{"id":1347,"date":"2017-02-14T21:45:16","date_gmt":"2017-02-14T20:45:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1347"},"modified":"2020-03-10T20:32:56","modified_gmt":"2020-03-10T19:32:56","slug":"und-ewig-lockt-die-moorwaechterin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1347","title":{"rendered":"Und ewig lockt die Moorw\u00e4chterin"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1348\" aria-describedby=\"caption-attachment-1348\" style=\"width: 1495px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Moor1neub.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1348\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Moor1neub.jpg\" alt=\"\" width=\"1495\" height=\"997\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Moor1neub.jpg 1495w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Moor1neub-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Moor1neub-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Moor1neub-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Moor1neub-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1495px) 100vw, 1495px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1348\" class=\"wp-caption-text\">Weder Land noch Wasser: Warum das Hochmoor so ein faszinierender Lebensraum ist, vermittelt Moorw\u00e4chterin Nina Dierkes den Teilnehmern w\u00e4hrend einer abendlichen Wanderung. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Seit ihrer Gr\u00fcndung 1976 k\u00fcmmert sich die ANTL um die Pflege und den Erhalt des Recker Moors. Die 536 Mitglieder, darunter 84 Naturfreunde aus Lotte und Westerkappeln, wollen den rauen Charme dieses unwirtlichen Biotops auch Anderen n\u00e4her bringen.<\/strong><\/p>\n<p>Ein klammer Vorhang aus dunkelgrauen Abendwolken sperrt das fahle Licht der untergehenden Fr\u00fchlingssonne endg\u00fcltig aus der Kulisse. K\u00e4lte und D\u00e4mmerung schleichen sich heran. Unter meinen Stiefeln gurgelt und matscht es. Der Boden gibt bei jedem Schritt bedrohlich nach. Ganz sch\u00f6n unheimlich, schie\u00dft es mir durch den Kopf, w\u00e4hrend ich versuche, meinem Vordermann nicht in die Hacken zu stolpern. Wer einen Schal dabei hat, zieht ihn jetzt dichter um seinen Hals. Ich habe keinen. Gemeinsam mit knapp zwei Dutzend Wanderbegeisterten taste ich mich durch einen Lebensraum, der \u2013 wie uns Nina Dierkes erkl\u00e4rt \u2013 \u201eweder Land noch Wasser\u201c ist: das Hochmoor.<\/p>\n<p><em>Vorsicht, Irrlichter!<\/em><\/p>\n<p>Unter dem viel Grusel versprechenden Titel \u201eMit der Moorw\u00e4chterin durchs abendliche Recker Moor\u201c stimmt uns die 31-j\u00e4hrige Hopstenerin, die sich seit 2015 als Kulturlandschaftsf\u00fchrerin in der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) engagiert, auf die zweist\u00fcndige Wanderung ein: orakelt von s\u00fcndigen Nonnen, ungetauften Kindern und anderen unerl\u00f6sten Seelen, die von den Irrlichter ins Moor \u2013 und damit ins Verderben gelockt werden. Von Wiederg\u00e4ngern und Moorleichen. Von geheimnisumrankten Begebenheiten und schaurigen Toden. Die erwartungsfreudigen Abenteurer nicken eifrig: Ungew\u00f6hnlich sei es im Moor, beschreiben sie ihre mitgebrachten Vorstellungen, nass, ruhig, einsam und gef\u00e4hrlich. Aber, da sind sich alle einig \u2013 trotz oder gar wegen dieses Qu\u00e4ntchens an wohligem Schauder, ist das Moor doch vor allem eines: extrem faszinierend.<\/p>\n<p><em>Potenzieller Nervenkitzel<\/em><\/p>\n<p>Und das nicht nur wegen des potenziellen Nervenkitzels. \u201eDas Recker Moor ist eine einzigartige Landschaft, die direkt vor unserer Haust\u00fcr liegt\u201c, verl\u00e4sst Nina Dierkes die schummrig ausgeleuchtete Welt der Mythen, Legenden und Ger\u00fcchte \u2013 und wendet sich einer Betrachtungsweise zu, die der ehemaligen Biologie-Studentin deutlich sp\u00fcrbar am Herzen liegt: das Moor als kostbarer Lebensraum, als Bestandteil des europ\u00e4ischen Naturerbes, der nicht nur eine exklusive Auswahl hochspezialisierter und vom Aussterben bedrohter Pflanzen und Tiere wie Sonnentau, Schlingnatter oder Moorfrosch beheimatet, sondern auch als nachhaltiger Wasser- und Kohlenstoffdioxidspeicher das Klima auf unserem Planeten entscheidend mit beeinflusst.<\/p>\n<p><em>371 Hektar Naturschutzgebiet<\/em><\/p>\n<p>Torfmoose k\u00f6nnen mehr als das 25-Fache ihres eigenen Gewichtes an Wasser einlagern, erkl\u00e4rt uns Nina Dierkes, und obwohl sie nur drei Prozent der weltweiten Landfl\u00e4che ausmachten, speicherten die Moore doppelt so viel CO2 wie alle W\u00e4lder auf der Erde zusammen. \u201eUrspr\u00fcnglich erstreckten sich das Recker und das Mettinger Moor \u00fcber 5000 Hektar\u201c, berichtet sie uns, w\u00e4hrend wir vom Aussichtsturm aus and\u00e4chtig die einstige Weite dieser m\u00e4chtigen Landschaft zu erahnen versuchen. \u201eHeute umfasst das Naturschutzgebiet 371 Hektar, von denen etwa 150 Hektar reines Hochmoor sind\u201c, erl\u00e4utert die Kulturlandschaftsf\u00fchrerin.<\/p>\n<p><em>Teppich aus welkem Wollgras<\/em><\/p>\n<p>Schemenhaft l\u00e4sst inzwischen der sch\u00fcttere Halbmond den verblichenen Teppich aus welkem Wollgras und struppiger Heide erkennen. \u00dcber uns zieht schnatternd ein Schwarm Kanadag\u00e4nse auf dem Weg zu seinem n\u00e4chtlichen Rastplatz hinweg. In der Ferne grast einsam ein d\u00fcrres Schimmel-Pony. Jeden Schritt mit Bedacht auf den schwankenden Untergrund setzend, staksen wir den holprigen Torfdamm entlang, den die Mitglieder der ANTL hier angelegt haben, um das Wasser im und die Besucher aus dem empfindlichen Moor heraus zu halten.<\/p>\n<p><em>Fragil und sch\u00fctzenswert<\/em><\/p>\n<p>Ja, etwas schaurig war\u2018s schon, \u00fcbers Moor zu gehn. Jedoch hat uns dessen beherzte W\u00e4chterin fraglos auch von seiner herber Sch\u00f6nheit, seiner enormen Bedeutung und seiner fragilen, sch\u00fctzenswerten Natur \u00fcberzeugt. Nein, wir brauchen vor diesem geheimnisumwitterten Biotop keine Angst zu haben. Wenn das Moor k\u00f6nnte, h\u00e4tte es wohl vielmehr allen Grund dazu, sich vor uns Menschen zu f\u00fcrchten: Denn indem wir auch heute noch gedankenlos die Moore trockenlegten, um ihre \u00fcber Jahrtausende gewachsenen Torfschichten zu g\u00fcnstiger Blumenerde zu verarbeiten, tr\u00fcgen wir zum Untergang dieser einzigartigen Lebensr\u00e4ume bei, fordert Nina Dierkes zum Kauf alternativer Produkte auf. \u201eWenn Ihr diese Erkenntnis mitnehmt und k\u00fcnftig beherzigt, bin ich zufrieden\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p><em>Einladung zum Entkusseln<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Wer dem Recker Moor noch n\u00e4her kommen m\u00f6chte, den verweist die Moorw\u00e4chterin auf die Internetseite der ANTL. Unter www.antl-ev.de finden sich alle aktuellen Termine vom Entkusseln (das Entfernen unerw\u00fcnschter Geh\u00f6lze, zum Beispiel junger Birken) der Moorfl\u00e4che bis hin zu gef\u00fchrten Exkursionen und Fachvortr\u00e4gen. Nina Dierkes wird voraussichtlich erst wieder am Jahresende ihre Petroleumlaterne anz\u00fcnden, um ahnungslose Ausfl\u00fcgler zu mehr naturkundlicher Einsicht in die Weiten des Recker Moors zu locken.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 08.02.2017)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit ihrer Gr\u00fcndung 1976 k\u00fcmmert sich die ANTL um die Pflege und den Erhalt des Recker Moors. 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