{"id":208,"date":"2015-05-02T14:54:06","date_gmt":"2015-05-02T12:54:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=208"},"modified":"2018-07-17T14:03:11","modified_gmt":"2018-07-17T12:03:11","slug":"innenspiegel-aussenspiegel-schulterblick","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=208","title":{"rendered":"Innenspiegel. Au\u00dfenspiegel. Schulterblick."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_210\" aria-describedby=\"caption-attachment-210\" style=\"width: 714px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/wpFahrstunde2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-210\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/wpFahrstunde2-1024x678.jpg\" alt=\"In der Ruhe liegt die Kraft: Fahrlehrer Karl-Heinz Schulz (links) und sein Sch\u00fcler Benjamin Schimanski \u00fcben, auch in kniffeligen Verkehrssituationen den \u00dcberblick zu behalten. Foto: Ulrike Havermeyer\" width=\"714\" height=\"473\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/wpFahrstunde2.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/wpFahrstunde2-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-210\" class=\"wp-caption-text\">In der Ruhe liegt die Kraft: Fahrlehrer Karl-Heinz Schulz (links) und sein Sch\u00fcler Benjamin Schimanski \u00fcben, auch in kniffeligen Verkehrssituationen den \u00dcberblick zu behalten. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Benjamin Schimanski beobachtet mich. Seine Augen fixieren das Geschehen aus dem Spiegel heraus, als ich auf der R\u00fcckbank des blauen Golf-Diesels Platz nehme. Hinten sitzen \u2013 sehr ungewohnt. Ich schnalle mich an, lege Stift und Notizblock bereit, nicke dem Spiegel zu \u2013 und komme mir einen Augenblick so vor wie der Fahrerlaubnispr\u00fcfer h\u00f6chstpers\u00f6nlich.<\/p>\n<p><em>L\u00e4sst etwa die Sch\u00e4rfentiefe nach?<\/em><\/p>\n<p>Nun glaube ich, was die Stra\u00dfenverkehrsordnung angeht, als Autofahrerin wohl hinreichend im Bilde zu sein, aber m\u00f6glicherweise fehlt es mir inzwischen an einigen Stellen ein wenig an, sagen wir: Sch\u00e4rfentiefe. Das Ausstellungsdatum meiner Fahrerlaubnis reicht weit ins vergangene Jahrtausend zur\u00fcck. Um mein Wissen auf den neusten Stand zu bringen, begleite ich Fahrlehrer Karl-Heinz Schulz aus Lotte und seinen Sch\u00fcler Benjamin Schimanski auf ihrer Unterrichtsfahrt.<\/p>\n<p><em>20 bis 30 Stunden lang \u00fcben<\/em><\/p>\n<p>Innenspiegel. Au\u00dfenspiegel. Schulterblick. Den Blinker setzen \u2013 und das Abenteuer beginnt. \u201eBenjamin steht kurz vor seiner Pr\u00fcfung\u201c, erl\u00e4utert Fahrlehrer Karl-Heinz Schulz und sitzt dabei betont entspannt auf dem Beifahrersitz. \u201eSchalten, Bremsen, Lenken \u2013 das hat er alles drauf.\u201c Zwischen 20 und 30 Stunden, je nach Talent und Vorkenntnis, rechnet man heute bis zum Abschlusstest f\u00fcr den EU-F\u00fchrerschein, Klasse B, f\u00fcr mehrspurige Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen.<\/p>\n<p><em>Auf der Suche nach &#8222;schwierigen Situationen&#8220;<\/em><\/p>\n<p>\u201eWas Benjamin jetzt unbedingt noch braucht, sind jede Menge schwierige Situationen.\u201c Schimanskis R\u00fcckspiegelaugen weiten sich f\u00fcr einen Moment ahnungsvoll. Doch schon ist sein Blick wieder auf der Stra\u00dfe \u2013 und entschieden drosselt er die Geschwindigkeit: \u00dcber den B\u00fcrgersteig spaziert eine junge Frau, die ein zappeliges Kleinkind an der Hand h\u00e4lt. \u201eGut gesehen\u201c, lobt Schulz. In den Schultern auf dem Fahrersitz vor mir beginnt sich die Verspannung langsam zu l\u00f6sen. \u201eDoch\u201c, sagt Schimanski, \u201eich f\u00fchle mich inzwischen von Mal zu Mal sicherer. Aber einige Fehler unterlaufen mir schon noch.\u201c Er schaltet wieder in den dritten Gang hoch. Ganz ruhig und butterweich. \u201eDann \u00e4rgere ich mich \u00fcber mich selbst.\u201c<\/p>\n<p><em>Eine Hochburg der Baustellen und Stra\u00dfensperren<\/em><\/p>\n<p>Der Wagen schnurrt die Atterstra\u00dfe mit Ziel \u201eOsnabr\u00fcck\u201c entlang: derzeit eine wahre Hochburg der Baustellen und Stra\u00dfensperren \u2013 und somit ein vielversprechendes Schatzk\u00e4stlein voller un\u00fcbersichtlicher Verkehrssituationen: \u201eMehrspuriges Fahren, kreuzender Verkehr beim Abbiegen, st\u00e4ndig wechselnde Umleitungen, Linienbusse, Schulbusse, Rettungswagen\u201c, z\u00e4hlt Schulz munter auf, \u201eund ein leider nicht immer optimal gestaltetes Radwegenetz.\u201c<\/p>\n<p><em>Im Hexenkessel der Mobilit\u00e4t<\/em><\/p>\n<p>Auf dem Weg in diesen Hexenkessel der Mobilit\u00e4t lauert bereits die erste Herausforderung: Fahrbahnverengung auf der \u00fcblicherweise in beide Richtungen zweispurigen Pagenstecherstra\u00dfe. Ein greller Parcours aus roten und wei\u00dfen Baken zwingt die Verkehrsteilnehmer, enger zusammen zu r\u00fccken \u2013 immer h\u00fcbsch einer hinter den anderen. Und das bitte ohne Blechschaden und am liebsten: flie\u00dfend. \u201eLass Dich parallel zum Verkehr auf der durchgehenden Fahrspur mitrollen und zeig den Anderen, dass Du da rein willst.\u201c<\/p>\n<p><em>Wenn es mal nicht passt: ruhig bleiben!<\/em><\/p>\n<p>Benjamin Schimanski nickt. Innenspiegel. Au\u00dfenspiegel. Schulterblick. Blinker setzen. \u2013 Seufzen. Nicht immer entspricht die Praxis der Theorie. \u201eRuhig bleiben. Solange Du und die Anderen noch rollen, entstehen auch L\u00fccken\u201c, erkl\u00e4rt Schulz. \u201eNur, wenn Du die Situation zu sp\u00e4t erfasst und der Verkehr schon steht, wird es kompliziert.\u201c Verstohlen mache ich mir eine Notiz. Das mit dem Mitrollen muss ich mir merken.<\/p>\n<p><em>Drehbuchreife Szenarien zum Mitdenken<\/em><\/p>\n<p>\u201eWer schwierige Verkehrskonstellationen rechtzeitig erkennt\u201c, sagt Schulz, \u201ehat mehr Zeit, um zu \u00fcberlegen und dadurch die M\u00f6glichkeit, sicher zu reagieren.\u201c Ein liegengebliebener Lkw vor einer nicht einsehbaren Einm\u00fcndung. Eine buschige Hecke, hinter der ein Zweiradfahrer hervor schie\u00dft. Wie aus dem Nichts heran donnernde Z\u00fcge an einer defekten Schrankenanlage. \u2013 In jedem guten Fahrlehrer steckt ein fantasiebegabter Dramatiker: Wohl wissend, dass der Mensch Fehler macht und in komplexen Systemen wie dem Stra\u00dfenverkehr immer wieder in unberechenbare Situationen ger\u00e4t, konstruiert Schulz drehbuchreife Szenarien. \u201eWie w\u00fcrdest Du in einer solchen Lage reagieren?\u201c, fragt er dann seinen Sch\u00fcler und wartet gespannt auf dessen Antwort.<\/p>\n<p><em>Verkehrsweisheiten to go<\/em><\/p>\n<p>Als Benjamin Schimanski 90 Minuten, dutzende Autobahnkilometer, ein paar enge Parkl\u00fccken, etliche un\u00fcbersichtliche Kreuzungen und einen Stau sp\u00e4ter den Diesel auf dem Parkplatz der Schulz\u2019schen Fahrschule ausschaltet und unsere Blicke sich ein letztes Mal im R\u00fcckspiegel treffen, wirkt er gelassen. Das Fahren \u2013 selbst im Moloch der verkehrswunden Friedensstadt \u2013 strengt ihn nicht mehr \u00fcber die Ma\u00dfen an. \u201eRuhig bleiben\u201c, das zentrale Mantra seines Fahrlehrers Karl-Heinz Schulz, entfaltet zunehmend die ihm eigene, wohltuende Wirkung. Nicht weniger einpr\u00e4gsam sind auch die anderen Verkehrs-Weisheiten des Meisters: \u201eSicherheit ist die oberste Pr\u00e4misse.\u201c \u2013 \u201eR\u00fccksichtsvoll fahren hei\u00dft energiesparend fahren.\u201c Und nat\u00fcrlich: \u201eRisiken minimieren kann nur, wer vorausschauend unterwegs ist.\u201c Merks\u00e4tze, die nicht nur Benjamin Schimanski in den kommenden Jahren wohl bei mancher Fahrt begleiten d\u00fcrften, denke ich und betrachte die eng beschriebenen Seiten in meinem Notizblock.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 16.09.2014; Westf\u00e4lische Nachrichten, 16.09.2014)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benjamin Schimanski beobachtet mich. 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