{"id":2794,"date":"2018-04-18T09:15:22","date_gmt":"2018-04-18T07:15:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2794"},"modified":"2020-04-12T10:38:33","modified_gmt":"2020-04-12T08:38:33","slug":"fruehlingserwachen-in-der-talaue-haus-marck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2794","title":{"rendered":"Fr\u00fchlingserwachen in der Talaue Haus Marck"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2795\" aria-describedby=\"caption-attachment-2795\" style=\"width: 2000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Talaue1b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2795\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Talaue1b.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1301\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Talaue1b.jpg 2000w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Talaue1b-300x195.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Talaue1b-768x500.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Talaue1b-1024x666.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Talaue1b-1200x781.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2795\" class=\"wp-caption-text\">Einen bl\u00fctenwei\u00dfen Teppich bildet das Busch-Windr\u00f6schen. Der Wald, erkl\u00e4rt Biologe Hartmut Storch, wird jedes Fr\u00fchjahr von unten nach oben gr\u00fcn und verf\u00e4rbt sich dann im Herbst von oben nach unten ins Br\u00e4unliche. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der Zaunk\u00f6nig schmettert seinen Gesang durch die Morgenluft. Zwei Biker geben Gas und knattern an einem Pulk emsig in die Pedalen tretender Rennradler vorbei. Jeder begr\u00fc\u00dft den Fr\u00fchling auf seine Weise. Als Naturfreundin schlie\u00dfe mich einer Exkursion zu den Fr\u00fchbl\u00fchern an.<\/strong><\/p>\n<p>Ein frostiger Februar. Ein m\u00e4\u00dfiger M\u00e4rz. Und auch der April wirkte anf\u00e4nglich eher apathisch. Ob die Biologische Station des Kreises Steinfurt ihre seit Monaten angek\u00fcndigte Exkursion zu den Fr\u00fchbl\u00fchern in der Talaue Haus Marck in Tecklenburg mangels botanischer Beteiligung am Ende w\u00fcrde absagen m\u00fcssen? Mit der Skepsis eines winterschl\u00e4frigen Murmeltieres hatte ich in den vorangegangenen Tagen vorsichtshalber schon mal nach alternativen Innenraumveranstaltungen Ausschau gehalten. Aber dann lie\u00df sich endlich die Sonne doch noch blicken, die Temperaturen stiegen rasant an \u2013 und pl\u00f6tzlich war er da, der Fr\u00fchling.<\/p>\n<p><em>\u201eDie Natur ist noch weit zur\u00fcck\u201c<\/em><\/p>\n<p>Also: Winterjacke einlagern, T-Shirt aus dem Schrank geholt, ins Auto gesprungen und nichts wie los, vorbei an den Spazierg\u00e4ngern, den Joggern, den Rennradlern, nur noch die R\u00fcckleuchten der vorwegd\u00fcsenden Motorradfahrer im Blick. Am Naturschutzzentrum S\u00e4gem\u00fchle wartet bereits Biologe Hartmut Storch, Mitarbeiter der Biologischen Station des Kreises Steinfurt. \u201eJa, die Natur ist noch weit zur\u00fcck\u201c, d\u00e4mpft er allzu hohe Erwartungen \u2013 die aber offenbar keiner der rund zwei Dutzend Teilnehmer hegt. \u201eIch bin so froh, dass es nun endlich gr\u00fcn wird\u201c, seufzt eine \u00e4ltere Dame und blickt versonnen um sich. Wir anderen nicken sehns\u00fcchtig. Sie spricht uns allen aus dem Herzen.<\/p>\n<p><em>Sich mit allen Sinnen auf den Wald einlassen<\/em><\/p>\n<p>Dass aber Gr\u00fcn nicht gleich Gr\u00fcn ist, dass jede Pflanze ihre Eigenheiten besitzt und sich um die meisten von ihnen mal geheimnisvolle, mal lehrreiche Geschichten ranken, das alles werden wir gleich w\u00e4hrend unseres Rundgangs noch ausgiebig von Hartmut Storch erkl\u00e4rt bekommen. \u201eLassen sie sich mit allen Sinnen auf die Wanderung ein\u201c, lenkt er unsere Aufmerksamkeit aber zun\u00e4chst auf die Ger\u00e4usche der Talaue und ihrer Bewohner, auf das Aroma der Fr\u00fchlingsluft und die Stimmung des erwachenden Waldes.\u00a0 Um die 17 oder 18 verschiedene Arten von Fr\u00fchbl\u00fchern gibt es in dem Naturschutzgebiet \u201eTalaue Haus Marck\u201c rund um das alte Wasserschloss zu entdecken, verr\u00e4t der Biologe, \u201eich hoffe, wir k\u00f6nnen trotz der langen Kaltphase, die hinter uns liegt und die die Natur zur\u00fcckgeworfen hat, wenigstens ein paar von ihnen finden.\u201c<\/p>\n<p><em>Das Lichtfenster der kahlen \u00c4ste nutzen<\/em><\/p>\n<p>Als Fr\u00fchbl\u00fcher w\u00fcrden all jene krautigen Pflanzen bezeichnet, erkl\u00e4rt uns Storch, die bis in den April hinein aufgebl\u00fcht seien. Sie nutzten die Lichtfenster, die durch die noch kahlen Kronen der Laubb\u00e4ume offen st\u00fcnden, um m\u00f6glichst zeitig ihren Entwicklungszyklus zu beginnen. \u201eDie sogenannten Geophythen besitzen Zwiebeln, Knollen oder Rhizome als unterirdische Speicherorgane\u201c, informiert uns der Biologe, \u201esodass sie bei den ersten w\u00e4rmeren Sonnenstrahlen gleich loslegen, oft innerhalb einer Woche austreiben und gro\u00dffl\u00e4chige Teppiche bilden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><em>Geologisch besonders gepr\u00e4gtes Gebiet<\/em><\/p>\n<p>Begleitet vom Gesang der Rotkehlchen, Buchfinken und Zilpzalpe wandern wir schnurstracks auf die erste botanische Auslegeware zu, die sich in bl\u00fctenreinem Wei\u00df zwischen den St\u00e4mmen der Rotbuchen zeigt: das Busch-Windr\u00f6schen. \u201eDas kennt in der Regel jeder\u201c, kommentiert Storch und weist bei dieser Gelegenheit auf die Besonderheiten des Naturschutzgebietes Talaue Haus Marck hin: Weil es zwischen zwei geologisch unterschiedlich gepr\u00e4gten H\u00f6henz\u00fcgen des Teutoburger Waldes liegt \u2013 einem sauren Sandstein- und einem vorgelagerten basischen Kalksteinausl\u00e4ufer \u2013 hat sich hier eine beachtliche Vielfalt sowohl von Pflanzen- als auch von Tierarten angesiedelt.<\/p>\n<p><em>Das Scharbockskraut mag es feuchter<\/em><\/p>\n<p>Der \u00fcber weite Abschnitte naturnah verlaufende Wechter M\u00fchlenbach, der in fr\u00fcheren Zeiten bis zu sieben M\u00fchlen \u2013 von der Getreide- \u00fcber die Papier- bis hin zur Schnupftabakm\u00fchle \u2013 gespeist haben soll, bietet au\u00dferdem Platz f\u00fcr Fr\u00fchbl\u00fcher, die es gerne ein bisschen feuchter m\u00f6gen: f\u00fcr das gelbes Scharbockskraut zum Beispiel und f\u00fcr den bei Salatfreunden begehrten B\u00e4rlauch, der hier auf den unter Schutz stehenden Fl\u00e4chen allerdings nicht gepfl\u00fcckt werden darf.<\/p>\n<p><em>16 verschiedene Arten entdeckt<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend viele Teilnehmer die Ruhe der Umgebung und die milden Temperaturen genie\u00dfen, entdeckt Storch, der so leidenschaftliche wie versierte Botaniker, immer neue Attraktionen zwischen den vertrockneten Laubbl\u00e4ttern des Vorjahres: das unscheinbare, gelblichgr\u00fcn bl\u00fchende Milzkraut, das sogar noch unscheinbarere Moschuskraut und das ebenfalls eher schlichte Waldbingelkraut \u2013 \u201eoder einfach Pinkelkraut genannt, weil es stark harntreibend ist\u201c, belehrt uns Storch mit einem Augenzwinkern. Es folgen Lerchensporn und Lungenkraut, Aronstab, behaartes Veilchen und Huflattich, Pestwurz, Schl\u00fcsselblume und Waldmeister. Als wir den Rundgang beenden, habe ich 16 verschiedene Arten von Fr\u00fchbl\u00fchern notiert. \u201eJa, ich bin selber ganz \u00fcberrascht, wie stark sich die Pflanzen hier pr\u00e4sentieren\u201c, staunt Storch.<\/p>\n<p><em>Zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert<\/em><\/p>\n<p>Von den meisten Fr\u00fchbl\u00fchern, gibt er zu bedenken, sei aber bereits ab Juni, Juli nichts mehr zu sehen. \u201eDann sind nicht nur die Bl\u00fcten, sondern auch die gr\u00fcnen Laubbl\u00e4tter verwelkt, die N\u00e4hrstoffe in die Speicherorgane eingelagert, und die Pflanzen haben ihren Zyklus f\u00fcr dieses Jahr beendet.\u201c Aber die Talaue, schw\u00e4rmt der Biologe, die sei zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert: \u201eKommen sie wieder, setzen sie sich hin \u2013 und genie\u00dfen sie das Gurgeln des Baches, die Ger\u00e4usche der Natur \u2013 oder einfach nur die Stille.\u201c<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 11.04.2018)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Zaunk\u00f6nig schmettert seinen Gesang durch die Morgenluft. 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