{"id":123,"date":"2014-05-15T10:27:59","date_gmt":"2014-05-15T08:27:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=123"},"modified":"2015-04-24T17:44:06","modified_gmt":"2015-04-24T15:44:06","slug":"ueber-die-mutter-aller-pinkelkurven","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=123","title":{"rendered":"Die Mutter aller Pinkelkurven"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_120\" aria-describedby=\"caption-attachment-120\" style=\"width: 714px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Abort_01.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-120\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Abort_01-1024x487.jpg\" alt=\"Hier geht es zu den Toiletten... Foto: Sigismund von Dobsch\u00fctz\/wikipedia\" width=\"714\" height=\"340\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Abort_01-1024x487.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Abort_01-300x143.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Abort_01-1200x570.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-120\" class=\"wp-caption-text\">Wann ist endlich Halbzeit?! Hier geht es zu den Toiletten&#8230; Foto: Sigismund von Dobsch\u00fctz\/wikipedia<\/figcaption><\/figure>\n<p>Pinkelkurve? Extrempunktberechnung? Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel? Nein, wer wissen will, was eine Pinkelkurve ist, braucht keine Formelsammlung \u00fcber Strahlens\u00e4tze, Differenzialquotienten oder Tangentensteigung \u2013 und auch keine sanit\u00e4ren Einrichtungen zu bem\u00fchen. Das geistige Durchdringen des Ph\u00e4nomens beruht eher auf dem Wissen um soziokulturelle Rituale, organische Notwendigkeiten und die menschliche F\u00e4higkeit, in den entscheidenden Momenten des Daseins Priorit\u00e4ten zu setzen. Und was bitte sch\u00f6n k\u00f6nnte entscheidender sein als eine Fu\u00dfball-WM-Live-\u00dcbertragung? Gleichsam die Mutter jeder Pinkelkurve.<\/p>\n<p><em>Was oben reinkommt, will fr\u00fcher oder sp\u00e4ter unten wieder raus<\/em><\/p>\n<p>Kiste Bier. Kiste Wasser. Kiste Cola. So ungef\u00e4hr d\u00fcrfte die Grundversorgung f\u00fcr ein 90-min\u00fctiges WM-Spiel beim durchschnittlichen Rudelgucken im kleineren Rahmen aussehen. Um die Spannung einer sportlichen Begegnung von derart globaler Dimension auch nur halbwegs zu ertragen, braucht es neben einem gro\u00dfen Bildschirm \u2013 erstens: Der eigenen emotionalen Impulsivit\u00e4t gegen\u00fcber aufgeschlossene Kommunikationspartner zum Austauschen, Aufregen, Tr\u00f6sten und Fachsimpeln. Zweitens: Verpflegung in fester und fl\u00fcssiger Form, die nicht in erster Linie dem schn\u00f6den Selbstzweck der S\u00e4ttigung dient, sondern vielmehr zum Ablenken von spielerischen Defiziten der Lieblingsmannschaft, zum Abk\u00fchlen des erregten Gem\u00fcts oder \u2013 wenn die Partie gut l\u00e4uft, gern auch zur Genusssteigerung des Gesamterlebnisses. Das f\u00fchrt schnurstracks zu Punkt drei: Zu jedem WM-Fernseh-Event geh\u00f6rt unabdingbar eine gut erreichbare Toilette. Denn der Mensch \u2013 und also auch der Fu\u00dfballfan \u2013 ist ein offenes System: Was oben reinkommt, will fr\u00fcher oder sp\u00e4ter unten wieder raus.<\/p>\n<p><em>Was Tausende von unfreiwillig synchronisierten Blasen so anrichten&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Bei der WM-\u00dcbertragung muss sich die \u2013 oft \u00fcberdurchschnittlich beanspruchte \u2013 Blase kompromisslos dem strengen Willen ihres Besitzers beugen: Wer keine Torchance, keine Flanke und kein Foul verpassen will, der bringt mit angestrengtem L\u00e4cheln auch rudiment\u00e4re K\u00f6rperfunktionen unter Kontrolle und wartet mit dem Toilettengang bis zur Pause. Mit dem Halbzeitpfiff fordern dann allerdings Tausende von unfreiwillig synchronisierten Blasen vehement ihr Recht \u2013 \u201eund dadurch kommt es zur Pinkelkurve\u201c, erkl\u00e4rt Axel B\u00f6hmer von der Wasserbereitstellung der Stadtwerke. Er und seine Kollegen finden es eher zum Schmunzeln, wenn sie am Verlauf der Verbrauchskurve den verr\u00e4terischen Knick nach unten bemerken, der rund eine Stunde vor Spielbeginn \u2013 p\u00fcnktlich zur unverzichtbaren Vorberichterstattung \u2013 einsetzt: Ab jetzt verkneift sich der Fu\u00dfballfan nicht nur den Gang zur Toilette, sondern nat\u00fcrlich auch jeden anderen unn\u00f6tigen Griff zum Wasserhahn: Es wird nicht geduscht, gekocht, gebadet und auch die Waschmaschine ruht in der Regel. \u201eMit dem Abpfiff zur Halbzeitpause steigt die Verbrauchskurve dann schlagartig an\u201c, erl\u00e4utert Axel B\u00f6hmer: \u201eDas ist zwar nicht wissenschaftlich belegt, aber es liegt schon nahe, dass dieser Pik in der Verbrauchskurve vor allem durch die Toilettensp\u00fclungen der Fu\u00dfballfans zustande kommt.\u201c Man kann das erleichterte Seufzen auf dem Scheitelpunkt der Kurve f\u00f6rmlich h\u00f6ren.<\/p>\n<p><em>F\u00fcr die Stadtwerke kein Problem<\/em><\/p>\n<p>Bei einem Sp\u00fclvorgang werden zwischen sieben und zehn Liter Wasser verbraucht. F\u00fcr die Stadtwerker stellen WM-Fu\u00dfballspiele keine Probleme dar: In den drei gro\u00dfen Trinkwasserhochbeh\u00e4ltern der Stadt auf dem Piesberg, dem Sch\u00f6ler- und dem Schinkelberg, halten sie \u2013 jeden Morgen frisch gef\u00fcllt \u2013 die komplette Menge des durchschnittlichen Tagesbedarfs an Trinkwasser f\u00fcr die Osnabr\u00fccker bereit: Rund 30.000 Kubikmeter. Und ob diese Menge nun stetig oder sprunghaft verbraucht wird, spielt f\u00fcr die Versorgung keine Rolle.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Osnabr\u00fccker Wissen, Ausgabe II\/2014)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pinkelkurve? Extrempunktberechnung? Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel? Nein, wer wissen will, was eine Pinkelkurve ist, braucht keine Formelsammlung \u00fcber Strahlens\u00e4tze, Differenzialquotienten oder Tangentensteigung \u2013 und auch keine sanit\u00e4ren Einrichtungen zu bem\u00fchen. 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