{"id":2316,"date":"2017-12-29T19:00:30","date_gmt":"2017-12-29T18:00:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2316"},"modified":"2017-12-29T19:00:30","modified_gmt":"2017-12-29T18:00:30","slug":"eleganter-kampf-um-die-gesundheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2316","title":{"rendered":"Eleganter Kampf um die Gesundheit"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2317\" aria-describedby=\"caption-attachment-2317\" style=\"width: 1800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Moldenhauer2b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2317\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Moldenhauer2b.jpg\" alt=\"\" width=\"1800\" height=\"1350\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Moldenhauer2b.jpg 1800w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Moldenhauer2b-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Moldenhauer2b-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Moldenhauer2b-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Moldenhauer2b-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1800px) 100vw, 1800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2317\" class=\"wp-caption-text\">H\u00fcbsch, aber gef\u00e4hrlich: So elegant der Tanz mit dem F\u00e4cher auch aussieht, Elke Moldenhauer (rechts) und ihre Sch\u00fclerinnen \u00fcben sich hier in einer Spielart der chinesischen Kampfkunst, in der das Accessoire als Waffe dient. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Elke Moldenhauer blinzelt mir zu, ein geheimnisvolles L\u00e4cheln im Gesicht. \u201eLassen Sie sich nur nicht t\u00e4uschen\u201c, warnt sie mich und zieht \u2013 flupp! \u2013 einen feuerroten F\u00e4cher aus der Hinterhand. \u201eDas hier hat n\u00e4mlich nichts mit Karl Lagerfeld zu tun!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Wenn die zierliche Seniorin ihre Sch\u00fcler \u2013 wie an diesem Abend in der kleinen Turnhalle des THC in Westerkappeln \u2013 im Tai Chi Chuan unterrichtet, merkt man schnell, dass die Wurzeln der asiatischen Heilgymnastik in der chinesischen Kampfkunst liegen. Weil es den alten Chinesen streng untersagt gewesen sei, bewaffnet in eines der \u00f6ffentlichen Teeh\u00e4user zu gehen, erl\u00e4utert Elke Moldenhauer, h\u00e4tten sie statt ihre Schwerter kurzerhand ihre F\u00e4cher mitgebracht. Keine gew\u00f6hnlichen Modelle, versteht sich. \u201eDenn deren Streben waren nicht aus Bambus, sondern aus Metall gefertigt, liefen an den Enden spitz zu \u2013 und diese Spitzen waren in Gift getaucht.\u201c Geschickt verborgene, t\u00f6dliche Waffen mithin. Alles andere also als das filigrane Accessoire eines greisen Modezaren.<\/p>\n<p><em>Anerkannte Gesundheitsvorsorge<\/em><\/p>\n<p>Und auch, wenn Elke Moldenhauer und ihre Sch\u00fclerinnen keineswegs mordlustig wirken \u2013 \u201eNein, nein: F\u00fchlen sie mal, das ist alles aus Bambus\u201c, h\u00e4lt mir die Westerkappelnerin ihren Kung Fu F\u00e4cher entgegen \u2013 so sind die agilen Damen doch fraglos \u00e4u\u00dferst wehrhaft. Nicht nur gegen\u00fcber potenziellen Schurken, sondern auch gegen\u00fcber k\u00f6rperlichen Gebrechen und den t\u00fcckischen Angriffen aus der Welt der Viren und Bakterien. Es kommt schlie\u00dflich nicht von ungef\u00e4hr, dass viele Krankenkassen Tai Chi-Kurse oder auch das\u00a0 ebenfalls von Elke Moldenhauer gelehrte Qigong als anerkannte Gesundheitsvorsorge unterst\u00fctzen. Ob zur Stressbew\u00e4ltigung, zur Vitalisierung des Immunsystems, zur F\u00f6rderung der Beweglichkeit, zur St\u00e4rkung der Gelenke und des R\u00fcckens, zur Sturzprophylaxe\u2026 \u2013 \u201eMan kann gar nicht aufz\u00e4hlen, f\u00fcr was alles diese Sportart gut ist\u201c, macht die unter anderem in Shanghai ausgebildete Tai Chi-Lehrerin erst gar keine Anstalten, ihre Begeisterung zu verbergen, \u201eman muss das einfach mal selber erleben!\u201c<\/p>\n<p><em>Leichtigkeit kommt mit der Zeit<\/em><\/p>\n<p>Genau deswegen bin ich hier: Ich ziehe meine Turnschuhe an und mische mich unter die Kursteilnehmerinnen. \u201eBis die Leichtigkeit kommt, dauert es allerdings einige Zeit\u201c, mahnt mich Elke Moldenhauer vor allzu hohen Erwartungen und legt ihren F\u00e4cher demonstrativ zur Seite. Um bei den unterschiedlichen \u201eFormen\u201c, wie die traditionellen, fest definierten Bewegungsabl\u00e4ufe im Tai Chi genannt werden, mitzumachen, \u201ebraucht man schon etwas Geduld\u201c, sagt die Trainerin. Ihre Kurse, die sie \u00fcber das ganze Jahr verteilt anbietet, umfassen jeweils zehn Termine. Am Beginn jeder Stunde stehen die Aufw\u00e4rm\u00fcbungen \u2013 und schon die haben es, wie ich wenige Minuten sp\u00e4ter versichern kann, durchaus in sich.<\/p>\n<p><em>Gutes Training auch f\u00fcr den Alltag<\/em><\/p>\n<p>Allein die Art und Weise, wie im Tai Chi die Finger zun\u00e4chst gelockert und anschlie\u00dfend gekr\u00e4ftigt werden, fasziniert mich: Denn in dem auch f\u00fcr mich als Anf\u00e4ngerin \u00fcberschaubaren Bewegungsmuster, das auf den ersten Blick so simpel und vertraut wirkt, verbirgt sich wohldosierte, explosive Energie \u2013 mit ungeahnter Langzeitwirkung. Der gestreckte Daumen leistet dabei den hinter ihm zur Faust geballten Fingern deutlichen Widerstand, wenn diese sich \u2013 als schnellten sie aus einer pl\u00f6tzlich gel\u00f6sten Feder heraus \u2013 in die L\u00e4nge strecken. \u201eWir m\u00fcssen jeden Tag so viele Plastikverschl\u00fcsse aufdrehen, da ist es gut, Kraft in den H\u00e4nden zu haben\u201c, verweist Elke Moldenhauer auf den praktischen Nutzen des Schnippens.<\/p>\n<p><em>Wie man im Stehen sitzt<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich im Hintergrund leise chinesische Instrumentalmusik aus den Lautsprechern ergie\u00dft, lassen wir das Qi, die Energie, durch unsere K\u00f6rper flie\u00dfen und trainieren au\u00dfer den Muskeln auch unsere Achtsamkeit. Beim \u00dcben der \u201eAcht Brokate\u201c lerne ich beispielsweise, im Stehen zu sitzen und dabei die Lendenwirbels\u00e4ule zu entlasten. Hinter den poetisch betitelten Formen \u2013 \u201eDen Himmel mit den H\u00e4nden st\u00fctzen\u201c, \u201eDen Bogen spannen, durch das Tigerauge schauen und den Adler schie\u00dfen\u201c \u2013 stecken hand- und standfeste Herausforderungen f\u00fcr K\u00f6rper und Geist. \u201eAnspannung und Entspannung\u201c, benennt Elke Moldenhauer eines der Geheimnisse des Tai Chi. \u201eAber immer nur so viel davon, wie dem eigenen K\u00f6rper gut tut.\u201c Nicht jede \u00dcbung sei f\u00fcr alle Personen gleicherma\u00dfen geeignet, gibt sie zu bedenken. Arthrose, R\u00fcckenprobleme, zu hoher oder zu niedriger Blutdruck m\u00fcssten stets ber\u00fccksichtigt werden \u2013 \u201eaber keine Sorge, ich passe gut auf meine Leute auf.\u201c<\/p>\n<p><em>\u201eEinfach mal ausprobieren\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die zehn Frauen um Elke Moldenhauer herum nicken best\u00e4tigend. \u201eSeit ich Tai Chi mache, sind meine Schmerzen weg\u201c, sagt eine \u00e4ltere Dame, blickt dabei etwas vorwurfsvoll auf ihre Uhr und wendet sich mit sichtlicher Ungeduld an Elke Moldenhauer. \u201eNur noch zehn Minuten \u2013 machst du mit uns denn jetzt bitte noch einmal die F\u00e4cher-Form?\u201c Die Frage, wie es um die Motivation der Gruppe bestellt ist, er\u00fcbrigt sich damit. \u201eOb Sch\u00fcler, M\u00fctter oder Rentner \u2013 Tai Chi tut auf so viele Weisen und eigentlich jedem gut. Am besten: Einfach mal bei uns reinschauen und ausprobieren\u201c, schw\u00e4rmt Elke Moldenhauer und spannt \u2013 flupp! \u2013 mit funkelnden Augen ihren F\u00e4cher auf.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 13.12.2017)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elke Moldenhauer blinzelt mir zu, ein geheimnisvolles L\u00e4cheln im Gesicht. \u201eLassen Sie sich nur nicht t\u00e4uschen\u201c, warnt sie mich und zieht \u2013 flupp! \u2013 einen feuerroten F\u00e4cher aus der Hinterhand. \u201eDas hier hat n\u00e4mlich nichts [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2317,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"image","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[4,80],"tags":[192,411,656,658,111,657],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2316"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2316"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2316\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2322,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2316\/revisions\/2322"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2317"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2316"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2316"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2316"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}