{"id":2940,"date":"2018-05-06T17:25:58","date_gmt":"2018-05-06T15:25:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2940"},"modified":"2018-08-19T09:08:01","modified_gmt":"2018-08-19T07:08:01","slug":"2940","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2940","title":{"rendered":"Abenteuer im Rucksackformat"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2942\" aria-describedby=\"caption-attachment-2942\" style=\"width: 3648px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcdi2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2942\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcdi2.jpg\" alt=\"\" width=\"3648\" height=\"2736\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcdi2.jpg 3648w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcdi2-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcdi2-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcdi2-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcdi2-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 3648px) 100vw, 3648px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2942\" class=\"wp-caption-text\">Von S\u00fc\u00dfgr\u00e4sern wie dem Wiesenfuchsschwanz und Sauergr\u00e4sern wie der Schlanksegge berichtet Biologin Maike Wilhelm den mehr als zwei Dutzend Teilnehmern der Exkursion. Fotos (3): Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Dass man einen zeitgerafften Schnelldurchlauf durch die Vielfalt der Natur auch im gem\u00fctlichen Radfahrmodus erleben kann, erfuhren die Teilnehmer einer Exkursion durch die D\u00fcsterdieker Niederung. Organisiert hatte das Abenteuer im Rucksackformat die Biologische Station des Kreises Steinfurt.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2949\" aria-describedby=\"caption-attachment-2949\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi4.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2949\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi4-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"444\" height=\"298\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi4-300x201.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi4-768x516.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi4-1024x688.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi4-1200x806.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2949\" class=\"wp-caption-text\">Den Schachselwald kenne ich wie meine Westentasche. Dachte ich zumindest&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>In den rund anderthalb Jahrzehnten, die meine Familie und ich mittlerweile in Westerbeck zuhause sind, haben wir schon so manchen Kilometer mit dem Fahrrad zur\u00fcckgelegt. Wir kennen nicht nur unsere, sondern auch weite Bereiche der Nachbargemeinden wie unsere Westentasche. Mit dieser Behauptung prahlen wir zumindest gerne vor dem nieders\u00e4chsischen Teil unserer Verwandtschaft und geben uns dem wohligen Gef\u00fchl hin, l\u00e4ngst zum alteingesessen Repertoire des Teckenburger Landes zu geh\u00f6ren. Doch Breitbl\u00e4ttriges Knabenkraut? Buntsandstein? Schachbrettfalter? So etwas ist uns auf unseren Ausfl\u00fcgen vor der Haust\u00fcr nie begegnet. Genauer gesagt: Wir hatten (bis jetzt) einfach keinen Blick daf\u00fcr.<\/p>\n<p><em>Fremde in der Heimat geblieben?<\/em><\/p>\n<p>Die ern\u00fcchternde Erkenntnis nach der rund dreist\u00fcndigen Radtour unter der Regie von Maike Wilhelm und Thomas Starkmann von der Biologischen Station des Kreises Steinfurt lautet denn auch: Landschafts\u00f6kologisch betrachtet sind wir noch immer Fremde in unserer Wahlheimat. Dass allerdings sogar die \u2013 ihr Leben lang hier verwurzelten \u2013 Lotteraner und Westerkappelner an diesem Nachmittag noch so manches Detail dazugelernt haben d\u00fcrften und bei den Erkl\u00e4rungen der beiden Naturkundler nicht selten ins Staunen gerieten, war zumindest ein kleiner Trost f\u00fcr mich als Zugezogene.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2945\" aria-describedby=\"caption-attachment-2945\" style=\"width: 385px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2945\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"385\" height=\"289\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi1-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi1-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi1-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi1-1200x900.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/D\u00fcDi1-730x550.jpg 730w\" sizes=\"(max-width: 385px) 100vw, 385px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2945\" class=\"wp-caption-text\">Die gelben Bl\u00fcten des Scharfen Hahnenfu\u00dfes und die zartvioletten des Wiesenschaumkrautes pr\u00e4gen im Fr\u00fchling das Bild der Wiesenlandschaft.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>25 Kilometer Diversit\u00e4t am St\u00fcck<\/em><\/p>\n<p>\u201eWir folgen hier in etwa der rund 25 Kilometer langen Kibitzroute, die wir von der Biologischen Station im Rahmen des Projekts Natourismus mit entwickelt haben\u201c, erkl\u00e4rt uns Diplom-Geograf Thomas Starkmann: Von den s\u00fcdlich gelegenen Gro\u00dfen Sloopsteinen in Wersen f\u00fchrt uns unser Weg am \u00f6stlichen Rand der Feuchtwiesen des Natur- und Vogelschutzgebietes D\u00fcsterdieker Niederung Richtung Norden durchs Seester Buchholz bis zum ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz und jetzigen FFH-Gebiet Vogelpohl in Halen. Von dort aus lotsen uns Maike Wilhelm und Thomas Starkmann \u00fcber den Roten Berg durch die Bramegge, weiter am Mittellandkanal entlang, legen einen Halt mit uns im Schachselwald und einen weiteren Stopp an der D\u00fcsterdieker Aa ein. An der s\u00fcdlichen Grenze der Niederung geht es schlie\u00dflich wieder zur\u00fcck zu den Sloopsteinen.<\/p>\n<p><em>Die Eindr\u00fccke erstmal sortieren<\/em><\/p>\n<p>Was soll ich sagen? So viele Eindr\u00fccke wuchteln kreuz und quer wie aufgeregte Kiebitze durch meinen Kopf, dass ich die F\u00fclle der Vielfalt erst einmal zur Ruhe kommen lassen und sortieren muss. F\u00fcr den Radfahrer ist die mal offene, mal \u00fcppig bewaldete Landschaft rund um die D\u00fcsterdieker Niederung ein durchaus \u00fcberw\u00e4ltigendes Erlebnis; f\u00fcr die meisten Tiere und Pflanzen, die sich hier angesiedelt haben, ist sie zudem sogar \u00fcberlebenswichtig. \u201eViele seltene Insekten-, Amphibien- und Vogelarten sind auf solche weitl\u00e4ufigen, mageren und feuchten Fl\u00e4chen angewiesen, wie wir sie hier in dem mehr als 1000 Hektar gro\u00dfen Schutzgebiet noch finden\u201c, erkl\u00e4rt uns Maike Wilhelm und verweist auf Ameisenl\u00f6we, Sandlaufk\u00e4fer, Kreuzkr\u00f6te, Schwarzkehlchen, Feldlerche oder Wiesenpieper.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2951\" aria-describedby=\"caption-attachment-2951\" style=\"width: 375px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC_0353-Udo_Schlottmann_.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2951\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC_0353-Udo_Schlottmann_-300x203.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"253\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC_0353-Udo_Schlottmann_-300x203.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC_0353-Udo_Schlottmann_-768x519.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC_0353-Udo_Schlottmann_.jpg 962w\" sizes=\"(max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2951\" class=\"wp-caption-text\">Gro\u00dfer Brachvogel. Foto: Udo Schlottmann\/Forum f\u00fcr Naturfotografen<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Zurzeit 29 Brutpaare<\/em><\/p>\n<p>Ein besonders prominenter Bewohner der D\u00fcsterdieker Niederung \u2013 der auf der im Jahr 2016 vom LANUV (Landesamt f\u00fcr Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW) und der Nordrhein-Westf\u00e4lischen Ornithologengesellschaft herausgegebenen Roten Liste der Brutvogelarten NRW als \u201estark gef\u00e4hrdet&#8220; verzeichnet ist \u2013 ist der Gro\u00dfe Brachvogel. Ein schlanker, langbeiniger, etwa Fasan gro\u00dfer, unscheinbar beigebraun gefiederter Watvogel mit einem bis zu 19 Zentimeter langen, leicht nach unten gebogenem Schnabel.\u00a0 \u201eZurzeit befinden sich 29 Brutpaare in unserem Gebiet\u201c, berichtet Maike Wilhelm, \u201edas ist schon etwas ganz Besonderes.\u201c Was nach einem stabilen Bestand klingt, birgt jedoch einen Wermutstropfen: \u201eIm vergangenen Jahr hat in der D\u00fcsterdieker Niederung kein einziges K\u00fcken des Gro\u00dfen Brachvogels \u00fcberlebt.\u201c<\/p>\n<p><em>Fuchs, du hast den Watvogel gestohlen\u2026<\/em><\/p>\n<p>Um dem K\u00fckenschwund auf den Grund zu kommen, haben die Mitarbeiter der Biologischen Station bereits 2017 insgesamt 20 Wildtierkameras im Vogelschutzgebiet aufgestellt. Das Ergebnis: \u201eEtwa 90 Prozent der K\u00fcken wurden von F\u00fcchsen gefressen\u201c, bilanziert die Biologin. Zurzeit untersuche eine Studentin \u2013 in enger Zusammenarbeit mit der J\u00e4gerschaft \u2013 das Treiben in der Niederung, unterstreicht Wilhelm den dringenden Handlungsbedarf. M\u00f6glicherweise muss, wer die Bodenbr\u00fcter langfristig sch\u00fctzen will, den Beutegreifern entschlossen an den Kragen gehen.<\/p>\n<p><em>Von Heimatfreunden und komischen V\u00f6geln<\/em><\/p>\n<p>Wird der Gro\u00dfe Brachvogel jedoch nicht vom Fuchs erwischt und hat er dann auch noch das Gl\u00fcck, einen so passablen Lebensraum wie die D\u00fcsterdieker Niederung zu finden, kann er ein Alter von bis zu 32 Jahren erreichen. Nachdenklich lasse ich meinen Blick \u00fcber das Meer aus gr\u00fcnen Halmen schweifen: Angesichts solcher Zeitspannen d\u00fcrfte der eine oder andere Schnabeltr\u00e4ger, der hier im sch\u00fctzenswerten Gr\u00fcnland nach Nahrung stochert, ja wohl deutlich mehr Ortskenntnis besitzen als ich selbst \u2013 und sich im Piepston der \u00dcberzeugung und v\u00f6llig zu recht einen wasch- und feuchtwiesenechten Westfalen nennen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2944\" aria-describedby=\"caption-attachment-2944\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/csm_GBV_Grosser_Brachvogel_fliegend_Bernhard_Walter_34fb8b8d1b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2944\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/csm_GBV_Grosser_Brachvogel_fliegend_Bernhard_Walter_34fb8b8d1b-300x222.jpg\" alt=\"\" width=\"444\" height=\"328\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/csm_GBV_Grosser_Brachvogel_fliegend_Bernhard_Walter_34fb8b8d1b-300x222.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/csm_GBV_Grosser_Brachvogel_fliegend_Bernhard_Walter_34fb8b8d1b-768x568.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/csm_GBV_Grosser_Brachvogel_fliegend_Bernhard_Walter_34fb8b8d1b.jpg 811w\" sizes=\"(max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2944\" class=\"wp-caption-text\">Immer wachsam! Der Gro\u00dfe Brachvogel. Foto: Natourismus<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 09.05.2018)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass man einen zeitgerafften Schnelldurchlauf durch die Vielfalt der Natur auch im gem\u00fctlichen Radfahrmodus erleben kann, erfuhren die Teilnehmer einer Exkursion durch die D\u00fcsterdieker Niederung. 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