{"id":330,"date":"2015-07-16T11:42:57","date_gmt":"2015-07-16T09:42:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=330"},"modified":"2016-01-26T13:33:41","modified_gmt":"2016-01-26T12:33:41","slug":"das-rauschen-im-energiewald","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=330","title":{"rendered":"Das Rauschen im Energiewald"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_331\" aria-describedby=\"caption-attachment-331\" style=\"width: 714px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/wpStrom1bearb.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-331\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/wpStrom1bearb-1024x556.jpg\" alt=\"Die H\u00fcter des Stahlwaldes: Andreas Preu\u00df (links) und Norbert Krebeck von der Firma Amprion im Umspannwerk in Westerkappeln-Velpe. \" width=\"714\" height=\"388\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/wpStrom1bearb.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/wpStrom1bearb-300x163.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-331\" class=\"wp-caption-text\">Die H\u00fcter des Stahlwaldes: Andreas Preu\u00df (links) und Norbert Krebeck von der Firma Amprion im Umspannwerk in Westerkappeln-Velpe. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie eine lebendig gewordene Plastikfigur in einer Modelleisenbahn-Landschaft komme ich mir vor, als ich mit Andreas Preu\u00df und Norbert Krebeck durch den imposanten Wald aus Stahl spaziere. An einem leichten Hang zwischen der Trasse der A 30 und der L 501 in Westerkappeln-Velpe ragen auf einer Fl\u00e4che von 13 Hektar dicht an dicht mehr als 500 aus schlanken Gitterelementen geformte Kreaturen in den Himmel. Das leise Rauschen, das uns umspielt, ist mitnichten der Wind in den Weiden, sondern wird durch feine Entladungen verursacht, die hoch \u00fcber unseren K\u00f6pfen an den scheinbar endlosen Lianen aus Aluminium entlang knistern. Der st\u00e4hlerne Forst erweist sich als \u201eabgeschlossene elektrische Betriebsst\u00e4tte\u201c &#8211; kurz: als Umspannwerk.<\/p>\n<p><em>M\u00f6glichst viel und m\u00f6glichst schnell<\/em><\/p>\n<p>So fremd mir diese Welt aus Watt und Volt, Ohm und Ampere bisher geblieben ist, so vertraut stiefeln meine beiden Begleiter, Mitarbeiter des Dortmunder Netzbetreibers Amprion, durch den energiegeladenen Stangenwald hindurch. \u201eIm Prinzip befinden wir uns hier mittendrin in einer Art Trafo, wie man ihn von jeder Modelleisenbahn her kennt\u201c, erkl\u00e4rt Norbert Krebeck, Leiter der Prim\u00e4rtechnik Osnabr\u00fcck. \u201eNur, dass unser Trafo etwas gr\u00f6\u00dfer ist.\u201c Das Werk in Velpe ist eine von 160 Schalt- und Umspannanlagen, die das Unternehmen neben rund 11.000 Kilometer H\u00f6chstspannungsnetz deutschlandweit betreibt.<\/p>\n<p>Auch mein Alltag, versichern mir Krebeck und sein Kollege Andreas Preu\u00df, der f\u00fcr die Kommunikation bei der Amprion zust\u00e4ndig ist, sei unmittelbar verbunden mit diesem gewaltigen Fluss aus Energie, der hier \u00fcber verschiedene Stufen str\u00f6mt, in niedrigere Spannungsebenen umgewandelt, verteilt und weitergeleitet wird. Wir machen uns auf den Weg zur n\u00f6rdlichen Grenze des Gel\u00e4ndes, hinter der auf der anderen Stra\u00dfenseite ein st\u00e4hlerner Koloss von etwa 70 Metern H\u00f6he steht: der letzte Posten der H\u00f6chstspannungsleitung \u201eNiedersachsen Nord\u201c vor dem Umspannwerk Velpe. Die dicken Adern, die an den Traversen des Freileitungsmasts h\u00e4ngen, transportieren den Strom aus den entfernten Kraftwerken und Umspannanlagen. In den Leitungen herrscht eine Spannung von 380.000 Volt. \u201eH\u00f6chstspannung\u201c, erkl\u00e4rt Krebeck und nickt ernst: \u201eAbsolute Lebensgefahr.\u201c Aber ideal, um m\u00f6glichst schnell m\u00f6glichst viel Energie von A nach B zu bringen.<\/p>\n<p><em>Ein Hauch von Raubtierk\u00e4fig<\/em><\/p>\n<p>Was also muss alles passieren, um die elektrische Energie, die durch die Stromautobahn jagt, soweit \u201eabzubremsen\u201c, dass sie auch gefahrlos die feiner ver\u00e4stelten Wege bis hinein in die Siedlungen und zu den Wohnungen passieren kann, um dann schlie\u00dflich das Gros unserer auf 220 oder 380 Volt ausgelegten Haushaltsger\u00e4te zu versorgen?<\/p>\n<p>Norbert Krebeck und Andreas Preu\u00df legen die K\u00f6pfe in den Nacken: \u00dcber uns in rund 25 Meter H\u00f6he werden die 380.000 Volt H\u00f6chstspannung der \u201eNiedersachsen Nord\u201c auf eine der insgesamt drei zur Verf\u00fcgung stehenden Sammelschienen, die einem \u201emetallenem Laubengang\u201c \u00e4hneln, geleitet. Gleich an mehreren Stellen gibt es robuste, scherenf\u00f6rmige Trennschalter, an denen der gigantische Stromfluss unterbrochen werden kann. \u201eDas ist extrem wichtig f\u00fcr die Sicherheit\u201c, erkl\u00e4rt Krebeck. Denn: Der Strom will flie\u00dfen, das ist sein Naturell &#8211; entweder kontrolliert durch die vorgegebenen Leitungen oder unkontrolliert als bedrohlicher Lichtbogen Richtung Erde. Damit letzteres nicht passiert, vermittelt jedes Umspannwerk zugleich auch einen Hauch von Raubtierk\u00e4fig: Wegen der Gefahr, die an einigen Stellen von der dort herrschenden Spannung ausgeht, gibt es in dem Labyrinth aus Gittern und Stangen immer wieder auch Bereiche, die selbst von den Mitarbeitern nicht betreten werden d\u00fcrfen. Doch an den anderen Stellen h\u00e4ngen die Metallstr\u00e4nge &#8211; genau wie an den Freileitungsmasten &#8211; so hoch, dass ein \u00dcberspringen der Ladung ausgeschlossen ist.<\/p>\n<p><em>Ein Transformator so gro\u00df wie ein G\u00fcterwaggon<\/em><\/p>\n<p>Von der Sammelschiene geht es &#8211; wiederum \u00fcber eine zwischengeschaltete Trennm\u00f6glichkeit &#8211; weiter zum eigentlichen Transformator \u201eT 421\u201c. Der ist Baujahr 1979, wiegt inklusive seiner 70.000-Liter-\u00d6l-K\u00fchlung stolze 531 Tonnen und erinnert rein optisch an einen abgekoppelten G\u00fcterwaggon. Auf seiner Eingangsseite ragen drei mehrere Meter lange \u201eIsolier-Kerzen\u201c heraus: Hier werden die 380.000 Volt eingespeist, um dann im Inneren des Transformators \u00fcber verschiedene Spulen auf eine Spannung von 220.000 Volt &#8211; immer noch \u201eH\u00f6chstspannung\u201c &#8211; herunter geregelt zu werden. Es folgen: weitere Leitungen und weitere Verteilerstellen.<\/p>\n<p>Der zweite Transformator im Velper Umspannwerk, \u201eT 411\u201c, ist daf\u00fcr zust\u00e4ndig, die H\u00f6chst- zu einer Hochspannung von 110.000 Volt zu reduzieren. Mit der geringeren Spannung, die in den nachfolgenden Leitungen herrscht, werden nun auch die Masten zusehends niedriger. Auch f\u00fcr diese Spannungsebene gibt es im Umspannwerk Velpe ein eigenes Verteilerfeld, das von dem regionalen Netzbetreiber Westnetz betreut wird. Je feiner die Ver\u00e4stelungen Richtung Endverbraucher, desto geringer die Spannung, die zum Transport der elektrischen Energie noch ben\u00f6tigt wird. Eine Ausnahme bilden die gr\u00f6\u00dferen Industriebetriebe, die mitunter \u00fcber einen eigenen 110.000-Volt-Anschluss verf\u00fcgen.<\/p>\n<p><em>Bek\u00f6mmliche 220 Volt f\u00fcr die Kaffeemaschine<\/em><\/p>\n<p>\u201eF\u00fcrstenau\u201c, \u201eIbbenb\u00fcren\u201c, \u201eLengerich\u201c, \u201eLotte\u201c oder \u201eHalen\u201c hei\u00dfen die Hochspannungsleitungen, die schlie\u00dflich den \u201eEnergie-Bahnhof\u201c am Hang zwischen der A 30 und der L 501 verlassen: Alte Bekannte, die benachbarte St\u00e4dte, Gemeinden oder vertraute Bauerschaften bezeichnen. Der Strom ist also schon fast am Ziel angekommen. An den jeweiligen Umspannanlagen vor Ort werden dann die 110.000 Volt &#8211; wiederum \u00fcber einen entsprechenden Transformator &#8211; zu einer Mittelspannung von 10.000 Volt \u201egez\u00e4hmt\u201c. Diese wird mittlerweile zum Gro\u00dfteil \u00fcber Erdkabel weiter zu den Trafo-Stationen der Ortsnetze transportiert, wo sie schussendlich in eine \u201ehausvertr\u00e4gliche\u201c Niederspannung herunter geregelt wird. \u201eUnd damit kommen dann auch die Kaffemaschine, der PC &#8211; oder die Modelleisenbahn &#8211; bestens zurecht\u201c, sagt Norbert Krebeck und nickt zufrieden.<\/p>\n<p><strong>Zur Sache &#8211; &#8222;B\u00fcrgerdialog Stromnetz&#8220;: <\/strong>Gef\u00f6rdert durch das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie betreibt die Initiative \u201eB\u00fcrgerdialog Stromnetz\u201c die Internetseite <a href=\"http:\/\/www.buergerdialog-stromnetz.de\">www.buergerdialog-stromnetz.de<\/a>. Hier k\u00f6nnen sich B\u00fcrger und Kommunen \u00fcber den im BBPIG ( Bundesbedarfsplangesetz) festgelegten Ausbau des Stromnetztes informieren und Anregungen \u00e4u\u00dfern. Auf der interaktiven Landkarte ist auch das Vorhaben \u201eConneforde &#8211; Westerkappeln\u201c verzeichnet, das \u201ezur Erh\u00f6hung der \u00dcbertragungskapazit\u00e4t im n\u00f6rdlichen Niedersachsen dient und zum Abtransport stark steigender Onshore- und Offshore-Windenergie erforderlich ist\u201c, hei\u00dft es dort. Die geplante 380.000-Volt-Leitung soll die Umspannwerke Cloppenburg und Westerkappeln miteinander verbinden. Der genaue Verlauf der Trasse steht noch nicht fest.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 09.07.2015; Westf\u00e4lische Nachrichten, 09.07.2015)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie eine lebendig gewordene Plastikfigur in einer Modelleisenbahn-Landschaft komme ich mir vor, als ich mit Andreas Preu\u00df und Norbert Krebeck durch den imposanten Wald aus Stahl spaziere. 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