{"id":2920,"date":"2015-01-28T14:43:51","date_gmt":"2015-01-28T13:43:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2920"},"modified":"2019-03-10T15:48:13","modified_gmt":"2019-03-10T14:48:13","slug":"eine-manchmal-ueberbordende-beziehung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2920","title":{"rendered":"Eine manchmal \u00fcberbordende Beziehung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2923\" aria-describedby=\"caption-attachment-2923\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Heinz-Cyrull-und-die-Duesterdieker-Aa-Eine-manchmal-ueberbordende-Beziehung_image_1024_width.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2923\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Heinz-Cyrull-und-die-Duesterdieker-Aa-Eine-manchmal-ueberbordende-Beziehung_image_1024_width.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"655\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Heinz-Cyrull-und-die-Duesterdieker-Aa-Eine-manchmal-ueberbordende-Beziehung_image_1024_width.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Heinz-Cyrull-und-die-Duesterdieker-Aa-Eine-manchmal-ueberbordende-Beziehung_image_1024_width-300x192.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Heinz-Cyrull-und-die-Duesterdieker-Aa-Eine-manchmal-ueberbordende-Beziehung_image_1024_width-768x491.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2923\" class=\"wp-caption-text\">Seinen Lieblingsplatz, eine zumindest in Ans\u00e4tzen naturnah gestaltete Stelle an der D\u00fcsterdieker Aa, hat sich Heinz Cyrull in den vielen Diskussionen zwischen Landwirten und Umweltsch\u00fctzern hart erstritten. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Heinz Cyrull und die D\u00fcsterdieker Aa \u2013 ein Mann und sein Entw\u00e4sserungsgraben. Seit mehr als sechzig Jahren kreuzen sich die Wege des Landwirts und der Lauf des Vorfluters \u2013 was die Beziehung der beiden, zur\u00fcckhaltend formuliert: manchmal etwas \u00fcberbordend gestaltet.<\/strong><\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">Regnet es viel, tritt das ansonsten still pl\u00e4tschernde Gew\u00e4sser, in dem Cyrull als Kind gerne und oft herumgeplanscht hat, \u00fcber die Ufer und \u00fcberflutet die angrenzenden Wiesen und \u00c4cker. F\u00fcr Cyrull und seine Landwirtskollegen wird es dadurch nicht leichter, die Felder zu bewirtschaften.<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">\u201eBesucher von au\u00dferhalb sind immer ganz angetan, wenn sie die <a href=\"http:\/\/www.biologische-station-st.de\/betreuungsgebiete\/nsg-und-vogelschutzgebiet-duesterdieker-niederung\/\">D\u00fcsterdieker Niederung<\/a> zum ersten Mal erleben\u201c, sagt Heinz Cyrull. Mit einer Fl\u00e4che von rund 2700 Hektar ist die gr\u00fcne Ebene, die sich zu beden Seiten der Aa \u00fcber die Bauerschaften Westerbeck und Seeste erstreckt, eines der gr\u00f6\u00dften zusammenh\u00e4ngenden Feuchtwiesengebiete in Nordrhein-Westfalen. \u201eWiesen, soweit das Auge reicht \u2013 wo sonst gibt es das in unserer Gegend?\u201c, fragt der 64-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">Und auch, wenn er als Landwirt und Vorsitzender des Unterhaltungsverbands D\u00fcsterdieker Aa berufsbedingt manches aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, so ist sein Stolz auf das Naturschutzgebiet und auf dessen spr\u00f6de Sch\u00f6nheit doch deutlich herauszuh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">Vorsichtig stakst Cyrull die absch\u00fcssige B\u00f6schung entlang bis dorthin, wo der Westerbecker Graben in die D\u00fcsterdieker Aa m\u00fcndet. \u201eAb hier funktioniert alles gut\u201c, ruft er, deutet in Richtung Mettingen und beobachtet, wie das Wasser im gr\u00e4sernen Bett des Vorfluters vor sich hin d\u00fcmpelt: Vor rund 15 Jahren ist die Aa auf einer L\u00e4nge von zwei Kilometern ausgebaut und ihre Sohle verbreitert worden. \u201eGenau hier haben wir Dutzende Male zusammen gestanden und miteinander verhandelt\u201c, berichtet Cyrull und schnauft bei der Erinnerung an die vielen Treffen tief durch.<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">\u201aWir\u2018 \u2013 das steht vor allem f\u00fcr die Vertreter des Unterhaltungsverbands, der Landwirtschaft und des Naturschutzes. Unterschiedliche Ziele. Unterschiedliche Herangehensweisen. Jede Menge Konfliktpotenzial. \u201eAber an dieser Stelle kann man sehen, dass die ganze Diskutiererei schlie\u00dflich auch zu etwas Gutem gef\u00fchrt hat\u201c, bilanziert Cyrull und sieht erleichtert aus: \u201eHier befindet sich also mit Fug und Recht mein Lieblingsplatz.\u201c<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">Auf der anderen Seite der kleinen Br\u00fccke in Richtung Seeste verl\u00e4uft die D\u00fcsterdieker Aa allerdings noch immer ziemlich eingeengt zwischen den Feldern hindurch. Eben genau so, wie das k\u00fcnstliche Gew\u00e4sser Mitte des vergangenen Jahrhunderts im Zuge der Flurbereinigung \u2013 als der Umweltschutz noch keine nennenswerte Rolle spielte \u2013 angelegt worden ist.<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">\u201eMan muss einfach sagen\u201c, sch\u00fcttelt Heinz Cyrull den Kopf, \u201edass die D\u00fcsterdieker Aa damals viel zu klein dimensioniert worden ist. Darum haben wir heute diese Probleme.\u201c Sprich: Tritt die Aa \u00fcber die Ufer, \u00fcberfluten nicht nur die landeseigenen Feuchtwiesen im Naturschutzgebiet, sondern auch die durchaus intensiv bewirtschafteten Fl\u00e4chen der Landwirte. \u201ePassiert das im Sommer, ist ein Gro\u00dfteil der Grasernte schnell dahin\u201c, gibt der Landwirt zu bedenken.<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">Zweimal, wegen der milden Witterung in letzter Zeit oft sogar dreimal im Jahr, m\u00e4hen die Mitarbeiter vom Unterhaltungsverband das verzweigte Netz ihrer Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben. \u201eWir sind daf\u00fcr verantwortlich, dass das Wasser im Vorfluter ungehindert ablaufen kann\u201c, betont Cyrull. \u201eUnd diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst.\u201c<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">Doch von woher stammt das ganze Wasser, das sich da durch die gut zehn Kilometer lange D\u00fcsterdieker Aa zw\u00e4ngt\u2009? \u201eDas meiste kommt aus den versiegelten Fl\u00e4chen des Ortskerns\u201c, erkl\u00e4rt der Seester Landwirt. \u201eAlles Regenwasser, was auf die Parkpl\u00e4tze vor den gro\u00dfen Einkaufsm\u00e4rkten f\u00e4llt, aus den Siedlungen, aber auch \u00fcber die Regenr\u00fcckhaltebecken \u2013 das alles flie\u00dft in die D\u00fcsterdieker Aa.\u201c<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">Und mit jedem neuen Baugebiet schreite die Versiegelung weiter voran. Ein zus\u00e4tzliches Problem: \u201eDas Gef\u00e4lle unserer Aa liegt im Promillebereich \u2013 es dauert also ohnehin lange, bis sie das Wasser weiter zur Mettinger Aa transportiert hat.\u201c Von dort aus flie\u00dft es in die Recker Aa und schlie\u00dflich in die Ems.<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">Cyrull friemelt ein Foto aus seiner Jackentasche: Nein, kein Wattenmeer zwischen Ebbe und Flut\u2013 auch wenn es so aussieht. Das Bild zeigt \u201eLand unter\u201c in der D\u00fcsterdieker Niederung am vergangenen Weihnachten nach zwei Tagen Dauerregen \u00fcber Westerkappeln. Der 64-J\u00e4hrige seufzt.<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">Die Aufnahme will er beim n\u00e4chsten Treffen im Rathaus am 12. Februar 2015 den Leuten zeigen, die f\u00fcr die Umsetzung der<a href=\"http:\/\/www.umweltbundesamt.at\/umweltsituation\/wasser\/eu-wrrl\/\"> EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)<\/a> zust\u00e4ndig sind. Darin wird unter anderem eine naturnahe Bewirtschaftung der D\u00fcsterdieker Aa angestrebt: Die B\u00f6schung des ohnehin schon tr\u00e4ge flie\u00dfenden Gew\u00e4ssers nur noch einmal im Jahr m\u00e4hen\u2009? \u201eDa haben wir erhebliche Bedenken\u201c, sagt Heinz Cyrull.<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">Er und seine Mitstreiter wollen den Planern stattdessen etwas anderes vorschlagen: Sie finden es sinnvoller, den Uferbereich der D\u00fcsterdieker Aa an einigen Stellen zu gro\u00dffl\u00e4chigen Auen aufzuweiten, in denen sich das Wasser ungehemmt ausbreiten und die Natur ungest\u00f6rt entwickeln kann.<\/p>\n<p class=\"avArticle_paragraph__padding gtm-articleContent\">Ein letzter Blick \u00fcber seinen Graben, dann kraxelt Heinz Cyrull den sanften Hang an der Seite des Gew\u00e4ssers wieder hinauf. \u201eMit der Umsetzung der WRRL sind wir weiter auf dem Weg\u201c, sinniert er. Es d\u00fcrften also wohl wieder einige wortreiche Diskussionen anstehen \u2013 hier, an der B\u00f6schung seines Lieblingsplatzes.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, <span class=\"st\"><span class=\"f\">28.01.2015<\/span><\/span>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinz Cyrull und die D\u00fcsterdieker Aa \u2013 ein Mann und sein Entw\u00e4sserungsgraben. 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