{"id":2783,"date":"2014-08-05T13:48:22","date_gmt":"2014-08-05T11:48:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2783"},"modified":"2018-04-08T14:06:38","modified_gmt":"2018-04-08T12:06:38","slug":"mit-dem-reinigungswaegelchen-durchs-hotel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2783","title":{"rendered":"Mit dem Reinigungsw\u00e4gelchen durchs Hotel"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2784\" aria-describedby=\"caption-attachment-2784\" style=\"width: 741px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/hotel150_full.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2784\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/hotel150_full.jpg\" alt=\"\" width=\"741\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/hotel150_full.jpg 741w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/hotel150_full-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 741px) 100vw, 741px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2784\" class=\"wp-caption-text\">Damit der Gast sich wohlf\u00fchlt, ist eine Menge akribischer Arbeit n\u00f6tig \u2013 die allerdings oft dezent im Hintergrund abl\u00e4uft: Barbara Rydings sorgt daf\u00fcr, dass die Zimmer aufger\u00e4umt sind und das Bad gl\u00e4nzt. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"teaser\"><strong>Gesch\u00e4ftsleute, Durchreisende, Stammkunden: Wer als Ausw\u00e4rtiger nach Westerkappeln kommt, findet im Alten Gasthaus Schr\u00f6er mehr als nur eine Bleibe f\u00fcr die Nacht.<\/strong><\/p>\n<p>Das 2012 sanierte Hotel verf\u00fcgt \u00fcber 16 gediegen eingerichtete Zimmer \u2013 allesamt Allergiker geeignet \u2013 und einen erstklassigen Service. Die Atmosph\u00e4re ist wie das Geb\u00e4ude selbst: urwestf\u00e4lisch. F\u00fcr das Wohlbefinden der G\u00e4ste sorgt ein eingespieltes Serviceteam rund um Hotelleiterin Petra R\u00fcter. Nun ja \u2013 an diesem Tag wom\u00f6glich nicht ganz so eingespielt: Denn heute bin ich mit von der Partie und versuche mein Bestes, um Barbara Rydings bei der Reinigung der R\u00e4ume zur Hand zu gehen.<\/p>\n<p>Neben allerlei T\u00fcchern und L\u00e4ppchen, B\u00fcrsten und Wischern, Abziehern und Schw\u00e4mmchen sind unsere wichtigsten Utensilien \u201edie Rote\u201c und \u201edie Blaue\u201c: zwei stattliche Plastikflaschen, deren Inhalt uns die Arbeit erleichtert \u2013 dem Schmutz und etwaigen Bakterien ist die Existenz im Alten Gasthaus Schr\u00f6er nachdr\u00fccklich untersagt. Barbara Rydings pr\u00fcft noch einmal, ob ihr Handwagen ausreichend best\u00fcckt ist, dann zieht sie den Laufzettel aus der Tasche: \u201eZimmer acht, komplett\u201c, verk\u00fcndet sie und nickt mir aufmunternd zu. Los geht\u2019s.<\/p>\n<div id=\"content-jump-to\" class=\"content\">\n<p>\u201eWichtig\u201c, mahnt meine Kollegin und hebt den Zeigefinger: \u201eImmer anklopfen, bevor man ein Zimmer betritt.\u201c Denn auch wenn eine \u201eKomplettreinigung\u201c in der Regel voraussetzt, dass der Gast bereits abgereist ist \u2013 Irrt\u00fcmer kann es immer geben. Und wenn sich durch schlichtes Anklopfen eine peinliche Situation verhindern l\u00e4sst, sollte man das nutzen. Also: Klopfen. Warten. Und hinein. W\u00e4hrend Barbara Rydings kontrollierend ihre Blicke schweifen l\u00e4sst und sich einen Gesamteindruck \u00fcber das zu Erledigende verschafft, nutze ich die verbleibenden Sekunden des Nichtstuns und genie\u00dfe meine eigene \u00dcberraschtheit: Als Westerkappelnerin hat es f\u00fcr mich bisher noch keinen Grund gegeben, im ortsans\u00e4ssigen Hotel einzuchecken \u2013 daher hatte ich keine Ahnung, welchen Standard die Branche hier vorh\u00e4lt. Die Worte, die mir durch den Kopf sausen: \u201eeinladend\u201c, \u201eadrett\u201c und \u201esehr stilvoll\u201c. Dunkle Holzm\u00f6bel auf rustikalem Bodenbelag. Helle W\u00e4nde. Vorh\u00e4nge in warmen Rott\u00f6nen. Die Dekoration: dezent und elegant.<\/p>\n<p>Barbara Rydings l\u00e4chelt mit unverhohlenem Stolz: \u201eH\u00fcbsch, nicht wahr?\u201c, fragt sie. Dann lenkt sie ihr W\u00e4gelchen entschlossen Richtung Bad, das sowohl dem f\u00fcr vier Personen ausgelegten Familienzimmer, wie auch jedem der sechs Einzel- und neun Doppelzimmer angeschlossen ist. \u201eJetzt erst mal \u201adie Rote\u2018\u201c, sagt sie und \u00f6ffnet den Deckel des WC. Mit dem Profi-Desinfektionsmittel werden die Toilette und s\u00e4mtliche Abfl\u00fcsse vorbehandelt. Danach ein paar Spritzer von \u201edem Blauen\u201c in den Eimer. Frisches Wasser drauf.<\/p>\n<p>F\u00fcr jede Aufgabe den passenden Wischlappen auszuw\u00e4hlen, bleibt an diesem Vormittag das Privileg und das Geheimnis der 53-J\u00e4hrigen: Das eine Tuch ist zum Reinigen der Hochglanzfliesen, das n\u00e4chste eignet sich besser f\u00fcr die Chromarmaturen der Dusche. Ein drittes fusselt bei bestimmten Materialien, ist aber ansonsten prima, ein viertes ist f\u00fcr das Polieren der Spiegel und Glasfl\u00e4chen vorgesehen. Ziemlich verwirrend! \u201eDas lernt man mit der Zeit\u201c, tr\u00f6stet mich Barbara Ryding, w\u00e4hrend sie schwungvoll und mit weit ausholenden Armbewegungen jeden Quadratzentimeter des Sanit\u00e4rbereichs von der Decke bis zum Boden zum Gl\u00e4nzen bringt. Sind auch alle Abfl\u00fcsse gereinigt? Ist gen\u00fcgend Toilettenpapier vorhanden? Die Fl\u00fcssigseife nachgef\u00fcllt? Frische Handt\u00fccher verteilt? Ein letzter pr\u00fcfender Blick \u2013 und weiter geht es.<\/p>\n<div>Ein neuer Lappen muss her. Frisches Wasser. Und nat\u00fcrlich ein paar Spritzer von \u201edem Blauen\u201c. Die Fensterb\u00e4nke werden gereinigt. T\u00fcr- und Schrankfl\u00e4chen. Tischchen und Regale. Die diversen Lampen. Das Bettgestell. \u201eIch sehe das einfach als Gymnastikprogramm\u201c, flachst Barbara Rydings und l\u00e4sst sich betont dynamisch auf die Knie nieder, um potenziellen Wollm\u00e4usen unter dem Bett zu Leibe zu r\u00fccken. \u201eNach dem Putzen bin ich zwar ersch\u00f6pft\u201c, beschreibt sie, \u201eaber k\u00f6rperlich ist das ein gutes Training \u2013 ich f\u00fchle mich fit.\u201c F\u00fcnf und eine halbe Arbeitsstelle seien derzeit allein f\u00fcr den Hotelbereich des Alten Gasthauses Schr\u00f6er eingerichtet, berichtet Hausleiterin Petra R\u00fcter. \u201eSchlie\u00dflich sind unsere Zimmer sehr gut ausgelastet.\u201c<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Wer mag in den vergangenen N\u00e4chten auf der bequemen Matratze geruht haben, der Barbara Rydings soeben mit gekonnten Griffen ein frisches Laken verpasst? \u201eWir haben hier viele Engl\u00e4nder und Skandinavier\u201c, erkl\u00e4rt sie. Manche machen einen Zwischenstopp auf der Reise Richtung S\u00fcden. Manche wollen sich Osnabr\u00fcck ansehen. Wenige werfen bei dieser Gelegenheit einen Blick auf die Gemeinde Westerkappeln. \u201eDas machen eher die Niederl\u00e4nder, die hier in der Gegend ihre Fahrradtouren unternehmen.\u201c<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Wie ein zartes Sahneh\u00e4ubchen drapiert meine Kollegin das Kopfkissen akribisch in das Gesamtensemble \u2013 jeder Zipfel muss richtig sitzen. Dann noch eine Willkommenspraline. Barbara Rydings blickt sich zufrieden um. Seufzt erleichtert. Nickt. Und l\u00e4chelt: \u201eFertig!\u201c Ihre Hand ist schon in die Tasche geglitten, um den Laufzettel wieder zu entfalten. \u201eZimmer drei, komplett \u2013 du nimmst das Blaue, ich das Rote!\u201c Auf geht\u2018s.<\/div>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 05.08.2014)<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesch\u00e4ftsleute, Durchreisende, Stammkunden: Wer als Ausw\u00e4rtiger nach Westerkappeln kommt, findet im Alten Gasthaus Schr\u00f6er mehr als nur eine Bleibe f\u00fcr die Nacht. 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