{"id":2673,"date":"2013-12-23T17:40:26","date_gmt":"2013-12-23T16:40:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2673"},"modified":"2018-03-25T17:57:52","modified_gmt":"2018-03-25T15:57:52","slug":"auf-dem-weg-zur-vierstimmigen-velper-harmonie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2673","title":{"rendered":"Auf dem Weg zur vierstimmigen Velper Harmonie"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2674\" aria-describedby=\"caption-attachment-2674\" style=\"width: 741px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/VelperChor.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2674\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/VelperChor.jpg\" alt=\"\" width=\"741\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/VelperChor.jpg 741w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/VelperChor-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 741px) 100vw, 741px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2674\" class=\"wp-caption-text\">\u201eWo bleibt der Alt?\u201c Chorleiter Heinz Berge und sein Kollege Wolfgang Lange (am Klavier) haben alle H\u00e4nde voll zu tun, um die rund 120 S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger des Projektchors durch die anspruchsvollen Passagen der Messe zu lotsen. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"teaser\"><strong>Herrlich so ein Chor. Wenn seine Harmonien satt und jubilierend den Raum f\u00fcllen, die verschiedenen Stimmlagen zu einem akustischen Gesamtkunstwerk verschmelzen und dem Zuh\u00f6rer vor lauter Ergriffenheit die Schauer vorbehaltloser Verz\u00fcckung \u00fcber den R\u00fccken jagen. Einfach faszinierend!<\/strong><\/p>\n<div id=\"content-jump-to\" class=\"content\">\n<p>Doch der Weg zu einem gelungenen musikalischen Auftritt ist m\u00fchsamer und arbeitsintensiver, als es sich wohl manch einer tr\u00e4umen l\u00e4sst. Im Velper Martin-Niem\u00f6ller-Haus, wo sich der Projektchor f\u00fcr die Auff\u00fchrung der \u201eMissa Katharina\u201c zu seinen Proben trifft, beginnt jede Etappe auf dem langen Weg zur Perfektion nicht mit einem Schritt, sondern mit dem Geschr\u00f6mmel von rund 480 Stuhlbeinen, die jaulend und knarzend \u00fcber das Parkett schleifen.<\/p>\n<p><em>Nach und nach sortiert sich das Chaos<\/em><\/p>\n<p>Der Herbert sitzt sehr zufrieden mitten im Bass. Obwohl er doch Tenor ist. Marianne kommt ein paar Minuten zu sp\u00e4t. Aber in weiser Voraussicht hat man ihr einen Platz frei gehalten. In der hinteren Reihe des heillos \u00fcberf\u00fcllten Saals. Es ist ein Ger\u00fccke und Geraschel, ein Gequetschte und Gequatsche und Gekicher. Unter der geduldigen Federf\u00fchrung von Chorleiter Heinz Berge sortiert sich das Chaos jedoch nach und nach zu einem Chor. Und selbst der Herbert rutscht \u2013 zwar begleitet vom protestierenden Gebrummel der Bassstimmen, deren Besitzer ihn nur ungern ziehen lassen \u2013 hin\u00fcber in die hochfrequenteren Gefilde des Tenors.<\/p>\n<div id=\"inread\"><em>\u00a0Die hoch gesteckten Ziele des Herrn Berge<\/em><\/div>\n<p>Da hat er sich ja einiges vorgenommen, der Herr Berge. Als er vor einiger Zeit im Urlaub am Bodensee weilte, habe er, mehr oder weniger aus purem Zufall, sagt er, ein recht imposantes Konzert besucht. Gegeben wurde die \u201eMissa Katharina\u201c \u2013 ein Werk f\u00fcr Chor, Sopran-Solo und symphonisches Blasorchester, komponiert von dem niederl\u00e4ndischen Musiker Jacob de Haan im Jahre 2007 als Auftragsarbeit. Die \u201eMissa Katharina\u201c stelle eine \u201einhaltlich gehaltvolle, aber technisch meisterbare Messe von \u00f6kumenischem Charakter\u201c dar, hei\u00dft es in der Online-Erl\u00e4uterung des Komponisten.<\/p>\n<div id=\"opinary-automation-placeholder\"><em>\u00a0Musikalische Verst\u00e4rkung gesucht und gefunden<\/em><\/div>\n<p>\u201eDas schaffen wir auch\u201c, dachte sich Heinz Berge, der gro\u00dfe St\u00fccke h\u00e4lt auf das musikalische K\u00f6nnen seiner Velper Sch\u00fctzlinge. \u201eMir war allerdings sofort klar, dass der Velper Chor f\u00fcr so ein gewaltiges Vorhaben auf jeden Fall Verst\u00e4rkung braucht.\u201c Diese suchte und fand Berge bei seinem Kollegen Wolfgang Lange, Leiter des Riesenbecker Chors \u201eCantate 97\u201c, und dessen S\u00e4ngern. F\u00fcr den Solopart gewann er die Sopranistin Katja Rothfuss. Als symphonisches Blasorchester wird der \u201eMusikverein Gl\u00fcckauf Anthrazit Ibbenb\u00fcren\u201c mit seinen gut 35 Akteuren die Truppe unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><em>Fl\u00f6he h\u00fcten ist nicht wirklich schwieriger&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Insgesamt rund 120 S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger. Darunter viele altgediente Stimmen aus den hiesigen Ch\u00f6ren aus Velpe und Riesenbeck. Der katholische Kirchenchor aus Westerkappeln ist ebenfalls mit an Bord. Aber auch Einzelpersonen aus Nachbargemeinden, aus Ibbenb\u00fcren, Laggenbeck und H\u00f6rstel und sogar aus Rheine. Einige von ihnen haben noch nie in einem Chor gesungen. Erst recht nicht in einem so eindrucksvoll gro\u00dfen. Und einem so \u00fcberaus lebhaften noch dazu. Fl\u00f6he h\u00fcten kann kaum schwieriger sein \u2013 die singen zumindest nicht.<\/p>\n<p><em>\u201eNicht immer vom Sopran irre machen lassen!\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u201eWo bleibt der Alt?\u201c Heinz Berge wirbelt fordernd und mit ausladender Geste seiner Dirigentenarme vor den nun beim \u201eCredo\u201c doch etwas ins Schludern geratenden S\u00e4ngerinnen herum. \u201eIhr sollt euch nicht immer vom Sopran irre machen lassen!\u201c Der so getadelte Alt z\u00f6gert und verstummt prompt vollends. Halb verunsichert, halb betreten. Heinz Berge senkt die Arme. Sein Kollege Wolfgang Lange blickt vom Klavier auf und schmunzelt milde. \u201eAlso ich fand&#8216; s gar nicht so schlecht\u201c, schickt er eine tr\u00f6stende Woge verbaler Streicheleinheiten zu den leicht bedr\u00f6ppelt dreinblickenden S\u00e4ngerinnen. \u201eNochmal!\u201c, ruft Berge. \u201eIch wei\u00df, dass ihr das k\u00f6nnt.\u201c<\/p>\n<p><em>Und der Bass? \u2013 Ach, der Bass&#8230;!<\/em><\/p>\n<p>Eine halbe Stunde sp\u00e4ter hat der Chorleiter den wollenen Pullover abgestreift und steht im Oberhemd vor seinen Leuten. Mit ger\u00f6teten Wangen. L\u00e4ngst hat au\u00dfer dem Alt auch jede andere Stimme vom Chef ihr Fett wegbekommen \u2013 in liebevoller Strenge, versteht sich: der Sopran zu laut, der Tenor zwei volle T\u00f6ne zu hoch und der Bass \u2013 ach, der Bass! \u201eHabt ihr eigentlich gemerkt, dass die anderen schon fertig sind mit Singen?\u201c, fragt Heinz Berge und kann ein am\u00fcsiertes Glucksen nicht l\u00e4nger unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p><em>Die Stimmen mit Salbeitee \u00f6len<\/em><\/p>\n<p>Die Stimmung steigt. In jeder Hinsicht. Es wird geflachst und schwadroniert \u2013 und je unbeschwerter der Umgang, desto treffsicherer sitzen mit einem Mal die T\u00f6ne. Berge und Lange wechseln zufriedene Blicke. Der Alt nimmt die Klippen von Schnappatmung und lateinischem Gesang mittlerweile ebenfalls mit Humor. Der Sopran \u00f6lt seine Stimmen mit stillem Wasser und Salbeitee. W\u00e4hrend sich zur Pflege der tieferen Bassstimmen ein wenig k\u00fchler Hopfen empfiehlt. Der Tenor schaut geschlossen irritiert ins Notenwerk: \u201eAuf welcher Seite sind wir eigentlich?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heinz Berge macht jetzt erst mal Pause. Er legt sich den Wollpulli um die Schultern und schlendert grinsend zu den S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern hin\u00fcber. Beklopft aufmunternd Schultern. Beantwortet Fragen. H\u00f6rt zu. Ja, einige musikalische H\u00f6henmeter gilt es wohl bis zum avisierten Ziel noch zu bew\u00e4ltigen. Aber: \u201eWir kriegen das schon hin\u201c, l\u00e4sst der Chorleiter gar keinen Zweifel daran, dass sich hier l\u00e4ngst alle Beteiligten ein gutes St\u00fcck weit auf dem Weg zur vollkommenen vierstimmigen Velper Harmonie befinden.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 23.12.2013)<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herrlich so ein Chor. 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