{"id":1188,"date":"2016-09-25T09:49:40","date_gmt":"2016-09-25T07:49:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1188"},"modified":"2017-04-16T20:33:34","modified_gmt":"2017-04-16T18:33:34","slug":"wenn-die-kloeppel-ueber-das-kissen-tanzen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1188","title":{"rendered":"Wer einmal die Kl\u00f6ppel gekreuzt hat &#8230;"},"content":{"rendered":"<div class=\"StoryShowBox clear\">\n<div>\n<figure id=\"attachment_1189\" aria-describedby=\"caption-attachment-1189\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Kl\u00f6ppeln4b.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1189\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1189\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Kl\u00f6ppeln4b.jpg\" alt=\"Hier gilt es, den \u00dcberblick zu behalten: 144 Kl\u00f6ppelpaare - also 288 einzelne Kl\u00f6ppel - hat Elly Zitzmann aus Mettingen sicher im Griff, wenn sie an ihrer Stola arbeitet. Foto: Ulrike Havermeyer\" width=\"1500\" height=\"1125\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Kl\u00f6ppeln4b.jpg 1500w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Kl\u00f6ppeln4b-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Kl\u00f6ppeln4b-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Kl\u00f6ppeln4b-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Kl\u00f6ppeln4b-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1189\" class=\"wp-caption-text\">Hier gilt es, den \u00dcberblick zu behalten: 144 Kl\u00f6ppelpaare &#8211; also 288 einzelne Kl\u00f6ppel &#8211; hat Elly Zitzmann aus Mettingen sicher im Griff, wenn sie an ihrer Stola arbeitet. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>\u201eIch bringe eine Kl\u00f6ppelrolle mit, dann k\u00f6nnen sie gleich loslegen\u201c, sagt die Stimme am Telefon. F\u00fcr jemanden, der Topflappen von der Beschaffenheit einer Betonplatte h\u00e4kelt, bin ich ganz sch\u00f6n mutig: Ich habe mich zu einem Handarbeitskurs angemeldet. <\/strong><\/p>\n<p>Kl\u00f6ppeln. Dieses Wort hat mir immer schon gefallen. Vorwitzig und leichtf\u00fc\u00dfig h\u00fcpfen die Silben auf der Zunge herum. Kl\u00f6p-peln. Allein \u2013 ich konnte den Begriff bisher nicht mit Inhalt, nicht mit Bedeutung f\u00fcllen. Keiner meiner Verwandten oder Bekannten ist jemals diesem r\u00e4tselhaften Hobby nachgegangen. Geschweige denn ich selbst. Der mentale Kulissenschieber in meinem Kopf hat das fragliche Ph\u00e4nomen also auf gut Gl\u00fcck irgendwo zwischen den Begriffen \u201ewei\u00df\u201c und \u201efiligran\u201c im Fundus meiner Phantasie einsortiert. Und direkt dar\u00fcber baumelt wie ein Damoklesschwert die Vokabel \u201eKOMPLIZIERT\u201c. Ja, in Gro\u00dfbuchstaben. Die logische Konsequenz aus diesem Dreiklang lautet dementsprechend: \u201eFinger weg!\u201c Aber, habe ich mir ein Herz gefasst \u2013 man darf sich nicht von solchen verbalen Befindlichkeiten tyrannisieren lassen. Also, auf geht\u2019s zum Kl\u00f6ppeln!<\/p>\n<p><em>Herzlicher Enthusiasmus <\/em><\/p>\n<p>Die Kl\u00f6ppelrolle im Arm, begr\u00fc\u00dft Adelheid Dirksmeyer mich mit herzlichem Enthusiasmus im katholischen Pfarrheim in Mettingen. 1984 hat sie beim Besuch einer Ausstellung ihre ersten Kontakte zu jener kunstvollen Handarbeitstechnik gekn\u00fcpft, die im 16. Jahrhundert in Italien entwickelt worden ist. \u201eUnd zuf\u00e4llig hat genau zu dieser Zeit die Fabi hier einen Kurs angeboten\u201c, berichtet Adelheid Dirksmeyer und platziert diverse Utensilien \u2013 spindelf\u00f6rmige Holzgriffe, Stecknadeln, Unmengen von F\u00e4den, einen merkw\u00fcrdig gebogenen Draht, seltsam abstrakte Zeichnungen und, na klar: die Kl\u00f6ppelrolle, auf dem ausladenden Holztisch: \u201eDa war ich nat\u00fcrlich sofort dabei\u201c, l\u00e4sst sie keinen Zweifel an ihrer Begeisterung aufkommen. Vier Jahre sp\u00e4ter hat sie begonnen, selbst zu unterrichten.<\/p>\n<p><em>Feinmotorische Defizite<\/em><\/p>\n<p>Ihre Sch\u00fclerinnen sitzen vergn\u00fcgt um den Tisch verteilt und nicken mir wissend zu. Die Gesichter entspannt, die H\u00e4nde ununterbrochen in Bewegung. Ja, ja \u2013 wer einmal die Kl\u00f6ppel gekreuzt hat, versichern mir ihre aufmunternden Blicke, den lassen sie nicht mehr los. \u201eSie werden das auch bald k\u00f6nnen\u201c, ahnt Adelheid Dirksmeyer nichts von meinen feinmotorischen Defiziten. W\u00e4hrend sie das erste Kl\u00f6ppelpaar \u2013 einem winzigen Springseil mit h\u00f6lzernen Griffen an den Enden nicht un\u00e4hnlich \u2013 f\u00fcr mich vorbereitet, betrachte ich ein wenig eingesch\u00fcchtert die Kreationen meiner Mitstreiterinnen: Edith Busemann aus Bad Iburg zaubert mit ihren 50 hin und her wirbelnden Kl\u00f6ppelpaaren einen seidenen Loop-Schal. Elisabeth Engelbert l\u00e4sst die Spindeln tanzen, um eine 3,20 Meter lange, violett farbene Spitze f\u00fcr den Hochaltar der Mettinger St. Agatha Kirche zu arbeiten. Eine Leidenschaft sei das Kl\u00f6ppeln, beteuern die Frauen. Eine Sucht. Eine Droge! Adelheid Dirksmeyer nickt zustimmend und dr\u00fcckt mir das Werkzeug in die H\u00e4nde: \u201eJetzt sind sie dran.\u201c<\/p>\n<p><em>Erh\u00f6hte Schlagzahl<\/em><\/p>\n<p>Meine ersten Versuche, da l\u00e4sst sich nichts sch\u00f6nschreiben, enden im Desaster: Dauernd gleiten mir die Kl\u00f6ppel aus den Fingern. Vier schlanke Gegenst\u00e4nde in zwei plumpen H\u00e4nden \u2013 wie soll das funktionieren? \u201eDen zweiten Kl\u00f6ppel \u00fcber den ersten drehen und den vierten \u00fcber den dritten\u201c, wiederholt Adelheid Dirksmeyer mit bewundernswerter Zuversicht und Geduld, \u201eund dann den dritten \u00fcber den zweiten kreuzen.\u201c W\u00e4hrend ich die Zahlenfolge vor mich hinmurmle und angestrengt sinniere, wie aus diesem kl\u00e4glichen Gest\u00fcmper jemals eine Leidenschaft werden k\u00f6nnte, stelle ich \u00fcberrascht fest, dass meine H\u00e4nde mittlerweile mit den Kl\u00f6ppeln eindeutig besser zurecht kommen als mein Verstand. \u201eDas klappt doch schon ganz gut\u201c, l\u00e4chelt mir Adelheid Dirksmeyer zu \u2013 und erh\u00f6ht die Schlagzahl auf sechs Kl\u00f6ppelpaare. Drehen. Kreuzen. Drehen. Kreuzen. \u201eDas ganze Kl\u00f6ppeln\u201c, sagt sie, \u201edas ist im Grunde nur drehen und kreuzen.\u201c<\/p>\n<p><em>Heiteres Handarbeiten<\/em><\/p>\n<p>Kl\u00f6ppeln. Kl\u00f6p-peln. Dieses Wort hat mir immer schon gefallen. Es spiegelt sehr treffsicher diese heiter-gesellige Art des Handarbeitens wider, f\u00fcr die es steht. Mein geistiges Archiv habe ich nach meinem Besuch bei den Mettinger Kl\u00f6ppelfrauen \u00fcbrigens ein wenig umstrukturiert: Das \u201eKl\u00f6ppeln\u201c hat mit \u201eDrehen\u201c und \u201eKreuzen\u201c zwei friedliche neue Nachbarn bekommen. \u201eWei\u00df&#8220; habe ich durch \u201ebunt&#8220; ersetzt. Und \u201ekompliziert\u201c wird ab sofort wieder kleingeschrieben.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 21.09.2016)<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch bringe eine Kl\u00f6ppelrolle mit, dann k\u00f6nnen sie gleich loslegen\u201c, sagt die Stimme am Telefon. 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