{"id":205,"date":"2015-04-30T12:54:06","date_gmt":"2015-04-30T10:54:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=205"},"modified":"2015-04-30T12:54:06","modified_gmt":"2015-04-30T10:54:06","slug":"wenn-jetpiloten-es-richtig-krachen-lassen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=205","title":{"rendered":"Wenn Jetpiloten es richtig krachen lassen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_206\" aria-describedby=\"caption-attachment-206\" style=\"width: 741px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/em-ein-kampfflugzeug-em-durchbricht-die-schallm_full.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-206\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/em-ein-kampfflugzeug-em-durchbricht-die-schallm_full.jpg\" alt=\"Ein Kampfflugzeug durchbricht die Schallmauer. Auch wenn es toll aussieht: Das Wei\u00dfe ist nicht etwa das Loch in der Schallmauer, sondern die \u201eWolkenscheibe\u201c aus kondensierten Wassertr\u00f6pfchen an der Sto\u00dfwelle.Foto: US Navy\/John Gay\" width=\"741\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/em-ein-kampfflugzeug-em-durchbricht-die-schallm_full.jpg 741w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/em-ein-kampfflugzeug-em-durchbricht-die-schallm_full-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 741px) 100vw, 741px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-206\" class=\"wp-caption-text\">Ein Kampfflugzeug durchbricht die Schallmauer. Auch wenn es toll aussieht: Das Wei\u00dfe ist nicht etwa das Loch in der Schallmauer, sondern die \u201eWolkenscheibe\u201c aus kondensierten Wassertr\u00f6pfchen an der Sto\u00dfwelle.Foto: US Navy\/John Gay<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es donnert vom Himmel, nur von Gewitter keine Spur: Vor 30 Jahren wusste jedes Kind, was das bedeutet. Ein Jet durchbricht die Schallmauer. Heute fliegen die Maschinen kaum noch \u00fcber bewohntem Gebiet. Kein Wunder also, dass ein \u00dcberschallflug in der Region Osnabr\u00fcck und im Emsland f\u00fcr Besorgnis sorgte. Ein Erkl\u00e4rst\u00fcck f\u00fcr Jet-Unbedarfte.<\/p>\n<p>Bumm. Wenn die Piloten im Eurofighter den Schubhebel in Richtung mehr Schub bewegen, lassen sie umgerechnet bis zu 156.000 Pferdest\u00e4rken von der Leine. Kurze Zeit sp\u00e4ter durchbricht der Jet auf dem Weg zur H\u00f6chstgeschwindigkeit die Schallmauer. Und das ist in weitem Umkreis deutlich zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Das Wort \u201eKnall\u201c trifft es dabei zumindest physikalisch nicht ganz genau: An Spitze und Heck des Jets entstehen bei einem \u00dcberschallflug kegelf\u00f6rmige Sto\u00dfwellen , die wie Schleppen mitgezogen werden. Dort, wo die Druckwelle gerade den Boden ber\u00fchrt, knallt es. Bei gro\u00dfen oder weit entfernten Fliegern h\u00f6rt man beide Sto\u00dfwellen auch als Doppelknall.<\/p>\n<p>Diesen \u00dcberschallknall bescheren die Kampfjets der Bundesluftwaffe oder der Natopartner heute allerdings in Deutschland nur noch selten. Vor 30 oder 40 Jahren dagegen verdrehten Kinder fast reflexartig nach einem Knall den Kopf in Richtung Himmel, um dann wild dar\u00fcber spekulieren, ob es eine Phantom oder eine Mirage sei. Oder einer der schnell selten gewordenen Starfighter-\u201cWitwenmacher\u201c. Oder vielleicht sogar irgendeine amerikanische F-sonstwas, mit der die Piloten \u2013 meist waren wenigstens zwei Flieger am Himmel \u2013 es im w\u00f6rtlichen Sinne richtig krachen lie\u00dfen. Oft, aber nicht immer, half bei der Flugzeugbestimmung ein Blick in das Flugzeug-Quartett. Oder ein Besuch im n\u00e4chsten Spielwarenladen, um die realen Flieger mit den bunten Bildern auf den Revell- und Airfix-Plastikmodellbauk\u00e4sten abzugleichen.<\/p>\n<p>Nach der Wiedervereinigung h\u00e4tte man nat\u00fcrlich auch noch die russische MIG 29 mit in die \u00dcberlegungen einbeziehen m\u00fcssen. Der Bundeswehr hatte die russischen \u00dcberflieger von der NVA \u00fcbernommen und sie bis 2004 auch geflogen. Der eher kantige Tornado war ohnehin ab Mitte der 80er Jahre leicht zu erkennen.<\/p>\n<p>Knallt es heute, weil ein Jet die Schallmauer durchbricht, greifen die Bundesb\u00fcrger dagegen eher zum Telefon oder posten es auf Facebook: \u201eHallo NOZ, was war das denn gerade f\u00fcr ein lauter Knall???\u201c- \u00c4hmm, ja, ein \u00dcberschallknall, jenes Ger\u00e4usch, das entsteht, wenn ein Flugzeug die Schallmauer durchbricht. Nach dem kurzen H\u00f6henflug der zivilen britisch-franz\u00f6sischen Concorde und der russischen Tupolev Tu-144 kommen daf\u00fcr heute wohl nur noch Kampfjets in Frage.<\/p>\n<p>Der ist allerdings in der Tat nur noch selten zu h\u00f6ren. Die Zahl der \u00dcberschallfl\u00fcge habe deutlich abgenommen, erl\u00e4utert Oberstleutnant Kai Gudenoge, Leiter des Sachgebiets Pressearbeit der Luftwaffe. Zum einen durch die Reduzierung der Streitkr\u00e4fte in den vergangenen Jahren, zum anderen durch eine Verlegung der \u00dcbungsfl\u00fcge ins Ausland. Kurz: Die Luftwaffe fliegt weniger als noch zu Starfighterzeiten. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Zahl der Inlandsfl\u00fcge um rund 70 Prozent reduziert.<\/p>\n<p>Sie fliegt allerdings nicht im rechtsfreien Raum. Auch f\u00fcr die Jetpiloten gelten die Vorgaben des Luftverkehrsgesetzes, wenn auch mit einigen Sonderregelungen: \u201eDie Bundeswehr, die Bundespolizei, die Polizei sowie die aufgrund v\u00f6lkerrechtlicher Vertr\u00e4ge in der Bundesrepublik Deutschland stationierten Truppen d\u00fcrfen von den Vorschriften des Ersten Abschnitts dieses Gesetzes [\u2026] abweichen; soweit dies zur Erf\u00fcllung ihrer besonderen Aufgaben unter Ber\u00fccksichtigung der \u00f6ffentlichen Sicherheit oder Ordnung erforderlich ist\u201c, hei\u00dft es im Paragrafen 30. So sind zum Beispiel die einzuhaltenden Abst\u00e4nde zu oder Mindestflugh\u00f6hen \u00fcber gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten oder auch Kernkraftwerken oder zivilen Flugh\u00e4fen vorgegeben.<\/p>\n<p>Auch Tiefflieger d\u00fcrfen in Deutschland nicht einfach beliebig tief abtauchen. 1997 wurde die Mindestflugh\u00f6he auf 300 Meter angehoben. Soll es ausnahmsweise auch mal unter 1000 Fu\u00df, also diese rund 300 Meter, gehen, m\u00fcssen diese \u00dcbungen besonders beantragt und auch genehmigt werden. \u00dcberschallfl\u00fcge sind nur \u00fcber 36.000 Fu\u00df, also rund 10.800 Meter gestattet. Weit zu h\u00f6ren ist der Knall trotzdem. Der entstehende Schallkegel ist in einem Radius von rund 40 Kilometern zu h\u00f6ren. Ach ja, mit Jets geflogen wird im Normalfall nur von montags bis freitags von 8 und 12.30 und 14 bis 20 Uhr.<\/p>\n<p>Ob die Piloten diese Vorgaben angesichts der \u201egrenzenlosen Freiheit\u201c \u00fcber den Wolken manchmal einfach &#8211; nennen wir es &#8211; vergessen? Wohl kaum: Die Luftwaffe wei\u00df jederzeit deutlich mehr dar\u00fcber, wo und wie und wie schnell ihre Piloten in der Luft unterwegs sind als das redlich bem\u00fchte OS-Team \u00fcber Falschparker in Osnabr\u00fcck.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise ist Norddeutschland vom milit\u00e4rischen Flugl\u00e4rm aber etwas st\u00e4rker betroffen als andere Regionen: Schlie\u00dflich ist die \u201e Nordhorn-Range \u201c mit 2300 Hektar das gr\u00f6\u00dfte \u00dcbungsgel\u00e4nde der Luftwaffe in der Bundesrepublik. F\u00fcr 2012 w\u00e4ren dort 190 Flugtage m\u00f6glich gewesen, f\u00fcr 134 Tage wurden Eins\u00e4tze geplant, an 75 Tagen wurde dann tats\u00e4chlich auch geflogen. Am FMO ist auch in schlechten Zeiten vermutlich deutlich mehr los \u2026<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrden ab und an auch Sch\u00e4den durch den \u00dcberschallknall gemeldet, erl\u00e4utert Gudenoge. Die seien aber eher selten. M\u00f6glicherweise z\u00e4hlte auch das Bad Rothenfelder Gradierwerk zu den \u201eFlug-Sch\u00e4den.\u201c Sicher ist: Das Alte Gradierwerk st\u00fcrzte am 17. Juli 1989 auf 20 Metern ein, unmittelbar, nachdem es von vier Jets \u00fcberflogen wurde.<\/p>\n<p>Aber was sind schon \u00dcberschallknall und Tiefflug? Vor knapp 45 Jahren landeten und starteten die Fiat G91-Jagdbomber des in Husum stationierten Leichten Kampfgeschwaders 41 auf der zum Notlandeplatz umgebauten A1 zwischen Lengerich und Ladbergen. \u00dcberschallknalle hat es dabei aber nicht gegeben: Daf\u00fcr war die Fiat mit nur gut 850 km\/h schlicht zu langsam.<\/p>\n<p>Und ein weiteres Mal werden die Flieger dort wohl nicht landen: Der rund 2100 Meter lange Autobahn-Behelfslandeplatz wurde im Oktober 2006 zur\u00fcckgebaut.<\/p>\n<p><em>(Erschienen am 10. April 2013 auf <a href=\"http:\/\/www.noz.de\/lokales\/osnabrueck\/artikel\/3421\/nach-uberschallflug-uber-osnabruck-wenn-jetpiloten-es-richtig-krachen-lassen\" target=\"_blank\">noz.de<\/a>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es donnert vom Himmel, nur von Gewitter keine Spur: Vor 30 Jahren wusste jedes Kind, was das bedeutet. Ein Jet durchbricht die Schallmauer. Heute fliegen die Maschinen kaum noch \u00fcber bewohntem Gebiet. 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