{"id":2748,"date":"2018-04-11T07:43:19","date_gmt":"2018-04-11T05:43:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2748"},"modified":"2020-03-10T20:31:59","modified_gmt":"2020-03-10T19:31:59","slug":"wenn-der-huflattich-den-fruehling-fast-verschlaeft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2748","title":{"rendered":"Als der Huflattich (fast) den Fr\u00fchling verschlief"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2753\" aria-describedby=\"caption-attachment-2753\" style=\"width: 1098px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2753\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full.jpg\" alt=\"\" width=\"1098\" height=\"618\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full.jpg 1098w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full-768x432.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1098px) 100vw, 1098px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2753\" class=\"wp-caption-text\">Der Huflattich hat den Fr\u00fchlingsanfang 2018 fast verschlafen: Die Bl\u00fcte lie\u00df sich erst am 23. M\u00e4rz blicken. Deutlich sp\u00e4ter als im milden Fr\u00fchjahr 2014, als er seine gelben Bl\u00e4tter schon am 15. Februar entfaltete. Der Jahresbeginn 2013 war wiederum so frostig wie kein anderer, den Julia-Sophie von Richthofen bisher f\u00fcr den DWD protokolliert hat: Damals lie\u00df der Huflattich sogar bis zum 11. April auf sich warten. Foto: Michael Gr\u00fcndel\/NOZ<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bei Julia-Sophie von Richthofen ist selbst der bummeligste Fr\u00fchling in den besten H\u00e4nden. Was ihr eigenes Verhalten angehe, sagt die 45-j\u00e4hrige Georgsmarienh\u00fctterin, lege sie zwar durchaus Wert auf P\u00fcnktlichkeit, \u201ebei anderen bin ich da aber nicht so pingelig.\u201c Na, dann ist ja gut. Denn Huflattich und Busch-Windr\u00f6schen erweisen sich in diesem Jahr als hemmungslose Schnarchnasen. Dass sie eine zeitige Verabredung mit der <a href=\"https:\/\/www.dwd.de\/DE\/klimaumwelt\/klimaueberwachung\/phaenologie\/phaenologie_node.html\">ehrenamtlichen Ph\u00e4nologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD)<\/a> um etliche Tage verschlafen haben, scheint den langm\u00fctigen Fr\u00fchbl\u00fchern nichts auszumachen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2756\" aria-describedby=\"caption-attachment-2756\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2756\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_1-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"253\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_1-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_1-768x432.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_1.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2756\" class=\"wp-caption-text\">Unterwegs in der Natur: Julia-Sophie von Richthofen begutachtet die Bl\u00fcten der Kornelkirsche. Foto: Michael Gr\u00fcndel\/NOZ<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Blick von Julia-Sophie von Richthofen schweift in die Weite \u2013 \u00fcber die unebenen Parzellen im \u201eDreil\u00e4ndereck\u201c von Voxtrup, Georgsmarienh\u00fctte und Bissendorf: In ihrem fu\u00dfl\u00e4ufig zu bew\u00e4ltigenden Beobachtungsgebiet dominieren Ackerland und Mischw\u00e4lder, vereinzelt unterbrochen von Weiden und M\u00e4hwiesen. Viele der abgelegenen Wegr\u00e4nder sind mit heimischen Str\u00e4uchern \u2013 Schwarzdorn, Hasel und Holunder \u2013 bewachsen. Die gelernte Agraringenieurin, die mit ihrem Mann Ludger Hengelsberg inmitten dieser durch und durch landwirtschaftlich gepr\u00e4gten Ecke von Holsten-M\u00fcndrup lebt, t\u00e4tschelt Haushund Pippin das raue Fell und atmet tief durch. Schaut in die winterlich-triste Landschaft. Und schweigt. Pippin wirft sich l\u00e4ngelang ins sch\u00fcttere Gras: Wenn das olle Gr\u00fcnzeug auf sich warten l\u00e4sst, wird sich ein folgsamer Vierbeiner ja wohl auch etwas Zeit zum Kr\u00e4ftesammeln g\u00f6nnen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Eine ratlos wirkende Blaumeise flattert durch die Kulisse und landet im sperrigen Ge\u00e4st einer jungen Kastanie. Fast meint man, aus ihrem winzigen Schnabel ein zartes Seufzen zu h\u00f6ren. Ob auch Singv\u00f6gel vom Warten auf den Fr\u00fchling irgendwann genervt sind?\u00a0 Julia-Sophie von Richthofen betrachtet noch einmal die kahlen Zweige, den kargen Boden, das ausgeblichene Laub des Vorjahres, l\u00e4sst sich den noch immer viel zu frischen Wind durchs Gesicht wehen und sch\u00fcttelt etwas ungl\u00e4ubig den Kopf. Ein bisschen Ungeduld ist jetzt sogar ihr anzumerken\u2026<\/p>\n<figure id=\"attachment_2755\" aria-describedby=\"caption-attachment-2755\" style=\"width: 375px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2755\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_2-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"211\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_2-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_2-768x432.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_2.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2755\" class=\"wp-caption-text\">Die Ph\u00e4nologin hebt die vertrockneten Bl\u00fctenst\u00e4nde der Erle vom Boden auf. Foto: Michael Gr\u00fcndel\/NOZ<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eBei diesen Temperaturen ist es nat\u00fcrlich kein Wunder, dass drau\u00dfen noch nichts los ist\u201c, zeigt sie aber sogleich vollstes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Botanik. Der Jahresbeginn 2018 sei f\u00fcr die Pflanzen im Osnabr\u00fccker H\u00fcgelland eine wahre Achterbahnfahrt gewesen: Einem milden Dezember und einem lauen Januar, in dem die Hasel schon Anfang des Monats zu bl\u00fchen begonnen habe, sei ein kalter Februar mit Dauerfr\u00f6sten gefolgt. \u201eDa ist die Natur gezwungenerma\u00dfen erst einmal wieder zur Ruhe gekommen.\u201c Dann pl\u00f6tzlich am 4. und 5. M\u00e4rz: \u201eSupersch\u00f6nes Wetter, Sonne und Temperaturen bis \u00fcber zehn Grad \u2013 die Knospen wollten f\u00f6rmlich explodieren\u201c, erinnert sich die Ph\u00e4nologin, \u201eaber schon am 6. M\u00e4rz gingen die Temperaturen wieder rapide runter und eine neue Kaltphase setzte ein.\u201c<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz ist am heutigen Vormittag ein obligatorischer Kontrollgang f\u00e4llig. Die Jacke zugekn\u00f6pft, das Fernglas umgeh\u00e4ngt, Stift und Protokollbuch eingesteckt, Pippin aufscheuchen \u2013 und los geht es. \u201eUm \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume zuverl\u00e4ssige und vergleichbare Daten zu bekommen\u201c, erkl\u00e4rt von Richthofen, \u201esollte man als Ph\u00e4nologe am besten immer dasselbe Exemplar einer Pflanzenart beobachten.\u201c Soll hei\u00dfen: dieselbe Eiche, dieselbe Erle, denselben Apfelbaum \u2013 schwieriger wird es allerdings bei Kr\u00e4utern und Gr\u00e4sern. Dazu hei\u00dft es in den immerhin fast 200 Seiten umfassenden \u201eVorschriften und Betriebsunterlagen f\u00fcr die ph\u00e4nologischen Beobachter des Deutschen Wetterdienstes\u201c: \u201eBeobachtet werden soll \u2026 Jahr f\u00fcr Jahr an einem Objekt (Baum, Strauch) beziehungsweise an einem Standort (krautige Pflanze).\u201c<\/p>\n<p>Auch welche unterschiedlichen Arten es unter die Lupe oder vor die Linse zu nehmen gilt, hat der DWD genau festgelegt und \u00fcbersichtlich in vorgedruckte Listen sortiert \u2013 ein buntes Potpourri an Forst- und Ziergeh\u00f6lzen sowie Wild- und landwirtschaftlichen Kulturpflanzen: \u201eDie Pflanzenauswahl ist \u2026 auch historisch gewachsen und steht in Kontinuit\u00e4t zu den Programmen der ehemaligen deutschen Wetterdienste\u201c, hei\u00dft es in der Anleitung. Und weiter: \u201eEntsprechend lang und aussagekr\u00e4ftig sind die ph\u00e4nologischen Reihen.\u201c Im Verzeichnis des DWD finden sich Beobachtungsgebiete, die seit mehr als 50 Jahren ohne Unterbrechung von ehrenamtlichen Ph\u00e4nologen begleitet werden. Einige Reihen erstrecken sich sogar \u00fcber einen Zeitraum von mehr als sechs Jahrzehnten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2759\" aria-describedby=\"caption-attachment-2759\" style=\"width: 401px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_3.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2759\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_3-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"401\" height=\"226\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_3-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_3-768x432.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_3.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 401px) 100vw, 401px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2759\" class=\"wp-caption-text\">Um die Bl\u00fcten der B\u00e4ume zu erkennen, hilft ein Blick durch Gro\u00dfvaters Fernglas. Foto: Michael Gr\u00fcndel\/NOZ<\/figcaption><\/figure>\n<p>Seit immerhin elf Jahren ist nun also auch Julia-Sophie von Richthofen dabei und notiert seitdem \u2013 je nach Witterung und Entwicklungszustand des jeweiligen Objekts mal t\u00e4glich, mal w\u00f6chentlich \u2013 akribisch, wann die Pflanzen in ihrer Bauerschaft zu gr\u00fcnen und zu bl\u00fchen, zu wachsen und zu reifen, sich zu verf\u00e4rben und zu welken beginnen. Was hat sie zur Ph\u00e4nologie gef\u00fchrt? \u201eMein Mann ist Landwirt \u2013 da habe ich nach einem passenden Hobby f\u00fcr mich gesucht, etwas, das ich gut von zuhause aus unternehmen kann\u201c, sagt sie mit einem am\u00fcsierten Augenzwinkern. \u201eNein, im Ernst \u2013 ich mache das einfach total gerne.\u201c Ihr Gef\u00fchl f\u00fcr die Abl\u00e4ufe in der Natur entwickle sich von Jahr zu Jahr st\u00e4rker, beschreibt sie die nicht nachlassende Faszination, \u201eund f\u00fcr vieles, was mir inzwischen sofort ins Auge springt, hatte ich vorher \u00fcberhaupt keinen Blick.\u201c Dazu komme, dass auch sie selbst im landwirtschaftlichen Umfeld aufgewachsen und beruflich im Bereich Pflanzenschutz besch\u00e4ftigt sei. \u201eDas Unternehmen, f\u00fcr das ich t\u00e4tig bin, kooperiert seit langem mit dem DWD und bezieht sich auf dessen ph\u00e4nologisches Datenmaterial.\u201c Und wer den Nutzen von etwas so m\u00fchevoll Zusammengetragenem habe, meint die resolute Naturfreundin, der k\u00f6nne sich ja schlie\u00dflich auch an dessen Weiterentwicklung aktiv beteiligen. Kurzum: gesagt \u2013 getan!<\/p>\n<p>Mit dem Feldstecher kontrolliert von Richthofen die obersten K\u00e4tzchen ihrer Sal-Weide, aber noch sind die gelben Staubbeutel nicht zu erkennen. Auch Eberesche und Stachelbeere treiben noch nicht aus. \u201eAber hier k\u00f6nnte es gleich spannend werden\u201c, biegt die Ph\u00e4nologin mit forschen Schritten um die n\u00e4chste Kurve \u2013 und bricht keine f\u00fcnf Sekunden sp\u00e4ter in begeisterten Jubel aus: \u201eDas da sind meine Bienen! Da vorne auf den Bl\u00fcten der Kornelkirsche!\u201c Julia-Sophie von Richthofen ist v\u00f6llig aus dem H\u00e4uschen, und sogar Pippin bedenkt die summenden Winzlinge mit einem h\u00f6flichen Schwanzwedeln. Die Freude ist nur allzu verst\u00e4ndlich: Hat die Georgsmarienh\u00fctterin doch erst im vergangenen Jahr einen Lehrgang zur Imkerin absolviert und nun mit viel M\u00fche und noch mehr Stolz ihr erstes Volk \u00fcber den Winter gep\u00e4ppelt. \u201eWer sich wie ich dauernd drau\u00dfen in der Natur aufh\u00e4lt und st\u00e4ndig mit Pflanzen zu tun hat, f\u00fcr den ist die Imkerei nur der n\u00e4chste logische Schritt.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_2754\" aria-describedby=\"caption-attachment-2754\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_4.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2754\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_4-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"253\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_4-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_4-768x432.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologin_201804070800_full_4.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2754\" class=\"wp-caption-text\">Die Beobachtungsergebnisse werden im Protokollbuch festgehalten. Foto: Michael Gr\u00fcndel\/NOZ<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gut 1200 Ph\u00e4nologen, so DWD-Mitarbeiterin Anja Engels, seien bundesweit im Einsatz und haben die Botanik fest im Blick. Das gesamte Jahr hindurch. Die Mitarbeiter des DWD werten die am Ende jedes Jahres \u00fcbermittelten Langzeitbeobachtungen und die jeweils aktuell weitergeleiteten Sofortmeldungen von Julia-Sophie von Richthofen und ihren Mitstreitern aus und stellen sie unter anderem Umwelt-, Agrar- und Forstwissenschaftlern, Klimatologen, Meteorologen oder Medizinern zur Verf\u00fcgung.\u00a0 Sie alle profitieren von den, Stiefelschritt f\u00fcr Stiefelschritt gesammelten, Werten der Ph\u00e4nologen. Besonders wichtig, unterstreicht Julia-Sophie von Richthofen, seien zurzeit die Sofortmeldungen \u00fcber den Bl\u00fchbeginn etwa von Weide, Birke oder Kiefer f\u00fcr den <a href=\"http:\/\/www.pollenstiftung.de\/pollenvorhersage\/\">Pollenwarndienst<\/a>, damit sich die Betroffenen rechtzeitig f\u00fcr die n\u00e4chste Welle der Allergene r\u00fcsten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die H\u00e4nde tief in die Jackentaschen gestopft, dr\u00e4ngt sich dem Betrachter nun allerdings der Eindruck auf, dass zumindest der Fr\u00fchling 2018 in der Region definitiv nicht zu einem vorgezogenen Sommer eingedampft ist, sondern seinen altehrw\u00fcrdigen Ruf als eher k\u00fchle Jahreszeit verteidigt hat. Wasser auf die M\u00fchlen derjenigen, die den Klimawandel infrage stellen? Julia-Sophie von Richthofen wiegt nachdenklich den Kopf, ihre Miene sieht nicht wirklich nach Entwarnung aus: \u201eUm da einen Trend zu erkennen und eine seri\u00f6se Prognose abzugeben, braucht man Dokumentationszeitr\u00e4ume, die \u00fcber mindestens 20 Jahre kontinuierlich andauern\u201c, gibt sie zu bedenken. \u201eIch pers\u00f6nlich habe den Eindruck, dass die Jahreszeiten nicht mehr so stabil sind, wie ich sie aus den Zeiten meiner Kindheit in Erinnerung habe, die Temperaturen scheinen st\u00e4rker zu schwanken.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_2761\" aria-describedby=\"caption-attachment-2761\" style=\"width: 1098px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologische-uhr-osnabrueck_201708111448_full.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2761\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologische-uhr-osnabrueck_201708111448_full.jpg\" alt=\"\" width=\"1098\" height=\"618\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologische-uhr-osnabrueck_201708111448_full.jpg 1098w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologische-uhr-osnabrueck_201708111448_full-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologische-uhr-osnabrueck_201708111448_full-768x432.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/phaenologische-uhr-osnabrueck_201708111448_full-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1098px) 100vw, 1098px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2761\" class=\"wp-caption-text\">Ph\u00e4nologische Uhr f\u00fcr den Raum Osnabr\u00fcck. Quelle: NOZ\/DWD<\/figcaption><\/figure>\n<p>Doch wer wirklich wissen will, ob und wie sich unser Klima ver\u00e4ndert, der muss best\u00e4ndig die Augen offenhalten, genau hinschauen \u2013 und das Gesehene aufschreiben. Denn nur auf der Basis von exakten und gewissenhaften Beobachtungen lassen sich fundierte Aussagen ableiten. Weil die Forscher darauf angewiesen sind, auch \u00fcber winzige Ver\u00e4nderungen in der Natur sofort und vor allem m\u00f6glichst fl\u00e4chendeckend informiert zu werden, sind nicht blo\u00df treue, sondern auch dringend neue Ph\u00e4nologen gefordert, bei Wind und Wetter, Sommersonne und Fr\u00fchlingsfr\u00f6sten unersch\u00fctterlich und mit der n\u00f6tigen Prise Humor ihre Daten zu sammeln. \u201eWer Ph\u00e4nologe werden will, braucht kein Pflanzenexperte zu sein\u201c, versichert Julia-Sophie von Richthofen, \u201eauch ich habe zu Anfang etliches nachgeschlagen.\u201c Doch das Material des DWD sei reichlich bebildert und beantworte nahezu alle Fragen. Wer mehr wissen will \u00fcber die T\u00e4tigkeit eines ehrenamtlichen Ph\u00e4nologen, kann sich auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes <a href=\"http:\/\/www.dwd.de\">www.dwd.de<\/a> oder pers\u00f6nlich bei Anja Engels unter Telefon 069\/ 8062-2946 informieren.<\/p>\n<p><em>P.S. Hintergr\u00fcnde zum Making-of der Reportage<\/em><\/p>\n<p>Auf gar keinen Fall d\u00fcrfe sie die Bl\u00fcte des Huflattichs vers\u00e4umen, gab der Redaktionsleiter der freien Journalistin Ulrike Havermeyer mit auf den Weg. Das erste Telefonat mit Ph\u00e4nologin Julia-Sophie von Richthofen erfolgte somit schon im Januar. Doch das vereinbarte Treffen Mitte Februar musste verschoben werden: kein Huflattich! Auch der n\u00e4chste Versuch Anfang M\u00e4rz fiel flach. Der Redaktionsschluss r\u00fcckte n\u00e4her \u2013 der Huflattich blieb stur. Die Journalistin wurde nerv\u00f6s\u2026 Mitte M\u00e4rz? Noch immer nichts! Dass der Huflattich dann eine saubere Punktlandung hinlegte und einen Tag vor der absoluten Deadline seine gelben Bl\u00fcten entbl\u00e4tterte, war das T\u00fcpfelchen auf dem i eines so lehrreichen wie spannenden Naturerlebnisses.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 07.04.2018)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Julia-Sophie von Richthofen ist selbst der bummeligste Fr\u00fchling in den besten H\u00e4nden. 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