{"id":1282,"date":"2016-11-17T12:22:53","date_gmt":"2016-11-17T11:22:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1282"},"modified":"2016-11-17T12:22:53","modified_gmt":"2016-11-17T11:22:53","slug":"ein-warmes-licht-fuer-truebe-tage","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1282","title":{"rendered":"Ein warmes Licht f\u00fcr tr\u00fcbe Tage"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1283\" aria-describedby=\"caption-attachment-1283\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Laterne1b.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1283\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1283\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Laterne1b.jpg\" alt=\"Profis an der Klebstoffflasche (von rechts): Soe, Felix, Soes Mutter Maria Simson, Jonas und seine Mutter Regina Wilwert basteln gemeinsam aufwendig verzierte Laternen f\u00fcr den Martinsumzug. Foto: Ulrike Havermeyer\" width=\"1500\" height=\"1071\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Laterne1b.jpg 1500w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Laterne1b-300x214.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Laterne1b-768x548.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Laterne1b-1024x731.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Laterne1b-1200x857.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1283\" class=\"wp-caption-text\">Profis an der Klebstoffflasche (von rechts): Soe, Felix, Soes Mutter Maria Simson, Jonas und seine Mutter Regina Wilwert basteln gemeinsam aufwendig verzierte Laternen f\u00fcr den Martinsumzug. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der Evangelische Kindergarten in Wersen l\u00e4dt zu seinem traditionellen Martinsumzug ein. Wie in jedem Jahr haben hierf\u00fcr wieder viele Kinder gemeinsam mit ihren Eltern eine eigene Laterne gestaltet. Auch ich versuche mein Gl\u00fcck.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Dino schaut mir beim Schreiben zu. Er kauert vor mir auf dem Arbeitstisch, mit gefletschten Z\u00e4hnchen und feuerfarbenden Kulleraugen. Sein Bauch leuchtet in einem zarten Gr\u00fcn, als habe er etwas voreilig eine unreife Portion Licht verschlungen. Kaum zu glauben, dass sich aus einem Bogen gef\u00e4rbtem Transparentpapier, etwas buntem Tonkarton und einer alten Camembert-Schachtel solch ein putziges und markantes kleines Martinsmonsters basteln l\u00e4sst. Und noch gr\u00f6\u00dfer ist mein Erstaunen dar\u00fcber, dass sogar ich, mit zwei linken H\u00e4nden und einer nicht mehr zu leugnenden Sehschw\u00e4che im Nahbereich gestraft, das geschafft habe.<\/p>\n<p><em>Lustlos g\u00e4hnt der November<\/em><\/p>\n<p>Am Anfang meines Bastelabenteuers ist der kleine Drache allerdings noch gar kein kleiner Drache, sondern nichts als eine M\u00f6glichkeit, die sich in einem dicken Stapel aus allerlei Bastel- und Dekomaterial versteckt. W\u00e4hrend ich mich zu Felix (drei Jahre), Jonas (vier) und Soe (zwei) in die Hasengruppe des Evangelischen Kindergartens in Wersen geselle, g\u00e4hnt ein tr\u00fcber Novembernachmittag uns durch die Festerscheiben lustlos an. Nebel und Wolken saugen die Farbe aus der Natur und bleichen Blumen, B\u00e4ume und Spielger\u00e4te grau. Aber weder Felix noch Jonas, und erst recht nicht Soe und ich, lassen uns von der, der glei\u00dfenden Sommersonne abgeneigten Erdachse den Spa\u00df am Herbst verderben: Wir basteln uns unser eigenes, ganz pers\u00f6nliches Gute-Laune-Licht, das uns vor dem Dunkle-Jahreszeiten-Blues bewahren soll.<\/p>\n<p><em>Erinnerung an Sankt Martin<\/em><\/p>\n<p>Dem alten Brauch folgend, l\u00e4dt der Evangelische Kindergarten jedes Jahr um den elften November (Martinstag) herum zu einem Umzug durch die Gemeinde ein: In Erinnerung an Sankt Martin und dessen noble Tat, seinen Mantel mit einem Bettler zu teilen, ziehen die M\u00e4dchen und Jungen mit ihren Eltern und Geschwistern, Gro\u00dfeltern und Freunden singend durch die abendliche D\u00e4mmerung und schwenken dabei fr\u00f6hlich ihre \u2013 \u00fcberwiegend selbstgebastelten \u2013 Laternen.<\/p>\n<p><em>Sechzig bastelerprobte Kinder<\/em><\/p>\n<p>\u201eGenau wie die Kinder d\u00fcrfen auch sie sich selber aussuchen, was f\u00fcr eine Laterne sie gestalten wollen\u201c, begr\u00fc\u00dft mich Erzieherin Heidrun Kijewski und f\u00fchrt mich den Flur entlang, an dessen Ende die drei zur Auswahl stehenden Modelle von der Decke baumeln: ein k\u00e4ferf\u00f6rmiger Pkw mit l\u00e4chelndem Gesicht, ein geringelter, von Glitzersternen \u00fcbers\u00e4ter Zylinder \u2013 und eben: der Dino. Mit seinem vorwitzigen Blick erinnert mich das gr\u00fcne Kerlchen augenblicklich an Urmel aus dem Eis und avanciert somit konkurrenzlos zu meinem Favoriten. \u201eUm die 60 Kinder haben hier auf drei Nachmittage verteilt ihre Laternen gebastelt\u201c, freut sich Kindergartenleiterin Barbara Hilgemann \u00fcber das muntere Treiben. Heidrun Kijewski dr\u00fcckt mir die Schablonen in die Hand und nickt aufmunternd in Richtung Bastelecke. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie Felix bereits damit besch\u00e4ftigt ist, seinen Bogen Transparentpapier mit bunten Streifen in Vfl-Osnabr\u00fcck-Optik zu verzieren. Papa Oliver Langkau schneidet derweil flei\u00dfig Sterne aus Tonkarton, Mama Maike assistiert sorgsam mit der Klebeflasche.<\/p>\n<p><em>Klebstofff\u00e4den und Glitzersterne<\/em><\/p>\n<p>Am gr\u00fcnen Dino-Material-Stapel treffe ich Soe und ihre Mutter Maria Simson. Die beiden sind, anders als ich, bastelerprobt und erkl\u00e4ren mir geduldig, wie ich mir die Einzelteile f\u00fcr meinen Urmel zurecht schnippeln muss: Oberkiefer, Unterkiefer, Gebiss in Wei\u00df, Tatzen und Drachenschwanz. W\u00e4hrend ich mir erstmal etwas Klebstoff auf die Hose kleckere, h\u00e4lt Felix mir voller Stolz seine beinahe fertige Kreation entgegen. \u201eWir sind aber auch schon zum zweiten Mal beim Laternebasteln dabei\u201c, erkl\u00e4rt Mutter Maike die professionelle Arbeitsteilung ihrer Familie. Ich k\u00e4mpfe derweil mit diversen Glitzersternchen und Papierschnipseln, die sich in den Klebstofff\u00e4den auf meinen Armen und Fingern verfangen haben \u2013 und dr\u00fccke dann einigerma\u00dfen au\u00dfer Atem den Urmel-Kopf auf dem Transparentpapier fest. Vor lauter Kleber glitscht der Sch\u00e4del planlos \u00fcber den Zylinder. Ich sp\u00fcre erste Schwei\u00dftropfen auf meiner Stirn. Felix marschiert Martinslieder tr\u00e4llernd zwischen den Gruppentischen herum: \u201eIch geh mit meiner Laterne\u2026\u201c<\/p>\n<p><em>Reichlich Platz im gr\u00fcnen Wanst<\/em><\/p>\n<p>Doch endlich und \u00fcberraschenderweise f\u00fcgen sich auch meine Dinosaurier-Fragmente irgendwann zu einem Martins-Urmel zusammen. Etwas zerzaust wirkt der kleine Drache, aber in seinem gr\u00fcnen Wanst ist reichlich Platz f\u00fcr ein aufmunterndes und das herbstliche Gem\u00fct erw\u00e4rmendes Kerzenlicht, vorzugsweise auf kinder- und journalistinnensicherer LED-Basis. Ich bemerke nebenbei, wie meine Daumen noch immer fest an meinen Zeige- und Mittelfingern pappen und versuche erst gar nicht, mir ein darob rundum zufriedenes Grinsen zu verkneifen. Heidrun Kijewski l\u00e4chelt mir zu: \u201eHat es Spa\u00df gemacht?\u201c, fragt sie schmunzelnd. \u201eDas hat es!\u201c, versichere ich.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 09.11.2016)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Evangelische Kindergarten in Wersen l\u00e4dt zu seinem traditionellen Martinsumzug ein. Wie in jedem Jahr haben hierf\u00fcr wieder viele Kinder gemeinsam mit ihren Eltern eine eigene Laterne gestaltet. Auch ich versuche mein Gl\u00fcck. 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