{"id":319,"date":"2015-07-02T18:54:22","date_gmt":"2015-07-02T16:54:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=319"},"modified":"2019-01-04T14:06:06","modified_gmt":"2019-01-04T13:06:06","slug":"irgendwas-ist-immer-weg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=319","title":{"rendered":"Irgendwas ist immer weg &#8230;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_321\" aria-describedby=\"caption-attachment-321\" style=\"width: 714px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/wpMittendrinGehirn.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-321\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/wpMittendrinGehirn-1024x720.jpg\" alt=\"Wer gemeinsam t\u00fcftelt, lernt oft leichter \u2013 und hat in jedem Fall mehr Spa\u00df dabei: Gudrun (links) aus Westerkappeln und Heidrun aus Lotte beim Gedichte-Puzzle. Foto: Ulrike Havermeyer\" width=\"714\" height=\"502\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/wpMittendrinGehirn.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/wpMittendrinGehirn-300x211.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-321\" class=\"wp-caption-text\">Wer gemeinsam t\u00fcftelt, lernt oft leichter \u2013 und hat in jedem Fall mehr Spa\u00df dabei: Gudrun (links) aus Westerkappeln und Heidrun aus Lotte beim Gedichte-Puzzle. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Welche f\u00fcnf Dinge wollte ich nachher unbedingt im Supermarkt besorgen? Wo um Himmels Willen habe ich den Autoschl\u00fcssel hingelegt? Und wie war noch gleich der Name meines n\u00e4chsten Interviewpartners? Irgendwas ist immer weg.<\/strong><\/p>\n<p>Nicht blo\u00df, dass unser Gehirn sich Vieles merken kann, ist aus der Sicht der Wissenschaftler erstaunlich \u2013 mindestens ebenso faszinierend sei die Tatsache, sagen die Forscher, dass die kleinen grauen Zellen unn\u00fctze Informationen auch schnell wieder vergessen. Leider sind mein Denkorgan und ich uns selten einig dar\u00fcber, was denn eigentlich das Wichtige ist. Um die Beziehung zwischen meiner geistigen Schaltzentrale und mir zu optimieren, mische ich mich unter die Teilnehmer des Ged\u00e4chtnistrainings der Ortsgruppe Westerkappeln des Deutschen Roten Kreuzes.<\/p>\n<p><em>Jetzt blo\u00df nicht hibbelig werden!<\/em><\/p>\n<p>Kursleiter Berthold Vorbrink, ganzheitlicher Ged\u00e4chtnistrainer aus Ibbenb\u00fcren, blickt auffordernd in die Runde: Hausarbeitenkontrolle! W\u00e4hrend die knapp 15 Teilnehmer, allesamt aus Westerkappeln und Lotte und zwischen 59 und 82 Jahre alt, vergn\u00fcgt schwatzend ihr Unterrichtsmaterial aus den Taschen kramen, dr\u00fcckt Vorbrink mir als Nachz\u00fcglerin noch schnell ein Aufgabenblatt in die Hand: \u201eF\u00fcr Sie sicher kein Problem\u201c, l\u00e4chelt er mir aufmunternd zu. \u201eAch, du liebe G\u00fcte\u201c, denke ich und \u00fcberfliege die Themenstellung: Teekesselchen raten. Die eigene Schulzeit kommt ungewollt wieder hoch, und schon w\u00e4hne ich mich unter Zeit- und Leistungsdruck. In meinem Sch\u00e4del beginnt es leicht zu pochen \u2013 jetzt blo\u00df kein Stress, versuche ich gar nicht erst hibbelig zu werden. \u201eKleines Gotteshaus \u2013 Musikergesellschaft\u201c, das ist einfach: \u201eKapelle\u201c, notiere ich. Aber \u201eSch\u00e4delknochen \u2013 Nadelbaum\u201c? Meine Gedanken suchen vergebens nach einer \u00dcbereinstimmung \u2013 und je hektischer ich zwischen den verstaubten Regalen meines Ged\u00e4chtnisses herum irre, desto verstockter scheint mein Gehirn zu schmollen und verweigert mir die Kooperation.<\/p>\n<p><em>Sich gegenseitig inspirieren<\/em><\/p>\n<p>\u201eMit dem Paar hab ich mich auch schwer getan.\u201c Neben mir sitzt die 72-j\u00e4hrige Gudrun, beugt sich zu mir her\u00fcber und befreit mich aus meiner Trance. \u201eGuck mal hier.\u201c Sie schiebt mir ihren Zettel r\u00fcber. Na klar: Kiefer! Wir l\u00e4cheln uns am\u00fcsiert zu. \u201eAber das N\u00e4chste habe ich einfach nicht raus gekriegt\u201c, sch\u00fcttelt sie den Kopf: \u201eK\u00f6rperorgan \u2013 Frucht eines Baumes. Adamsapfel?\u201c Vom Tisch gegen\u00fcber ruft uns jemand \u201eMandel!\u201c zu. Mit einem Mal registriere ich, dass l\u00e4ngst alle Teilnehmer im Raum in eine muntere Unterhaltung \u00fcber das eine oder andere widerspenstige Teekesselchen verfallen sind \u2013 und worauf es Berthold Vorbrink, der schweigend und mit wohlwollendem Interesse an seinem Pult sitzt, mit seinem Wortequiz in Wirklichkeit ankommt: Von wegen Kontrolle und Leistungsdruck \u2013 hier geht es ums Kommunizieren! Darum, gemeinsam Spa\u00df an geistigen Herausforderungen zu entwickeln. Sich auszutauschen, sich gegenseitig zu inspirieren \u2013 und vor allem: keine Angst vor dem Vergessen, sondern Freude am \u00dcben zu bekommen. \u201eBeim Ged\u00e4chtnistraining ist tats\u00e4chlich der Weg das Ziel\u201c, betont Kursleiter Vorbrink: \u201eDie komplette L\u00f6sung \u2013 in diesem Fall also: alle Teekesselchen herauszufinden, ist zweitrangig.\u201c Viel wichtiger sei es, sich mit der Aufgabe zu besch\u00e4ftigen \u2013 \u201eJe intensiver und lustvoller, desto besser.\u201c<\/p>\n<p><em>Das Denken in Schwung halten<\/em><\/p>\n<p>Ob Wortpaare oder selbst gereimter Vierzeiler, Bilderr\u00e4tsel, Bewegungsspiel oder Zahlenpuzzle: Wer seine grauen Zellen vielseitig und regelm\u00e4\u00dfig anregt, der h\u00e4lt sein gesamtes Denken in Schwung. Und je entspannter die Stimmung beim \u00dcben, desto lieber macht das eigene Gehirn dabei mit. \u201eIn so einem Kurs mit lauter Gleichgesinnten macht das in der Regel am meisten Spa\u00df\u201c, spricht Vorbrink aus Erfahrung. \u201eAber man sollte schon auch zuhause f\u00fcr sich weiter trainieren.\u201c Die \u00dcbungen, die er vorbereitet hat, sprechen die unterschiedlichsten Funktionen des Gehirns an: Konzentrations- und Merkf\u00e4higkeit. Assoziatives Denken. Die F\u00e4higkeit, komplexe Inhalte zu strukturieren. Die Flexibilit\u00e4t, auch einmal die geistige Richtung zu \u00e4ndern oder um die Ecke zu denken. \u201eGanz allgemein versuche ich, die Kreativit\u00e4t und die Fantasie meiner Kursteilnehmer zu trainieren.\u201c<\/p>\n<p><em>&#8222;Auch ein Kanzler bringt seine Kohle selber mit&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Ein Beispiel gef\u00e4llig? Der Ged\u00e4chtnistrainer gibt verschiedene W\u00f6rter vor \u2013 Mann, Tee, K\u00fcche, Hustenbonbon, Thermometer \u2013 und jeder denkt sich eine kleine Geschichte aus, in der alle diese W\u00f6rter vorkommen. Beobachtung: Je verr\u00fcckter, unwahrscheinlicher und also fantasievoller die Erz\u00e4hlung ausf\u00e4llt, desto leichter und l\u00e4nger kann man sie sich merken. \u201eSo k\u00f6nnen Sie auch mit ihrer Einkaufsliste verfahren\u201c, schl\u00e4gt Vorbrink vor: \u201eOder sie bilden einen Satz aus den Anfangsbuchstaben der Dinge, die sie besorgen wollen \u2013 das reicht oft schon.\u201c Und w\u00e4hrend ich noch dar\u00fcber nachsinne, welches kuriose Abenteuer Marmelade, K\u00e4se, Dinkelmehl, Katzenstreu und Sp\u00fclmittel miteinander erleben k\u00f6nnten, gibt uns der 59-j\u00e4hrige Ibbenb\u00fcrener eine letzte Eselsbr\u00fccke mit auf den Weg: \u201eAuch ein Kanzler bringt seine Kohle selber mit.\u201c Die Anfangsbuchstaben der W\u00f6rter ergeben die Anfangsbuchstaben s\u00e4mtlicher Kanzler der Bundesrepublik in der richtigen Reihenfolge.<\/p>\n<p><em>Mittendrin, Ged\u00e4chtnistraining, Ged\u00e4chtnis, Gehirn, Senioren<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche f\u00fcnf Dinge wollte ich nachher unbedingt im Supermarkt besorgen? 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