{"id":1209,"date":"2016-10-06T07:59:13","date_gmt":"2016-10-06T05:59:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1209"},"modified":"2016-10-06T07:59:13","modified_gmt":"2016-10-06T05:59:13","slug":"suess-lecker-aromatisch-aber-namenlos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1209","title":{"rendered":"S\u00fc\u00df, lecker, aromatisch \u2013 aber namenlos"},"content":{"rendered":"<div class=\"StoryShowBox clear\">\n<div>\n<figure id=\"attachment_1210\" aria-describedby=\"caption-attachment-1210\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Apfel2b.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1210\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1210\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Apfel2b.jpg\" alt=\"Genau hinschauen und jede Menge Fachwissen aktivieren - das m\u00fcssen Jens Pallas (links) und Christian Blom, um die bis dahin namenlosen \u00c4pfel der Ratsuchenden der richtigen Sorte zuzuordnen. Foto: Ulrike Havermeyer\" width=\"1500\" height=\"1174\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Apfel2b.jpg 1500w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Apfel2b-300x235.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Apfel2b-768x601.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Apfel2b-1024x801.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Apfel2b-1200x939.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1210\" class=\"wp-caption-text\">Genau hinschauen und jede Menge Fachwissen aktivieren &#8211; das m\u00fcssen Jens Pallas (links) und Christian Blom, um die bis dahin namenlosen \u00c4pfel der Ratsuchenden der richtigen Sorte zuzuordnen. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"intro\"><strong>Die eine schmeckt knackig und sauer, die n\u00e4chste mehlig und s\u00fc\u00df. Mehr als tausend Apfelsorten soll es allein in Deutschland geben. Die Kernobstspezialisten Christian Blom und Jens Pallas vom Pomologen-Verein kennen beeindruckend viele von ihnen.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"StoryShowBox clear\">\n<p>Seit Generationen versorgt unser knorriger, alter Apfelbaum uns zuverl\u00e4ssig mit frischen Vitaminen. Mein Urgro\u00dfvater hat ihn gepflanzt, mein Gro\u00dfvater hat ihn veredelt. Und meine Mutter backt den leckersten Apfelkuchen der Welt aus seinen Fr\u00fcchten. Doch der Zahn der Zeit setzt unserem h\u00f6lzernen Freund mehr und mehr zu: Seine \u00c4ste werden morsch, und seine fr\u00fcher so prallen Fr\u00fcchte fallen von Saison zu Saison schrumpeliger aus. \u201eDa solltet ihr m\u00f6glichst bald einen neuen pflanzen\u201c, riet uns unsere Nachbarin jetzt, \u201edieser hier ist einfach zu alt.\u201c Eine gute Idee \u2013 allerdings gibt es da ein Problem: Wir haben keine Ahnung, wie unsere Lieblingsapfelsorte, die wir da \u00fcber all die Jahrzehnte verspeist haben, eigentlich hei\u00dft.<\/p>\n<p><em>Der mit der neuen Schale<\/em><\/p>\n<p>Mein Gro\u00dfvater, der das Reis damals von einem entfernten Bekannten bekommen hatte, war seinerzeit ebenfalls ratlos. Als der identit\u00e4tslose Baum die ersten Fr\u00fcchte trug, leuchteten diese in einem satten Rot. Und weil seine Obstwiese bis dahin von gr\u00fcnwangigen Sorten gepr\u00e4gt war, taufte mein Gro\u00dfvater den farbenfrohen Apfel mit dem ihm eigenen kreativen Pragmatismus auf den Namen \u201eSchalonowski\u201c \u2013 der mit der neuen Schale.<\/p>\n<p><em>Kleine Schummelei<\/em><\/p>\n<p>Dass dieses Etikett allerdings eher einem K\u00fcnstlernamen denn einer Sortenbezeichnung entsprach, war uns stets klar. Aber solange der Schalonowski-Baum trug, war die kleine Schummelei lediglich eine am\u00fcsante Anekdote \u2013 Hauptsache, die \u00c4pfel schmeckten. Doch nun, wo unser Liebling schw\u00e4chelt, gilt es sein Inkognito aufzudecken, damit wir uns unter dem richtigen Namen einen neuen \u2013 identischen! \u2013 Baum zulegen k\u00f6nnen. Kurzum: Das Wissen von Fachleuten ist gefragt. Und so reihe ich mich mit einem Beutel voller \u201eSchalonowskis\u201c gespannt in die Schlange der Wartenden ein, die den Apfeltag der Baumschule Fels in Westerkappeln nutzen, um sich am Stand des Pomologen-Vereins Rat einzuholen.<\/p>\n<p><em>Hast du eine Idee?<\/em><\/p>\n<p>Jens Pallas kneift die Augen zusammen und dreht die Frucht, die eine \u00e4ltere Dame auf die Tischplatte gelegt hat, mit skeptischen Blicken vor seinem geschulten Auge. \u201eIch wei\u00df nicht so recht\u201c, \u00fcberlegt der promovierte Botaniker, \u201edie tiefe Stielgrube w\u00fcrde ja passen\u2026 aber ein Gelber Edler w\u00e4re nicht so dreh-rund\u2026 und dann dieser strahlige Rostklecks\u2026 ich bin mir da nicht sicher. Hast du eine Idee?\u201c Nein, auch sein Kollege Christian Blom kann das R\u00e4tsel nicht l\u00f6sen: \u201eW\u00e4re es ein Seesterm\u00fchler Zitronenapfel\u201c, sagt er und f\u00e4hrt mit der Fingerkuppe \u00fcber die Schale nahe der Bl\u00fcte, \u201em\u00fcsste er Rippen haben.\u201c Pallas und Blom nicken einander zu: \u201eDen nehmen wir mit. Den soll der Papst sich ansehen.\u201c Der Papst \u2013 das ist Hans-Joachim Bannier, einer der renommiertesten Apfelkenner Deutschlands und der Ausbilder von Pallas und Blom. Wenn der es nicht wei\u00df, dann wei\u00df es keiner.<\/p>\n<p><em>Farbe, Form, Geschmack<\/em><\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Exemplar, ein leicht ger\u00f6teter, fettig gl\u00e4nzender, glockenf\u00f6rmiger Apfel ist dran. \u201eWir gucken uns erstmal die Merkmale an, die wir von au\u00dfen erkennen k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Christian Blom: \u201eFarbe, Form, Bl\u00fcte, Stielgrube, L\u00e4nge des Stiels.\u201c Oft helfen auch die Hinweise des Apfelbaumbesitzers weiter: Steht der Baum im Schatten oder in der Sonne? Wie alt ist er? Wann sind die Fr\u00fcchte pfl\u00fcckreif und wie werden sie genutzt? Lassen sie sich lagern? \u201eWichtig ist, dass die Leute zum Bestimmen nicht blo\u00df einen, sondern mindestens drei, noch besser f\u00fcnf Exemplare mitbringen\u201c, schaltet sich Jens Pallas ein. Denn h\u00e4ufig variiere das Erscheinungsbild der Fr\u00fcchte selbst bei ein und derselben Sorte erheblich. Bringt der \u00e4u\u00dfere Anblick keine Kl\u00e4rung, greifen die Pomologen zum Messer: Die Form und Gr\u00f6\u00dfe der Kerne, die L\u00e4nge der Kelchr\u00f6hre und die Farbe sowie der Geschmack des Fruchtfleisches liefern weitere Hinweise. Mit Wissen, Erfahrung und Akribie ordnen Pallas und Blom die s\u00fc\u00dfen Proben den entsprechenden Sorten zu: Nathusius Taubenapfel, Florina, Westf\u00e4lischer G\u00fclderling, Rheinischer Winterrambour, Prinz Albrecht von Preu\u00dfen, Jakob Lebel.<\/p>\n<p><em>Ganz klar: ein Lieblingsapfel<\/em><\/p>\n<p>Vorsichtig lasse auch ich meine rotbackigen Sch\u00e4tze aus dem Beutel kugeln. Ob unser geheimnisvoller Schalonowski wom\u00f6glich sogar zum Papst geschickt werden muss? Doch ein schneller Blick, ein fl\u00fcchtiger Griff gen\u00fcgen \u2013 da breitet sich auf den Gesichtern von Blom und Pallas bereit ein entspanntes L\u00e4cheln aus. \u201eDas ist definitiv eine Biesterfelder Renette\u201c, geben beide unisono zu Protokoll. \u201eHat ein herrliches Aroma\u201c, schw\u00e4rmt Christian Blom, \u201eist in der Region weit verbreitet \u2013 und einer meiner Lieblings\u00e4pfel.\u201c<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 28.09.2016; Westf\u00e4lische Nachrichten, 28.09.2016)<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die eine schmeckt knackig und sauer, die n\u00e4chste mehlig und s\u00fc\u00df. Mehr als tausend Apfelsorten soll es allein in Deutschland geben. Die Kernobstspezialisten Christian Blom und Jens Pallas vom Pomologen-Verein kennen beeindruckend viele von ihnen. 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