{"id":1199,"date":"2016-10-03T09:26:39","date_gmt":"2016-10-03T07:26:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1199"},"modified":"2018-04-29T08:24:40","modified_gmt":"2018-04-29T06:24:40","slug":"perforiert-die-nutria-den-altkreis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1199","title":{"rendered":"Perforiert die Nutria den Altkreis?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1200\" aria-describedby=\"caption-attachment-1200\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Nutria1b.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1200\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1200\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Nutria1b.jpg\" alt=\"Gut zu erkennen: Die orangerot gef\u00e4rbten Frontz\u00e4hne und die wei\u00dfen Tasthaare unterscheiden die Nutria klar von anderen semiaquatisch lebenden Nagern wie dem Biber oder dem Bisam. 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J\u00e4gerschaft, Unterhaltungsverband 97, Landwirtschaftskammer und Untere Naturschutzbeh\u00f6rde \u00fcberlegen, wie sie den rastlosen Nager aufhalten k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>Kompakter K\u00f6rper, dichtes braunes Fell, s\u00fc\u00dfe Knopfaugen: Beheimatet in S\u00fcdamerika, haben die Europ\u00e4er Myocastor coypus, den als Nutria oder Sumpfbiber bekannten Nager, im vergangenen Jahrhundert \u00fcber den Atlantik in die Alte Welt geholt. Wegen seines hochwertigen Fells wurde der Pflanzenfresser mit den markant orangerot gef\u00e4rbten Frontz\u00e4hnen, der vom Erscheinungsbild zwischen Biber und Bisam steht, in Zuchtfarmen gehalten. Auch das Fleisch der Nutria wurde lange Zeit als Delikatesse gehandelt. Doch der Nutzen von Myocastor coypus schrumpfte: Seine Pelze gerieten aus der Mode, und auch kulinarisch konnte sich der Sumpfbiber nicht so recht durchsetzen.<\/p>\n<p><em>Kaum zu bremsen<\/em><\/p>\n<p>Teilweise lie\u00dfen die Z\u00fcchter ihre Best\u00e4nde aus den Farmen bewusst frei, teilweise entwischten die Tiere auch ungewollt \u2013 und siedelten sich als sogenannte Neozoen in der Kulturlandschaft an. Soweit, so gut? Mitnichten: Denn der einst so willkommene Import \u00fcberraschte seine ehemaligen Halter nun durch eine bis dahin vom Menschen wohl weitgehend unbedachte Eigenschaft: Als Bewohner der Uferbereiche gr\u00e4bt die Nutria ihre G\u00e4nge und H\u00f6hlen in die B\u00f6schungen oberhalb der Wasserlinie. Die Folgen: Wird die Uferbefestigung zu sehr perforiert, rutschen die Gew\u00e4sserr\u00e4nder ab, brechen ein \u2013 und der Hochwasserschutz br\u00f6selt buchst\u00e4blich in sich zusammen. Doch genau wie der Besen in Goethes Zauberlehrling, l\u00e4sst sich der emsige Vierbeiner in seiner Gesch\u00e4ftigkeit kaum bremsen. Kurzum: Herr, die Not ist gro\u00df! Die ich rief, die Nager werd ich nun nicht los.<\/p>\n<p><em>Der Tisch ist reich gedeckt<\/em><\/p>\n<p>\u201eIn diesem Jahr hat die Nutria an unseren Gew\u00e4ssern Sch\u00e4den von etwa 30.000 Euro angerichtet\u201c, sagt Georg Lucks, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Unterhaltungsverbands 97 Mittlere Hase. Im vergangenen Jahr sei es \u00e4hnlich schlimm gewesen. Die milden Winter und der im Altkreis stets reichlich mit Getreide, Kartoffeln und Mais gedeckte Tisch spielen dem Sumpfbiber in die Karten, sodass dessen Best\u00e4nde sich auch weiterhin vermehren d\u00fcrften. F\u00fcr die Zukunft rechnet Lucks daher mit deutlich h\u00f6heren Kosten.<\/p>\n<p><em>Extreme Vermehrungsrate<\/em><\/p>\n<p>Gemeinsam mit Vertretern der Bersenbr\u00fccker J\u00e4gerschaft, des Hegerings Quakenbr\u00fcck, der Unteren Naturschutzbeh\u00f6rde und der Landwirtschaftskammer berieten Lucks und sein Kollege Andreas H\u00f6ger nun, wie sie dem Problem Herr werden und den Hochwasserschutz in der Region sicher stellen k\u00f6nnen. \u201eBis vor f\u00fcnf Jahren kannten wir die Nutria hier bei uns so gut wie gar nicht\u201c, sagt Martin Meyer L\u00fchrmann, Bezirksvorsitzender der J\u00e4gerschaften Osnabr\u00fcck und Emsland. \u201eAber die Art breitet sich immer weiter aus und vermehrt sich wirklich extrem.\u201c In der vergangenen Saison haben die Bersenbr\u00fccker Gr\u00fcnr\u00f6cke bereits mehr als 700 Sumpfbiber erlegt. Viele der Tiere seien in Lebendfallen gefangen und anschlie\u00dfend get\u00f6tet worden. Bei einer Wanderung durch die Reviere best\u00e4tigte Marlis Schulz von der Unteren Naturschutzbeh\u00f6rde des Landkreises den J\u00e4gern nun, dass ihre Fallen den Auflagen des Tierschutzes voll entspr\u00e4chen: Die in Ufern\u00e4he aufgestellten K\u00e4sten sind abgedunkelt und werden zweimal am Tag kontrolliert.<\/p>\n<p><em>Wer bezahlt die Sch\u00e4den?<\/em><\/p>\n<p>Als jagdbares Wild unterliegt die Nutria den Jagdzeiten vom 1. September bis zum 28. Februar. Eine Wildschadensersatzpflicht besteht f\u00fcr sie allerdings nicht. Die Sch\u00e4den, die sie an den Gew\u00e4ssern anrichtet, tr\u00e4gt daher der Unterhaltungsverband. \u201e\u00dcber diesen Punkt sollte aber durchaus einmal diskutiert werden\u201c, regt Georg Lucks an, die Zust\u00e4ndigkeiten zu \u00fcberdenken. Was bei den J\u00e4gern allerdings auf heftige Ablehnung st\u00f6\u00dft: \u201eSollte die Nutria wildschadensersatzpflichtig werden, dann w\u00fcrden wir in Hannover Sturm laufen\u201c, k\u00fcndigt Meyer L\u00fchrmann an. \u201eAn den wachsenden Strecken kann man ja sehen, dass wir alles tun, um den Bestand kurz zu halten.\u201c Aber bei einer derart rasant wachsenden Population k\u00f6nne niemand ausschlie\u00dfen, dass irgendwann das Fundament einer Br\u00fccke oder ein Hochwasserdamm unterw\u00fchlt w\u00fcrden. \u201eDas zu kontrollieren, ist f\u00fcr uns J\u00e4ger unm\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Bersenbr\u00fccker Kreisblatt, 20.09.2016)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr Goethes Zauberlehrling der l\u00e4stige Besen, k\u00f6nnte f\u00fcr den Altkreis Bersenbr\u00fcck die Nutria werden. 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