{"id":2347,"date":"2018-01-09T17:29:58","date_gmt":"2018-01-09T16:29:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2347"},"modified":"2018-01-24T19:29:12","modified_gmt":"2018-01-24T18:29:12","slug":"waidmannsheil-ein-blick-ins-revier-mit-wolfgang-teepe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2347","title":{"rendered":"Waidmannsheil \u2013 ein Blick ins Revier mit Wolfgang Teepe"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2348\" aria-describedby=\"caption-attachment-2348\" style=\"width: 1800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Teepe1bb.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2348\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Teepe1bb.jpg\" alt=\"\" width=\"1800\" height=\"1096\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Teepe1bb.jpg 1800w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Teepe1bb-300x183.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Teepe1bb-768x468.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Teepe1bb-1024x624.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Teepe1bb-1200x731.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1800px) 100vw, 1800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2348\" class=\"wp-caption-text\">Fasanensuppe, Bockjagd, Jugendsuche: Das kommende Jahr birgt wieder eine Menge spannender Herausforderungen f\u00fcr Ingrid Teepe, ihren Mann Wolfgang und Nachwuchs-Jagdhund Basco. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Verstaubtes Brauchtum? Grausame Lust? Oder doch aktiver Naturschutz und notwendige Bestandsregulierung? Am Thema Jagd scheiden sich die Geister. Wolfgang Teepe ist Waidmann durch und durch. Dass manche Mitmenschen seinem Hobby kritisch gegen\u00fcberstehen, wei\u00df der Hegeringleiter. Seine Antwort: \u201eMan muss das Gespr\u00e4ch suchen \u2013 immer wieder.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Aus der Jagdkanzel heraus haben Wolfgang Teepe und seine Frau Ingrid einen weiten Blick \u00fcber das Revier: Direkt vor ihnen, gleich jenseits des Vorgartens, erstreckt sich eine M\u00e4hwiese. Etwas weiter entfernt liegt ein kleines W\u00e4ldchen. Im Hintergrund eine Schonung. \u201eWir haben viele sch\u00f6ne Ecken in der Velper Jagd\u201c, sagt Hegeringleiter Teepe, \u201eaber das hier ist mein Lieblingsplatz.\u201c Von ihrem lauschigen Hochsitz aus haben die Teepes in vielen Fr\u00fchlingen schon etliche Rehm\u00fctter mit ihren Kitzen vorbeiziehen sehen. Auch Hasen, F\u00fcchse, Kaninchen, streunende Hunde\u2026 Der Teepe\u2019sche Privat-Ansitz ist allerdings nicht auf vier staksigen Beinen aus Holz gezimmert, sondern besteht aus solidem Klinkerwerk und viel Glas \u2013 und geh\u00f6rt, als Wintergarten konzipiert, praktischerweise zur eigenen Wohnung. Doch f\u00fcr Naturfreunde wie Wolfgang Teepe und seine Frau eignet sich so ein komfortables St\u00fcbchen mit Rundumblick perfekt als Beobachtungsposten.<\/p>\n<p><em>Die Jagdkanzel als Ort der Meditation?<\/em><\/p>\n<p>\u201eWenn einer Stress hat, dann rate ich ihm: Setz dich auf einen Hochsitz und schau dir die Natur an\u201c, sagt Teepe. Er selbst habe die Ruhe und die \u00dcbersicht, die eine solche R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit biete, in den 40 Jahren, die er dem Waidwerk nun schon nachgehe, immer wieder auch zur Entspannung genutzt. Besonders in der Zeit, als er noch als Elektromeister beim Kraftwerk in Ibbenb\u00fcren t\u00e4tig war. Die Jagdkanzel als Ort der Meditation \u2013 klingt das denn nicht doch ein wenig weit hergeholt? \u201eKeinesfalls\u201c, entgegnet der 68-J\u00e4hrige mit versonnenem Schmunzeln: \u201eSchon so mancher Bock ist unbeschadet davongekommen, w\u00e4hrend ich auf dem Hochsitz meinen Gedanken nachgehangen bin\u2026\u201c<\/p>\n<p><em>Mehr als blo\u00dfes \u201eHerumgeballere\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: \u201eEinige Leute denken ja, dass wir J\u00e4ger blo\u00df herumballern\u201c, \u00e4rgert sich Teepe. Dass sich die derzeit zehn aktiven Velper Gr\u00fcnr\u00f6cke lediglich an zehn von 365 Tagen im Jahr gemeinsam auf die Niederwildjagd begeben und dabei dann zum Beispiel Hasen, Kaninchen, Fasanen und Enten erlegen, wissen die wenigsten. W\u00e4hrend der Bockjagd von Mai bis Mitte Januar d\u00fcrfe jeder der Velper J\u00e4ger au\u00dferdem genau einen Rehbock schie\u00dfen. Neben dem \u201eGeballer\u201c stehen f\u00fcr den Waidmann mithin auch noch jede Menge anderer Aktivit\u00e4ten auf dem Jahresplan.<\/p>\n<p><em>Jede Menge zu tun im Revier<\/em><\/p>\n<p>\u201eJetzt im <strong data-tagname=\"em\">Januar<\/strong> sind wir gerade damit besch\u00e4ftigt, einen Teil der etwa 250 Kopfweiden in unserem Revier zu schneiteln\u201c, erz\u00e4hlt Wolfgang Teepe. Mit den abges\u00e4gten \u00c4sten wollen er und seine Velper Kollegen dann eine Totholzhecke anlegen \u2013 als Unterschlupf und zum Schutz f\u00fcr Insekten, V\u00f6gel und Kleinegetier. Au\u00dfer den zwei Kilometern Sichtschutzhecken will auch das von der J\u00e4gerschaft in den 1990er Jahren angelegte Biotop samt kleinen Teichen gepflegt werden. \u201eAus jagdlicher Sicht stehen im Januar und <strong data-tagname=\"em\">Februar<\/strong> noch die kreisweit angesetzten Taubenjagdtage und die Jagd auf Kr\u00e4hen und Elstern an.\u201c<\/p>\n<p>Der <strong data-tagname=\"em\">M\u00e4rz<\/strong> wird von Verwaltungsarbeit gepr\u00e4gt: \u201eWir machen die Jagdabrechnung und stellen die Streckenmeldung f\u00fcr die Untere Jagdbeh\u00f6rde zusammen\u201c, berichtet Teepe. Au\u00dferdem halten die Westerkappelner am 13. M\u00e4rz ihre Hegeringversammlung inklusive der internen Geh\u00f6rnschau ab. \u201eMit dem neuen, 2015 in Kraft getretenen Jagdgesetz sind die bis dahin verbindlichen Abschusspl\u00e4ne und auch die Geh\u00f6rnschau offiziell abgeschafft worden\u201c, erkl\u00e4rt Teepe, der wie viele seiner Jagdgenossen mit dieser Regelung nicht gl\u00fccklich ist. Daher halten die Westerkappelner freiwillig an den alten Traditionen fest. Nicht aus Nostalgie, sondern weil ein Blick auf die Geh\u00f6rne immer auch einen Blick auf die Altersstruktur der Rehwildpopulation gestatte, erkl\u00e4rt Teepe: \u201eUnd die muss passen, damit der Bestand gesund bleibt.\u201c<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens im <strong data-tagname=\"em\">April<\/strong>, wenn der Fr\u00fchling mit milden Temperaturen zur\u00fcckkehrt, ziehen auch die Rehe wieder gut sichtbar durchs Revier. \u201eJetzt ist die Zeit, den Bestand zu z\u00e4hlen und den Abschussplan festzulegen\u201c, verweist Teepe darauf, dass sich die Westerkappelner nicht aus Pflicht \u2013 die ja seit 2015 nicht mehr besteht \u2013 sondern aus \u00dcberzeugung untereinander abstimmen, welche und wie viele Rehe sie im kommenden Jahr erlegen wollen. F\u00fcr Wolfgang Teepe birgt der April 2018 zudem eine besondere Herausforderung: Sein angehender Jagdhund Basco absolviert die Pr\u00fcfung zur Jugendsuche.<\/p>\n<p>Bis zum ersten <strong data-tagname=\"em\">Mai<\/strong>, wenn die Bockjagd beginnt, hat sich jeder J\u00e4ger nach vielen geduldigen Stunden auf den Hochsitzen genau das Tier ausgeguckt, das er erlegen will. \u201eDann bist du wieder Tag und Nacht unterwegs\u201c, nickt Ingrid Teepe ihrem Mann am\u00fcsiert zu. Ist der Bock \u2013 \u201ein Velpe bis sp\u00e4testens Oktober\u201c \u2013 erlegt, kocht Teepe den Sch\u00e4del des Tieres, s\u00e4ubert ihn, bleicht ihn mit Wasserstoffperoxid und zieht die Troph\u00e4e auf ein Holzbrett. Mit etwas Gl\u00fcck k\u00f6nnen Wolfgang und Ingrid Teepe mit ihrem dreij\u00e4higen Enkel Luca dann im Mai auch wieder von ihrem Lieblingsplatz aus beobachten, wie sich auf der benachbarten Wiese die Ricke um ihre frisch gesetzten Rehkitze k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Wildtiere mit ihrem Nachwuchs besch\u00e4ftigt sind, legen die Velper J\u00e4ger im <strong data-tagname=\"em\">Juni<\/strong> die Bl\u00fchstreifen an und bestellen ihre Wild\u00e4cker. \u201eDer <strong data-tagname=\"em\">Juli<\/strong> und der <strong data-tagname=\"em\">August<\/strong> sind f\u00fcr die Autofahrer eine besonders gef\u00e4hrliche Zeit\u201c, warnt Teepe. Denn dann befinden sich die Rehe im Taumel der Hormone und hasten auch schon einmal \u2013 wie blind in ihrem Liebeswahn \u2013 \u00fcber die Fahrbahn.<br \/>\nAuf den <strong data-tagname=\"em\">September<\/strong> freut Wolfgang Teepe sich immer besonders: Dann unterst\u00fctzen die Mitglieder des Hegerings Westerkappeln ihre Kollegen vom Hegering Lotte\/Wersen bei den Waldjugendspielen im Wersener Holz und laden die Drittkl\u00e4ssler zu einem spannenden Gang durchs Revier ein. Auf Wunsch bietet Teepe \u2013 ganzj\u00e4hrig \u2013 auch f\u00fcr Kinderg\u00e4rten und Schulen gef\u00fchrte Wanderungen an, um dem Nachwuchs die Geheimnisse der Natur nahezubringen.<\/p>\n<p>Ab dem 16. <strong data-tagname=\"em\">Oktober<\/strong> ist die Schonzeit unter anderem f\u00fcr Hase und Kaninchen, Steinmarder und Fasan vorbei, bereits seit Anfang September d\u00fcrfen auch Ricken geschossen werden. Der <strong data-tagname=\"em\">November<\/strong> und der <strong data-tagname=\"em\">Dezember<\/strong> stehen somit wieder ganz im Zeichen der Nieder- und der Rehwildjagd. Das sind dann auch die Monate, in denen Ingrid Teepe f\u00fcr ihre Familie Fasanensuppe und gebratene Rehkeule zubereitet.<\/p>\n<p>\u201eDa wird es einem J\u00e4ger nicht langweilig\u201c, blickt Wolfang Teepe dem neuen Jahr freudig entgegen, das wohl wieder eine breite Palette abwechslungsreicher Erfahrungen f\u00fcr ihn bereithalten d\u00fcrfte: beschauliche Stunden im Revier, anstrengende Arbeitseins\u00e4tze, manchen \u00c4rger \u00fcber nicht angeleinte Hunde gedankenloser Passanten sowie viele, viele interessante Gespr\u00e4che mit Jagdgenossen, Schulkindern \u2013 und Kritikern, die er geduldig von der Notwendigkeit des Waidwerks zu \u00fcberzeugen versucht&#8230;<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 03.01.2018)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verstaubtes Brauchtum? Grausame Lust? Oder doch aktiver Naturschutz und notwendige Bestandsregulierung? Am Thema Jagd scheiden sich die Geister. 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