{"id":1855,"date":"2017-07-24T18:00:53","date_gmt":"2017-07-24T16:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1855"},"modified":"2017-09-30T22:05:00","modified_gmt":"2017-09-30T20:05:00","slug":"auf-der-pirsch-nach-kunst-durch-muensters-innenstadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1855","title":{"rendered":"Auf der Pirsch nach Kunst durch M\u00fcnsters Innenstadt"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1856\" aria-describedby=\"caption-attachment-1856\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Kunst2b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1856\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Kunst2b.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1031\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Kunst2b.jpg 1500w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Kunst2b-300x206.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Kunst2b-768x528.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Kunst2b-1024x704.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Kunst2b-1200x825.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1856\" class=\"wp-caption-text\">Vom Stein des Ansto\u00dfes zum Wahrzeichen der Stadt: Susanne Bornemann fotografiert die Gruppe vor den Billiardkugeln von Claes Oldenburg, die seit der ersten Skulptur Projekte 1977 am Aasee liegen. Fotos (3): Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>W\u00e4hrend die Feuilletonisten der Documenta 2017 in Kassel und der Biennale in Venedig eher m\u00e4\u00dfige Zeugnisse ausstellen, sind sie f\u00fcr die Skulptur Projekte M\u00fcnster voll des Lobes. Passt also gut, dass die Mettinger Draiflessen Collection eine F\u00fchrung dorthin anbietet.<\/strong><\/p>\n<p>Zwar eine bekennende Kunstliebhaberin, bin ich doch keine Kunstkennerin \u2013 was nicht nur bedeutet, dass ich mich mit Kunst nicht besonders gut auskenne, sondern dass ich ein Kunstwerk hin und wieder auch gar nicht erst als ein solches erkenne. Was besonders die Ausstellung \u201eSkulptur Projekte 2017\u201c, die sich der Kunst im \u00f6ffentlichen Raum verschrieben hat und ihre 35 Projekte in eben diesem pr\u00e4sentiert, zu einem echten Abenteuer f\u00fcr mich werden l\u00e4sst. Denn gar nicht so selten sind schn\u00f6de Alltagskulisse und gestaltetes Kunstobjekt schwer zu unterscheiden.<\/p>\n<p><em>Wo ist sie denn \u2013 die Kunst?<\/em><\/p>\n<p>Umso erleichterter stelle ich fest, dass es auch den anderen Teilnehmern aus Westerkappeln, Mettingen und den Niederlanden nicht wirklich anders ergeht, die sich zusammen mit Kunsthistorikern Franziska Finke und Susanne Bornemann, Leiterin Vermittlung und Museumsp\u00e4dagogik von der Mettinger Draiflessen Collection, auf eine Entdeckungstour durch die M\u00fcnsteraner Innenstadt begeben. Gemeinsam stehen wir im Innenhof des Stadttheaters und harren etwas ratlos der Dinge, die da irgendwie gar nicht kommen wollen. Wo ist sie denn \u2013 die Kunst?<\/p>\n<figure id=\"attachment_2154\" aria-describedby=\"caption-attachment-2154\" style=\"width: 365px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/SkulpturFrank1b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2154\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/SkulpturFrank1b-300x252.jpg\" alt=\"\" width=\"365\" height=\"306\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/SkulpturFrank1b-300x252.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/SkulpturFrank1b-768x645.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/SkulpturFrank1b-1024x859.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/SkulpturFrank1b-1200x1007.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/SkulpturFrank1b.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2154\" class=\"wp-caption-text\">Kunst zum Mitmachen: Was passiert, wenn man den Schalter an einer der langen Strippen bet\u00e4tigt?<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Den Blick schulen und erweitern<\/em><\/p>\n<p>Franziska Finke l\u00e4chelt aufmunternd, schweigt und l\u00e4sst uns Zeit, den Au\u00dfenraum wahrzunehmen. Seine verschiedenen Elemente zu sp\u00fcren. Unsere Blicke bewusst zu erweitern. Was sehen wir denn eigentlich genau? Und was \u00fcbersehen unsere vom Alltag routiniert gewordenen Augen geflissentlich? \u201eDie Leitungen da oben\u2026\u201c, wundert sich eine Kunstreisende \u00fcber das Spinnennetz aus Stromkabeln hoch \u00fcber unseren K\u00f6pfen. W\u00e4hrend ein anderer auf die merkw\u00fcrdigen Strippen hinweist, die da wie nicht ordentlich wegger\u00e4umt an der Au\u00dfenwand des Theaters baumeln: \u201eScheinen Schalter dran zu sein\u2026\u201c Franziska Finke nickt zustimmend: \u201eDann dr\u00fccken Sie da doch einfach mal drauf.\u201c Der Passant als Impulsgeber? Aktion \u2013 Reaktion? Tats\u00e4chlich: Presst man den Knopf am Ende der Leitung, erf\u00fcllt pl\u00f6tzlich lautes Glockengel\u00e4ut den Innenhof. Aber was passiert, wenn ein anderer Besucher einen der anderen Schalter bet\u00e4tigt? Nicht lange \u00fcberlegen, sondern ausprobieren, animiert das Projekt CAMP zum Mitmachen.<\/p>\n<p><em>Die Gefahren medialer Manipulation<\/em><\/p>\n<p>Die Installation von Shaina Anand und Ashok Sukumaran thematisiere nicht nur spielerisch die Vernetzungen innerhalb einer globalisierten Welt und die Bedeutung von Kommunikation, erl\u00e4utert Franziska Finke, sondern wolle auch auf die Gefahren medialer Manipulation aufmerksam machen. Denn die junge Frau, die uns vom Fenster des Nachbargeb\u00e4udes aus zuwinkt und mit ihrer Kamera fotografiert, ist bei sehr, sehr genauem Hinsehen dann doch nichts als eine perfekt inszenierte Projektion.<\/p>\n<p><em>Surreales Ambiente zwischen Gestern und Heute<\/em><\/p>\n<p>Weiter geht es in die legend\u00e4re Kultdisco \u201eElephant Lounge\u201c mitten in der City. Dort entf\u00fchren B\u00e1rbara Wagner und Benjamin de Burca bei laufendem Barbetrieb die G\u00e4ste per Videoinstallation in die schmalzige Welt der Schlagerindustrie. Hingerissen zwischen am\u00fcsierter Distanz und wehm\u00fctigen Jugenderinnerungen schwelgen einige von uns in der eigenen Vergangenheit. \u201eKlar war ich fr\u00fcher als Student auch schon hier\u201c, freut sich Otto Nienhoff aus Mettingen und genie\u00dft das surreale Ambiente aus Gestern und Heute.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1858\" aria-describedby=\"caption-attachment-1858\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Skulptur-1b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1858\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Skulptur-1b-300x205.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"308\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Skulptur-1b-300x205.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Skulptur-1b-768x526.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Skulptur-1b-1024x701.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Skulptur-1b-1200x822.jpg 1200w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Skulptur-1b.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1858\" class=\"wp-caption-text\">Der Innenraum des Modellschlosses dient als \u201eKommunikations-Treffpunkt\u201c. Hannelore Heimpold (rechts) aus Westerkappeln ist begeistert von den Lichteffekten.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Kunst als Ansto\u00df zum Weiterdenken<\/em><\/p>\n<p>Ein imposanter Tieflader auf dem Vorplatz des LWL-Museums deutet, die Transportkiste bereits einen Spalt breit ge\u00f6ffnet, unmissverst\u00e4ndlich an, dass er die neben ihm ausgestellte Henry-Moore-Plastik jederzeit weg aus M\u00fcnster an einen anderen \u2013 dann vielleicht nicht mehr \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen \u2013 Ort bringen kann. Etwa dorthin, wo besser f\u00fcr sie bezahlt wird? So allm\u00e4hlich sch\u00e4rfen sich unsere Blicke f\u00fcr die Kunst: Die Wasserwaage an der Fassade des LWL-Museums, ein \u00fcberdimensionaler Opferstock auf einer Wiese an der Promenade oder der verkleinerte Nachbau eines rum\u00e4nischen Schlosses aus Schwarz-Wei\u00df-Fotokopien auf dem Parkplatz des Oberverwaltungsgerichts. \u201eH\u00e4ufig will Kunst auch blo\u00df als Ansto\u00df dienen zum Weiterdenken, nicht als Antwort\u201c, merkt Franziska Finke an. \u201eDie muss sich dann jeder selbst erarbeiten.\u201c<\/p>\n<p><em>Was der Alltag so alles in sich birgt\u2026<\/em><\/p>\n<p>Mir macht die kundig gef\u00fchrte Pirsch auf die scheuen Kunstwerke der Skulptur Projekte vor allem deshalb so viel Spa\u00df, weil sie uns als Betrachter immer wieder dazu auffordert, genauer hinzusehen auf das, was wir l\u00e4ngst zu kennen glauben. Und dass die drei, in eleganten Schw\u00fcngen an den Laternenpf\u00e4hlen gegen\u00fcber dem Dom befestigten Kunststoffkabel, die wie \u00fcberdimensionale Tassenhenkel aussehen, sich dann doch nicht als etikettierte Kunst, sondern als simple Baustelle erweisen, zeigt mir am Ende nur, dass sogar der profane Alltag das Potenzial f\u00fcr einen \u00e4sthetischen Perspektivenwechsel in sich tr\u00e4gt. Man muss es blo\u00df erkennen\u2026<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 19.07.2017)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend die Feuilletonisten der Documenta 2017 in Kassel und der Biennale in Venedig eher m\u00e4\u00dfige Zeugnisse ausstellen, sind sie f\u00fcr die Skulptur Projekte M\u00fcnster voll des Lobes. 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