{"id":3182,"date":"2017-06-28T17:04:45","date_gmt":"2017-06-28T15:04:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3182"},"modified":"2018-06-30T17:15:56","modified_gmt":"2018-06-30T15:15:56","slug":"mehr-als-ein-hauch-von-frust","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=3182","title":{"rendered":"Mehr als ein Hauch von Frust"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3183\" aria-describedby=\"caption-attachment-3183\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll1b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3183\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll1b.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1007\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll1b.jpg 1500w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll1b-300x201.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll1b-768x516.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll1b-1024x687.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll1b-1200x806.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3183\" class=\"wp-caption-text\">Mittlerweile bringen die unliebsamen Partyg\u00e4ste nicht nur Grillgut und Getr\u00e4nke mit zum See, sondern den Einkaufswagenl gleich dazu. Das anschlie\u00dfende Aufr\u00e4umen bleibt an den Anglern h\u00e4ngen. Fotos (2): Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"teaser\"><strong>Seit Mitte der 1980er Jahre haben die Wersener Angler den Sundermannsee gepachtet \u2013 \u201eund seitdem k\u00e4mpfen wir gegen den M\u00fcll\u201c, sagt ihr Vorsitzender Roland Enders. \u00dcberwiegend vergebens. Denn das gro\u00dfe Aufr\u00e4umen erweist sich als Kampf gegen Windm\u00fchlen.<\/strong><\/p>\n<div id=\"content-jump-to\" class=\"content\">\n<p>Leere Bierdosen, Einmal-Grill-Sets, zerkn\u00fcllte Chipst\u00fcten. Besucher, die das Areal rund um den Baggersee mit einem \u00f6ffentlichen Biergarten verwechseln und anschlie\u00dfend s\u00e4mtlichen Dreck einfach liegenlassen, habe es hier schon immer gegeben und werde es wohl auch weiter geben, scheint Enders, Vorsitzender des Fischerei- und Naturschutzvereins Wersen, sich in sein Schicksal gef\u00fcgt zu haben. Seine Stimme klingt m\u00fcde. Mehr als ein Hauch von Frustration schwingt mit, wenn er \u00fcber den Zustand des Gel\u00e4ndes berichtet. Gegen die Gleichg\u00fcltigkeit und R\u00fccksichtslosigkeit der Partyszene haben er und seine Vereinskollegen in all den Jahren kein Rezept gefunden. Je nach Temperatur und Wetterlage, sp\u00e4testens aber am ersten Mai, geht es los. Immer wieder. Jedes Jahr das Gleiche.<\/p>\n<p><em>Die Landkarte des Vergn\u00fcgens<\/em><\/p>\n<p>Zugegeben: Auch wir hatten fr\u00fcher als Jugendliche den Sundermannsee auf unserer ganz pers\u00f6nlichen Landkarte des Vergn\u00fcgens fest vermerkt. Wasser \u00fcbt zweifellos eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus \u2013 und die Nordsee ist weit. Damals hatte die Nieders\u00e4chsisch Westf\u00e4lische Anglervereinigung (NWA) das Gel\u00e4nde allerdings noch nicht gepachtet. Und Badeg\u00e4ste aus der n\u00e4heren und weiteren Umgebung bev\u00f6lkerten allsommerlich die Str\u00e4nde. Man w\u00e4hnte sich mehr oder weniger in einer gesetzlichen Grauzone. Heute dagegen ist klar geregelt: Baden im See ist genauso verboten wie das Befahren des Gew\u00e4ssers \u2013 etwa mit einem Schlauchboot. Und dass jeder den M\u00fcll, den er verursacht, auch ordnungsgem\u00e4\u00df entsorgt, sollte eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sein. Eigentlich.<\/p>\n<p><em>Ein Einkaufswagen voller Dreck<\/em><\/p>\n<p>Die weggeworfenen Tetrapacks, Pl\u00e4tzchenschachteln und Thunfisch-Konserven geben eine andere Antwort. Doch trotz der anstehenden Sisyphos Arbeit \u2013 einer Aufgabe, die niemals fertiggestellt werden kann \u2013 haben sich auch an diesem Wochenende wieder um die zwanzig Angler aufgerafft, ihre naturnah gestaltete Fl\u00e4che zumindest vor\u00fcbergehend vom M\u00fcll zu befreien. \u201e2016 haben wir im Laufe von drei \u00fcber das Jahr verteilten Aufr\u00e4um-Aktionen fast eine Tonne Abfall abtransportiert\u201c, erinnert sich Vereinsmitglied Dirk Priggemeyer. Der Westerkappelner lenkt seinen Pkw samt Gitterwagen in Richtung der Uferzone, denn blaue S\u00e4cke und Greifzangen reichen schon lange nicht mehr aus, um der Hinterlassenschaft der ungebetenen G\u00e4ste Herr zu werden. Mit zwei Mann schleppen die Angler einen bis \u00fcber den Rand mit Plastikbechern, Essensresten, allerlei Flaschen und Dosen sowie einem alten Autoreifen gef\u00fcllten Einkaufswagen aus dem Geb\u00fcsch. Priggemeyer sch\u00fcttelt den Kopf: \u201eIst es denn wirklich so schwer, den M\u00fcll, den man macht, auch wieder mitzunehmen?\u201c Eine rein rhetorische Frage.<\/p>\n<p><em>Indizien eines ungehemmten Lotterlebens<\/em><\/p>\n<p>Nach diversen geborgenen Sechser-Pack-Pappen, Ketchup-Flaschen und Plastikt\u00fcten, an denen noch die Marinade-Reste kleben, entwickle auch ich ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, die Beschaffenheit und die Lage des M\u00fclls zu Indizien eines so ungehemmten wie zweifelhaften Lotterlebens zusammenzuf\u00fcgen: Wo feiner, heller Sand dem Rand des Sees einen einladenden Strandcharakter verleiht, t\u00fcrmen sich rund um die improvisierten Feuerstellen die unappetitlichen Relikte der veranstalteten Gelage. In den lauschigen Nischen, die dicht mit Schilfgras bewachsen sind, dominieren die Zigarettenkippen. In den angrenzenden Weidengeb\u00fcschen treffe ich dagegen vor allem auf \u2013 gar nicht mal so dezent verteilte \u2013 H\u00e4ufchen von Papiertaschent\u00fcchern: So ein Tag am See l\u00e4sst die Verdauung nicht still stehen. Ein mittlerweile zerfledderter Sonnenschirm erz\u00e4hlt von unbeschwerten Stunden im Halbschatten. Die blau gestrichene Schrankt\u00fcr mag als Sitzbank gedient haben. Aber was der zur\u00fcckgelassene Leitpfahl bezwecken sollte, erschlie\u00dft sich mir nicht.<\/p>\n<p>Nach dem Sammeln ist vor dem Sammeln&#8230;<\/p>\n<p>Knapp vierhundert Kilo M\u00fcll, bilanziert Dirk Priggemeyer sp\u00e4ter, haben die Angler an diesem Tag gesammelt. Die Kosten f\u00fcr die Entsorgung werden von der Gemeinde Lotte \u00fcbernommen. Die ehrenamtliche Arbeit und den wachsenden Frust \u00fcber die Achtlosigkeit mancher Mitb\u00fcrger \u00fcbernehmen die Angler. Wie in jedem Jahr.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3184\" aria-describedby=\"caption-attachment-3184\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll2b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3184\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll2b.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1125\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll2b.jpg 1500w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll2b-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll2b-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll2b-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/M\u00fcll2b-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3184\" class=\"wp-caption-text\">Besonders im Bereich der flachen, sandigen Uferzonen verstr\u00f6mt der See den zweifelhaften Charme einer M\u00fcllhalde.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 28.06.2017)<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Mitte der 1980er Jahre haben die Wersener Angler den Sundermannsee gepachtet \u2013 \u201eund seitdem k\u00e4mpfen wir gegen den M\u00fcll\u201c, sagt ihr Vorsitzender Roland Enders. \u00dcberwiegend vergebens. 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