{"id":2124,"date":"2017-09-13T22:53:00","date_gmt":"2017-09-13T20:53:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2124"},"modified":"2017-11-28T13:11:19","modified_gmt":"2017-11-28T12:11:19","slug":"in-guten-wie-in-schlechten-zeiten-familienbetrieb-eben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=2124","title":{"rendered":"In guten wie in schlechten Zeiten \u2013 Familienbetrieb eben &#8230;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2125\" aria-describedby=\"caption-attachment-2125\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/FelsIntensiv2b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2125\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/FelsIntensiv2b.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1037\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/FelsIntensiv2b.jpg 1500w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/FelsIntensiv2b-300x207.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/FelsIntensiv2b-768x531.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/FelsIntensiv2b-1024x708.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/FelsIntensiv2b-1200x830.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2125\" class=\"wp-caption-text\">Mit viel Unterst\u00fctzung von der Familie, den Mitarbeitern und Nachbarn haben Christiane und Georg Fels eine harte Zeit \u00fcberstanden. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Nach seinem Lieblingsplatz gefragt, atmet Georg Fels erst einmal tief durch. Sein Blick schweift etwas ratlos ins Leere. Seine Gedanken rattern zur\u00fcck durch das vergangene halbe Jahr. \u00dcberall, soviel stehe fest, sei es sch\u00f6ner als auf der Intensivstation.<\/strong><\/p>\n<p>Dort ist der 52-j\u00e4hrige Gartenbauingenieur in den vergangenen sechs Monaten gleich dreimal medizinisch behandelt worden. \u201eErnste Sachen\u201c, sagt der geb\u00fcrtige Billerbecker, der vor elf Jahren in Westerkappeln seinen eigenen Betrieb er\u00f6ffnet hat. Das erste Mal diagnostizierten die \u00c4rzte ein Blutgerinnsel im Gehirn. Das zweite Mal eine neuerliche Blutung unterhalb der Sch\u00e4deldecke. Das dritte Mal eine Lungenembolie. Von jetzt auf gleich lag der dreifache Familienvater, der Unternehmenschef, der Malocher, der selbst mit anpackt, dessen Arbeitskraft fest eingeplant ist, im Krankenhaus. Totalausfall.<\/p>\n<p><em>Wenn der Alltag sich ver\u00e4ndert<\/em><\/p>\n<p>\u201eDas erste Mal war am 21. M\u00e4rz \u2013 da ist bei uns Hauptsaison\u201c, sch\u00fcttelt Georg Fels den Kopf, noch immer reichlich fassungslos dar\u00fcber, wie schnell und unerwartet sich so ein Alltag ver\u00e4ndern kann. F\u00fcr die Familie. F\u00fcr die Mitarbeiter. F\u00fcr ihn. M\u00fcde habe er sich an diesem Vormittag gef\u00fchlt, erinnert er sich. \u201eIch hatte leichte Kopfschmerzen und dann auch zunehmend Gehprobleme.\u201c Breitbeinig wie ein Seemann sei er durch die Baumschule geschwankt. Dass die Symptome von einem, in Gedanken l\u00e4ngst abgehakten, Sturz im Skiurlaub herr\u00fchrten, habe er nicht geahnt. \u201eDer Unfall war ja schon zehn Wochen her \u2013 und mir hat danach nichts wehgetan.\u201c F\u00fcr seinen Hausarzt allerdings sei der Zusammenhang gleich klar gewesen: \u201eDu musst sofort ins Krankenhaus\u201c, habe der die Regie \u00fcbernommen. Ein paar Stunden sp\u00e4ter lag Fels in der R\u00f6hre: Magnetresonanztomografie. Und danach die Aussage der \u00c4rzte: \u201eHerr Fels, wir m\u00fcssen Sie hierbehalten und Ihren Sch\u00e4del \u00f6ffnen.\u201c<\/p>\n<p><em>In die Bresche gesprungen<\/em><\/p>\n<p>Geht nicht. Das sei seine erste Reaktion gewesen. Doch dann habe es ihm ged\u00e4mmert, wie viel Gl\u00fcck er eigentlich gehabt habe. \u201eDas h\u00e4tte ja auch alles ganz anders ausgehen k\u00f6nnen\u2026\u201c, murmelt er \u2013 und wieder geht sein Blick ins Weite. W\u00e4hrend Fels auf dem OP-Tisch behandelt und anschlie\u00dfend weiter auf der Intensivstation betreut wurde, sprangen zuhause die Familie und die Mitarbeiter in die Bresche. Und da f\u00e4ngt die Sache mit dem Lieblingsplatz von Georg Fels an. \u201eMeine Frau hat einen riesigen Fallschirm \u00fcber mir aufgespannt, der mich durch diese Zeit getragen hat\u201c, beschreibt er, \u201eund die Mitarbeiter haben die Aufgaben im Betrieb ganz automatisch von sich aus \u00fcbernommen.\u201c Baustellen betreuen. Material besorgen. Kundengespr\u00e4che f\u00fchren.<\/p>\n<p><em>\u201eChef, wir sind doch Familie\u201c<\/em><\/p>\n<p>Georg Fels l\u00e4chelt und kommt aus dem Staunen noch heute nicht heraus: \u201eWir regeln das, hie\u00df es einfach.\u201c Basta. Als ob nicht jeder der acht Festangestellten in der Hauptsaison ohnehin schon genug zu tun gehabt h\u00e4tte. \u201eDas musste ja alles noch nebenher laufen\u201c, wird er nicht m\u00fcde, sein Team zu loben. \u201eChef, wir sind doch Familie\u201c, dieser Satz eines Mitarbeiters bringe es auf den Punkt. Seitdem hat die Bezeichnung \u201eFamilienbetrieb\u201c eine neue Bedeutung f\u00fcr den Gartenbauingenieur. Wenn Lieblingsplatz, dann dieser Familienbetrieb.<\/p>\n<p><em>Zu viel zu fr\u00fch zugemutet<\/em><\/p>\n<p>Wie stark der Zusammenhalt wirklich ist, sollten die kommenden Wochen erst noch zeigen. Denn kaum war der Chef, mit zwei halbwegs verheilten Bohrl\u00f6chern in der Sch\u00e4deldecke, wieder zuhause \u2013 \u201eDass die \u00c4rzte meinem Mann zu einer Reha geraten haben, hat er mir nat\u00fcrlich nicht erz\u00e4hlt\u201c, bemerkt seine Frau Christiane und sieht Georg Fels dabei besorgt an \u2013 rebellierte sein Kopf noch einmal: Fels hatte sich zu fr\u00fch zu viel zugemutet, eine weitere Hirnblutung setzte ein. \u201eUm 11 Uhr war ich zuhause angekommen, um 16 Uhr lag ich schon wieder im Krankenhaus.\u201c<\/p>\n<p><em>Gef\u00fcllte Kocht\u00f6pfe und Kuchen<\/em><\/p>\n<p>Das Spiel begann von vorne: Operationssaal, Intensivstation. Heilungsprozess. Diesmal inklusive einer vierw\u00f6chigen Reha im Anschluss. Zuhause hielten seine Frau, seine drei schulpflichtigen Kinder und seine Mitarbeiter den Familienbetrieb am Laufen. \u201eAuch wenn alles super geklappt hat, war das eine ungeheure Belastung f\u00fcr jeden\u201c, hebt Fels den Einsatz der Beteiligten hervor. Und Christiane Fels erg\u00e4nzt, dass auch die Nachbarn eine Menge abgefangen h\u00e4tten: \u201eEs ist kein Tag vergangen, an dem nicht ein gef\u00fcllter Kochtopf oder ein Kuchen vor der Haust\u00fcr stand.\u201c<\/p>\n<p><em>Bittere Ironie des Schicksals<\/em><\/p>\n<p>Doch die Ironie des Schicksals ist manchmal schwer zu ertragen: Just an dem Morgen, als Georg Fels zur Abschlussuntersuchung seines Sch\u00e4deltraumas einen Termin im Krankenhaus wahrgenommen und die \u00c4rzte ihm mitgeteilt hatten, dass sie mit dem Heilungsprozess sehr zufrieden seien, verrutsche ihm auf dem Weg zum Auto der Verband an seinem Bein. Fels erkl\u00e4rt: \u201eIch wurde wegen einer Thrombose behandelt, das Bein war leicht geschwollen und sah etwas merkw\u00fcrdig aus.\u201c Noch vom Parkplatz aus rief er seinen Hausarzt an. Der lie\u00df sich die Symptome beschreiben \u2013 Kurzatmigkeit, Schmerzen im Brust- und Herzbereich \u2013 und ordnete an: \u201eDu gehst jetzt sofort in die Notaufnahme und sagst denen, dass bei dir akuter Verdacht auf eine Lungenembolie besteht.\u201c Der Verdacht best\u00e4tigte sich.<\/p>\n<p><em>Die Segel sind gesetzt<\/em><\/p>\n<p>Der Westerkappelner hat die Intensivstation mittlerweile verlassen und arbeitet bereits wieder \u201emit halber Kraft voraus\u201c im Betrieb. Seinen taumelnden Seemannsgang hat er l\u00e4ngst \u00fcberwunden und stattdessen in erstarkter Bodenst\u00e4ndigkeit die Segel f\u00fcr die kommende Saison gesetzt. \u201eMeine Leute haben ein Auge auf mich\u201c, freut er sich \u00fcber die Aufmerksamkeit, \u201edas gibt mir ein gutes Gef\u00fchl.\u201c Familienbetrieb eben.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 13.09.2017)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach seinem Lieblingsplatz gefragt, atmet Georg Fels erst einmal tief durch. Sein Blick schweift etwas ratlos ins Leere. 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