{"id":1695,"date":"2012-10-10T19:17:13","date_gmt":"2012-10-10T17:17:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1695"},"modified":"2017-11-22T13:20:04","modified_gmt":"2017-11-22T12:20:04","slug":"die-westerbecker-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1695","title":{"rendered":"Die Westerbecker Freiheit"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1696\" aria-describedby=\"caption-attachment-1696\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Serie-Mein-Lieblingsplatz-Die-Westerbecker-Freiheit1_image_630_420f_wn.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1696\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Serie-Mein-Lieblingsplatz-Die-Westerbecker-Freiheit1_image_630_420f_wn.jpg\" alt=\"\" width=\"630\" height=\"331\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Serie-Mein-Lieblingsplatz-Die-Westerbecker-Freiheit1_image_630_420f_wn.jpg 630w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Serie-Mein-Lieblingsplatz-Die-Westerbecker-Freiheit1_image_630_420f_wn-300x158.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1696\" class=\"wp-caption-text\">Leben und leben lassen: Auch wenn er beinahe die ganze Welt bereist hat, mag Landschaftswart Rainer Bussas doch am liebsten den eigenen Garten in Westerbeck. Zwischen L\u00f6wenzahn und H\u00fchnerdreck genie\u00dft er vor allem eines: seine Freiheit. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wer ihn auf seiner verwunschenen Parzelle mitten in der Bauerschaft Westerbeck besucht, merkt schnell: Dieser Mann mag es bunt und urspr\u00fcnglich. Umgeben von kleinteiliger Vielfalt l\u00e4sst sich Rainer Bussas mit einem wohligen Seufzer in einen wettergeblichenen Lehnstuhl fallen. Zwischen allerlei Getier von der Heidschnucke bis zum Pfauenhahn sitzt der selbstst\u00e4ndige Kaufmann im Ruhestand in seinem Garten, schlie\u00dft die Augen und blinzelt durch die dichten Bl\u00e4tter einer alten Eiche in die Sp\u00e4tsommersonne.<\/strong><\/p>\n<p>Kleinteilige Vielfalt scheint das Lebensprinzip zu sein, nach dem der langj\u00e4hrige Ostercappelner, den es 1978 nach Westerbeck zog, auch sein Zuhause eingerichtet hat: Hier ein selbstgepflanztes Geb\u00fcsch, dort ein liebevoll angelegter G\u00e4nseteich, dahinter ein Dickicht aus Schilfgras \u2013 lauter kleine Oasen, in denen es surrt und duftet und raschelt. Leben und leben lassen.<\/p>\n<p>Und auch wenn der 59-J\u00e4hrige betont, dass es in Westerkappeln viele sch\u00f6ne Ecken gibt \u2013 \u201ebesonders gerne mag ich den Schachselwald in Seeste und das Moor hinterm Kanal\u201c \u2013 so ist sein allerliebster <a href=\"http:\/\/www.wn.de\/Schlagwoerter\/%28etype%29\/keyword\/%28entity%29\/Lieblingsplatz\" target=\"_self\">Lieblingsplatz<\/a> doch hier unter seinen F\u00fc\u00dfen \u2013 auf der heimischen Scholle zwischen L\u00f6wenzahn und H\u00fchnerdreck.<\/p>\n<p>Ein durchaus bemerkenswertes Kompliment an seine Heimat, wenn man bedenkt, dass er im Zuge seiner beruflichen T\u00e4tigkeit die Erde bereits gr\u00fcndlich umrundet hat: Bussas hat neben Indien, Indonesien, Thailand, Bali und den Philippinen auch Kanada, die USA, Mittel- und S\u00fcdamerika bis Feuerland, Afghanistan und Afrika bereist. \u201eUnd trotzdem bin ich hierher nach Westerbeck zur\u00fcckgekommen\u201c, staunt er \u2013 ein wenig verdutzt \u00fcber die eigene Bodenst\u00e4ndigkeit. \u201eAber wo sonst h\u00e4tte ich mein Leben so frei und selbstbestimmt gestalten k\u00f6nnen\u2009?\u201c<\/p>\n<p>Gleich hinter seinem privaten Idyll beginnt das Naturschutzgebiet \u201eD\u00fcsterdieker Niederung\u201c \u2013 mit einer Fl\u00e4che von rund 2700 Hektar eines der gr\u00f6\u00dften zusammenh\u00e4ngenden Feuchtwiesengebiete in Nordrhein-Westfalen. Eine Perle des Umweltschutzes und damit die gr\u00fcne Zierde der Gemeinde Westerkappeln\u2009? Rainer Bussas sch\u00fcttelt den Kopf: \u201eNein\u201c, blickt er skeptisch: \u201eDas Projekt D\u00fcsterdieker Niederung ist ein Kompromiss zwischen Naturschutz und Landwirtschaft \u2013 und weder den Landwirten noch der Natur ist mit so einer halbherzigen L\u00f6sung geholfen.\u201c<\/p>\n<p>Bussas, der im vergangenen Jahr das Ehrenamt des Landschaftswarts von Friedhelm Scheel \u00fcbernommen hat, kritisiert, wie dort im Namen des Naturschutzes die vorhandene kleinteilige Vielfalt deutlich gr\u00f6\u00dferen R\u00e4umen gewichen ist: \u201eAls erstes wurden viele der alten Wiesenpf\u00e4hle entfernt\u201c, erinnert er sich. Weil die Landwirte fr\u00fcher gar nicht so dicht mit ihren Maschinen an die Z\u00e4une heranfahren konnten, hatte sich um jeden Pfahl ein kleines Biotop gebildet: Viele Hunderte wertvolle Ruhezonen, in deren bl\u00fctenreiche F\u00fclle sich Insekten, Amphibien und V\u00f6gel zur\u00fcckziehen konnten. \u201eWenn heute geerntet wird, ist in sp\u00e4testens zwei Tagen die komplette Fl\u00e4che kahl geschoren\u201c, sagt Bussas.<\/p>\n<p>Durch die Verlegung des Westerbecker Grabens und die Verbreiterung des Hauptgrabens fallen zudem einstmals ganzj\u00e4hrig feuchte Wiesenbereiche h\u00e4ufiger trocken. \u201eDa frage ich mich doch, ob die Verantwortlichen das wirklich zu Ende gedacht haben.\u201c<\/p>\n<p>Was ist dem \u00fcberzeugten Freidenker am Leben in der Gemeinde Westerkappeln besonders lieb\u2009? \u201eUnsere Nachbarschaft\u201c, kommt es wie aus der Pistole geschossen. \u201eDie w\u00fcrde ich auch am meisten vermissen, wenn ich mal von hier wegziehen m\u00fcsste.\u201c<\/p>\n<p>Und die breite Palette der Einkaufsm\u00f6glichkeiten im Ort\u2009? \u201eJa\u201c, sagt er: \u201eBequem ist das nat\u00fcrlich.\u201c Aber schon liegt seine Stirn wieder in Falten \u2013 die Parallele zur aufger\u00e4umten Landschaft dr\u00e4ngt sich f\u00f6rmlich auf: \u201eAuf der einen Seite die gro\u00dfen M\u00e4rkte mit weiten Parkfl\u00e4chen, in denen wir schnell und effizient einkaufen k\u00f6nnen. Auf der anderen Seite die kleinen, leer stehenden Gesch\u00e4fte im Ortskern.\u201c Erinnert irgendwie an das Problem der schwindenden kleinteiligen Vielfalt in der D\u00fcsterdieker Niederung. Einer seiner W\u00fcnsche f\u00fcr die Zukunft der Gemeinde lautet daher: \u201eIch hoffe, dass jemand die Qualit\u00e4t dieser Nischen im Ortskern erkennt und nutzt.\u201c<\/p>\n<p>Alles in allem scheint der Mann dort im Lehnstuhl ein durchaus zufriedenes Exemplar des ausgewachsenen Westerkappelners zu sein. Und die Dinge, die er \u2013 etwa durch ein kl\u00e4rendes Gespr\u00e4ch oder durch ein ger\u00fcttelt Ma\u00df an diplomatischem Geschick \u2013 nicht \u00e4ndern kann, die nimmt der Landschaftswart mit Humor: \u201eTreffen sich zwei Planeten. Sagt der eine zum anderen: Du siehst aber schlecht aus, bist du krank\u2009? Antwortet der Gefragte: Ja, ich hab Mensch. Tr\u00f6stet ihn der Erste: Keine Sorge \u2013 hatte ich auch schon mal. Aber das geht wieder vor\u00fcber.\u201c<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Westf\u00e4lische Nachrichten, 10.10.2012)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer ihn auf seiner verwunschenen Parzelle mitten in der Bauerschaft Westerbeck besucht, merkt schnell: Dieser Mann mag es bunt und urspr\u00fcnglich. 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