitlich zun\u00e4chst bis Ende August 2020 begrenzt ist, auch anschlie\u00dfend weitergef\u00fchrt werden kann. Schlie\u00dflich werde es sehr gut angenommen. \u201eUnd wenn nicht\u201c, schaltet sich Frank ein, \u201edann machen wir eine Demo!\u201c Denn h\u00e4tte es die Krankenwohnung nicht gegeben, sinniert er, \u201ewer wei\u00df, ob ich dann heute \u00fcberhaupt noch da w\u00e4re&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Wer Kontakt zur Krankenwohnung in Ankum aufnehmen will, kann sich direkt an Sonja Korosa bei der Ambulanten Hilfe der Caritas f\u00fcr Wohnungslose wenden, Telefon 05439\/942323.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Bersenbr\u00fccker Kreisblatt, 26.11. 2018)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einem Jahr gibt es in Ankum eine Krankenwohnung f\u00fcr Obdachlose. Die einzige bundesweit im l\u00e4ndlichen Raum. 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