{"id":270,"date":"2015-05-27T13:20:25","date_gmt":"2015-05-27T11:20:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=270"},"modified":"2017-03-31T19:21:40","modified_gmt":"2017-03-31T17:21:40","slug":"geschmeidig-ins-moor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=270","title":{"rendered":"Geschmeidig ins Moor"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_271\" aria-describedby=\"caption-attachment-271\" style=\"width: 714px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/wpRadtour2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-271\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/wpRadtour2-1024x730.jpg\" alt=\"17 Kilometer hin, 17 Kilometer zur\u00fcck: Au\u00dfer Reden und Radeln konnten die Teilnehmer der Ausflugsfahrt vom Kultur- und Heimatverein auch noch viel Wissenswertes \u00fcber das Recker Moor und die umgebende Natur erfahren. Foto: Ulrike Havermeyer\" width=\"714\" height=\"509\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/wpRadtour2.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/wpRadtour2-300x214.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-271\" class=\"wp-caption-text\">17 Kilometer hin, 17 Kilometer zur\u00fcck: Au\u00dfer Reden und Radeln konnten die Teilnehmer der Ausflugsfahrt vom Kultur- und Heimatverein auch noch viel Wissenswertes \u00fcber das Recker Moor und die umgebende Natur erfahren. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nein, es wird heute nicht regnen, beschlie\u00dfe ich &#8211; und ignoriere die grauen Wolken, die ein rauer Fr\u00fchlingswind \u00fcber den Himmel jagt. Das wasserdichte Cape packe ich trotzdem in den Rucksack. Dazu die Sonnencreme. Man kann ja nie wissen\u2026 Der Stinkesaft gegen fiesen Zeckenbefall darf genauso wenig fehlen wie die Flasche mit dem Mineralwasser. Schlie\u00dflich begleite ich den Kultur- und Heimatverein auf seiner Radtour vom Ortskern bis ins Recker Moor: 17 Kilometer hin. 17 Kilometer zur\u00fcck. Das sollte allerdings selbst f\u00fcr eine Schreibtischarbeiterin wie mich zu schaffen sein.<\/p>\n<p><em>\u201e40 Personen &#8211; das ist hart an der Grenze\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nach f\u00fcnf Kilometern Anfahrt durch die heimische Bauerschaft erreiche ich den Treffpunkt am Bullerteich, wo sich das Teilnehmerfeld bereits sortiert: R\u00fcstige Senioren lehnen l\u00e4ssig an ihren E-Bikes. Sportliche Damen in Radlerhosen checken ein letztes Mal die Packtaschen an ihren Tourenr\u00e4dern. Mittendrin steht Horst Dormann von der Wandergruppe des Vereins, kneift die Augen zusammen, wippt auf die Zehenspitzen und z\u00e4hlt durch: \u201eDonnerwetter\u2026 das sind so um die 40 Personen\u201c, raunt er sichtlich beeindruckt, \u201edas ist hart an der Grenze.\u201c Sein Kollege Wolfgang Kuhnt nickt gelassen und winkt beruhigend ab: Keine Bange, die Truppe ist routiniert. Die meisten Radler &#8211; egal ob Vereinsmitglieder oder ungebundene Sympathisanten &#8211; kennen sich seit Jahren. Man begr\u00fc\u00dft einander per Handschlag: \u201eNa, auch wieder mit dabei?\u201c Aber klar doch.<\/p>\n<p><em>Das nennt man Schwarmintelligenz<\/em><\/p>\n<p>Unerwartet geschmeidig starten wir &#8211; ganz ohne eine ordnende Hand von au\u00dfen &#8211; in sauberer Formation einer nach dem anderen und schl\u00e4ngeln uns dann paarweise an der Hauptstra\u00dfe entlang. Schwarmintelligenz nennt man das, glaube ich. Es wird geschwatzt und geplaudert. Vergn\u00fcgte Erinnerungen an vergangene Ausfl\u00fcge neu belebt. Der hiesige Radler, scheint mir, betreibt sein Hobby lieber gesellig denn verbissen. Wie war doch gleich der Name? Seid ihr letztes Jahr etwa auch mit Pastor Beck in Tirol unterwegs gewesen? Interessante Lenkertasche! &#8211; Auf dem Westerbecker Esch l\u00e4sst Wolfgang Kuhnt, Leiter der Naturschutzgruppe des Kultur- und Heimatvereins und zudem in der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) aktiv, uns zum ersten Mal anhalten. Au\u00dfer Reden und Radeln kann man auf diesem Ausflug n\u00e4mlich auch noch allerhand Wissenswertes \u00fcber die Region aufschnappen.<\/p>\n<p><em>Kein Ort mehr f\u00fcr Lerche und Kiebitz<\/em><\/p>\n<p>Zum Beispiel, dass der Esch mit seinen intensiv bewirtschafteten \u00c4ckern eine f\u00fcr den Biologen nicht eben erfreuliche, aber eine aktuell doch sehr typische Kulturlandschaft darstellt: viel Mais, viel Wirtschaftsgras, wenig Artenvielfalt. Einige der \u00e4lteren Herrschaften legen die K\u00f6pfe in den Nacken und \u00e4ugen gen Himmel: \u201eFr\u00fcher gab\u2019s hier doch mal Feldlerchen\u2026\u201c Heute nicht mehr, bedauert Kuhnt. Auch der Kiebitz, der es bis vor ein paar Jahren noch auf dem Esch ausgehalten hat, findet keine geeigneten Brutm\u00f6glichkeiten mehr. Und die n\u00f6tige Ruhe fehlt ihm wohl auch: \u201eDer Freizeitdruck ist hier sehr hoch\u201c, erkl\u00e4rt der ANTL-Mann und weist auf den benachbarten Sportplatz hin, auf die vielen Spazierg\u00e4nger mit ihren Hunden. Ja &#8211; und auch redselige Radfahrer k\u00f6nnen der Natur manchmal l\u00e4stig werden\u2026 Betont schweigsam ziehen wir weiter.<\/p>\n<p><em>Geballter Sachverstand der ANTL<\/em><\/p>\n<p>Bevor wir das Recker Moor erreichen, stapft Wolfgang Kuhnt mit uns noch an einem hinter Kiefern und Birken versteckten Niedermoorbereich entlang, weist uns auf sandige D\u00fcnenz\u00fcge inmitten der umgebenden Felder hin, auf denen das ansonsten fast nur noch an der Nordseek\u00fcste vorkommende Silbergras w\u00e4chst. Wir lauschen einem singenden Pirol, rauschen an drei Graureihern vorbei, die in der D\u00fcsterdieker Niederung herumstochern und erreichen schlie\u00dflich das rund 3,45 Quadratkilometer gro\u00dfe Naturschutzgebiet auf der anderen Seite des Kanals. In Gestalt des Ornithologen Manfred Lindenschmidt erwartet uns dort weiterer naturkundlicher Sachverstand: Kuhnts ANTL-Kollege erl\u00e4utert, wie die Moorlandschaft ab dem 17. Jahrhundert kultiviert und &#8211; je nach Sichtweise &#8211; \u201elangsam urbar gemacht\u201c und zugleich \u201eimmer weiter zerst\u00f6rt\u201c wurde.<\/p>\n<p><em>Ertrunkene Rinder und Loren voller Torf<\/em><\/p>\n<p>Die Fahrr\u00e4der abgestellt, wandern wir hinter Lindenschmidt \u00fcber den kleinen Pfad durch das Hochmoor. Das Wollgras wiegt sich in der Brise. Die Sonne hat inzwischen den Himmel zur\u00fcck erobert. Einer der Teilnehmer wei\u00df noch, wie fr\u00fcher an dieser Stelle die Loren zum Torfabbau geschoben wurden. \u201eUnd manches Rind ist damals hier im Moor ertrunken\u201c, erinnert sich eine grauhaarige Westerkappelnerin schaudernd. Lindenschmidt hebt mahnend die Augenbrauen. Wie war das mit den V\u00f6geln und dem Freizeitdruck? &#8211; Und kaum h\u00fcllt sich der Mensch dann doch einmal in Schweigen, wird die Natur auch schon kommunikativ: \u201eH\u00f6ren Sie dort?\u201c, fl\u00fcstert Wolfgang Kuhnt begeistert: \u201eDie Uferschnepfe!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, es wird heute nicht regnen, beschlie\u00dfe ich &#8211; und ignoriere die grauen Wolken, die ein rauer Fr\u00fchlingswind \u00fcber den Himmel jagt. Das wasserdichte Cape packe ich trotzdem in den Rucksack. Dazu die Sonnencreme. 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