{"id":114,"date":"2014-08-14T09:44:39","date_gmt":"2014-08-14T07:44:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=114"},"modified":"2015-04-02T15:56:07","modified_gmt":"2015-04-02T13:56:07","slug":"wo-labrador-und-shetty-sich-guten-appetit-sagen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=114","title":{"rendered":"Wo Labrador und Shetty sich &#8218;Guten Appetit&#8216; sagen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_116\" aria-describedby=\"caption-attachment-116\" style=\"width: 714px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpBirnenbaum-1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-116\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpBirnenbaum-1-952x1024.jpg\" alt=\"Tausende von \u201eLeckerlis\u201c f\u00fcr Generationen von Vier- und von Zweibeinern hat der alte Birnenbaum im Laufe seines beinahe hundertj\u00e4hrigen Lebens wohl schon geliefert. Foto: Ernesto Wiebrock\" width=\"714\" height=\"768\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpBirnenbaum-1-952x1024.jpg 952w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpBirnenbaum-1-279x300.jpg 279w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpBirnenbaum-1.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-116\" class=\"wp-caption-text\">Tausende von \u201eLeckerlis\u201c f\u00fcr Generationen von Vier- und von Zweibeinern hat der alte Birnenbaum im Laufe seines beinahe hundertj\u00e4hrigen Lebens wohl schon geliefert. Foto: Ernesto Wiebrock<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das sattgr\u00fcne Laub raschelt im lauen Sommerwind. Boing! So ein alter Birnenbaum verwandelt ein schlichtes Fleckchen Rasen doch recht \u00fcberzeugend in einen z\u00fcnftigen Lieblingsplatz. Zumal, wenn das h\u00f6lzerne Gew\u00e4chs reichlich Fr\u00fcchte tr\u00e4gt. Von denen dann \u2013 boing! \u2013 die eine oder andere Birne unversehens der Schwerkraft folgend \u2013 herunter plumpst. Der freigiebige Baum, der wohl irgendwann Anfang der 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von dem l\u00e4ngst verstorbenen Bauern August Otte auf seinem Grundst\u00fcck in der Bauerschaft Westerbeck gepflanzt worden ist, d\u00fcrfte im Laufe der Jahrzehnte schon viele Verehrer gehabt haben: Derzeit ist es allerdings ein eher ungew\u00f6hnliches Gespann, das sich regelm\u00e4\u00dfig in seinem Schatten trifft. Ein eiliges P\u00e4rchen. Gierig geradezu. Aber weder Black Jack, das pummelige Shetlandpony, noch Sally, die naschhafte Labradorh\u00fcndin, k\u00f6nnen dem s\u00fc\u00dfen Frischobst widerstehen. Allerdings: Sie versuchen es auch erst gar nicht.<\/p>\n<p><em>Obst f\u00fcr die Schule &#8211; frisch aus dem eigenen Garten<\/em><\/p>\n<p>Als August Otte vor beinahe hundert Jahren das zarte Pfl\u00e4nzchen in die Erde setzte, hatte er gute Gr\u00fcnde: Seine Eltern besa\u00dfen nur eine kleine Landwirtschaft \u2013 und f\u00fcr Obstb\u00e4ume reichte das Geld damals einfach nicht. \u201eMein Schwiegervater hat uns oft davon erz\u00e4hlt, wie er als junger Sch\u00fcler die anderen Kinder um ihr frisches Obst beneidet hat, das sie in den Unterrichtspausen gegessen haben\u201c, erinnert sich dessen Schwiegertochter, die 93-j\u00e4hrige Emmi Otte. Der junge Bauer nahm sich vor, dass seine Kinder es einmal besser haben sollten \u2013 und legte, als er den Hof \u00fcbernahm, eine gro\u00dfz\u00fcgige und gut best\u00fcckte Obstwiese an: Apfel-, Pflaumen-, Kirsch- und nat\u00fcrlich: Birnenb\u00e4ume. Einen davon pflanzte er genau neben seine Werkstatt. Und man darf vermuten, dass manch sommerliches \u2013 Boing! \u2013 ihm eine willkommene Unterbrechung seiner handwerklichen T\u00fcfteleien beschert hat \u2013 und seinen Kindern Fritz, Klara und Gerda prall gef\u00fcllte Proviantdosen f\u00fcr die Schulpausen.<\/p>\n<p><em>Auf Milchreis, im Eintopf &#8211; oder direkt aus dem Weckglas genascht<\/em><\/p>\n<p>Als die aus K\u00f6lkebeck bei Halle stammende Emmi Otte im Mai 1947 auf dem Hof \u201eeinheiratete\u201c, stand der Birnenbaum vor der Werkstatt gerade in voller Bl\u00fcte. Und \u2013 wie der Vater so der Sohn, lie\u00df sich auch ihr Ehemann Fritz die hauseigenen Vitaminportionen gern und reichlich schmecken. Was nicht als frisches Obst direkt vom Baum in den Magen der Familienmitglieder oder als Schmorbirne in den Gem\u00fcseeintopf wanderte, wurde f\u00fcr den Winter eingekocht. \u201eMit viel Zucker, einem Schuss Essig und einer Zimtstange\u201c, berichtet die Seniorin. Am liebsten, erz\u00e4hlt sie, habe ihr verstorbener Mann die eingekochten Birnen auf Milchreis oder Vanillepudding gegessen. \u201eOder zwischendurch einfach aus dem Weckglas genascht\u201c, schmunzelt sie.<\/p>\n<p><em>Der Wunsch des &#8218;Alten Otte&#8216; hat sich erf\u00fcllt<\/em><\/p>\n<p>Wie viele Tausend Fr\u00fcchte der alte Birnenbaum im Laufe seines Lebens hervorgebracht hat, ist schwer zu sagen. Was dagegen sicher ist: Der Wunsch des \u201aAlten Otte\u2018 hat sich zur G\u00e4nze erf\u00fcllt. Nicht nur seine drei Kinder knabberten in ihren Schulpausen an den frischen Birnen aus dem eigenem Anbau herum \u2013 selbst noch die Enkel- und die Urenkeltochter wussten die s\u00fc\u00dfen Fr\u00fcchte als kleine St\u00e4rkung zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Und auch Black Jack und Sally sind mitnichten die einzigen, die in diesem Sommer nicht schnell genug am Birnenbaum bei der alten Werkstatt sein k\u00f6nnen. August Ottes Ururenkelin Emma ist ebenfalls eine bekennende Obstliebhaberin. Die Elfj\u00e4hrige hat gegen\u00fcber ihren beiden Vierbeinern allerdings einen entscheidenden Vorteil: Sie kann \u2013 anders als die bedauernswerten Gesch\u00f6pfe ohne opponierenden Daumen \u2013 die Pforte auf der anderen Seite des Grundst\u00fccks \u00f6ffnen. Dahinter liegt die verwilderte Obstwiese ihres Urahns \u2013 und viele der knorrigen Apfel-, Birnen- und Pflaumenb\u00e4ume, die dort im hohen Gras stehen, tragen auch nach beinahe hundert Jahren noch immer erstaunlich gut.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 13.08.2014; Westf\u00e4lische Nachrichten, 13.08.2014)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das sattgr\u00fcne Laub raschelt im lauen Sommerwind. Boing! So ein alter Birnenbaum verwandelt ein schlichtes Fleckchen Rasen doch recht \u00fcberzeugend in einen z\u00fcnftigen Lieblingsplatz. 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