{"id":1424,"date":"2017-03-28T17:19:32","date_gmt":"2017-03-28T15:19:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1424"},"modified":"2017-08-09T08:44:54","modified_gmt":"2017-08-09T06:44:54","slug":"wie-aus-dem-ei-gepellt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1424","title":{"rendered":"Wie aus dem Ei gepellt"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1453\" aria-describedby=\"caption-attachment-1453\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Farbe1b-1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1453\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Farbe1b-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"986\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Farbe1b-1.jpg 1500w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Farbe1b-1-300x197.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Farbe1b-1-768x505.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Farbe1b-1-1024x673.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Farbe1b-1-1200x789.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1453\" class=\"wp-caption-text\">Die Macht der bunten T\u00fccher: Erika Twiehaus (rechts) l\u00e4sst sich von Stilberaterin Birgit Bullerdiek erkl\u00e4ren, wie sie k\u00fcnftig ihre Garderobe gestalten sollte. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Manche Menschen betreten wie aus dem Ei gepellt die B\u00fchne ihres Alltag: frisch, adrett, makellos. Wie machen die das? Um dem Geheimnis einer harmonischen Erscheinung auf die Spur zu kommen, nehme ich an der Farb- und Stilberatung der Landfrauen teil.<\/strong><\/p>\n<p>Gleich vorweg: In meinem Kleiderschrank herrscht kreatives Chaos. Ich verf\u00fcge \u00fcber ein buntes Arsenal oft gedankenlos aus dem Bauch heraus erworbener, nicht aufeinander abgestimmter, in Einzelf\u00e4llen wohl auch gewagt kolorierter Hosen, Pullover und Blusen \u2013 von meinen Socken ganz zu schweigen. Wenn ich ein neues Outfit kaufe, muss es schnell gehen. Statt mich in nervenaufreibender Daueranspannung durch den Dschungel der Damenkonfektion zu k\u00e4mpfen, halte ich mich lieber in einer ruhigen, gut sortierten Buchhandlung auf.<\/p>\n<p><em>Mangelndes Modebewusstsein<\/em><\/p>\n<p>\u201eWelcher Jahreszeitentyp bist du eigentlich?\u201c, fragte mich k\u00fcrzlich meine Freundin Stephi \u2013 mal wieder beneidenswert elegant Ton in Ton geh\u00fcllt, der \u00e4sthetische Gleichkang nur durch geschickt gesetzte farbliche Akzente durchbrochen \u2013 und lie\u00df ihren Blick, nein, eben nicht wie zuf\u00e4llig, an meinem \u00c4u\u00dferen hinunter und wieder hinauf und hinunter gleiten. Mehrfach. Sie versuchte erst gar nicht, ihre \u2013 offenbar angesichts meines mangelnden Modebewusstseins \u2013 immer besorgter werdende Miene zu verbergen.<\/p>\n<p><em>\u00dcberrumpelnde F\u00fclle des Sortiments<\/em><\/p>\n<p>Stephi empfahl mir eine Farbberatung. Sie selbst sei \u00fcbrigens der Sommertyp, informierte sie mich und fingerte dabei l\u00e4ssig an ihrem in Lavendel- und Mintt\u00f6nen gehaltenen Schal herum. Seit sie das wisse, sagt Stephi, mache ihr das Einkaufen viel mehr Spa\u00df. Der \u00fcberrumpelnden F\u00fclle des Sortiments trete sie nun mit entschlossener Souver\u00e4nit\u00e4t entgegen. Das alles brachte mich zum Nachdenken \u2013 und so kam mir der Termin bei den Landfrauen Westerkappeln-Wersen gerade recht, die die Image-, Farb- und Stilberaterin Birgit Bullerdiek aus Ibbenb\u00fcren zu sich eingeladen hatten.<\/p>\n<p><em>Schneewittchen l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen<\/em><\/p>\n<p>\u201eNur wer die Regeln beherrscht, kann sie stilvoll brechen\u201c, lautet das Credo von Birgit Bullerdiek. Sie selbst tr\u00e4gt einen dunkelblauen Blazer, umspielt von einem Arrangement aus hellen Halst\u00fcchern. Mit ihren schwarzen Haaren und einer Haut wie aus Alabaster entspricht sie \u2013 wie ich mittlerweile gelernt habe \u2013 dem Wintertyp wie er im Buche steht. \u201eJedenfalls beinah\u201c, schr\u00e4nkt sie ein und erkl\u00e4rt schmunzelnd, dass sie, wenn sie h\u00e4tte Schneewittchen werden wollen, statt aus ihren braunen Augen die Welt mit eisblauem Blick h\u00e4tte betrachten m\u00fcssen. \u201eDas jemand exakt einem Farbtypus zuzuordnen ist\u201c, sagt sie, \u201eist ohnehin ganz selten.\u201c<\/p>\n<p><em>Wie wirkt die eigene Optik?<\/em><\/p>\n<p>Nachdem sie uns das Vier-Jahreszeiten-Prinzip, das auf der Farbtypenlehre des Schweizer Kunstp\u00e4dagogen Johannes Itten basiert, erl\u00e4utert hat, wird es praktisch: Birgit Bullerdiek bittet einzelne Zuh\u00f6rerinnen zur Analyse nach vorne. Ein Angebot, das \u00fcberraschend viele Landfrauen furchtlos nutzen, w\u00e4hrend die anderen die Prozedur aufmerksam verfolgen und daraus wertvolle \u2013 und hier und da wohl auch folgenreiche \u2013 Schl\u00fcsse \u00fcber die eigene optische Gemengelage und deren Wirkung ziehen.<\/p>\n<p><em>Der warm- oder kalttonige Typ?<\/em><\/p>\n<p>Mit der respektgebietenden Geste einer Magierin legt die Imageberaterin Landfrau Christel, nein, keinen Zauberumhang, sondern verschiedene Analyset\u00fccher \u00fcber die Brust. Es wird still im Saal. Wir, das Publikum, werden Zeugen eines verbl\u00fcffenden Effekts, den auch ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet h\u00e4tte: W\u00e4hrend das silberne Textil Christels Gesicht blass und ausdruckslos erscheinen l\u00e4sst, erzeugt die goldene Variante einen regelrechten Glanz auf ihrem Teint. Birgit Bullerdiek nickt zufrieden: \u201eGanz klar: der warmtonige Typ.\u201c Es folgen weitere T\u00fccher in weiteren Farbakkorden \u2013 bis wir uns schlie\u00dflich allesamt einig sind: Christel ist der Herbsttyp. Ihr stehen warme Farben wie Kastanienrot, Tannengr\u00fcn oder Rehbraun. Mutig wagen sich weitere Landfrauen ins Rampenlicht, um sich dem Urteil der T\u00fccher zu stellen und die Ratschl\u00e4ge der Fachfrau zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p><em>Kein Fr\u00fchling ist wie der andere<\/em><\/p>\n<p>\u201eDas Vier-Jahreszeiten-Prinzip gibt lediglich Anregungen\u201c, betont Bullerdiek, \u201edas sind keine Gesetze. Kein Fr\u00fchling ist wie der andere.\u201c Aber diejenigen, die ihre Farbwelt kennten \u2013 bezogen nicht nur auf die Kleidung, sondern auch auf die Accessoirs, Schmuck, Brille und das Make up, denen gelinge es ohne viel Aufwand, gut auszusehen. Wer diesem Luxus n\u00e4her kommen und seine Garderobe entsprechend seines Farbtypus umstellen wolle, k\u00f6nne am besten mit kleinen Ver\u00e4nderungen anfangen, r\u00e4t die Stilberaterin: hier ein Halstuch, da ein T-Shirt.<\/p>\n<p><em>Aschig und mit Blaustich<\/em><\/p>\n<p>Von der Erkenntnis motiviert, dass mein eher unspektakul\u00e4rer Hautton und mein stra\u00dfenk\u00f6terblondes Haar ziemlich eindeutig auf den Sommertyp verweisen, strebe auch ich nach Hause, um den Inhalt des heimischen Kleiderschranks einer strengen Kontrolle zu unterziehen. Wie hatte es Birgit Bullerdiek formuliert? \u201eSommertypen sollten aschige Farben w\u00e4hlen, grau- oder blaustichig.\u201c Habe ich mir das blo\u00df eingebildet, oder hat ihr Blick bei diesen Worten tats\u00e4chlich am\u00fcsiert auf meinem orangen Lieblingspulli geruht? Morgen rufe ich erstmal meine Freundin Stephi an \u2013 vielleicht borgt sie mir ja ihren Schal \u2026<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 21.03.2017; Westf\u00e4lische Nachrichten, 21.03.2017)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Menschen betreten wie aus dem Ei gepellt die B\u00fchne ihres Alltag: frisch, adrett, makellos. Wie machen die das? 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