{"id":3333,"date":"2018-09-11T12:47:29","date_gmt":"2018-09-11T10:47:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3333"},"modified":"2019-11-06T20:41:25","modified_gmt":"2019-11-06T19:41:25","slug":"kulinarisches-plaedoyer-fuer-mehr-gerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3333","title":{"rendered":"Fair Trade: Kulinarisches Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr Gerechtigkeit"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3334\" aria-describedby=\"caption-attachment-3334\" style=\"width: 3571px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3334\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair1.jpg\" alt=\"\" width=\"3571\" height=\"2303\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair1.jpg 3571w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair1-300x193.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair1-768x495.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair1-1024x660.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair1-1200x774.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 3571px) 100vw, 3571px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3334\" class=\"wp-caption-text\">K\u00f6stlich zubereitet und festlich serviert: F\u00fcr einige der G\u00e4ste beim Fair-Trade-Dinner der Zaunkieker d\u00fcrfte das Verkosten der Speisen der z\u00fcndende Funken gewesen sein, sich nun auch selbst an Zutaten aus dem Eine-Welt-Laden wie Bulgur, Chiasamen oder Hirse heranzutrauen. Fotos (2): Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die \u00f6kumenischen Zaunkieker aus Lotte und Westerkappeln machen sich f\u00fcr gerecht gehandelte Produkte stark und laden zum Ausprobieren der Zutaten zu einem Fair-Trade-Dinner ein.<\/strong><\/p>\n<p>Ob bei Aldi, Lidl oder Edeka, ob beim \u00d6kobauern oder auf dem Wochenmarkt: Zwischen Schokoriegel und Biozwiebel ist jede Menge Platz f\u00fcr politische Grundsatzentscheidungen. Denn alle Lebensmittel, die im Einkaufskorb und also sp\u00e4ter in unserem Magen landen, haben schlie\u00dflich ihre eigene Geschichte. S\u00e4mtliche Rohstoffe stammen von irgendwo her, sind auf eine bestimmte Art von bestimmten Personen unter bestimmten Bedingungen angebaut, behandelt, gehegt, geerntet, weiterverarbeitet, veredelt, verpackt, gehandelt und transportiert worden.<\/p>\n<p>Selbst als konsumkritischer Konsument, der redlich bem\u00fcht ist, sich einen nachhaltigen, schadlosen und gesellschaftsf\u00e4higen Weg durch den Dschungel aus Vernetzung und Globalisierung zu bahnen, kann man gewaltig ins Straucheln geraten. Chemische Zus\u00e4tze, Ausbeutung, Kinderarbeit, Massentierhaltung \u2013 es gibt etliches und g\u00e4be wohl noch einiges mehr zu bedenken\u2026 W\u00e4hrend ich beim Schlurfen durch die G\u00e4nge des \u00f6rtlichen Supermarkts das Mantra der M\u00fcllvermeidung und regionalen Produktion vor mich hinmurmele, lenken die Zaunkieker den Blick auf gerechten Handel und die Unterst\u00fctzung von Eine-Welt-L\u00e4den.<\/p>\n<p><em>\u201eDie meisten trauen sich da nicht richtig ran\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u201eNahezu die gesamten Zutaten, die wir f\u00fcr unsere Gerichte verwendet haben, kommen aus dem Eine-Welt-Laden\u201c, erkl\u00e4rt Gertrud Bodenstein und drapiert eine Platte appetitlich angerichteter Energiekugeln (Chia-Samen, Haferflocken, Cranberrys, Haseln\u00fcsse, Kokosraspeln) auf der festlich gedeckten Tafel im Westerkappelner Reinhildis-Haus, \u201ealle sind fair gehandelt, bestimmt 90 Prozent sind au\u00dferdem biologisch angebaut.\u201c Bei Unterhaltungen mit Bekannten habe sie es immer wieder erlebt, dass viele ihrer Zeitgenossen dem Fair-Trade-Gedanken zwar aufgeschlossen gegen\u00fcber st\u00fcnden. \u201eAber die meisten trauen sich da nicht richtig ran\u201c, stellt die Westerkappelnerin fest, \u201eweil sie nicht wissen, wie die Produkte aus dem Eine-Welt-Laden schmecken oder unsicher sind, wie sie zubereitet werden.\u201c<\/p>\n<p>Weil ein echter Zaunkieker auf der Suche nach neuen Erkenntnissen nicht nur \u00fcber seinen eigenen Zaun kiekt, sondern zugleich auch andere zum Blick \u00fcber den Tellerrand ermutigen m\u00f6chte, lag die L\u00f6sung f\u00fcr Gertrud Bodenstein und ihre Freundin Ulrike Str\u00f6ver auf der Hand: Was w\u00e4re wirkungsvoller und der guten Sache dienlicher, als den Fair-Trade-Fremdelnden die kulinarischen Verhei\u00dfungen und die oft kinderleicht zuzubereitenden Eine-Welt-Produkte wie Chia-Samen, Bulgur, Hirse, Mangop\u00fcree, Kokosmilch oder Rote Linsen mundgerecht zum Probieren zu servieren? Und damit auf angenehmste Weise \u00dcberzeugungsarbeit zu leisten\u2026 Der Plan f\u00fcr das Fair-Trade-Dinner war besiegelt. Die Vorbereitungen begannen. \u201eDas war so vor f\u00fcnf, sechs Wochen\u201c, schmunzelt Ulrike Str\u00f6ver und verschwindet gesch\u00e4ftig in der K\u00fcche.<\/p>\n<p><em>Sich die Folgen der Ausbeutung klarmachen<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die G\u00e4ste mit einem s\u00fcffigen Aperitif (Pfefferminztee, Lautes Mineralwasser des Vereins Viva con Agua, Zitronensaft, Minze, Mangolik\u00f6r) in den Informationsabend einschwenken und bereits beim ersten Men\u00fcpunkt, der wei\u00dfen Bohnensuppe (wei\u00dfe Bohnen, Gem\u00fcsebr\u00fche, Sahne, Knoblauch, Ingwer, Zimt, Vanille), in Verz\u00fcckung geraten \u2013 \u201eDu, Gertrud, kannst du mir davon mal das Rezept geben?\u201c, \u201eMir bitte auch!\u201c \u2013 unterf\u00fcttert Pastor im Ruhestand Reiner Str\u00f6ver die horizonterweiternde Zusammenkunft mit einem \u00f6kumenischen Fundament. Er zitiert aus einer Rede des evangelischen Theologen Helmut Gollwitzer, der schon Ende der 1960er Jahre das Ungleichgewicht der M\u00e4rkte angemahnt und die Folgen der Ausbeutung durch die westlichen Industriestaaten vorausgesagt hatte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3335\" aria-describedby=\"caption-attachment-3335\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3335\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair2-300x228.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"379\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair2-300x228.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair2-768x583.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair2-1024x777.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fair2-1200x911.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3335\" class=\"wp-caption-text\">Aus kaltem Pfefferminztee, lautem Mineralwasser, Zitrone, Mangolik\u00f6r und Minze ist dieser Fair-Trade-Aperitif gemacht.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dorothea Meilwes, beim Bistum Essen als Referentin f\u00fcr die Abteilung Weltkirche und Mission zust\u00e4ndig, mit dem Ehepaar Str\u00f6ver befreundet und daher ebenfalls beim Fair-Trade-Dinner der Zaunkieker dabei, erg\u00e4nzt, dass heute rund 70 Prozent der gesamten Wirtschaftsfl\u00e4che von den Agrokonzernen beansprucht werde, die damit um die 30 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung ern\u00e4hrten, w\u00e4hrend die Kleinbauern etwa 30 Prozent der Fl\u00e4chen bewirtschafteten \u2013 \u201eUnd das in der Regel nachhaltig!\u201c \u2013 und mit ihren Erzeugnissen de facto 70 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung versorgten. \u201eDie Kleinbauern k\u00f6nnen vom Erl\u00f6s, den sie zum Beispiel beim Anbau von Reis, Tee oder Kaffee erzielen, aber nicht existieren\u201c, erl\u00e4utert Meilwes, \u201edie Gewinne in der Handelskette entstehen durch Weiterverarbeitung und Veredelung \u2013 also bei uns, in den Industrienationen.\u201c<\/p>\n<p><em>Hintergr\u00fcnde des Eine-Welt-Gedankens<\/em><\/p>\n<p>Ob wir nun wollen oder nicht, ob wir uns dessen bewusst sind oder es ignorieren \u2013 an jedem Produkt, das wir in unseren Einkaufskorb packen, h\u00e4ngt ein ganzer Rattenschwanz an politischen, wirtschaftlichen, \u00f6kologischen \u2013 und wer will sagen, an was sonst noch f\u00fcr Konsequenzen. Sich in diesem Wust aus Verwicklungen den vollst\u00e4ndigen \u00dcberblick zu erarbeiten, erscheint fast aussichtslos. Aber k\u00fcnftig auf das Fair-Trade-Siegel zu achten, nehme ich mir fest vor. Fair gehandelte Produkte werden \u00fcbrigens l\u00e4ngst nicht mehr nur in <a href=\"https:\/\/www.a3w-os.de\/osnabr%C3%BCcker-weltladen\/\">Eine-Welt-L\u00e4den<\/a>, sondern auch im Aldi, bei Edeka oder Lidl und in fast allen g\u00e4ngigen Lebensmittelgesch\u00e4ften angeboten. Wer mehr wissen m\u00f6chte \u00fcber die Hintergr\u00fcnde des Eine-Welt-Gedankens oder neugierig auf die Rezepte der Zaunkieker geworden ist, erh\u00e4lt weitere Informationen bei Gertrud Bodenstein unter Telefon 05404\/2630.<\/p>\n<p><strong>Links zum Thema Fairer Handel:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?q=Fairtrade+Deutschland&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;client=firefox-b-ab\">Fairtrade-Deutschland: Das Siegel f\u00fcr Fairen Handel<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vivaconagua.org\/\">Wasserinitiative Viva con Agua de Sankt Pauli<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.misereor.de\/informieren\/fairer-handel\/\">Misereor Hilfswerk\/Fairer Handel<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.welthungerhilfe.de\/\">Welthungerhilfe: F\u00fcr eine Welt ohne Hunger und Armut<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.weltpartner.de\/cm\/?menuid=1&amp;getlang=de\">dwp eg Fairhandelsgenossenschaft<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.el-puente.de\/\">El Puente &#8211; Die Fair Trade Pioniere<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.preda.org\/de\/projekte\/das-preda-fair-trade-projekt\/\">Das Preda Fair Trade Projekt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/fair-handel.net\/handelspartner\/antl\/\">Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Naturschutz Tecklenburger Land<\/a><\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 05.09.2018)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00f6kumenischen Zaunkieker aus Lotte und Westerkappeln machen sich f\u00fcr gerecht gehandelte Produkte stark und laden zum Ausprobieren der Zutaten zu einem Fair-Trade-Dinner ein. 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