{"id":2452,"date":"2018-02-13T20:43:41","date_gmt":"2018-02-13T19:43:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2452"},"modified":"2018-02-13T22:07:44","modified_gmt":"2018-02-13T21:07:44","slug":"wenn-in-den-ratsstuben-die-wuerfel-fallen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2452","title":{"rendered":"Wenn in den Ratsstuben die W\u00fcrfel fallen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2453\" aria-describedby=\"caption-attachment-2453\" style=\"width: 1800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Knobeln1b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2453\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Knobeln1b.jpg\" alt=\"\" width=\"1800\" height=\"1222\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Knobeln1b.jpg 1800w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Knobeln1b-300x204.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Knobeln1b-768x521.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Knobeln1b-1024x695.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Knobeln1b-1200x815.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1800px) 100vw, 1800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2453\" class=\"wp-caption-text\">Drei W\u00fcrfe pro Durchgang hat jeder Spieler beim Preisknobeln in den Wersener Ratsstuben. Am 2. M\u00e4rz findet der letzte Wettbewerb in dieser Wintersaison statt. Mit etwas Gl\u00fcck gibt es eine Fortsetzung der beliebten Veranstaltung. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Eigentlich wollten Hendrik Gohrbandt und Eike T\u00fcting nur kurz einspringen, als die Soldatenkameradschaft Wersen ihr beliebtes Doppelkopf- und Preisknobelturnier eingestellt hat. Das war vor acht Jahren. Seitdem engagieren sich die beiden f\u00fcr den Erhalt der Traditionsveranstaltung.<\/strong><\/p>\n<p>Freitagabend\u2026 was soll ich tun? Im Kino l\u00e4uft nichts Vern\u00fcnftiges. Unsere Freunde kurieren ihre Erk\u00e4ltung aus. Und den Krimi habe ich durchgelesen. Doch nach einer arbeitsreichen Woche brauche ich dringend etwas Zerstreuung. Beim Durchst\u00f6bern der Zeitung f\u00e4llt mein Blick auf eine kleine Ank\u00fcndigung, die mir verr\u00e4t, wie andere Entspannungssuchende ihre Freitagabende gestalten: Sie knobeln. Neugierig mache ich mich auf den Weg in die Wersener Ratsstuben.<\/p>\n<p>Als erfahrene Doppelkopfspielerin kenne ich mich zwar mit Re und Kontra aus, habe vom Preisknobeln jedoch keine Ahnung. Nie gemacht. Das hat etwas mit W\u00fcrfeln zu tun, schon klar. Aber gibt es f\u00fcrs Knobeln offizielle Regeln? Spielen dabei nur Gl\u00fcck und Zufall eine Rolle, oder sind auch strategisches Kombinieren und wom\u00f6glich sogar gute Kenntnisse in statistischer Wahrscheinlichkeitsrechnung gefragt?<\/p>\n<p>Nach Mathe-Unterricht sieht es hier jedenfalls nicht aus, stelle ich erleichtert fest, als ich das lauschige St\u00fcbchen in der Gastst\u00e4tte betrete: Etwa zwanzig Personen haben es sich, immer sch\u00f6n in Vierer- oder F\u00fcnfergr\u00fcppchen, an den Spieltischen bequem gemacht. Die Stimmung ist wie das Ambiente: gem\u00fctlich rustikal. Keinerlei Tischdekoration \u2013 alles deutet auf Doppelkopf hin. \u201eUnd wo wird hier geknobelt?\u201c, erkundige ich mich bei Eike T\u00fcting. Der 36-j\u00e4hrige Wersener ist just noch damit besch\u00e4ftigt, die Teilnehmer in die Starterliste einzutragen und deutet vergn\u00fcgt neben sich: Am Ende der Tischreihe warten drei lederne Knobelbecher, die kopf\u00fcber auf leidlich abgenutzten Filzuntersetzern postiert sind, auf ihren Einsatz.<\/p>\n<p><em>Abl\u00e4ufe von der Soldatenkameradschaft \u00fcbernommen<\/em><\/p>\n<p>\u201eDas mit dem Knobeln l\u00e4uft bei uns nebenher\u201c, bereitet T\u00fcting meiner Illusion von einem eigenst\u00e4ndigen W\u00fcrfelturnier ein j\u00e4hes Ende. \u201eWir haben die Abl\u00e4ufe genau so beibehalten, wie wir sie damals von der Soldatenkameradschaft \u00fcbernommen haben\u201c, erg\u00e4nzt Mitveranstalter Hendrik Gohrbandt. \u201eDie Leute haben sich daran gew\u00f6hnt und m\u00f6gen das so.\u201c Ich blicke mich um: \u00dcberwiegend silberhaarige M\u00e4nner sitzen bei einem Glas alkoholfreiem oder auch nicht alkoholfreiem Bier zusammen, palavern \u00fcber Dies und Das und stecken dabei ihr Blatt zurecht, hier und da hat sich auch ein j\u00fcngerer Spieler unters Volk gemischt. Nach einigem Suchen z\u00e4hle ich vier Frauen.<\/p>\n<p>Der eigentliche Ursprung dieser Tradition liege sogar noch weiter zur\u00fcck, erkl\u00e4rt mir Gohrbandt, als vor mehr als 20 Jahren der Sch\u00fctzenverein D\u00fctestrand das gemischte Doppelkopf-Knobel-Turnier begr\u00fcndet und an manchen Abenden bis zu zweihundert G\u00e4ste begr\u00fc\u00dft habe. Einige der Spieler, die sich an diesem Freitag hier in den Wersener Ratsstuben treffen, kennen sich bereits seit damals. \u201eJa, da war hier vielleicht was los\u201c, sinniert ein \u00e4lterer Herr aus Eversburg, schiebt sich an den Doppelkopftischen vorbei Richtung Knobelbecher \u2013 und legt vor: Mit kraftvollem Schwung l\u00e4sst er die drei W\u00fcrfel auf den Filz prasseln. Drei W\u00fcrfe ergeben einen Durchgang. Jeweils die h\u00f6chste Summe eines jeden Teilnehmers gilt f\u00fcr die Endauswertung. Drei mal sechs macht 18. Drei mal 18 macht 54. Knobeln hat sehr wohl etwas mit Rechnen zu tun, stelle ich fest. Sieben, dreizehn, acht \u2013 und mit Gl\u00fcck ebenfalls, muss ich gleich darauf erkennen\u2026! \u201eNat\u00fcrlich bin ich hier, um zu gewinnen\u201c, l\u00e4sst der entschlossene Eversburger keinen Zweifel an seinem Ehrgeiz \u2013 und legt den Einsatz von 50 Cent f\u00fcr eine weitere Runde auf den Tisch.<\/p>\n<p>\u201eAlso f\u00fcr mich z\u00e4hlt die Geselligkeit\u201c, geht Edith Kr\u00fcger die Sache gelassener an \u2013 und ermahnt die Umstehenden mit gespielt strengem Augenzwinkern: \u201eSeid mal still, ich muss mich konzentrieren!\u201c Aber das W\u00fcrfelgl\u00fcck l\u00e4sst sich nicht mit Geisteskraft herbeizaubern\u2026 In ihrer ersten Runde kommt die Halenerin gerademal knapp \u00fcber 20 Augen hinaus. \u201eMacht nichts, ich versuche es sp\u00e4ter noch einmal\u201c, wehrt sie ab und schmunzelt: \u201eF\u00fcr den Sieger gibt es einen Fleischpreis \u2013 ich bin Vegetarierin.\u201c<\/p>\n<p><em>Worin besteht der Reiz des Knobelns?<\/em><\/p>\n<p>Als folgten sie einer geheimen \u00dcbereinkunft, statten im Laufe des Abends fast alle Kartenspieler dem W\u00fcrfeltisch einen Besuch ab. Wechseln ein paar Worte mit Hendrik Gohrbandt und Eike T\u00fcting, die gewissenhaft die Ergebnisse in ihrer Liste notieren. Je h\u00e4ufiger die W\u00fcrfel in den Bechern klackern, desto klarer wird, was den Reiz des Knobelns ausmacht: Als eine Art Small Game wirkt es wie das Pendant zum Small Talk: Eine willkommene Gelegenheit f\u00fcr eine unverbindliche Kontaktaufnahme, die manchmal in \u00fcberraschend verbindlichen Zusagen m\u00fcndet. \u201eDu willst also wirklich aufh\u00f6ren?\u201c, erkundigt sich der Stammgast aus Niedersachsen zwischen zwei W\u00fcrfen bei Hendrik Gohrbandt. Gohrbandt zuckt bedauernd mit den Schultern. Aus beruflichen Gr\u00fcnden hat er \u2013 sehr zum Verdruss der Spieler \u2013 nach dieser Saison seinen Ausstieg aus dem Planungsteam angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Der ambitionierte Eversburger stellt den W\u00fcrfelbecher ab und \u00a0sch\u00fcttelt nachdenklich seinen Kopf. \u201eVielleicht k\u00f6nnte ich Eike dann ja unterst\u00fctzen\u201c, \u00fcberlegt er und setzt trotzig hinzu: \u201eSolange ich noch Karten halten kann, will ich n\u00e4mlich hier in Wersen weiter Doppelkopf spielen!\u201c M\u00f6glicherweise ist damit der Fortbestand des Kartenturniers also bereits gesichert \u2013 und mit dem n\u00f6tigen Qu\u00e4ntchen Gl\u00fcck wohl auch der des traditionsreichen Knobelwettbewerbs.<\/p>\n<p>Das voraussichtlich letzte Doppelkopf-Preisknobel-Turnier des Organisationsteams T\u00fcting\/Gohrbandt findet am Freitag, 2. M\u00e4rz, um 19.30 Uhr in den Ratsstuben statt. Allen, denen das Kinoprogramm an diesem Abend nicht zusagt, die ihren Roman ausgelesen haben, oder die einfach nur in munterer Runde nette Leute kennenlernen wollen, sei ein Besuch w\u00e4rmstens ans Herz gelegt.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 07.02.2018)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollten Hendrik Gohrbandt und Eike T\u00fcting nur kurz einspringen, als die Soldatenkameradschaft Wersen ihr beliebtes Doppelkopf- und Preisknobelturnier eingestellt hat. Das war vor acht Jahren. 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