{"id":108,"date":"2014-06-05T21:29:27","date_gmt":"2014-06-05T19:29:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=108"},"modified":"2017-06-24T17:43:12","modified_gmt":"2017-06-24T15:43:12","slug":"warum-das-leben-manchmal-wie-eine-zwiebel-ist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=108","title":{"rendered":"Warum das Leben manchmal wie eine Zwiebel ist"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_110\" aria-describedby=\"caption-attachment-110\" style=\"width: 714px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpLieblingsplatzFranke.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-110\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpLieblingsplatzFranke-1024x766.jpg\" alt=\"Ein Teil des Ganzen sein: Die Wersenerin Christiane Franke f\u00fchlt sich mittendrin in der Natur am wohlsten. Foto: Ulrike Havermeyer\" width=\"714\" height=\"534\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpLieblingsplatzFranke.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/wpLieblingsplatzFranke-300x224.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-110\" class=\"wp-caption-text\">Ein Teil des Ganzen sein: Die Wersenerin Christiane Franke f\u00fchlt sich mittendrin in der Natur am wohlsten. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine Zwiebel? Nein, der Lieblingsplatz von Christiane Franke ist nat\u00fcrlich keine K\u00fcchenzwiebel \u2013 aber irgendwie besitzt er unbestritten das Wesen jenes in Schalen strukturierten pflanzlichen Speicherorgans: den zwiebeligen Zusammenhalt. Das in sich verzwiebelte Miteinander. Wer sich, wie die 46-j\u00e4hrige Wersenerin, mittendrin in der Natur am wohlsten f\u00fchlt, der wei\u00df, dass es \u2013 von der eigenen Position aus betrachtet \u2013 immer auch noch ein Daneben und Dahinter, ein Dar\u00fcber und Darunter, kurzum: ein Drumherum gibt. Und unmittelbar in dieses Drumherum ist der eigene Lieblingsplatz nun einmal auf Gedeih und Verderb eingebettet. So einfach ist das \u2013 \u00f6kologisch betrachtet.<\/p>\n<p><em>Mehr als ein Stuhl im Garten<\/em><\/p>\n<p>Wenn die diplomierte Biologin also daheim vor ihrem liebevoll restaurierten Heuerhaus aus uralten Bruchsteinmauern sitzt und das Leben genie\u00dft \u2013 dann ist ihr Lieblingplatz was? Dieser Stuhl, der in ihrem Garten steht. Der umfangen ist vom \u00fcppigen Baumbestand des Wersener Holzes. Das sich inmitten einer landwirtschaftlich gepr\u00e4gten Kulisse am Rande des Tecklenburger Landes in der norddeutschen Tiefebene befindet. Die in der gem\u00e4\u00dfigten Klimazone Nordwesteuropas gelegen ist \u2026 und kaum hat man sich\u2018s versehen, ist die Frankesche Zwiebel auf Biosph\u00e4rengr\u00f6\u00dfe angeschwollen.<\/p>\n<p><em>\u201eAls Biologin bin ich es gewohnt, in Kreisl\u00e4ufen zu denken\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u201eAls Biologin bin ich es gewohnt, in Kreisl\u00e4ufen zu denken\u201c, sagt Christiane Franke, schenkt Kr\u00e4utertee nach und betrachtet das Grundst\u00fcck, auf dem sie und ihr Mann Stefan seit 1996 zuhause sind. Was sie am Leben in der Natur sch\u00e4tzt? \u201eWir beobachten hier einen unglaublichen Reichtum an Vogel- und Insektenarten\u201c, berichtet die Mutter von Mattis (8 Jahre) und Finja (5): \u201eIn der unmittelbaren Umgebung leben zum Beispiel der Bunt-, der Klein-, der Gr\u00fcn-, der Schwarz- und der Mittelspecht.\u201c Sie l\u00e4chelt zufrieden, atmet tief durch und l\u00e4sst ihren Blick durch die Kronen der alten Eichen schweifen. F\u00fcr die Natur und das Zusammenspiel ihrer Systeme habe sie sich schon als Kind interessiert, erinnert sich die Apothekertochter aus Braunschweig. Nach der Schule lautete die entscheidende Laufbahn-Frage daher: ein Studium der Landwirtschaft oder der Biologie? Christiane Franke entschied sich f\u00fcr Letzteres, was sie an die Universit\u00e4t nach Osnabr\u00fcck verschlug \u2013 ein h\u00fcbsches Zwiebelh\u00e4utchen im Leben der Studentin, aber noch lange nicht das Zentrum der pers\u00f6nlichen Geborgenheit.<\/p>\n<p><em>Die Zukunft ungewiss \u2013 und dann ein eigenes Haus?<\/em><\/p>\n<p>Das sollten sie und ihr Mann per Zufall entdecken. \u201eStefan hatte beruflich in Wersen zu tun \u2013 und da stand dieses wundersch\u00f6ne und v\u00f6llig verfallene H\u00e4uschen mitten im Wald zum Verkauf\u201c, beschreibt sie und sch\u00fcttelt noch immer etwas ungl\u00e4ubig den Kopf. Der Zeitpunkt sei alles andere als passend gewesen: das Studium noch nicht beendet. Die Zukunft ungewiss \u2013 und dann ein eigenes Haus? \u201eDas ist unsere Rosinkawiese\u201c, habe ihr Mann gescherzt. Das Verwunschene, das Urige und die Abgeschiedenheit dieses Ortes lie\u00df die beiden nicht mehr los \u2013 und schon bald war das renovierungsbed\u00fcrftige Idyll zu ihrem Lieblingsplatz geworden. Zum Herzen ihrer Zwiebel.<\/p>\n<p><em>Wildblumen, Familienponys &#8211; und gefr\u00e4\u00dfige Milchziegen<\/em><\/p>\n<p>Auf der Wiese gleich neben dem Haus weiden die drei Familienponys. Die Vierbeiner werden, genau wie die kleine Herde Milchziegen, von ihren Besitzern gern mal als Rasenm\u00e4her eingesetzt. \u201eWieder ein Kreislauf\u201c, sagt die Biologin und schmunzelt. Der Garten selbst sieht denn auch entsprechend rustikal \u2013 oder besser: naturnah aus. Statt Zierbl\u00fcmchen, die adrett in ihren Beeten stehen, durchziehen Wildblumen in leuchtenden Farben das derbe Gras. \u201eJeder muss seine Priorit\u00e4ten setzen d\u00fcrfen\u201c, sagt Franke.<\/p>\n<p><em>&#8222;Aufpassen, dass die Strukturen nicht zusammenbrechen&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Der Illusion, dass ihre kleine heile Welt isoliert vom Rest fr\u00f6hlich vor sich hin existiert, k\u00f6nnte man zwar durchaus erliegen. Aber da besteht bei Christiane Franke, der Biologin aus Leidenschaft, wohl keine Gefahr: \u201eWir Menschen m\u00fcssen aufpassen, dass die nat\u00fcrlichen Strukturen, von denen wir abh\u00e4ngig sind, nicht zusammenbrechen\u201c, warnt sie und verweist auf die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft und deren Auswirkungen auf die Gestaltung und den Zustand der Landschaft. \u201eAls Verbraucher haben wir einen starken Einfluss \u2013 daher muss jeder sich fragen, was ihm wichtig ist \u2013 und welche Konsequenzen das eigene Verhalten hat.\u201c Christiane Franke sitzt auf ihrem Stuhl im sommerfrischen Garten im duftig gr\u00fcnen Wersener Holz im sch\u00f6nen Tecklenburger Land in der fruchtbaren norddeutschen Tiefebene \u2013 und blickt f\u00fcr einen Moment ziemlich nachdenklich: Zwiebeln sind robust. Aber unverletzlich sind sie nicht.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 04.06.2014; Westf\u00e4lische Nachrichten, 04.06.2014)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Zwiebel? Nein, der Lieblingsplatz von Christiane Franke ist nat\u00fcrlich keine K\u00fcchenzwiebel \u2013 aber irgendwie besitzt er unbestritten das Wesen jenes in Schalen strukturierten pflanzlichen Speicherorgans: den zwiebeligen Zusammenhalt. Das in sich verzwiebelte Miteinander. 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