{"id":2981,"date":"2018-05-22T18:42:37","date_gmt":"2018-05-22T16:42:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2981"},"modified":"2020-04-03T16:15:33","modified_gmt":"2020-04-03T14:15:33","slug":"leichte-sprache-schwierige-sprache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2981","title":{"rendered":"Leichte Sprache \u2013 schwierige Sprache!"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2999\" aria-describedby=\"caption-attachment-2999\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2999\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze1.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze1.jpg 800w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze1-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze1-768x432.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2999\" class=\"wp-caption-text\">Reichlich ratlos unter den Wegweisern in der Osnabr\u00fccker Altstadt stehen Andreas Wulfekammer (von links), Stefanie Mergelmeyer, Shpresa Matoshi, Osman Sakinmaz, Lukas M\u00f6ller, Thorsten Lotze und Gabriele Kalkstein. Foto: Philipp H\u00fclsmann\/NOZ<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Angefangen hat das Ganze in einem Seminar \u201eLeichte Sprache\u201c. Aufh\u00f6ren tut es vermutlich nie. Irgendwann dazwischen ist diese Reportage entstanden.<\/strong><\/p>\n<p>Was genau das Ganze ist, um das es hier geht? Gute Frage. Denn mit dem Formulieren einer Antwort nimmt das Problem auch schon Fahrt auf \u2013 und katapultiert uns mitten hinein in die Materie. In den Wortsalat. In das Kuddelmuddel aus Schreiben und Verstehen, aus Erkl\u00e4ren und Verwirren, aus Nachdenken und Neudenken. Sogar vermeintlich Selbstverst\u00e4ndliches l\u00e4sst sich n\u00e4mlich oft gar nicht so leicht in Worte fassen. Von komplizierteren Zusammenh\u00e4ngen gar nicht erst zu reden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2990\" aria-describedby=\"caption-attachment-2990\" style=\"width: 375px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/LeichteSprache.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2990\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/LeichteSprache-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"281\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/LeichteSprache-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/LeichteSprache-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/LeichteSprache-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/LeichteSprache-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2990\" class=\"wp-caption-text\">Regelm\u00e4\u00dfig bietet das Netzwerk Leichte Sprache Seminare und Workshops an. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Nur nicht den Mut verlieren<\/em><\/p>\n<p>\u201eWas hei\u00dft ,vermeintlich Selbstverst\u00e4ndliches\u2018?\u201c, fragt Shpresa Matoshi und sch\u00fcttelt belustigt den Kopf. Shpresa Matoshi ist ausgebildete Pr\u00fcferin f\u00fcr Leichte Sprache und Mitarbeiterin im Osnabr\u00fccker <a href=\"http:\/\/www.lotze-sprache.de\">\u201eB\u00fcro f\u00fcr Leichte Sprache und Barrierefreiheit\u201c<\/a>. Als Lernbehinderte mit einer Sehschwierigkeit kontrolliert sie Texte in Leichter Sprache auf deren Verst\u00e4ndlichkeit. Formulare von Beh\u00f6rden beispielsweise. Oder Arbeitsvertr\u00e4ge von Firmen. Zum Gl\u00fcck macht sie das mit viel Wohlwollen und Geduld \u2013 und mit noch mehr Humor, sodass auch unge\u00fcbte Schreiberinnen, die fest in der Standardsprache verhaftet sind, nicht sofort den Mut verlieren.<\/p>\n<p><em>Hindernisse aus Buchstaben<\/em><\/p>\n<p>Und wo wir schon einmal dabei sind, Shpresa Matoshi l\u00e4chelt so charmant wie unerbittlich: \u201eWas bedeutet ,in Worte fassen\u2018?\u201c Also ein neuer Versuch: Dieser Text, das Ganze mithin, handelt von Sprache. Von leichten und von schwierigen W\u00f6rtern. Von einfachen S\u00e4tzen, die jeder verstehen kann, und von verschwurbeltem Kauderwelsch. Von Hindernissen im Kopf, die aus Buchstaben gebaut sind. Und davon, wie man diese Hindernisse wegr\u00e4umen kann. Von Inklusion. Und \u2013 ja! \u2013 er handelt auch davon, wie schwierig es f\u00fcr Amateure ist, sich in Leichter Sprache auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p><em>Viele Medien tun sich (noch) schwer<\/em><\/p>\n<p>Denn dieser Text ist, soviel steht leider fest, ganz sicher nicht in Leichter Sprache geschrieben \u2013 weder, was die Wortwahl und den Satzbau, noch was das Schriftbild betrifft. W\u00e4hrend sich viele Redaktionen mit dem Thema Leichte Sprache noch schwertun (Ausnahmen sind zum Beispiel <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/leicht\">www.taz.de\/leicht<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.nachrichtenleicht.de\">www.nachrichtenleicht.de<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/service\/leichte_sprache\">www.ndr.de\/fernsehen\/service\/leichte_sprache<\/a>), bieten immer mehr Bundes- und Landesbeh\u00f6rden, \u00c4mter, Institutionen und Unternehmen zus\u00e4tzliche Versionen ihrer Standardtexte in Leichter Sprache an. Beziehungsweise sie sind aufgefordert, genau das zu tun.<\/p>\n<p><em>Engagiertes Netzwerk<\/em><\/p>\n<p>\u201eMit der Novellierung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) sind die Einrichtungen des Bundes seit dem 1. Januar 2018 dazu verpflichtet, Texte in Leichter Sprache vorzuweisen\u201c, erkl\u00e4rt Thorsten Lotze, Vorstandsmitglied des Vereins \u201e<a href=\"https:\/\/www.leichte-sprache.org\/\">Netzwerk Leichte Sprache<\/a>\u201c. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von rund 85 \u00dcbersetzungsb\u00fcros aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Die Mitglieder des Vereins engagieren sich speziell f\u00fcr die Teilhabe aller Menschen an Kommunikation, Information und Meinungsbildung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3003\" aria-describedby=\"caption-attachment-3003\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3003\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze2-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"444\" height=\"295\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze2-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze2-768x511.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze2-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze2-1200x799.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Lotze2.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3003\" class=\"wp-caption-text\">K\u00e4mpfen gemeinsam f\u00fcr mehr Verst\u00e4ndnis: Osman Sakinmaz vom B\u00fcro f\u00fcr Leichte Sprache und Muriel Franek, Lehrbeauftragte der Hochschule Osnabr\u00fcck. Foto: Philipp H\u00fclsmann\/NOZ<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im BGG hei\u00dft es unter Paragraf 11, Verst\u00e4ndlichkeit und Leichte Sprache: \u201eTr\u00e4ger \u00f6ffentlicher Gewalt (\u2026) sollen mit Menschen mit geistigen Behinderungen und Menschen mit seelischen Behinderungen in einfacher und verst\u00e4ndlicher Sprache kommunizieren. Auf Verlangen sollen sie ihnen insbesondere Bescheide, Allgemeinverf\u00fcgungen, \u00f6ffentlich-rechtliche Vertr\u00e4ge und Vordrucke in einfacher und verst\u00e4ndlicher Weise erl\u00e4utern.\u201c Und weiter: \u201eDie Bundesregierung wirkt darauf hin, dass die (\u2026) Tr\u00e4ger \u00f6ffentlicher Gewalt die Leichte Sprache st\u00e4rker einsetzen und ihre Kompetenzen f\u00fcr das Verfassen von Texten in Leichter Sprache auf- und ausgebaut werden.\u201c<\/p>\n<p><em>Aktive Verben, kurze S\u00e4tze<\/em><\/p>\n<p>Nach den <a href=\"https:\/\/www.leichte-sprache.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Regeln_Leichte_Sprache.pdf\">Richtlinien des Netzwerks<\/a> ist die Leichte Sprache unter anderem gekennzeichnet durch: bekannte und m\u00f6glichst kurze W\u00f6rter, aktive Verben, kurze S\u00e4tze, einen einfachen Satzbau, das Vermeiden von Fach- und Fremdw\u00f6rtern, das Vermeiden von Sprichw\u00f6rtern und Redewendungen sowie das Vermeiden des Konjunktivs. Geschrieben wird sie in gro\u00dfer Schrift (mindestens Schriftgr\u00f6\u00dfe 14 Punkt), linksb\u00fcndig, mit vielen Abs\u00e4tzen und gro\u00dfem Zeilenabstand. Der Ratgeber \u201eLeichte Sprache\u201c des Bundesministeriums f\u00fcr Arbeit und Soziales in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Leichte Sprache umfasst 50 Regeln und Tipps f\u00fcr das Schreiben und Gestalten von Texten, den Einsatz von Abbildungen und das Verwenden von Zahlen und Symbolen.<\/p>\n<p><em>Experten mit Lernschwierigkeiten<\/em><\/p>\n<p>Thorsten Lotze, der als Diplom-Sozialarbeiter hauptberuflich bei der Heilp\u00e4dagogischen Hilfe in Osnabr\u00fcck t\u00e4tig ist, befasst sich schon seit fast zehn Jahren mit dem Thema Leichte Sprache. Im November 2014 hat er das B\u00fcro f\u00fcr Leichte Sprache und Barrierefreiheit gegr\u00fcndet, in dem au\u00dfer Shpresa Matoshi noch sechs weitere Mitarbeiter mit Lernschwierigkeiten als ausgebildete Pr\u00fcfer besch\u00e4ftigt sind. \u201eWer anderes als Shpresa und ihre Kollegen k\u00f6nnte besser beurteilen, ob ein in Leichte Sprache \u00fcbersetzter Text auch tats\u00e4chlich verst\u00e4ndlich ist?\u201c, gibt er zu bedenken, \u201esie sind hier ganz klar die Experten.\u201c Gemeinsam haben sie unter anderem die Brosch\u00fcre \u201eDie Deutschen Grundrechte. Eine Zusammenfassung in Leichter Sprache\u201c mit herausgegeben:<a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/GrundrechteLeichteSprache.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-2984\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/GrundrechteLeichteSprache.png\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"435\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/GrundrechteLeichteSprache.png 553w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/GrundrechteLeichteSprache-300x187.png 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Derzeit arbeitet das Team an einem besonders spannenden Projekt: In Kooperation mit der <a href=\"https:\/\/www.hs-osnabrueck.de\/\">Hochschule Osnabr\u00fcck<\/a> entwickeln Lotze, Matoshi und ihre Mitstreiter ein Konzept f\u00fcr eine inklusive Stadtf\u00fchrung. Regelm\u00e4\u00dfig treffen sie sich mit Stefanie Mergelmeyer und Lukas M\u00f6ller, die sich im Studiengang Soziale Arbeit f\u00fcr das Praxisprojekt Behinderung eingeschrieben haben. \u201eZuerst habe ich gedacht: Leichte Sprache ist bestimmt total einfach\u201c, erinnert sich M\u00f6ller, noch immer reichlich am\u00fcsiert \u00fcber die eigene Naivit\u00e4t. \u201eAber sich mit Leichter Sprache auseinanderzusetzen, ist nicht nur anspruchsvoller als erwartet, sondern auch sehr interessant und vor allem: nachhaltig.\u201c Denn ganz gleich, ob er es beruflich sp\u00e4ter einmal mit Menschen mit Behinderungen oder Lernschwierigkeiten zu tun bekomme, mit \u00e4lteren oder an Demenz erkrankten Personen, mit Migranten oder funktionalen Analphabeten \u2013 Leichte Sprache erleichtert vieles. Und das in nahezu allen Bereichen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3000\" aria-describedby=\"caption-attachment-3000\" style=\"width: 475px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/890_0008_22606420_Samstagsreportage_Samstagsreportage_zu.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3000\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/890_0008_22606420_Samstagsreportage_Samstagsreportage_zu-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"475\" height=\"316\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/890_0008_22606420_Samstagsreportage_Samstagsreportage_zu-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/890_0008_22606420_Samstagsreportage_Samstagsreportage_zu-768x511.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/890_0008_22606420_Samstagsreportage_Samstagsreportage_zu-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/890_0008_22606420_Samstagsreportage_Samstagsreportage_zu-1200x799.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/890_0008_22606420_Samstagsreportage_Samstagsreportage_zu.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 475px) 100vw, 475px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3000\" class=\"wp-caption-text\">Eine inklusive Stadtf\u00fchrung in Leichter Sprache plant das Team um Thorsten Lotze. Foto: Philipp H\u00fclsmann\/NOZ<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Im Rollstuhl \u00fcbers Kopfsteinpflaster<\/em><\/p>\n<p>Ortstermin in der Osnabr\u00fccker Altstadt. Tatendurstig rollt und spaziert die bunt gemischte Truppe mit wachen Augen und eifrig diskutierend vom Heger Tor in Richtung Dom. Eine Route f\u00fcr die geplante Stadtf\u00fchrung muss ausget\u00fcftelt \u2013 und praktisch erprobt werden. Nicht zu lang darf sie sein. Zeitlich und k\u00f6rperlich gut zu bew\u00e4ltigen. Und nat\u00fcrlich: inhaltlich reizvoll. Osman Sakinmaz und Andreas Wulfekammer vom B\u00fcro f\u00fcr Leichte Sprache und Barrierefreiheit rattern mit Rollstuhl und Scooter skeptisch \u00fcber das Kopfsteinpflaster des historischen Marktplatzes. Jeder Versatz, jede Kante kann hier zur gef\u00e4hrlichen Stolperfalle werden.<\/p>\n<p><em>Wirrwarr aus Hinweistafeln<\/em><\/p>\n<p>\u201eSehr anstrengend ist das f\u00fcr mich\u201c, moniert Sakinmaz, dass es die Stadtverwaltung offenbar nicht ernsthaft darauf anlegt, den Weg f\u00fcr Touristen mit Behinderung zu ebnen. Selbst der Zugang zum \u00f6ffentlichen Behinderten-WC neben dem Rathaus ist nur \u00fcber arg holperiges Gel\u00e4uf m\u00f6glich. An einer Kreuzung in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone legt Andreas Wulfekammer den Kopf weit in den Nacken, um aus seiner Position heraus die Zeichen an einem der Schilderb\u00e4ume wenigstens halbwegs zu erkennen: Ein verblichener Steckenpferdreiter. Eine kryptische Wellenlinie. Ein horizontal rot-wei\u00df geteiltes Quadrat. Und ziemlich viele, ziemlich winzige Buchstaben. Was das alles bedeutet? Andreas Wulfekammer wiegt unschl\u00fcssig den Kopf: \u201eWei\u00df ich nicht.\u201c Auch Stefanie Mergelmeyer, Lukas M\u00f6ller, Gabriele Kalkstein, Shpresa Matoshi und Thorsten Lotze be\u00e4ugen einigerma\u00dfen ratlos das Wirrwarr aus Hinweistafeln.<\/p>\n<p><em>Perspektivenwechsel er\u00f6ffnet neue Zug\u00e4nge<\/em><\/p>\n<p>\u201eMenschen mit Einschr\u00e4nkungen haben einen v\u00f6llig anderen Blick auf die Stadt, ihnen fallen andere Dinge auf, sie stellen andere Fragen\u201c, sagt Thorsten Lotze, und die Faszination, diesen Weg mitzugehen, ist dem geb\u00fcrtigen Osnabr\u00fccker deutlich anzumerken. Schlie\u00dflich er\u00f6ffnet ein solcher Perspektivenwechsel auch ihm immer wieder neue Zug\u00e4nge zu bisher unbekannten oder schlichtweg \u00fcbersehenen Details seiner Heimat. Diese verkannten Kleinigkeiten sollen neben den offenkundigen Sehensw\u00fcrdigkeiten das Herzst\u00fcck der inklusiven Stadtf\u00fchrung bilden, bei der Shpresa Matoshi und ihre Kollegen als Fremdenf\u00fchrer allen Interessierten Rede und Antwort stehen werden \u2013 in Leichter Sprache, versteht sich.<\/p>\n<p><em>\u201eAber muss das so bleiben?\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u201eDie Mitarbeiter mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten begleiten die Entwicklung der inklusiven Stadtf\u00fchrung nicht nur, sondern sie treffen als Fachleute die Entscheidungen\u201c, unterstreicht Thorsten Lotze. \u201eSie legen fest, wie diese F\u00fchrung aussehen soll und werden selbst als Stadtf\u00fchrer aktiv.\u201c Den Mut, das Engagement und die Kompetenz, die sie dabei an den Tag legten, bewirke hoffentlich, \u201edass verh\u00e4rtete Strukturen aufgebrochen werden.\u201c Denn Inklusion hin, hehres Ziel der Teilhabe her: \u201eDen Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen wird immer noch viel zu wenig zugetraut\u201c, sagt Lotze. Pause. Schweigen. Dann breitet sich auf seinem Gesicht ein herausforderndes L\u00e4cheln aus: \u201eAber muss das so bleiben?\u201c, fragt er. Und die prompte Antwort, die Shpresa Matoshi mit nachdr\u00fccklicher Nonchalance liefert, ist nicht nur kurz und pr\u00e4zise, sondern vor allem unmissverst\u00e4ndlich: \u201eN\u00f6!\u201c<\/p>\n<p><em>P.S. Hintergr\u00fcnde zum Making-of der Reportage<\/em><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Shpresa Matoshi und Osman Sakinmaz als Referenten in dem Seminar \u201eLeichte Sprache\u201c des Projekts Qualivit vom Landkreis Osnabr\u00fcck zu erleben, hat mir nicht nur sehr viel Spa\u00df, sondern auch Lust darauf gemacht, mehr \u00fcber Leichte Sprache herauszufinden. Wie schwierig es ist, an verst\u00e4ndliche Erkl\u00e4rungen heranzukommen, und wie gro\u00dfartig und selbstbewusst sich das Team um Thorsten Lotze t\u00e4glichen aufs Neue im Informationsdschungel behauptet, hat mich schwer beeindruckt. Seit dieser Erfahrung spaziert immer mal wieder eine fiktive Shpresa Matoshi im Miniaturformat durch meinen Kopf und sagt solche Dinge wie: \u201eWas hei\u00dft Miniaturformat?\u201c<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 19.05.2018)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angefangen hat das Ganze in einem Seminar \u201eLeichte Sprache\u201c. Aufh\u00f6ren tut es vermutlich nie. Irgendwann dazwischen ist diese Reportage entstanden. Was genau das Ganze ist, um das es hier geht? Gute Frage. 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