{"id":184,"date":"2015-04-24T16:01:56","date_gmt":"2015-04-24T14:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=184"},"modified":"2020-04-12T10:40:08","modified_gmt":"2020-04-12T08:40:08","slug":"nichts-wie-raus-aus-dem-karton","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=184","title":{"rendered":"Nichts wie raus aus dem Karton"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_186\" aria-describedby=\"caption-attachment-186\" style=\"width: 714px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpkarton1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-186\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpkarton1-1024x768.jpg\" alt=\"Jetzt aber raus aus den Kartons: Michaela Niemeier, ihre T\u00f6chter Meike und Mira sowie Boxerr\u00fcde Elwin haben die Familien-Schildkr\u00f6ten aus ihrem Winterquartier geholt. Foto: Ulrike Havermeyer\" width=\"714\" height=\"536\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpkarton1.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpkarton1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-186\" class=\"wp-caption-text\">Jetzt aber raus aus den Kartons: Michaela Niemeier, ihre T\u00f6chter Meike und Mira sowie Boxerr\u00fcde Elwin haben die Familien-Schildkr\u00f6ten aus ihrem Winterquartier geholt. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Was dem Vampir seine finstere Gruft und dem Igel sein stiller Totholzstapel, ist der griechischen Landschildkr\u00f6te ihr k\u00fchler Schuhkarton. Doch ob ein zum \u00dcberleben notwendiger Ort gleichzeitig auch ein Lieblingsplatz sein kann?<\/strong><\/p>\n<p>Momo \u00f6ffnet bed\u00e4chtig das linke Auge, zeigt ein undurchdringliches Pokerface \u2013 und schweigt. Von der unterk\u00fchlten Reptiliendame, die gerade aus ihrer Winterstarre erwacht, ist keine Antwort auf diese Frage zu erwarten. Genau so wenig wie von ihren Artgenossen Kasimir, Charly und Vicky. Eines ist allerdings sicher: Mira (12 Jahre), Meike (12) und Jared (14), die gewissenhaften Schildkr\u00f6tenbesitzer, haben sich im vergangenen Herbst alle M\u00fche gegeben, ihren gepanzerten Freunden die \u00dcberwinterungsschachteln so komfortabel wie m\u00f6glich einzurichten. Denn immerhin verbringen die Haustiere der Familie Niemeier beinahe das halbe Jahr im K\u00fchlschrank.<\/p>\n<p><em>Nur noch ein Gedanke: schlafen!<\/em><\/p>\n<p>Jeder Schritt eine \u00dcberwindung. Die Beine f\u00fchlen sich mindestens so schwer an wie die Augenlider. Das Gewicht des Panzers eine kaum mehr zu ertragende Last. Im Kopf d\u00fcmpelt nur noch dieser eine Gedanke: schlafen! Zumindest aus menschlicher Sicht d\u00fcrfte einer Schildk\u00f6te, \u00fcber die langsam aber sicher die Winterstarre hereinbricht, ein dick mit frischem Herbstlaub ausgepolsterter Schuhkarton doch recht angenehm erscheinen: ruhig, gesch\u00fctzt und perfekt temperiert \u2013 ein Ort mit Lieblingsplatzpotenzial. Also: schnell einkuscheln und dann \u2013 bitte nicht st\u00f6ren! Ganz so einfach ist die Sache mit den Schildkr\u00f6ten und ihrem favorisierten Winterquartier allerdings nicht.<\/p>\n<p><em>Vom Terrarium ab ins Freiland<\/em><\/p>\n<p>\u201eVieles haben wir uns aus Fachb\u00fcchern angelesen\u201c, sagt Michaela Niemeier. \u201eUnd inzwischen kommt die eigene Erfahrung dazu.\u201c Die Mutter von Mira, Meike und Jared wei\u00df um die Fakten, wenn es darum geht, die vier Schildkr\u00f6ten m\u00f6glichst artgerecht durch den Winter zu bringen. Als Kasimir, Vicky und Momo vor elf und Nachz\u00fcgler Charly vor sieben Jahren als winzige Reptilienkinder zu den Niemeiers stie\u00dfen, richtete die Familie ihnen zun\u00e4chst ein Terrarium in der Wohnung ein. \u201eAber wir wollten ja, dass unsere Schildkr\u00f6ten so naturnah leben k\u00f6nnen, wie es eben geht\u201c, sagt die Westerkappelnerin. Und das bedeutet: Als Freig\u00e4nger die warme Jahreszeit \u00fcber ab in den Garten. Und, so sieht nun einmal die Kehrseite einer halbwegs nat\u00fcrlichen Lebensweise aus: Von Oktober bis April geht es zur Winterstarre in den K\u00fchlschrank. \u201eZuerst hatten wir schon ein mulmiges Gef\u00fchl dabei\u201c, erz\u00e4hlen die Zwillingsschwestern Meike und Mira. Wie w\u00fcrden sich ihre vierbeinigen Lieblinge f\u00fchlen \u2013 eingeschlossen in einer Pappschachtel bei plus f\u00fcnf Grad Celsius im K\u00fchlschrank des Partykellers?<\/p>\n<p><em>Ein \u201eTauchbecken\u201c voller Rindenmulch<\/em><\/p>\n<p>Allerdings: Wenn es in seine Kartons gesetzt wird, schlummert das Reptilien-Quartett schon tief und fest. Mutter Michaela: \u201eSchildkr\u00f6ten ben\u00f6tigen ein sehr unterschiedlich strukturiertes Au\u00dfengel\u00e4nde.\u201c Neben mit Gras und Wildkr\u00e4utern bewachsenen Bereichen gibt es Sandmulden zum Graben, kieselige Abschnitte, die die W\u00e4rme der Sonne speichern, Tunnel und H\u00f6hlen als Unterschlupf, \u00c4ste und Geb\u00fcsch zum Klettern und: ein rund einen Meter tief in die Erde eingelassenes \u201eTauchbecken\u201c voller Rindenmulch, in das sich die Tiere besonders nachts gern zur\u00fcck ziehen. \u201eZum Herbst hin verlangsamt sich bei den Schildkr\u00f6ten aufgrund der sinkenden Au\u00dfentemperaturen der Stoffwechsel\u201c, erkl\u00e4rt Michaela Niemeier: Die Phasen, die die wechselwarmen Tiere unter der Erde verbringen, werden l\u00e4nger, und sie nehmen kaum noch Nahrung zu sich. \u201eWenn sie 14 Tage nichts mehr gefressen haben und nicht mehr aus ihrem Rindenmulch aufgetaucht sind, siedeln wir sie in die Schuhkartons um.\u201c<\/p>\n<p><em>Akribische Kontrollen<\/em><\/p>\n<p>Und \u2013 keine Sorge, so einsam gestaltet sich die Zeit im K\u00fchlschrank f\u00fcr Momo, Charly, Vicky und Kasimir gar nicht: Alle zwei Wochen kontrollieren die Niemeiers akribisch, ob es ihren Schildkr\u00f6ten auch wirklich gut geht: Stimmt das Gewicht noch? Sind Augen und Nasenl\u00f6cher sekretfrei? Ist der Panzer in einem guten Zustand? Haben sich auch keine Parasiten eingeschlichen? Das Laub wird sorgf\u00e4ltig mit frischem Wasser befeuchtet. \u201eDenn das ist die gr\u00f6\u00dfte Gefahr\u201c, sagt Michaela Niemeier, \u201edass die Tiere \u00fcber den Winter austrocknen.\u201c<\/p>\n<p><em>Ist etwa schon wieder Fr\u00fchling?<\/em><\/p>\n<p>Dieses wohlig entspannte Gef\u00fchl. Durch und durch zufrieden. Keinen Verpflichtungen nachgehen m\u00fcssen \u2013 einfach nur daliegen, d\u00f6sen und den lieben Gott eine gute Kr\u00f6te sein lassen. Da bewegt sich mit einem Mal der Schlafplatz. Vertraute Stimmen dringen an die Geh\u00f6r\u00f6ffnungen. Und der Deckel des winterlichen Universums wird entschlossen zur Seite geschoben: \u201eHallo Kasimir, hallo Vicky!\u201c, fl\u00fcstern Mira und Meike. Die so behutsam Aufgeweckten \u00f6ffnen tr\u00e4ge jeweils eines ihrer Augen und scheinen etwas widerwillig zu seufzen. \u201eJa \u2013 ist denn schon wieder Fr\u00fchling?!\u201c<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 22.04.2015; Westf\u00e4lische Nachrichten, 22.04.2015)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was dem Vampir seine finstere Gruft und dem Igel sein stiller Totholzstapel, ist der griechischen Landschildkr\u00f6te ihr k\u00fchler Schuhkarton. Doch ob ein zum \u00dcberleben notwendiger Ort gleichzeitig auch ein Lieblingsplatz sein kann? 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