{"id":2502,"date":"2018-01-15T21:02:37","date_gmt":"2018-01-15T20:02:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2502"},"modified":"2018-03-14T09:24:35","modified_gmt":"2018-03-14T08:24:35","slug":"es-werde-salz-der-sole-auf-der-spur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2502","title":{"rendered":"Es werde Salz! Der Sole auf der Spur"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2503\" aria-describedby=\"caption-attachment-2503\" style=\"width: 1900px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/BadRothenfeldeSolegang1b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2503\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/BadRothenfeldeSolegang1b.jpg\" alt=\"\" width=\"1900\" height=\"1330\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/BadRothenfeldeSolegang1b.jpg 1900w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/BadRothenfeldeSolegang1b-300x210.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/BadRothenfeldeSolegang1b-768x538.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/BadRothenfeldeSolegang1b-1024x717.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/BadRothenfeldeSolegang1b-1200x840.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1900px) 100vw, 1900px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2503\" class=\"wp-caption-text\">Tief unter dem Kurpark von Bad Rothemfelde schl\u00e4ngelt sich der alte Solegang entlang. Einer, der dem klammen Tunnel seine Geheimnisse entlockt, ist Reinhard Peters vom \u201eF\u00f6rdervereins zum Erhalt der Bad Rothenfelder Gradierwerke\u201c. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Plitsch! Platsch! Plitsch! \u201eVorsicht \u2013 hier bitte den Kopf einziehen, es wird eng!\u201c Platsch! Plitsch! Ein etwa 300 Meter langer Tunnel windet sich mitten unter dem Kurpark von Bad Rothenfelde durch die Erde.<\/strong><\/p>\n<p>Und auch, wenn mittlerweile Neonr\u00f6hren den zu Beginn des 18. Jahrhunderts gemauerten Solegang beleuchten und sein erster Abschnitt ab Sommer 2018, seine gesamte L\u00e4nge dann, wenn alles gut l\u00e4uft, um die f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter f\u00fcr Besucher begehbar ausgebaut sein soll, birgt er doch noch manches Geheimnis.<\/p>\n<p><em>Geheimnisvolle G\u00e4nge im Untergrund<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Reinhard Peters bed\u00e4chtig vor mir durch das fu\u00dfkn\u00f6chelhohe Wasser stiefelt, das durch den unterirdischen Kanal pl\u00e4tschert, bestaune ich die fremde Welt um mich herum: Die verwitterten W\u00e4nde des sich sanft schl\u00e4ngelnden, aus derbem Tuffstein gemauerten Tunnels, die sich irgendwo, weit vor uns im Dunkeln, verlieren. Den vom Eisen rostrot gef\u00e4rbten Schlick unter unseren F\u00fc\u00dfen. Die lustigen kleinen Zapfen, die sich an der Decke des k\u00fchlen Gew\u00f6lbes hier und da gebildet haben. Stalagmiten, Stalagtiten, wie war das noch gleich\u2026? Neugierig streiche ich \u00fcber eines der schlanken Kristallgebilde und schmecke \u2013 nein, kein Salz! Reinhard Peters bemerkt meine Verwunderung und schmunzelt.<\/p>\n<p><em>Salzig oder nicht salzig, das ist hier die Frage\u2026<\/em><\/p>\n<p>Denn was ahnungslose Touristen wie mich meist gr\u00fcndlich \u00fcberrascht, geh\u00f6rt f\u00fcr den Fachmann zum Basiswissen. Zumal wenn er, wie Peters, zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern des <a href=\"https:\/\/www.bad-rothenfelde.de\/mein-tag\/gradierwerk.html\">\u201eF\u00f6rdervereins zum Erhalt der Bad Rothenfelder Gradierwerke\u201c<\/a> geh\u00f6rt und sich mit allem, was rund um die Salinen passiert, bestens auskennt. \u201eDie Zapfen bestehen nicht aus Salz\u201c, erkl\u00e4rt er mir. \u201eSondern es handelt sich um Kalkausbl\u00fchungen aus dem Mauerwerk. Und Kalk schmeckt nicht salzig.\u201c Ach so ist das \u2013 wieder etwas dazu gelernt, freue ich mich, dass die Flamme des Wissens auch hier unten munter flackert. Ob denn wohl wenigstens das Wasser salzig ist? Doch just als ich Anstalten mache, meinen Finger in die tr\u00fcbe Fl\u00fcssigkeit zu tunken \u2013 Plitsch! Platsch! Pause\u2026 \u2013 dreht der fr\u00fchere Betriebsleiter der Bad Rothenfelder Kurverwaltung sich neuerlich zu mir um: \u201eSie brauchen gar nicht zu probieren \u2013 das ist kein Salzwasser\u201c, sagt er.<\/p>\n<p><em>Urige Kulisse f\u00fcr spannende Geschichten<\/em><\/p>\n<p>Zugegeben, ich bin jetzt doch ein wenig irritiert: \u00dcber uns Kalkzapfen, unter uns s\u00fc\u00dfliches Sickerwasser \u2013 warum hei\u00dft dieser unterirdische Stollen eigentlich Solegang? Wo sprudeln sie denn nun, die vielgepriesenen salzhaltigen Quellen, deren heilsame Wirkung die ehemalige Bauerschaft Rodenfelde in einen beliebten Kurort verwandelt hat? Und deren Sole noch heute \u00fcber die Dornw\u00e4nde der beiden Gradierwerke rinnt, die carpesol SPA Therme mit speist und die Wannenb\u00e4der im Kurmittelhaus versorgt. Reinhard Peters verharrt und l\u00e4sst seinen Blick beinahe and\u00e4chtig durch die Kulisse schweifen. Die Geschichte der Sole in Bad Rothenfelde ist weites Feld. Doch an welchem anderen Ort als hier im unterirdischen Teufelsbruch, wo im Jahr 1724 tief unter den Tuffsteinfelsen die Alte Quelle entdeckt wurde, k\u00f6nnte man diese Geschichte besser zu erz\u00e4hlen beginnen?<\/p>\n<p><em>Wie aus einem Dorf ein Kurort wurde<\/em><\/p>\n<p>\u201eAls man sich vor fast 300 Jahren auf Gehei\u00df des damaligen F\u00fcrstbischofs von Osnabr\u00fcck auf die Suche nach dem wei\u00dfen Gold machte\u201c, berichtet Reinhard Peters live aus der Pf\u00fctze, \u201efand Baumeister Johann Christoph M\u00e4rcker in den Tiefen des Steinbruchs \u2013 den die Leute damals den Teufelsbruch nannten, weil es in dessen Spalten so gurgelte und \u00a0zischte \u2013 die Alte Quelle.\u201c Eine ergiebige, sehr kohlenstoffhaltige Solequelle, deren Salzgehalt bei etwa f\u00fcnf Prozent lag. Heureka! Dem Aufstieg des kleinen beschaulichen D\u00f6rfchens zum anerkannten Kurort stand nichts mehr im Wege. Noch heute k\u00fcndet eine Gedenktafel, die gleich neben dem Eingang zum Pumpenhaus angebracht ist, von dem denkw\u00fcrdigen Ereignis.<\/p>\n<p><em>Ein Rohrsystem aus ausgeh\u00f6hlten Fichten<\/em><\/p>\n<p>Und eben jene kostbare Salz-Wasser-L\u00f6sung der Alten Quelle wurde dann durch just diesen Solegang, in dem Reinhard Peters und ich uns gerade unterhalten, bis zu den Gradierwerken geleitet, dort durch mehrfaches Verrieseln \u00fcber die Dornw\u00e4nde auf 25 Prozent konzentriert und anschlie\u00dfend in gro\u00dfen Siedepfannen zu Kochsalz, dem Natriumchlorid, eingedampft. \u201eDa hinten befindet sich noch eine der alten, ausgeh\u00f6hlten Fichten\u201c, deutet Peters auf einen schwarz verf\u00e4rbten Holzstamm, der im rostroten Gerinnsel auf dem Boden liegt. \u201eIn solchen Rohren wurde damals die Sole von der Alten Quelle durch den Solegang bis zum Gradierwerk geleitet.\u201c Aha \u2013 jetzt f\u00fcgt sich alles zusammen: daher \u2013 und also v\u00f6llig berechtigt \u2013 die Bezeichnung \u201eSolegang\u201c!<\/p>\n<p><em>Und immer wieder: S\u00fc\u00dfwasser im Spiel<\/em><\/p>\n<p>Aber: Woher flie\u00dft die Sole heute? Vielleicht durch das dicke Kunststoffrohr, das neben uns an der Tunnelwand entlangl\u00e4uft? \u201eNein\u201c, sch\u00fcttelt Peters den Kopf und l\u00e4chelt: Denn schon wieder ist S\u00fc\u00dfwasser im Spiel! Die Leitung bilde die Hauptversorgung des Kurmittelhauses, erl\u00e4utert er, darin sprudle erstklassiges, mehrere Tausend Jahre unber\u00fchrtes Trinkwasser aus der Kolkquelle. Die Alte Quelle sei dagegen bereits 1931 au\u00dfer Betrieb gegangen, als man zwei Jahre zuvor die weitaus kr\u00e4ftigere Waidmann- und 1931 dann die Wittekindquelle erschlossen habe, deren Sole die Bad Rothenfelder bis heute nutzen.<\/p>\n<p><em>Ab Sommer 2018 trockenen Fu\u00dfes unterwegs<\/em><\/p>\n<p>Wer mehr \u00fcber das wei\u00dfe Gold von Bad Rothenfelde, die verschlungenen Wege der Sole und ihre Nutzung erfahren m\u00f6chte, kann bereits jetzt entweder beim F\u00f6rderverein oder bei der Tourist Information einen Termin f\u00fcr eine F\u00fchrung durch den Solegang vereinbaren. Ab Sommer 2018, wenn die Sanierung des ersten Abschnitts abgeschlossen ist, k\u00f6nnen Besucher dann sogar trockenen Fu\u00dfes die unterirdische Welt der Soleg\u00e4nge erkunden.<\/p>\n<p><em>(Erschienen 01\/2018 auf https:\/\/blog.osnabruecker-land.de)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plitsch! Platsch! Plitsch! \u201eVorsicht \u2013 hier bitte den Kopf einziehen, es wird eng!\u201c Platsch! Plitsch! Ein etwa 300 Meter langer Tunnel windet sich mitten unter dem Kurpark von Bad Rothenfelde durch die Erde. 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