{"id":1077,"date":"2016-08-21T22:35:42","date_gmt":"2016-08-21T20:35:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1077"},"modified":"2016-08-21T22:35:42","modified_gmt":"2016-08-21T20:35:42","slug":"der-reiz-des-rueckschritts","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.havermeyer.de\/?p=1077","title":{"rendered":"Der Reiz des R\u00fcckschritts"},"content":{"rendered":"<div class=\"StoryShowBox clear\">\n<div>\n<figure id=\"attachment_1078\" aria-describedby=\"caption-attachment-1078\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Steinofen2b.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1078\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1078\" src=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Steinofen2b.jpg\" alt=\"Da l\u00e4uft einem das Wasser im Munde zusammen... Wenn Friedhelm Frehmeyer (rechts) und Scott-Braiyn Bielsky die Ergebnisse ihrer traditionsreichen Handarbeit aus dem Steinofen pr\u00e4sentieren, wird einem klar, dass technischer R\u00fcckschritt nicht nur Nachteile aufweist. Foto: Ulrike Havermeyer\" width=\"1500\" height=\"978\" srcset=\"http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Steinofen2b.jpg 1500w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Steinofen2b-300x196.jpg 300w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Steinofen2b-768x501.jpg 768w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Steinofen2b-1024x668.jpg 1024w, http:\/\/www.havermeyer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Steinofen2b-1200x782.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1078\" class=\"wp-caption-text\">Da l\u00e4uft einem das Wasser im Munde zusammen&#8230; Wenn Friedhelm Frehmeyer (rechts) und Scott-Braiyn Bielsky die Ergebnisse ihrer traditionsreichen Handarbeit aus dem Steinofen pr\u00e4sentieren, wird einem klar, dass technischer R\u00fcckschritt nicht nur Nachteile aufweist. Foto: Ulrike Havermeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Zur\u00fcck zu den Wurzeln oder besser gesagt, zur\u00fcck zu den Weizenkeimen, begebe ich mich nach D\u00fcte auf den ehemaligen Bauernhof von Friedhelm Frehmeyer. In seinem selbst gemauerten Steinofen backt der Landwirtssohn regelm\u00e4\u00dfig Brot \u2013 wie in alten Zeiten. <\/strong><\/p>\n<p>Viele Wege f\u00fchren zu einer krossen Kruste: W\u00e4hrend meine Oma ihren Bauernstuten noch in einer langbeinigen, kohlebeheizten \u201eKochmaschine\u201c zubereitet hat und meine Mutter unbeirrbar auf die Ober- und Unterhitze ihres Elektroherdes schw\u00f6rt, lasse ich meine Teigballen von einer wohltemperierten Umluft in knusperige Br\u00f6tchen verwandeln. Statt auf technischen Fortschritt setzt Friedhelm Frehmeyer dagegen auf altbackene Tradition: Mit seinem selbst gemauerten Steinofen nutzt er eine Ger\u00e4tschaft, die auf dem mittelalterlichen Brustfeuerungsofen beruht, der sich wiederum am r\u00f6mischen Kuppelofen orientiert. Das Prinzip: In der Backkammer des Ofens wird ein Feuer entfacht, das deren komplette steinerne Einfassung erhitzt. Nach etwa drei Stunden Vorheizzeit werden Glut und Asche entfernt und der Teig in den Ofen geschoben.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"StoryShowBox clear\">\n<p><em>In der Zwergenburg<\/em><\/p>\n<p>\u201eFassen Sie mal ganz vorsichtig hinein\u201c, fordert mich Friedhelm Frehmeyer auf, nachdem er bereits vor rund einer Stunde die Glut aus dem Ofen gekehrt und den Backkasten mit einem nassen Lappen gereinigt hat. Der gelernte Handwerker, der die Maurerkelle gegen einen langstieligen Brotschie\u00dfer getauscht hat, schwenkt die Ofenklappe zur Seite und er\u00f6ffnet mir den Blick in ein flaches Gew\u00f6lbe aus roten Schamottsteinen, das mich an das Kellerverlies einer mittelalterlichen Zwergenburg erinnert. Eine Welle aus trockener Hitze str\u00f6mt mir ins Gesicht: gl\u00fchend, aber nicht unangenehm. Als st\u00fcnde ich in der Eingangst\u00fcr zu einer finnischen Sauna. Irre ich mich, oder liegt da nicht sogar der Hauch eines w\u00fcrzigen Aufgusses in der Luft, Marke Buchenholzduft? Ich schiebe meine Finger langsam in Richtung der gut zwei Meter durchmessenden Backkammer \u2013 und ziehe sie in Windeseile wieder zur\u00fcck. Die neugierige Besucherin hat ihre Lektion gelernt: Die vermeintliche Zwergen-Wellness-Oase ist tats\u00e4chlich eine f\u00fcr menschliche H\u00e4nde unbedingt zu meidende Folterkammer. Friedhelm Frehmeyer nickt ernst: \u201eNach dem Anheizen strahlen die Steine Temperaturen zwischen 245 und 280 Grad ab\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p><em>Historische Landtechnik<\/em><\/p>\n<p>Der 66-j\u00e4hrige Westerkappelner hat ein solides Faible f\u00fcr historische Landtechnik und sich zur Aufgabe gemacht, die regionalen Gewohnheiten vergangener Tage zu bewahren und am Leben zu halten. Regelm\u00e4\u00dfig veranstaltet der Begr\u00fcnder des \u00fcber die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannten Traktorenmuseums historische Erntevorf\u00fchrungen, Ausstellungen und Aktionstage. Kein Wunder also, dass er sich f\u00fcr den Bau eines geschichtstr\u00e4chtigen Steinofens entschied, als er vor 35 Jahren nach einer L\u00f6sung suchte, wie man das 1636 errichtete Backhaus auf dem Gel\u00e4nde seines Hofes beheizen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><em>Zwei Elfrieden, eine Idee<\/em><\/p>\n<p>Doch schon bald entdeckten Frehmeyers Mutter Elfriede und deren Nachbarin, ebenfalls mit Namen Elfriede, das gastronomische Potenzial, das die in ihren M\u00f6glichkeiten untersch\u00e4tzte W\u00e4rmequelle offenbarte. \u201eDarin k\u00f6nnen wir Brot backen wie in alten Zeiten\u201c, freuten sich die beiden \u2013 und legten los: Rosinenstuten. Wei\u00dfbrot. Pumpernickel. Die Ergebnisse waren so k\u00f6stlich, dass Friedhelm Frehmeyer deren Zubereitung erlernte, und sie seitdem im Frehmeyer\u2019schen Bauerncaf\u00e9 anbietet und vermarktet.<\/p>\n<p><em>Ein eingespieltes Team<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend sein Kollege Scott-Braiyn Bielsky, B\u00e4ckermeister aus Riesenbeck, die Masse des am Morgen vorbereiteten K\u00f6rnerteigs in Portionen zerteilt und in die Backformen f\u00fcllt, h\u00e4lt Friedhelm Frehmeyer, der Traditionalist aus Leidenschaft, den Brotschie\u00dfer bereit und bef\u00f6rdert die Laibe mit schwungvollen Bewegungen in den h\u00f6llenhei\u00dfen Keller der vermeintlichen Zwergenburg. \u201eUngef\u00e4hr eine Stunde dauert es, bis die Krume gleichm\u00e4\u00dfig durchgebacken ist\u201c, erkl\u00e4rt B\u00e4ckermeister Bielsky. Gerade Zeit genug f\u00fcr die beiden M\u00e4nner, den n\u00e4chsten Posten vorzubereiten: Nach den Vollkorn-, den Dinkel- und den Fr\u00fcchtebroten sind die Bauernstuten, die Wei\u00dfbrote und nat\u00fcrlich der beliebte Pflaumenkuchen dran. \u201eAus einem Teil des Backgutes machen wir die gemischten Platten, die wir in unserem Bauerncaf\u00e9 anbieten\u201c, berichtet Frehmeyer, \u201eaber wir haben auch viele Stammkunden, die sich hier an jedem Wochenende ihre Brote abholen.\u201c<\/p>\n<p><em>Traditionalist aus Leidenschaft<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Feuerholz besorgen. Anheizen. Die Glut entfernen. Die Backkammer reinigen. Rund 70 Brotformen, die jeweils in eine Etage des zweist\u00f6ckigen Bauwerks passen, meterweit in den Ofen \u201eschie\u00dfen\u201c. Und sich ganz nebenbei um die Herstellung der verschiedenen Teigsorten k\u00fcmmern. Warum tun Frehmeyer und Bielsky sich das an? Von Anfang April bis Ende Oktober hat das Bauerncaf\u00e9 an jedem Wochenende ge\u00f6ffnet. Und an jedem Wochenende wird hier frisches Steinofenbrot serviert. Frehmeyer l\u00e4chelt. Statt einer Antwort \u00fcberreicht er mir ein golden patiniertes Wallnussbrot. \u201eProbieren sie das mal\u201c, sagt er. Und nur einen Happen sp\u00e4ter sind s\u00e4mtliche meiner Fragen gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p><em>(Erschienen in: Neue Osnabr\u00fccker Zeitung, 17.08.2016)<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur\u00fcck zu den Wurzeln oder besser gesagt, zur\u00fcck zu den Weizenkeimen, begebe ich mich nach D\u00fcte auf den ehemaligen Bauernhof von Friedhelm Frehmeyer. In seinem selbst gemauerten Steinofen backt der Landwirtssohn regelm\u00e4\u00dfig Brot \u2013 wie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1078,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"image","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[4,80],"tags":[111,381,382],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1077"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1077"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1077\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1082,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1077\/revisions\/1082"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1078"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1077"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1077"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.havermeyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1077"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}