{"id":3356,"date":"2018-09-18T17:04:33","date_gmt":"2018-09-18T15:04:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3356"},"modified":"2018-09-18T17:04:33","modified_gmt":"2018-09-18T15:04:33","slug":"wersener-heide-so-funktioniert-naturschutz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3356","title":{"rendered":"Wersener Heide \u2013 so funktioniert Naturschutz"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3357\" aria-describedby=\"caption-attachment-3357\" style=\"width: 3648px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3357\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide2.jpg\" alt=\"\" width=\"3648\" height=\"2282\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide2.jpg 3648w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide2-300x188.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide2-768x480.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide2-1024x641.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide2-1200x751.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 3648px) 100vw, 3648px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3357\" class=\"wp-caption-text\">Die offenen Fl\u00e4chen in der Wersener Heide sind der Lebensraum von Brachvogel, Kiebitz und Co. Um sie zu erhalten, ist eine schonende Bewirtschaftung durch die Landwirte vonn\u00f6ten. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Initiative \u201eReligions for Peace\u201c l\u00e4dt zu einer F\u00fchrung durch die Wersener Heide ein. Den mehr als 50 Teilnehmern er\u00f6ffnen sich dabei \u00fcberraschende Einsichten, wie Naturschutz funktioniert \u2013 oder auch nicht funktioniert.<\/strong><\/p>\n<p>Landwirt Manfred Hollmann aus Seeste h\u00e4lt sich sichtlich zur\u00fcck. Aber was da vor ein paar Jahren in der Wersener Heide passiert ist, das sei so einfach nicht richtig gewesen: Die Bundesanstalt f\u00fcr Immobilienaufgaben als damalige Verp\u00e4chterin der Fl\u00e4chen habe das Wasser in den Gr\u00e4ben einfach mir nichts, dir nichts, aufstauen lassen und dadurch die Wiesen f\u00fcr die Erntemaschinen der P\u00e4chter unbefahrbar gemacht. \u201eDa h\u00e4tte man doch vorher mit uns Landwirten dr\u00fcber reden k\u00f6nnen\u201c, murrt er. Bundesf\u00f6rster Rainer Schmidt, der f\u00fcr die rund 1000 Hektar gro\u00dfe Liegenschaft, die sich \u00fcber die Gemeinden Lotte, Westerkappeln und Teile des Stadtgebietes Bramsche erstreckt, zust\u00e4ndig ist, blickt ebenfalls reichlich zerknirscht drein, als er an den Fauxpas erinnert wird. \u201eJa, das mit der Wiedervern\u00e4ssung war ein Fehler, das haben wir damals \u00fcbers Knie gebrochen\u201c, geizt er nicht mit Selbstkritik, \u201eda haben wir nicht intensiv genug das Gespr\u00e4ch gesucht.\u201c<\/p>\n<p>Mittlerweile ist das anders. Alle, die irgendwie mit der Wersener Heide zu tun haben \u2013 Vertreter von \u00c4mtern und Beh\u00f6rden, von den Kommunen, von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (in deren Zust\u00e4ndigkeit die Wersener Heide vor knapp zwei Jahren als Nationales Naturerbe \u00fcbergegangen ist), die Landwirte als P\u00e4chter, Natursch\u00fctzer, Mitglieder der Wasserverb\u00e4nde \u2013 sie alle pflegen einen regen Austausch miteinander. Und wenn man an diesem Morgen, an dem viele von ihnen sich unter die anderen G\u00e4ste mischen und zusammen \u00fcber das Gel\u00e4nde des ehemaligen Achmer Flug- und sp\u00e4teren Truppen\u00fcbungsplatzes stiefeln, in ihre Gesichter blickt, dann meint man sogar einen Hauch von Vertrauen, von gegenseitigem Respekt, von Einigkeit \u00fcber die gemeinsamen Ziele zu sp\u00fcren. Und Rainer Schmidt sagt: \u201eDie Landwirte hier vor Ort sind unsere wichtigsten Partner im Naturschutz \u2013 ohne die Landwirte l\u00e4uft gar nichts.\u201c Selbst \u00fcber Manfred Hollmanns Lippen huscht in diesem Moment ein L\u00e4cheln.<\/p>\n<p><em>Gemeinsam Verantwortung \u00fcbernehmen<\/em><\/p>\n<p>Den Dialog suchen, Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Sichtweise des Anderen entwickeln, gemeinsam Verantwortung \u00fcbernehmen \u2013 der eine oder andere Exkursionsteilnehmer um Projektinitiator Reinhold Mokrosch, Vorsitzender des \u201eRunden Tisches der Religionen&#8220; und der \u201eReligions for Peace&#8220; in Osnabr\u00fcck, d\u00fcrfte \u00fcberrascht gewesen sein, welche praktische Gemeinsamkeiten Naturschutz und Religion im reinen Alltagsgesch\u00e4ft verbinden. Auch inhaltlich lassen sich schnell Parallelen finden: \u201eDer Wert der Vielfalt, der Erhalt der Sch\u00f6pfung, die Nachhaltigkeit \u2013 das sind genau unsere Themen\u201c, betont Revierleiter Schmidt. Und eben auch die Frage: Wie gehen wir Menschen, die wir f\u00fcr unsere Erde verantwortlich sind, miteinander um, wenn wir von unterschiedlichen, manchmal sogar gegenl\u00e4ufigen Interessen angetrieben werden?<\/p>\n<figure id=\"attachment_3358\" aria-describedby=\"caption-attachment-3358\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3358\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide1-300x205.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"342\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide1-300x205.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide1-768x525.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide1-1024x700.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/WersenerHeide1-1200x821.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3358\" class=\"wp-caption-text\">Der Schl\u00fcssel f\u00fcr einen erfolgreichen Naturschutz auf den Feuchtwiesen der Wersener Heide ist die gesteuerte Kontrolle des Wasserstandes, erkl\u00e4rt Bundesf\u00f6rster Rainer Schmidt den Exkursionsteilnehmern. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wer sich mit solcherlei tiefsch\u00fcrfenden Fragen von fast schon philosophischer Natur besch\u00e4ftigt, tut dies meistens in gepflegten Diskussionsrunden, bei Fachvortr\u00e4gen oder w\u00e4hlt zur Sinnsuche ein eher religionsgepr\u00e4gtes Umfeld. Doch ganz weit drau\u00dfen, im Reich von Kiebitz und Gro\u00dfem Brachvogel, zwischen Waldhyazinthe und Tauseng\u00fcldenkraut, Besenheide und Mondraute scheinen sich manche Erkenntnisse besonders anschaulich zu offenbaren.<\/p>\n<p><em>Unter Panzerketten entsteht ein Lebensraum<\/em><\/p>\n<p>Zum Beispiel: Wie wirken sich Krieg oder Frieden auf eine Landschaft aus? Dar\u00fcber hat die Wersener Heide einiges zu erz\u00e4hlen: Die per Zwangsenteignung der Landwirte von den Nationalsozialisten in ihren Besitz gebrachten Fl\u00e4chen dienten w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges als Milit\u00e4rflughafen \u201eund wurden intensiv bebombt\u201c, berichtet Schmidt. Zwar seien zumindest die zug\u00e4nglichen Bereiche sp\u00e4ter \u201espatentief von der Kampfmittelr\u00e4umung abgesucht\u201c worden, aber vieles schlummere noch immer im Boden. Und wird es auch wohl weiter tun. \u201eEs gibt Dinge, die kann man nicht zur\u00fcckdrehen\u201c, sagt Werner Wahmhoff, Professor f\u00fcr Agrarwissenschaften und fachlicher Leiter der DBU Naturerbe GmbH. \u201eDas ist ein Erbe der Geschichte, mit dem wir klarkommen m\u00fcssen.\u201c Deshalb sei das Gel\u00e4nde f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit gesperrt und nur \u00fcber gef\u00fchrte Wanderungen zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngere Geschichte \u2013 die Wersener Heide wurde von den Britischen Streitkr\u00e4ften bis 2012 als Truppen\u00fcbungsplatz \u201eAchmer Training Area\u201c genutzt \u2013 hat anschlie\u00dfend dazu gef\u00fchrt, dass unter den Ketten der Panzer ein karger, \u00fcberwiegend offener Lebensraum f\u00fcr seltene Spezialisten entstanden ist, der sich durch einen, selbst die Experten von der DBU verbl\u00fcffenden Artenreichtum auszeichnet. Allerdings: \u201eWir sind hier nicht im Regenwald\u201c, gibt Wahmhoff zu bedenken, \u201edie Vielfalt in der Wersener Heide ist nicht auf nat\u00fcrliche Weise entstanden, sondern ist ein Produkt des Menschen.\u201c<\/p>\n<p><em>\u201eWir sind hier nicht im Regenwald\u201c<\/em><\/p>\n<p>Entsprechend m\u00fcsse also auch der Mensch daf\u00fcr Sorge tragen, dass dieses wertvolle Gebiet erhalten bleibe. \u201eDer Naturschutz muss hier aktiv gemanaget werden\u201c, sagt Wahmhoff, \u201ewird eine Kulturlandschaft sich selbst \u00fcberlassen, f\u00fchrt das zu Misserfolgen.\u201c Und hier kommen nun Manfred Hollmann, Rainer Schmidt und die Fr\u00fcchte des Dazulernens ins Spiel. Damit Hollmann und seine Kollegen aus der Landwirtschaft die feuchten Wiesen, sobald Brachvogel, Bekassine und Co. ihre K\u00fcken dort aufgezogen haben, mit trockenen Reifen m\u00e4hen k\u00f6nnen und dadurch verhindern, dass sich der Wald langsam aber sicher ausbreitet, setzt Bundesf\u00f6rster Schmidt mittlerweile statt auf eine stetige auf eine steuerbare Vern\u00e4ssung der Gr\u00fcnfl\u00e4chen im Bereich Vogelpohl. Geregelt wird der Wasserstand k\u00fcnftig \u00fcber ein Stausystem, das der \u00f6rtliche Wasserverband zurzeit anlegen hilft. Auch dessen Vorsitzender, Landwirt Heinz Cyrull, bewirtschaftet einige Fl\u00e4chen in der Wersener Heide und hat sich ebenfalls der Wandergruppe angeschlossen. Einige Streckenabschnitte spaziert er in einem Gr\u00fcppchen zusammen mit Hollmann, Schmidt und Wahmhoff. Sie reden miteinander.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 12.09.2018)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Initiative \u201eReligions for Peace\u201c l\u00e4dt zu einer F\u00fchrung durch die Wersener Heide ein. Den mehr als 50 Teilnehmern er\u00f6ffnen sich dabei \u00fcberraschende Einsichten, wie Naturschutz funktioniert \u2013 oder auch nicht funktioniert. 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