{"id":2261,"date":"2016-08-20T16:29:27","date_gmt":"2016-08-20T14:29:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2261"},"modified":"2017-11-23T13:13:27","modified_gmt":"2017-11-23T12:13:27","slug":"299-briefe-aus-dem-krieg-an-die-tochter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2261","title":{"rendered":"299 Briefe aus der Kriegsgefangenschaft an die Familie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Reise in die Vergangenheit hat jetzt die franz\u00f6sische Journalistin Nicole Jeanneton-Marino unternommen und sich auf Spurensuche auf den Hof Hanneken nach Gehrde begeben. Hier hat ihr Vater Robert von 1940 bis 1945 als Kriegsgefangener arbeiten m\u00fcssen.<\/strong><\/p>\n<p>Als die kleine Nicole ihren Vater kennenlernte, war sie bereits sechs Jahre alt. Ein Schulkind. Die verlorenen Jahre einer Eltern-Kind-Beziehung hat Robert Marino im nieders\u00e4chsischen Gehrde zubringen m\u00fcssen\u00a0 \u2013 als Kriegsgefangener auf dem Hof Hanneken in Gro\u00df-Drehle. 299 Briefe hat Robert w\u00e4hrend dieser Zeit an seine Familie nach Paris geschickt. \u201eDiese Schriftst\u00fccke arbeite ich gerade intensiv durch\u201c, berichtet Nicole Jeanneton-Marino. Sie l\u00e4chelt: \u201eEs ist sehr ber\u00fchrend zu erfahren, wie mein Vater diese Jahre verbracht, was er empfunden hat und wie es ihm ergangen ist.\u201c Denn als er im Mai 1945 endlich zu seiner Familie zur\u00fcckkehren durfte, abgemagert und geschw\u00e4cht, hat Robert Marino eine klare Einstellung zum Thema Krieg vertreten: Er wollte das Alles hinter sich lassen. Keine unn\u00f6tigen Worte \u00fcber diese Zeit verlieren. Und so habe er es, bis auf wenige Ausnahmen, sein ganzes Leben lang gehalten, erkl\u00e4rt seine heute 77\u2013j\u00e4hrige Tochter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2279\" aria-describedby=\"caption-attachment-2279\" style=\"width: 375px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hanneken1b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2279\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hanneken1b-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"281\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hanneken1b-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hanneken1b-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hanneken1b-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hanneken1b-1200x900.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hanneken1b.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2279\" class=\"wp-caption-text\"><i class=\"img-titel\">Auf den Spuren ihrer V\u00e4ter: Robert Marino, der Vater von Nicole Jeanneton-Marino (links), hat als Kriegsgefangener auf dem Hof Hanneken gearbeitet. Auch Liselotte Primas Vater Wilhelm Keck hat damals hier geholfen, um die Landwirtschaft am Laufen zu halten. Fotos (2): Ulrike Havermeyer<\/i><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Ambitionierte Autorin<\/em><\/p>\n<p>Robert Marino beschreibt in seinen Briefen nicht nur detailreich, wie er seine Jahre als Kriegsgefangener im Artland erlebt hat, sondern erz\u00e4hlt auch eindrucksvoll davon, wie schwer es f\u00fcr den jungen Familienvater war, die innig geliebte \u201ePetite Nicou\u201c, wie er seine Tochter z\u00e4rtlich nannte, nicht aufwachsen sehen zu k\u00f6nnen. \u201eAuf der Grundlage dieser Erinnerungen meines Vaters und den vielen Aufzeichnungen, die meine Mutter hinterlassen hat, arbeite ich an einem Buch dar\u00fcber, wie meine Familie die Kriegsjahre und die Nachkriegszeit erlebt hat.\u201c Nicht das erste Werk der ausgebildeten Studienr\u00e4tin, die auch als Journalistin f\u00fcr das franz\u00f6sische Magazin \u00c9coute t\u00e4tig ist: Ihre Dokumentation \u00fcber den Lebensabend ihrer Mutter im Altersheim hat der ambitionierten Autorin bereits eine Auszeichnung eingebracht.<\/p>\n<p><em>Ernten, Melken, Ausmisten<\/em><\/p>\n<p>Um sich einen eigenen Eindruck von der Kulisse zu machen, in der ihr Vater seine Kriegsgefangenschaft zugebracht hat, ist Nicole Jeanneton-Marino jetzt nach Gehrde gereist. Gemeinsam mit Liselotte Prima, Vorsitzende des Heimatvereins und Autorin des Buches \u201eGro\u00df Drehle\u201c, hat sie den Hof Hanneken besucht. Den Ort, an dem Robert Marino viereinhalb Jahre lang K\u00fche melken, Stallungen ausmisten und die Ernte einfahren musste. \u201eDas ist ihm nicht leicht gefallen\u201c, erz\u00e4hlt seine Tochter, \u201edenn w\u00e4hrend die beiden anderen Kriegsgefangenen auf dem Hof Hanneken, Baptiste und Clovis, selbst Landwirte gewesen sind, war mein Vater ein reiner Stadtmensch und hat vorher als Vertreter f\u00fcr Damenunterw\u00e4sche in Paris gearbeitet.\u201c Dennoch habe er die Jahre in Gehrde in guter Erinnerung behalten: \u201eEr hat betont, dass die Leute hier sehr nett waren\u201c, berichtet Nicole Jeanneton-Marino \u00fcber die seltenen Kommentare ihres Vaters.<\/p>\n<p><em>Unbeantwortete Fragen<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_2281\" aria-describedby=\"caption-attachment-2281\" style=\"width: 375px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hof-Hanneken-2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2281\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hof-Hanneken-2-300x205.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"256\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hof-Hanneken-2-300x205.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hof-Hanneken-2-768x524.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hof-Hanneken-2-1024x699.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hof-Hanneken-2-1200x819.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Hof-Hanneken-2.jpg 1740w\" sizes=\"(max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2281\" class=\"wp-caption-text\">Der Hof Hanneken in der ersten H\u00e4lfte des vergangenen Jahrhunderts. Foto: Archiv\/ Nicole Jeanneton-Marino<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das historische Zweist\u00e4nderhaus. Die Remise. Der Schweinestall. Mit wachen Sinnen saugt Nicole Jeanneton-Marino die Atmosph\u00e4re der l\u00e4ndlichen Umgebung auf. \u201eDas muss die Scheune sein, von deren Dach mein Vater gefallen ist\u201c, vermutet sie und deutet auf eines der Nebengeb\u00e4ude, \u201eund anschlie\u00dfend einige Wochen im Krankenhaus behandelt werden musste.\u201c Was aus Baptiste und Clovis geworden ist, wei\u00df sie nicht. \u201eFast alle, die diese Zeit erlebt haben, sind inzwischen gestorben\u201c, bedauert Liselotte Prima. \u201eSo bleiben viele Fragen unbeantwortet.\u201c Zum Beispiel die, nach der Identit\u00e4t des kleinen M\u00e4dchens, das Anfang der 1940er Jahre auf dem Hof Hanneken gewohnt hat. \u201eEs hatte ungef\u00e4hr mein Alter\u201c, wei\u00df Nicole Jeanneton-Marino aus den Aufzeichnungen ihres Vaters. Und wenn Robert Marino das Kind betrachtete, habe er sich vorgestellt, dass im selben Augenblick viele hundert Kilometer entfernt ein \u00e4hnlich s\u00fc\u00dfes M\u00e4dchen herumlaufe \u2013 seine Petite Nicou.<\/p>\n<p><em>Ein Ort der Sehnsucht<\/em><\/p>\n<p>Mehr als 70 Jahre nach dieser unfreiwilligen Trennung erkundet nun Nicole Jeanneton-Marino mit nachdenklichen Blicken die Pfade der Vergangenheit rund um das alte Fachwerkgeb\u00e4ude. \u201eEs war wohl vor allem die Sehnsucht nach seiner Familie\u201c, ist sich die Tochter des 1985 verstorbenen Robert Marino sicher, \u201edie die Jahre meines Vaters in Gehrde gepr\u00e4gt haben.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_2282\" aria-describedby=\"caption-attachment-2282\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/P8127687.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2282\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/P8127687-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"444\" height=\"333\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/P8127687-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/P8127687-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/P8127687-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/P8127687-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2282\" class=\"wp-caption-text\">Die Infotafel der Artl\u00e4nder Fachwerkgiebelmeile verweist auf die touristische Bedeutung des Hofs Hanneken.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>(Erschienen in: Bersenbr\u00fccker Kreisblatt, 20.08.2016)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Reise in die Vergangenheit hat jetzt die franz\u00f6sische Journalistin Nicole Jeanneton-Marino unternommen und sich auf Spurensuche auf den Hof Hanneken nach Gehrde begeben. 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