{"id":3186,"date":"2018-07-10T19:48:01","date_gmt":"2018-07-10T17:48:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3186"},"modified":"2018-08-29T12:53:50","modified_gmt":"2018-08-29T10:53:50","slug":"das-stille-leiden-der-heimischen-suesswasserfische","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3186","title":{"rendered":"Das stille Leiden der heimischen S\u00fc\u00dfwasserfische"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3188\" aria-describedby=\"caption-attachment-3188\" style=\"width: 3367px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Aqua4.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3188\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Aqua4.jpg\" alt=\"\" width=\"3367\" height=\"2384\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Aqua4.jpg 3367w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Aqua4-300x212.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Aqua4-768x544.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Aqua4-1024x725.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Aqua4-1200x850.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 3367px) 100vw, 3367px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3188\" class=\"wp-caption-text\">Drei Frauen\u00a0\u2013 Eva Pier (von links), Dr. Svenja Gertzen und Nina Dorenkamp\u00a0\u2013 und ein wagemutiger kleiner Flussbarsch, der unmittelbar nach dem Foto wieder zu Wasser gelassen wurde, kl\u00e4rten die Kursteilnehmer \u00fcber den Zustand der heimischen Gew\u00e4sser und ihrer Bewohner auf. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Reh, Hase, Fuchs \u2013 kenne ich. Auch Kohlmeise, Buchfink und Zaunk\u00f6nig wei\u00df ich zu unterscheiden. Aber Barbe und D\u00f6bel, Koppe oder Quappe? Nie geh\u00f6rt. Damit das nicht so bleibt, nehme ich am Workshop \u201eHeimische S\u00fc\u00dfwasserfische\u201c teil.<\/strong><\/p>\n<p>Wer in Wanderstiefeln oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, legt zwischendurch gerne mal ein P\u00e4uschen ein. Und weil Wasser eine magische Anziehungskraft auf die meisten Menschen aus\u00fcbt, sind Rastpl\u00e4tze im Uferbereich eines Sees, an einem Kanal oder Fluss oft besonders begehrt. Ich lehne mich bei diesen Gelegenheiten am liebsten gegen das Gel\u00e4nder einer Br\u00fccke, schaue in das unter mir dahin pl\u00e4tschernde Wasser und lasse meine Gedanken treiben.<\/p>\n<p>Meditative Momente sind das, in denen man die Augen schlie\u00dft, das Wasser gurgeln, den Wind durch die Bl\u00e4tter streichen und die V\u00f6gel singen h\u00f6rt. Und genau da f\u00e4ngt das Problem mit den Fischen an: Sie sagen nichts. Und wer nicht gerade geduldig und konzentriert ins Wasser starrt, der sieht sie auch nicht. Als w\u00e4re das nicht schon hinderlich genug, kommt noch dazu, dass, wer wie ich weder Angler noch Gew\u00e4sserkundler oder gar Hobby-Ichthyologe ist, der erkennt \u2013 falls er denn das seltene Gl\u00fcck einer Begegnung hat \u2013 allenfalls mehr oder weniger lange graue Gestalten, die mehr oder weniger hektisch durch das nasse Element gleiten. Ob sich hinter dem schwerlich zu fokussierenden, nicht greifbaren Gewusel ein Aland, ein Schlammpeitzger, eine Karausche oder eine Schmerle verbirgt? Keine Ahnung\u2026!<\/p>\n<p><em>F\u00fcr das Thema sensibilisieren<\/em><\/p>\n<p>\u201eIm Rahmen unserer ,Bildungsoffensive Natur\u2018 wollen wir in diesem Workshop, den wir gemeinsam mit dem Landesfischereiverband Westfalen und Lippe (LFV) anbieten, f\u00fcr das Thema ,Heimische S\u00fc\u00dfwasserfische, Bestand, Gef\u00e4hrdung und Schutz\u2018 \u00fcberhaupt erst einmal sensibilisieren\u201c, erkl\u00e4rt Eva Pier von der Natur- und Umweltschutzakademie NRW (NUA). Immer weniger Menschen h\u00e4tten heutzutage einen Bezug zur Natur, bedauert Pier, geschweige denn zur schwer zug\u00e4nglichen Unterwasserwelt: \u201eVielen ist gar nicht klar, dass mehr als 60 verschiedene Fischarten in unseren Gew\u00e4ssern leben.\u201c Mit dieser Entfremdung gehe leider auch zunehmend das Wissen verloren, wie diese Arten hie\u00dfen, wie man sie erkenne, welchen Gef\u00e4hrdungen sie aktuell ausgesetzt seien \u2013 und wie man die Lebensbedingungen f\u00fcr sie verbessern k\u00f6nne.<\/p>\n<p>35 Teilnehmer sitzen im komplett ausgebuchten Blauen Klassenzimmer des LFV in M\u00fcnster, um sich mit dem Artenreichtum, der Diversit\u00e4t, in den Still- und Flie\u00dfgew\u00e4ssern Westfalens vertraut zu machen. Eine 14-j\u00e4hrige Sch\u00fclerin ist mit dabei, einige Lehrer, Vertreter von Naturschutzorganisationen und Umweltbeh\u00f6rden, von der Bezirksregierung und aus den Kommunen sowie auch Privatpersonen. W\u00e4hrend die Fischkenner des LFV uns in faktengespickten Vortr\u00e4gen mit theoretischen Grundkenntnissen anf\u00fcttern, wartet in den Wasserbecken im schattigen Innenhof bereits das Anschauungsmaterial: \u201eDie Tiere haben wir in unserer Reuse in einer Fischaufstiegsanlage bei L\u00fcnen aus der Lippe gefangen\u201c, erl\u00e4utert Svenja Gertzen. Die promovierte Biologin betreut ein Forschungsprojekt, das den Fischbestand in der Lippe erfasst, Gr\u00fcnde f\u00fcr die je nach Fischart durchaus dramatischen R\u00fcckg\u00e4nge benennt und Ma\u00dfnahmen zur Stabilisierung der Populationen erarbeitet.<\/p>\n<p><em>Kooperation mit lokalen Angelvereinen<\/em><\/p>\n<p>\u201eDie Prognosen zur Entwicklung eines Fischbestands lassen sich nur \u00fcber mehrere Jahre lang erfasste Datenreihen abbilden\u201c, betont Nikola Thei\u00dfen vom Landesamt Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW und verweist auf das digitale Auskunftssystem unter <a href=\"http:\/\/fischinfo.naturschutzinformationen.nrw.de\/fischinfo\/de\/start\">fischinfo.naturschutzinformationen.nrw.de\/fischinfo\/de\/start<\/a>, mit dessen Hilfe sich jeder \u00fcber die bisher erhobenen Z\u00e4hlungen informieren kann. \u201eWichtig ist es, alle Arten im Blick zu behalten\u201c, sagt Thei\u00dfen. Nicht nur die gef\u00e4hrdeten, sondern auch die invasiven (eingewanderten) Arten und die vermeintlich stabilen Populationen. Besonders die Kooperation mit den lokalen Angelvereinen sei f\u00fcr eine m\u00f6glichst engmaschige Erfassung der Fischarten in Westfalen von gro\u00dfer Bedeutung.<\/p>\n<p>Am Beispiel des Aals verdeutlicht Diplom-Biologe Carsten Nolting, wie ein einstmals bei uns weit verbreiteter \u201eBrotfisch\u201c in den vergangenen Jahrzehnten bis an den Rand seiner Existenz gedr\u00e4ngt wurde. Die Ursachen seien vielf\u00e4ltig und m\u00f6glicherweise auch noch nicht vollst\u00e4ndig bekannt, gibt Nolting zu bedenken, aber egal welche Art man betrachte, f\u00fcr deren R\u00fcckgang seien oft \u00e4hnliche Faktoren mit verantwortlich: Ausbau der Gew\u00e4sser und somit Verlust nat\u00fcrlicher Lebensr\u00e4ume, Querbauwerke in den Flusssystemen (Wasserkraft), Umweltgifte, Krankheiten und Parasiten, Konkurrenz durch invasive Arten, zunehmender Druck durch Fressfeinde (Kormoran) sowie die Klimaver\u00e4nderung.<\/p>\n<p><em>Die \u00d6ffentlichkeit mit ins Boot holen<\/em><\/p>\n<p>Ganz sch\u00f6n heikel, so ein Leben als Flossentr\u00e4ger, d\u00e4mmert es mir mehr und mehr. Die verborgene Welt unter Wasser ist, so friedlich die Wellen aus menschlicher Sicht denn auch dahin gluckern m\u00f6gen, alles andere als ein Ponyhof. Derart von den Fachleuten aufgekl\u00e4rt, wird mir schon etwas mulmig zumute, als ich der schimmernden Rotfeder, dem marmorierten Wels und dem h\u00fcbsch geb\u00e4nderten Flussbarsch, die da im Aquarium ihre Runden drehen, in die tiefgr\u00fcndigen Augen schaue. W\u00e4hrend die hier zwischengeh\u00e4lterten Exemplare allein durch Anwesenheit mithelfen, die \u00d6ffentlichkeit auf die vertrackte Situation in den heimischen Gew\u00e4ssern aufmerksam zu machen, schwimmen ihre Artgenossen in D\u00fcte und Hase, Mittellandkanal und Aa einer ungewissen Zukunft entgegen.<\/p>\n<p>\u00dcber weitere Kursangebote informiert die Natur- und Umweltschutzakademie auf ihrer Internetseite <a href=\"http:\/\/www.nua.nrw.de\">www.nua.nrw.de<\/a>. Der Landesfischereiverband pr\u00e4sentiert sich unter <a href=\"http:\/\/www.lfv-westfalen.de\">www.lfv-westfalen.de<\/a>. Angebote zum Kennenlernen der heimischen Gew\u00e4sser und ihrer Bewohner \u2013 speziell f\u00fcr Kinder und Jugendliche \u2013 hat das Projekt Finne (Fischwelt in NRW neu entdecken) erarbeitet. Kitas, Grundschulen und weiterf\u00fchrende Schulen bis Sek. II k\u00f6nnen an kostenlosen Workshops im Blauen Klassenzimmer in M\u00fcnster teilnehmen oder das mobile Finne-Team zu sich einladen. Ausk\u00fcnfte erteilt Projektleiterin Nina Dorenkamp unter Telefon 0251\/4827121.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 04.07.2018)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reh, Hase, Fuchs \u2013 kenne ich. Auch Kohlmeise, Buchfink und Zaunk\u00f6nig wei\u00df ich zu unterscheiden. Aber Barbe und D\u00f6bel, Koppe oder Quappe? Nie geh\u00f6rt. 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